Am Sonntag, 27. Juni war es soweit: Wir erhielten unsere zweite Covid-Impfung im Centro de Salud Valterra, Arrecife. Endlich konnten wir weitersegeln. Wurde auch allerhöchste Zeit, denn in weniger als einer Woche landete lange geplanter Besuch – in Teneriffa. Da zudem der Passat im Verlauf der Woche sehr kräftig werden sollte, hatten wir DANJA bereits am Tag zuvor zum Ablegen vorbereitet und stachen eine gute Stunde nach dem Impftermin mit Ziel Marina San Miguel auf Teneriffa, in See. Nach gemütlichem Start an Lanzarotes Südostküste machten wir dann am Südzipfel der Insel, im Kanal zwischen Lanzarote und Fuerteventura, erstmals Bekanntschaft mit einer Wind Acceleration Zone (WAZ). Von 3 auf 7 Bft auf 200 Metern. Wir waren gut vorbereitet und rauschten stark gerefft mit Topspeed zunächst die Küste entlang, bis wir dann einige Meilen westlich von Punta Pechiguera wieder aus der Zone hinaus- und alsbald in die Nacht hinein segelten.
[slideshow_deploy id=’3136′]
Wir kamen gut voran und lagen Montag Vormittag bereits nördlich von Gran Canaria. Am frühen Nachmittag frischte der Wind im Bereich der Caution Zone des Verkehrstrennungsgebiets zwischen Gran Canaria und Teneriffa wieder deutlich auf. Wir hatten die WAZ zwischen den Inseln erreicht. Es wurde ein wilder Ritt entlang der Ostküste Teneriffas, bei bis zu 35 kts Wind und 2 Metern Welle von achtern. Westlich des Montana Roja, die Marina bereits in Sicht, flaute der Wind deutlich ab und ein Marinero lotste uns schließlich gegen 20.00 Uhr auf unseren reservierten Liegplatz. Für die 180 sm hatten wir gute 32 Stunden gebraucht, unser größtes Etmal war 136 sm. Nicht schlecht. Etwas gemütlicher wäre aber auch ok gewesen.
Seit drei Wochen weilen wir nun schon auf Lanzarote. Die Marina Lanzarote in Arrecife ist weiterhin unser Zuhause auf Zeit. Ungeplant, denn eigentlich wollten wir mittlerweile bereits auf Fuerteventura sein. Nun warten wir statt dessen geduldig auf unsere zweiten Covid – Impfung und haben entsprechend viel Zeit Insel und Leute näher kennen zu lernen. Seit einem Mietwagen-Tag in der ersten Woche sind wir dafür zumeist zu Fuß oder mit dem Bus unterwegs. Und wie schon zuvor erlebt, entdeckt man seine persönlichen Lieblingsplätze selten auf den ersten Blick, sondern erst bei wiederholten Besuchen, sei es die chillige Strandbar, der Markt im Inselinneren oder einfach nur der schönste Blick aufs Meer.
Haria
Lanzarote zeichet sich vor allem durch seine Nuancen von Braun aus. Sand, Stein und Staub in hellbraun, dunkelbraun, rotbraun, schwarzbraun und so weiter, und so fort. Der stete Wind wirbelt den Staub auf, mischt ihn zu einem Farbton, der an Milchkaffe erinnert und lagert ihn überall an Bord ab. Nach wenigen Tagen haftet der Staub dann vom Masttop über die Fallen, Wanten, Reling und Deck bis zur Ausrüstung und bildet dort eine stetig wachsende Schicht, die, will man den Dreck nicht ins Schiff tragen, alle paar Tage abgespült werden muss. Die Seite an Lanzarote mögen wir nicht. Besonders dann nicht, wenn der Stegnachbar bei strammer Brise mit seinem Schlauch in den Mast steigt um den Dreck vom stehenden Gut abzuspülen. Die Hälfte landet unweigerlich auf den daneben liegenden Booten. Danke für nichts!
Lanzarote-Leckereien auf dem Markt in Haria
Unsere persönlichen Lanzarote Highlights waren bisher ein Sonnenuntergangs-Picknick beim Mirador del Rio mit genialem Ausblick auf La Graciosa, das zweite Frühstück beim Mercado Municipal de Abastos de Haria, die Weinprobe beim Familien-Weingut Bodeguita Vega Volcán und das Schwimmen bei Playa del Carmen. Den Nationalpark Timanfaya sollte man auch nicht verpassen. Die Einblicke in die jüngere, vulkanische Vergangenheit sind das Eintrittsgeld auf jeden Fall wert. Uns bleibt noch gut eine Woche bis zur zweiten Covid-Impfung und den einen oder anderen Ausflug haben wir schon geplant. Wir werden hier davon berichten.
Vacuna ist spanisch und heißt auf Deutsch Impfung. Da, wo wir es am wenigsten erwartet hatten, bekamen wir am Sonntag unseren ersten Pieks mit dem Impfstoff von Biontec-Pfizer, zusammen mit dem zweiten Termin, wie vom Hersteller empfohlen, drei Wochen später. Total unkompliziert. Wir fallen in die Altersgruppe der zur Impfung aufgerufen Bevölkerung, die Covid-Hotline verwies uns an das nächste Centro de Salud und mit Spanisch, Englisch, Deutsch und einiger Zeichensprache übertrugen uns die freundlichen Damen der Registratur in das EDV System und schon hatten wir den lang ersehnten Termin. Muchas gracias, Arrecife! Es geht voran!
Über La Graciosa ist wenig zu berichten. Die achte und nördlichste Kanareninsel liegt innerhalb des Meeresschutzgebiets des Chinijo-Archipels, größtes Meeresschutzgebiet Europas, und ist mit ihren 29 km² noch einmal deutlich kleiner als Porto Santo. Caleta del Sebo ist der Haupt- und Hafenort der Insel, auf der rund 700 Einwohner leben. Aufgrund des Schutzstatus können wir Yachties legal nur den Hafen Caleta del Sebos oder die Bucht vor Playa Francesa anlaufen, letzteres nur nach Anmeldung bei der zuständigen Behörde der Kanaren. Unsere Anmeldung schickten wir schon von Porto Santo aus an die zuständige Stelle, eine Antwort erhielten wir nie.
Ankerplatz vor Playa Francesa, La Graciosa
Als einzige Ankerlieger wurden wir während unseres Aufenthalts nicht weiter behelligt, auch wenn mehrmals täglich ein offizielles Behördenfahrzeug von Land aus nach dem rechten sah. Es dauerte 7 Tage, bis wir erstmals unseren Fuß an Land setzten. So lange waren wir eingeweht. Rund 7 Bft aus NNO, volle sieben Tag lang. Das Aufblasen und zu Wasser lassen unseres Dinghis erschien uns zu unsicher, also vertrieben wir uns die Zeit mit kochen, lesen, baden und bestaunten die Kulisse La Graciosas und Lanzarotes. Der Ankerplatz ist für nördliche Winde absolut sicher. Außer der Windsee von Land her, war von den 3-4 Meter Wellen auf offener See nichts zu merken, nur die starke Strömung ums Boot herum bot einen Hinweis darauf, wie es weiter draußen zugehen musste.
Caleta del Sebo
Mit Nachlassen des Windes landeten wir dann endlich mit unserem Beiboot an der Playa Francesa, um etwas mehr von La Graciosa zu entdecken. War ganz ok, den Hype um die Insel können wir allerdings nicht ganz nachvollziehen. Caleta del Sebo ist ein staubiges Nest ohne jegliche Straßenbefestigung, dafür aber mit jeder Menge Autos. Das Fehlen von Gärten oder überhaupt etwas Grünem wirkte auf uns wenig einladend, im einzig offenen Supermarkt war das Angebot nicht besonders üppig. Eine längere Wanderung über die Insel haben wir dennoch genossen, das Wüsten – Panorama und die Aussichten auf Meer, Küste und Nachbarinsel Lanzarote sind grandios.
Blick vom Montaña Amarilla nach NO
Einen Tag vor Ablauf unserer Anmeldung im Schutzgebiet gingen wir Anker auf und nutzten die angenehme Brise für einen Schlag nach Arrecife auf Lanzarote. Darüber dann mehr im nächsten Beitrag.
Bilder unserer Ausflüge auf La Graciosa findes du im Fotoalbum.
Nach unserem kurzen Ausflug aufs Trockene waren wir technisch bereit, Porto Santo zu verlassen. Doch zunächst war Geduld gefragt, warteten wir doch noch auf zwei Pakete aus Deutschland. Die können auf dem Seeweg schon mal etwas länger brauchen, wie wir bereits in Funchal festgestellt hatten. Wir verlegten für einige Tage auf den Ankerplatz westlich des Hafens, der einen wunderschönen Ausblick auf Porto Santos Strand und Silhouette bietet.
Bei östlicher Komponente im Wind bog dann allerdings zunehmend Schwell um Porto Santos Südwestecke und trieb uns wieder zurück ins Ankerfeld innerhalb des Hafens.
Hier herrschte mittlerweile Aufbruchsstimmung. Neue Freunde und alte Bekannte zog es zu den Azoren, wir wollten weiter gen Süden, zu den Kanaren, auch weil sich mit dem stabilisierenden NNO-Wind der größte Makel Porto Santos besonders bemerkbar machte: Das Inselkraftwerk, in dem mit Schweröl betriebene Schiffsdiesel den Strom für Porto Santo generieren, verteilt seine Abgase über dem gesamten Hafen. Da bleibt einem das eine oder andere Mal buchstäblich die Luft weg.
Am 17. Mai sollte der sehr kräftige NNO-Wind für einige Tage etwas schwächer wehen, für uns ein geeignetes Wetterfenster für die 270-Meilen-Überfahrt nach La Graciosa, der kleinen Nachbarinsel im Norden Lanzarotes.
[slideshow_deploy id=’3094′]
Es wurde eine sportliche Überfahrt. Der Wind wehte wie so oft stärker als vorhergesagt, die See war entsprechend rau. Immerhin passte die vorhergesagte Richtung. Ein, zwei Mal verkleinerten wir unsere Segel, dann hieß es bei stabilem Raumschotskurs nur noch aus- und durchhalten. Wir erreichten nach 48 Stunden La Graziosa, seit 2018 die achte Insel der Kanaren und gingen vor Playa Francesa vor Anker. Wir sind die einzigen Ankerlieger, was wohl auch an der Wettervorhersage liegen mag: Durchgehend 6 – 7 Bft für eine Woche. Da bleiben wir wohl zuhause. Ausblick, Temperaturen und Luftqualität sind jedenfalls topp.
Für die Statistik: Porto Santo – Playa Francesa (La Graciosa) 279 sm. Ø 5,7 kt. Größtes Etmal 142 sm. 5326 sm in der Segelzeit, 11937 sm gesamt.
Am 1. September erlaubte das Wetter unsere Weiterreise in Richtung Portugal. Günstigen Strom für die Fahrt nach Westen setzt, so die einschlägige Literatur, 3 Stunden nach Hochwasser Gibraltar ein. Das war an dem Tag erst um 18.00 Uhr, es stand also einmal mehr eine Nachtfahrt an. Passte auch aus anderem Grund ganz gut, denn die großräumigen Schießgebiete südlich von Cadiz waren tagsüber aktiv.
Die für uns beste Strömung fanden wir dann dort, wo wir sie am wenigsten erwartet hatten: Vor Cap Trafalgar setzte der Tidenstrom mit 2-3 Knoten nordwärts und schob uns, wenn auch abnehmend fast bis nach Cadiz.
Für die kommenden Tage sollte der Levante wieder für kräftigen SO-Wind sorgen, weshalb wir im Osten der Bucht von Cadiz den Ankerplatz in der Ensenada del Aculadero anliefen. Liegt zwischen der Marina Puerto Sherry und der Mündung des Rio Guadalete mit seiner langen Mole. Die Stadt an der Mündung des Rio Guadalete ist El Puerto de Santa Maria, kurz einfach El Puerto und markiert eine Ecke des andalusischen Städtedreiecks in dem der als Sherry bezeichnete Wein hergestellt wird (mehr Info dazu auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Sherry).
Der Sherry war zwar nicht der Grund für die Wahl des Ankerplatzes, dennoch Anlass genug, um in einer Sherry-Kellerei mehr über diesen Wein zu erfahren. Wir wählten die Bodega Gutiérrez-Colosia (http://www.gutierrezcolosia.com/), die täglich zu einem sehr anständigen Preis Führung und Weinprobe anbietet. Unser Guide machte einen erstklassigen Job. Zusammen mit der anschließenden Weinprobe wurden wir fast schon Sherry-Experten und wissen nun, wie Erde, Meer und Wein in ein Glas Fino kommen.
Gern hätten wir unsere Sherry-Kenntnisse in Sanlucar de Barrameda, der zweiten Stadt des erwähnten Dreiecks weiter vertieft, ein Nachmittag mit Horden von Jetski-Fahrern im Rio Guadalquivir, wohin wir am 6.9. verlegten, verbunden mit Schwärmen von Mücken ab Sonnenuntergang, verdarben uns dann aber komplett die Lust darauf. Das Gefühl genug Spanien genossen zu haben überwog und wir nutzten am 8.9. die Wetterlage für einen Schlag über den Golf von Cadiz zurück nach Portugal.
Zu guter Letzt noch etwas positives zur Mündung des Guadalquivir: Nach der negativen Erfahrung am Ankerplatz gegenüber des Ortes Bonanza verlegten wir am Montag, dem 7. September vor den Hafen von Chipiona. Dort kann man vor östlichen und südlichen Winden recht geschützt ankern und das Dinghy auch Motor leicht anlanden. In der Marina fanden wir ein hervorragendes Restaurant, wo wir unseren 30. Hochzeitstag gebührend feierten. Gutes Essen zu vernünftigen Preisen, und vom super-freundlichen Personal die Corona-Regeln vorbildlich umgesetzt.
Bei unserem nun zweiten Besuch in der Bucht von Gibraltar wollten wir unbedingt auch Gibraltar selbst einen Besuch abstatten. Die Wettervorhersage sprach von Starkwind, mal aus Ost, dann aus West, und ohne Kenntnis über die Bedingungen am Ankerplatz vor La Línea zogen wir es vor, in die Marina Alcaidesa zu verlegen. Ist günstig und nur 500m vom Grenzübergang nach Gibraltar entfernt. Auch tat es gut, unser Zuhause wieder einmal gründlich mit Süßwasser abzuwaschen. Die Marina Alcaidesa hat uns gut gefallen. Alles sehr sauber und sicher, Supermarkt (Mercadona) gut erreichbar und natürlich ein erstklassiger Ausblick auf den Felsen von Gibraltar.
La Línea de la Conceptión. Eine der schöneren Ecken…
In La Línea de Conceptión selbst sind die Spanier weitgehend unter sich. Touristen dürften sich wohl nur dann und wann auf dem Weg nach Gibraltar ins Zentrum verirren, welches auf uns keinen besonders hübschen Eindruck machte.
Gipfelüberschreitung und immer noch fit 😉
Am 29.08. war für uns Wandertag. Nach dem Frühstück ging es über die Grenze ins Britische Überseegebiet Gibraltar und dort zunächst zum Upper Rock Nature Reserve. Der Naturpark war seit 1. August wieder ohne Beschränkungen (Covid-19) offen. Die Option als reiner Wanderer für 3 GBP den Felsen zu erwandern ist übrigens ersatzlos gestrichen worden. So mussten wir also am gut bewachten Zugang 17 GBP pro Person abdrücken, konnten dafür aber alle Attraktionen betreten. Gigantisch sind die Ausblicke, die man von oben in alle Himmelsrichtungen bekommen kann. Allein dafür lohnt sich schon der Eintritt. Der Rest ist ganz ok und die Affen natürlich putzig…
Gibraltars Berberaffen. Immer wieder putzig…
So ein Tag macht hungrig! Grund genug im Anschluss in der City noch eine anständige Portion Fish & Chips zu verputzen. Den fanden wir im sehr britischen und ganztägig geöffneten „The Clipper“.
Noch ein kurzer Nachtrag zur Marina Alcaidesa: Bei technischen Problemen findet man bei der Marina für alles entsprechende Dienstleister, bis hin zur Werft mit 75-Tonnen-Kran. Wir bekamen endlich unser Dinghy repariert, an dem sich auf über 20 cm an einer komplizierten Stelle die Nähte gelöst hatten. Kurzfristig, flexibel und mit gutem Preis-Leistungsverhältnis (MH-Yachtpreserve).
Unser erster Schlag von den Balearen zurück nach Gibraltar und in den Atlantik führte uns nach Ibiza/Formentera. 159 Seemeilen, fast komplett unter Segel, mit raumem Wind und deswegen eher langsam unterwegs. Nach 36 Stunden erreichten wir am Freitag, 21. August, um 4 Uhr morgens die Bucht von Ses Salines auf Ibiza. Lag gut geschützt vor dem östlichen Wind und Schwell. Obwohl wir unseren Anker sauber in Sand eingegraben hatten, vertrieb uns am folgenden Vormittag eine Park-Mitarbeiterin vom Ankerplatz. Auch die Kette dürfe keinesfalls das heiligen Posidonia berühren können. Machte nichts, der Wind, jetzt aus Südwest, stand ohnehin in die Bucht und wir verlegten an Formenteras Ostküste, für eine Nacht an die Bahia Tramontana, dann nach dem Umrunden der Ostecke Punta des Far, an den Südstrand Formenteras. Wir waren froh, hier noch einmal Anker werfen zu können, denn Strand und das türkisfarbene Wasser waren wirklich sehenswert und für das Partyvolk zum Glück zu weit entfernt für einen Kurztrip.
Formenteras Südküste. Schönstes Türkis der Balearen…
Die Südküste war für uns auch idealer Startpunkt für den nächsten Schlag Richtung Gibraltar. Cabo de Palos und Cabo de Gata waren grob unsere geplanten Wegpunkte, mit dem Ziel bei Almeria eine Pause einzulegen. Am Sonntag, 24. August ging es los, am Mittag des dritten Tages lag Cabo de Gata querab und die Bucht von Almeria vor uns. Ein Wettercheck ließ befürchten, dass eine Pause bei Almeria länger dauern könnte. Eine Starkwindperiode zeichnete sich ab, mit wenig Möglichkeiten, die Alboransee sicher und in einem Stück durchqueren zu können. Auf eine weitere Woche Hitze wollten wir gern verzichten, ließen die Bucht von Almeria an Steuerbord liegen und bleiben auf Westkurs. Immer schön an der Küste entlang, in der Hoffnung dort eine gegenläufige Strömung zur zum Teil kräftig nach Ost setzenden Strömung in der Alboransee zu finden. Die Rechnung ging auf! Entlang des spanischen Festlandsockels setzte der Strom tatsächlich mit einem halben bis einem ganzen Knoten westwärts. Trotz des etwas längeren Wegs brauchten wir ungefähr die gleiche Zeit von Cabo de Gata nach Europe Point wie 5 Wochen zuvor auf unserem Weg zu den Balearen.
Eddies in der Alboransee schieben uns Richtung Gibraltar.
Nach 4 Tagen und 3 Nächten fiel am Mittwoch, 27. August um 19.30 Uhr unser Anker in der Ankerbucht bei La Linea. Den Atlantik konnten wir beim Umrunden des Europe Points von Gibraltar aus schon sehen.
La Línea de la Conceptión und Gibraltar wollen wir etwas genauer ansehen, das nächste Wetterfenster für die Straße von Gibraltar öffnete sich ohnehin erst in einigen Tagen.
Zu Beginn unserer Überfahrt von Mallorca nach Menorca am 15. August 2020 war es nur schwach windig. Motorsegeln. Passte ganz gut, mussten wir doch unseren Wasservorrat wieder auffüllen (Der Watermaker braucht den Strom der laufenden Maschine). Ab Mittag stellte sich dann eine angenehme Brise ein, die gemütliches Halbwind-Segeln erlaubte, bis wir schließlich vor Cabo Nati ins Lee Menorcas gerieten. Unter Motor ging es weiter zur Cala de Algayerens, deren zwei Strände Playa des Bot und Playa des Tancat besonders reizvoll sein sollen. Ließ sich mal wieder schwer beurteilen, denn unzählige ankernde Boote versperrten den Blick auf die Strände. Die Cala Fontanelles liegt im Westen der Bucht und war dagegen fast leer. Glück muss man haben.
Cala Fontanells, Menorca.
Wir blieben zwei Nächte, bevor es für uns am 16. August weiter nach Fornells ging. Mal wieder unter Motor. Kein Wind in Sicht.
Fornells, das idyllische Fischerdorf in der malerischen Bucht Bahia de Fornells – so ein Reiseführer. Aus unserer Sicht mal wieder eine Bucht voller Ankerlieger, das trübe Wasser erinnerte an die Boddengewässer und im Dorf die üblichen Urlauber-Maskenverweigerer. Nett.
Port de Fornells.
Zwei Nächte waren mehr als genug, am 18. August brachen wir mit dem ersten Tageslicht auf nach Mahón, der Hauptstadt von Menorca. In der Hauptsaison bleibt für Segler wie uns nur die Cala Teulera als Ankerplatz. Wer näher ran möchte, an die Stadt, muss eine der teuren Marinas oder Schwimmpontons wählen. Wir ankerten lieber und schauten uns am Nachmittag mit dem Dinghy Mahón an. Die Stadt ist voll auf den Tourismus ausgerichtet. Unzählige Bars, Cafés und Restaurants entlang der Hafenpromenade und in der Altstadt warten auf Kunden – die halt zurzeit nicht kommen. Wirkte auf uns alles etwas trostlos und verlassen. Außerhalb der für die Touris aufgehübschten Gassen sieht es aus, wie in jeder anderen spanischen Stadt auch. Zeit für einen Facelift, für den das Geld zu fehlen scheint.
Mahón. Hauptstadt Menorcas.
Im Mercadona-Supermarkt füllten wir schließlich noch die Bordvorräte auf und versorgten uns mit frischem Obst und Gemüse für unsere Rückreise in den Atlantik. Ja, richtig gelesen. Vom Mittelmeer sind wir bedient. Erwartung und Wirklichkeit passen einfach nicht zusammen. Mittwoch und Donnerstag versprechen Wind aus Südost, genau richtig für einen ersten Schlag zurück nach Westen.
In der Cala Es Canaret (Ibiza) wären wir gern noch etwas länger geblieben, der 5. August versprach jedoch besten Segelwind für die Überfahrt nach Mallorca, den wir nutzen wollten. Da in der Vorhersage südliche Winde vorherrschend bleiben sollten, steuerten wir zunächst Port de Sóller im Norden Mallorcas an. Es wurde eine herrliche Überfahrt mit raumen 10-15 Knoten Wind, die im Tagesverlauf langsam abnahmen. Am Nachmittag setzten wir bis Sonnenuntergang seit langer Zeit wieder einmal unseren Blister und lagen schließlich gegen 21 Uhr 3 Meilen NW von Sa Dragonera, der westlichen Ecke von Mallorca. Eine leichte Brise schob uns bis Mitternacht noch 4 Meilen weiter unserem Ziel entgegen, bevor dann totale Flaute für Stillstand sorgte. Port de Sóller wollten wir erst bei Tageslicht erreichen, nur dann kann man erkennen, ob der Anker in Sand oder auf Posidonia-Seegras landet, entscheidend für sicheres Liegen vor Anker. Wir motorten deshalb langsam unserem Ziel entgegen, ruhten abwechselnd, machten noch einmal Wasser und ließen uns zwischendurch auch einmal treiben. Gegen sieben Uhr morgens liefen wir schließlich in den Naturhafen von Port de Sóller ein.
Port de Soller an Mallorcas Nordküste.
Port de Soller ist attraktiv. Die gesamte Promenade, die die Bucht umschließt, ist verkehrsberuhigt, Hotels, Bars, Geschäfte wirken nicht aufdringlich, sondern fügen sich in das Gesamtbild ein. Mehrere kleine Supermärkte und ein Fischmarkt sichern die Versorgung, wenn auch zu deftigen Preisen. Das gilt auch für die historische Tram, die den Hafen mit Sóller verbindet. 5 km für 7 EUR p.P. (eine Richtung). Günstiger sind da die Busse. Nach Palma de Mallorca kommt man z.B. zu zweit für 6 EUR. Das nutzten wir am Sonntag, 9. August, incl. Abstecher zum stillgelegten Ballermann. Muss man ja mal gesehen haben… Traurig zu sehen, wie wenig sich insbesondere die Touristen an Abstandsregeln und Maskenpflicht halten.
Markttag in Sóller.Ausflug nach Palma.
Von Port de Sóller ging es für uns am Montag, 10. August weiter entlang der Nordküste. Wir steuerten die Cala Castello an. Großartige Kulisse, wenige Boote, kein Netz. Passenderer Name der Bucht wäre aus unserer Sicht Cala Insomnia. Nachts fegten Fallwinde durch die Bucht, die sich gewaschen hatten. In der zweiten Nacht bis Stärke 8. Vorüber war der Zauber erst so gegen 4 Uhr morgens. Unser Anker hielt, zum Schlafen kamen wir aber kaum. Der Abschied fiel uns deshalb nicht schwer. Mit Sonnenaufgang verließen wir die Bucht, setzten Kurs auf Cap Formentor und ankerten schließlich in der Bucht von Pollenca vor Mal Pas Bon Aire, gleich westlich der Marina de Bonaire. Im Ort gibt es einen kleinen Supermarkt mit dem Nötigsten sowie ein Restaurant, in dem wir uns am zweiten Abend ein kleines Dinner gönnten. Die Corona-Regeln wurden auch hier nur halbherzig umgesetzt und durchgesetzt. Am Anker sahen wir mit 40-60 Gästen voll besetzte Ausflugskatamarane (unter anderen Robinson-Club), die ohne jegliche Schutzmaßnahmen zum Ankern vor den Strand kamen, paddelten, schnorchelten und feierten, als ob es kein Morgen gäbe. Tags darauf – wir hatten auf die Pollenca-Seite umgeankert – lasen wir dann die Meldungen über die Reisewarnung des RKI/Auswärtigen Amts, die sich nun über ganz Spanien und auch die Balearen erstreckte. Korrekte Entscheidung und längst überfällig. Hier auf den Balearen teilen sich die Gastgeber und Gäste die Verantwortung dafür. Jammern auf beiden Seiten aus unserer Sicht nicht angebracht.
Wir widerstanden dem ersten Impuls, die Balearen sofort zu verlassen, entschieden uns stattdessen auch der Insel Menorca noch einen Besuch abzustatten, wohin wir am Samstag, 15.08. aufbrachen.
Cala Castell, Mallorcas Nordküste
Weiter Bilder zu Mallorca findest du im Fotoalbum.