Liveaboard

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    In neuen Händen

    Das ging schnell. Viel schneller als erwartet. Unsere DANJA hat einen neuen Eigner gefunden. Der Trennungsschmerz sitzt noch tief. DANJA war viel mehr als ein Zuhause auf See. Sie war zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden. Die letzten privaten Dinge vor der Übergabe von Bord zu tragen, hat uns emotional mehr mitgenommen, als wir das je gedacht hätten.

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    Familienzeit

    Nach unserer Einreise in die USA boten sich zwei alternative Routen für unsere weitere Reise nach Jacksonville, im Norden Floridas. Entweder draußen, entlang der Küste nach Norden, oder auf dem Intracoastal Waterway (ICW) via Daytona Beach und St. Augustine in den Saint Johns River. Da Anfang April noch kein Zeitdruck bestand, entschieden wir uns für Letzteres. Die Vorhersage versprach für fast eine Woche überwiegend frischen Wind aus östlichen Richtungen, was viele Segelmeilen auf den geschützten Wasserwegen des ICW versprach. Angenehm auch, dass wir sowohl den Weg, gute Ankerplätze und Anlande- und Versorgungsmöglichkeiten bereits kannten. Wir freuten uns auf unbeschwertes Segeln, denn Seegang und Ozeanwetter würden wir dieses Jahr sicherlich noch genug bekommen.

    AICW – Unterwegs nach Norden.

    So ging es also für uns mit Ankerstopps bei Titusville, New Smyrna Beach, Daytona Beach und dem Matanzas River zunächst bis St. Augustine, wo wir am Mittwoch, 12. April 2023, gleich nördlich der Bridge of Lions vor Anker gingen und uns auf den Besuch unseres Enkelkindes freuen durften. Daniel, Rieke und Karlo verbrachten den Freitag an Bord, wo das vorläufig jüngste Crewmitglied dann auch gleich seine erste Einweisung erhielt.

    Am Sonntag starteten wir mit dem ersten Tageslicht in die letzte Etappe zu den Downtown Landings in Jacksonville. Mit Daniels Auto und Hilfe holten wir dort das im November eingelagerte Gut zurück an Bord und bunkerten eine große Ladung Vorräte für unsere bevorstehende Atlantiküberquerung.

    Die kostenlosen Liegeplätze entlang der Downtown Landing liegen zwar günstig für das, was wir zu erledigen hatten, fehlende Security und allerhand zwielichtige Gestalten stellen jedoch ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, wie wir in der dritten Nacht vor Ort feststellen mussten: Drei Idioten versuchten morgens und halb vier unser Schiff los zu machen. Weil unsere fünf Landleinen zum goßen Teil durch die Klampen am Steg geführt waren, wurden wir rechtzeitig wach, als die Chaoten an den schiffsseitgen Klampen herumzufingern begannen. Mit Bewegung und Licht im Schiff ließen sie von ihrem Vorhaben ab und zogen von dannen, dennoch waren wir reichlich geschockt. Wären wir nicht wach geworden, hätte uns die starke Strömung des St. Johns River mit der ablaufenden Tide in nur ein, zwei Minuten unter die Main Street Bridge getreiben, wo wir unweigerlich havariert wären.

    So etwas erfüllt den Tatbestand des versuchten Totschlags. Dennoch zeigte sich die Polizei wenig interessiert, als wir den Vorfall telefonisch dort meldeten. An öffentlichen Stegen werden wir zukünftig wohl grundsätzlich mindestens eine Kettenverbindung zum Steg herstellen.

    Wir informierten auch das zweite Schiff, das mit uns an den Downtown Landings festgemacht hatte, bevor wir weitere 15 Meilen den Saint Johns River hinauf fuhren, um im Julington Creek vor Anker zu gehen. Näher konnten wir an Daniels und Riekes Zuhause nicht herankommen, außerdem liegt der Ankerplatz in ruhiger, schöner Umgebung mit Marinas, einer öffentlichen Bootsrampe (Mandarin-Park) und guten Versorgungsmöglichkeiten in „walking distance“.

    Hier bleiben wir, bis das Wetter für unseren Start zu den Bermudas passt. Die Zeit dahin füllen wir mit Familien- und Enkelbesuchen, sowie Wartungs- und Vorbereitungsarbeiten für unsere Atlantiküberquerung via Bermudas und Azoren. Anfang Mai sollte es soweit sein…

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    Palm Beach bis Fort Lauderdale

    Ankerplatz zwischen West Palm Beach (l) und Palm Beach (r)

    Sieben Tage lagen wir in der Cocoanut Grove, zwischen West Palm Beach (WPB) und Palm Beach gelegen und zwischen der Flagler Memorial Bridge im Norden und Royal Park Bridge im Süden. Mindestens 35 Milliardäre wohnen in Palm Beach, ihr Vermögen summiert sich auf über 260 Milliarden Dollar. Entsprechend gepflegt sieht es aus, Palmenalleen, parkähnliche Gärten, Uferpromenaden, alles perfekt in Schuss gehalten von unzähligen, überwiegend spanisch sprechenden Arbeitern und anderen Dienstleistern. Die Spielzeuge der Reichen, sprich Megayachten, prägen das Stadtbild entlang des Lake Worth ebenso, wie die stets präsenten Privatjets im Anflug auf WPB.

    Palm Beach

    Die Bubble der feinen Gesellschaft endet allerdings wenige Blocks westlich der Downtown von WPB. Obdachlose, Dealer, Drogenabhängige, schäbige Restaurants und Gewerbe prägen das Stadtbild, wirken beklemmend und abstoßend. Kann man hautnah erleben, wenn man z.B. mit dem Bus zu einem der wenigen Waschsalons fährt. Und wie der dann aussieht, ist schwer in Worte zu fassen, einer so reichen Stadt komplett unwürdig und Beweis dafür, dass das Märchen von Tickle-Down Economics blanker Unsinn ist.

    Noch im Bereich der Bubble liegt das Public Dock von West Palm Beach, nur wenige hundert Meter von unserem Ankerplatz entfernt. Zum sehr gut sortierten Publix-Supermarkt sind es nur wenige Blocks, zahllose Bars und Restaurants, Galerien und Geschäfte sind ebenso in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar.

    Jeden Abend startete die weihnachtliche Licht- und Unterhaltungsshow „Holiday in Paradise“ im Park zwischen der zentralen Clematis Street und der WPB Waterfront Landing. Den Ablauf kannten wir bald in- und auswendig, denn unser Ankerplatz wurde zwangsläufig mit beschallt.

    Allabendliche, weihnachtliche Lichtershow in WPB

    Waren unsere ersten Tage in Palm Beach noch wunderbar sonnig und warm, erreichte uns dann am 24. Dezember die Kaltluft des Jahrhundert-Wintersturms, der fast die gesamte USA erfasst hatte. Die Temperatur stürzte über Nacht um mehr als 20 Grad auf Werte um die 5 °C ab. Schnee blieb uns zum Glück erspart, auch wenn er ganz gut zu Weihnachten gepasst hätte. Als wir am 26. Dezember unsere Reise fortsetzten, kamen wieder einmal die dicken Ocean-Anzüge mit Skiunterwäsche und Fleeceschichten zum Einsatz und auch unseren Ofen hatten wir wieder in Betrieb genommen.

    Mit einem Zwischenstopp bei Boca Raton ging es für uns auf dem Intracoastal Waterway zunächst weiter bis Fort Lauderdale und dann am 28.12. bis Miami. Darüber mehr im nächsten Beitrag.

    Hier noch in Kurzform einige Infos zu unseren Stopps:

    Palm Beach: Dank des großzügigen und zentral gelegenen, kostenlosen Docks und der guten Versorgungsmöglichkeiten sehr Cruiser-freundlich. Hier kann man es einige Tage aushalten.

    Palm Beach – Fort Lauderdale: Rund 20 Klappbrücken machen die Etappe zu einem Hindernisparcours. Extra Zeit einplanen!

    Fort Lauderdale: Lake Sylvia ist der beste Ankerplatz vor Ort und entsprechend voll. Es gibt kaum Möglichkeiten das Dinghy anzulanden. Ausnahme: Im Hafenbecken zwischen der SE 15th und der SE 16th Street gibt es eine Public Boat Ramp und ganz im Westen ein Dinghy Dock beim Southport Raw Bar & Restaurant. Kostet 10 $, die als Gutschrift im Restaurant wieder eingelöst werden können.

    Weiter Bilder unserer Reise in den Süden Floridas findest du wie immer im Fotoalbum.

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    Auf in den Süden!

    Mit Verlassen des Connecticut River traten auch wir unsere Segelreise zurück in den Süden an. Bis Morehead, NC würden wir uns damit auf bekanntem Terrain bewegen. Eine schöne Abwechslung, können wir doch Häfen und Ankerplätze anlaufen, die uns fast schon geläufig sind, wo wir vom Supermarkt, über den Chandler bis zum Waschsalon unsere Wege kennen. Bleibt mehr Frei-Zeit, für Wandern, Walken oder Relaxen. Wir steuerten zunächst, mit kurzen Stopps über Nacht in Port Jefferson und Huntington Bay, Port Washington an. Für uns ein guter Ort, um auf ein Wetterfenster für den größeren Schlag nach Delaware oder Chesapeake zu warten. Dieses kam dann schneller als gedacht, weshalb wir bereits nach 4 Tagen, am 16.10. über den East River an Manhattan und der Freiheitsstatue vorbei und unter der Verrazzano Brücke hindurch, in die Lower Hudson Bay nach Atlantic Highlands aufbrachen. Dort warteten wir dann mit über 15 anderen Booten auf den nächtlichen Durchzug einer Kaltfront und dem damit verbundenen Drehen des Windes auf Nord. Eineinhalb Stunden vor Mitternacht war es soweit. Windrichtung und -Stärke passten und wir brachen auf.

    Drei Tage sollte der Wind gemäß Vorhersage mit 3-4 Bft aus NNW wehen. Das sollte ausreichen, um an Cape May und der Delaware-Bay vorbei, bis zur Mündung der Chesapeake Bay nach Süden voranzukommen. Klappte auch, wenn auch mal wieder einer jener „Zum-abgewöhnen-Törns“ daraus wurde. Der Abschnitt im Mündungsbereich des Delaware River wurde ohne Vorwarnung zu einer Starkwind-Passage mit entsprechendem Wellengang, südlich des Assateaque Inlets überwog dann die westliche Komponente beim Wind, was über die letzte Nacht für ein nicht enden wollendes Gebolze sorgte, immer hoch am Wind, gegen eine steile Windsee, mit entsprechenden, andauernden Salzwasserduschen über das gesamte Schiff.

    Mit dem für den dritten Morgen vorhergesagten Drehen des Windes auf Süd erreichten wir den Thimble Shoal Channel, das Fahrwasser nach Norfolk. Im Lee der Küste Virginias glitten wir die letzten Meilen bis Hampton über eine glatte See, krasser Kontrast zum nächtlichen Kampf, nur wenige Stunden zuvor.

    Erster Stopp nach New York: Hampton

    Hampton war ein wunderbarer Stopp. Eine Stadt mit Geschichte, namengebend für Hampton Roads, einer der weltweit größten Naturhäfen, einer Universität, die bei ihrer Gründung eine Bildungsstätte für befreite Sklaven, Freedmen und -women war, weiteren Sehenswürdigkeiten und natürlich einem sehr geschützt gelegenem Ankergrund im Hampton River.

    Hampton University

    Der zuvor beschriebene Törn machte uns wenig Lust, für den weiteren Weg nach Süden die Route um Kap Hattereas zu nehmen. Den AICW (Atlantic Intracoastal Waterway) hatten wir noch in guter Erinnerung. Die eine oder andere sehenswerte Destination, die wir im Frühjahr links liegen ließen, wartete noch darauf entdeckt zu werden und sollte ein später Hurricane die Ostküste treffen, bieten die Inner Banks von North Carolina zudem einige gute Rückzugsorte.
    Am 26.10. verließen wir den Hampton River mit Ziel Norfolk. Im dortigen Honorarkonsulat wollte ich mir noch meine Lebensbescheinigung beglaubigen lassen, außerdem hatten wir uns einige Ersatzteile zur Pak-Mail-Filiale Norfolk schicken lassen.
    Am 29.10. dann, nach einem kurzen Austausch mit der Crew der SY Makaan, die wir in Newport kennen gelernt hatten und die am Vorabend am Hospital Point Ankerplatz angekommen war, ging es für uns weiter auf dem AICW nach Süden.

    Alleine waren wir fortan nicht mehr. Wir waren mitten in die Migration-Welle hinein geraten. Ein endlos erscheinender Strom von Segel- und Motoryachten begleitete uns. Auffällig viele Kanadier waren dabei, mutmaßliche Folge zweier Jahre Corona-Reisebeschränkung. Es dürfte also noch etwas voller werde, in Florida und auf den Bahamas.
    Zwei Orte schauten wir uns bisher genauer an: Belhaven, unmittelbar am AICW gelegen, und Washington, etwas Abseits, am westlichen Ende des Pamlico River.
    Belhaven ist sehr klein. So klein, dass sich die vier, etwas aufgehübschte Blocks der historischen Downtown außerhalb der Saison nicht mit Leben füllen lassen. Ein Restaurant und ein mexikanischer Imbiss waren noch offen, die andere Hälfte der Gastronomie des Ortes war geschlossen. Immerhin gab es, eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt, einen Food Lion. Bei leerer Kombüse lohnt sich der Weg, denn das Restaurant (Fish Hooks Café) ist unter aller Kanone. Die Tristesse wir allerdings durch die Freundlichkeit der Einwohner kompensiert: Man grüßt, winkt, bietet Mitfahren und pflegt den Smalltalk dass es eine Freude ist.

    Nach drei Tagen nahmen wir Abschied von Belhaven. Wir hatten uns für Washington als nächstes Ziel entschieden. Es lag weit ab vom Strom der Freizeitboote auf dem AICW, sollte eine attraktive, lebendige Downtown und eine lange Uferpromenade mit städtischen, kostenlosen Liegeplätzen bieten. Ideal also, um die sich mittlerweile abzeichnende Entwicklung eines tropischen Tiefs mit Hurricanepotential in relativ sicherer Lage abzuwarten. Wir erreichten Washington am 04.11. und gingen gegenüber der Uferpromenade vor Anker. Eine Woche hatten wir zunächst eingeplant. Darüber berichten wir dann im nächsten Beitrag.

    Viele weitere Bilder findest du wie immer im Fotoalbum.

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    Big Major’s Cay

    Dem Strom des Galliot Cut folgend segelten wir am 16.4. von Cave Cay aus hinaus auf die „Banks“ und weiter nach Norden, geschützt durch die Kette der Exuma Cays. Einen Stopp beim Great Guana Cay ließen wir ausfallen und steuerten gleich den Ankerplatz von Big Major’s an. Viele Amerikaner verbringen die ganze Saison in der geschützten Bucht, trotzdem findet jeder noch ein Plätzchen.

    Ankerplatz Big Major’s Cay

    Hauptattraktion ist Pig Beach mit seinen frei laufenden (und schwimmenden) Schweinen. Ist letztlich auch nur ein Freiluft-Schweinestall, der jedoch, clever vermarktet, einen nicht enden wollenden Strom an Besuchern anzieht. Wir fragten uns das eine oder andere Mal schon, wer denn nun das größere Schwein ist, wenn Besucher versuchen, mit Steinen als Fake Futter oder Tritten das Beste Pig-Foto zu arrangieren. Unglaublich, was man da so sieht.

    Schweine füttern…

    Von uns gab es täglich Putz-Reste von Gemüse und Salat, das lieben die vierbeinigen Schweine. Daneben drehten täglich zwei Ammenhaie ihre Runde durch die Bucht und Stachelrochen schauten ebenfalls gern vorbei. Beim Schwimmen haben wir uns mittlerweile an solche Begegnungen gewöhnt.

    Um die Ecke liegt Staniel Cay mit seinem Yacht Club und Dinghy Dock, Supermärkten und einem Waschsalon, echte Seltenheit auf den Exumas. Mit Dinghy liegen ferner der Pipe Creek, Staniel Cay mit seinen Ammenhaien und zahlreich Sandbänke in Reichweite. Allerdings nicht bei unserer Motorisierung und dem unvermindert stürmischen Wetter.

    Staniel Cay Yacht Club

    Die Preise für Proviant erreichen hier übrigens astronomische Beträge. 12 US-$ für eine Packung Romanasalat, 8,50 US-$ für eine Packung Tostbrot, 6 US-$ für Eier. Keine Ahnung, wie einheimische Arbeitnehmer hier über die Runden kommen.

    Fünf Tage schauten wir dem munteren Treiben um Pig Beach und Big Major’s zu, dann brachen wir, trotz der unvermindert starken Winde auf, weiter Richtung Norden. Mehr Bilder gibt’s in Kürze im Fotoalbum.

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    Saint Bartholomé (St. Barts)

    St. Barts am Horizont

    Die Nachtfahrt von Barbuda nach St. Barts werden wir in guter Erinnerung behalten. Mit Sonnenuntergang hatten wir Low Bay verlassen und bald darauf, bei achterlichen Winden um 10 Kt, unser Passatsegel ausgerollt. Die See war ruhig, die Neumondnacht dunkel, der Sternenhimmel klar. Fast geräuschlos glitten wir dahin, ideale Zutaten für Wache und Schlafpausen. Mit Sonnenaufgang lag St. Barts vor uns. Wir segelten mit gesetzter Q-Flagge bis vor Gustavia, wo wir dann ungewohnt lange nach einem Plätzchen für unseren Anker suchen mussten.

    Hafen von Gustavia, St. Barts.

    Gustavia ist gut besucht, die für kleine Boote geeigneten Ankerplätze voller privater Mouringe, das ganze eingerahmt mit endlos vielen Megayachten, ebenfalls vor Anker. Das Einklarieren ging danach aber erstaunlich schnell, auch weil wir unsere Daten bereits zuvor über das entsprechende Portal eingegeben hatten. Danach schnell noch ein paar Baguettes, Frischkäse und Weintrauben gekauft und zurück aus Boot für eine französische Brotzeit. Wieder in der EU, in unserem Fall Frankreich zu sein, hatte zudem den Vorteil, dass wir das Inklusivvolumen unsere deutschen SIM-Karten wieder nutzen konnten. Wer hätte das geahnt.
    St.Barts hat viel zu bieten, aber nicht wirklich für unsereiner. Es ist der Spielplatz der Superreichen. Preise in Strandbars und -Restaurants astronomisch. In Gustavia gibt es fast ausschließlich Boutiquen à la Prada, Hermès und Bulgari, und so ganz ohne Botox, Silikon und Designer-Outfit glaubt man ab und an, auf einem fremden Planeten unterwegs zu sein.
    Dass St. Barts von Hurrikan Irma ähnlich schwer verwüstet wurde, wie Barbuda, ist nicht einmal mehr zu erahnen und zeigt eindrücklich, wie weit sich die Schere zwischen Reich und Arm geöffnet hat.
    Schön ist St. Barts wirklich. Strände, Buchten, das klare Wasser, die farblich stimmigen Gebäude, Villen und Hotels machen die Insel zu einer Perle in der Karibik.

    Anse de Colombier

    Und eine Attraktion wollen wir nicht unerwähnt lassen: Der Flughafen der Insel, Aéroport de Saint-Barthélemy-Rémy de Haenen (SBH) gilt als einer der extremsten und gefährlichsten Flughäfen der Welt. Ganz umsonst kann man der täglichen Flugshow im Anflugsbereich des Flughafens beiwohnen. Auch das gibt’s auf St. Barts.

    Weitere Bilder findest Du, wie immer, im Fotoalbum.

     

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    Atlantiküberquerung

    Freeman Bay, English Harbour.

    Es ist geschafft! Mit reichlich Wind und Welle auf dem Weg liefen wir 20 Tage und 4 Stunden nach dem Auslaufen aus Puerto de La Estaca, El Hierro, am 20.12.2021 in English Harbour, Antigua and Barbuda ein. Im ruhigen Wasser der Freeman Bay bauten wir zunächst die Passatbäume ab und suchten uns anschließend für‘s Einklarieren einen Ankerplatz, was sich als etwas länger hinzog, als gedacht, denn unsere Ankerfernbedienung weigerte sich beharrlich außerhalb Europas zu funktionieren, letztes technisches Problem dieser Überquerung. Es folgte überraschend schnell und unkompliziert der Healthcheck und das Einklarieren in Englisch Harbour und danach endlich das verdienten Anlegerbierchen vor der herrlichen Kulisse der Freeman Bay.

    Crew:
    Zweihand über den Atlantik ist kein Spaziergang, das war uns vorher klar. Nur zwei oder drei Tage boten das so oft beschriebene, schöne Passatwindsegeln, mit gleichmäßiger Schiffsbewegung und vollen Segeln. Der Rest war echt anstrengend. Überlagernde Dünung und Windsee erzeugten unangenehme Kreuzseen mit entsprechend heftiger, kaum kalkulierbarer Schiffsbewegung und permanenter Geräuschkulisse des – trotz guter Polsterung – hin und her rutschenden Inventars. Ohne zwei Haltpunkte war an Bewegung im Schiff nicht zu denken. Mit einhändigem Balancieren riskierte man unweigerlich den Abflug zu machen. Wir hielten durchgehend 4-Stunden-Wachen, mit Sonnenuntergang begann jeweils die erste Nachtwache. Hat sich für uns bewährt. „Schlaf“ fanden wir am besten im Durchgang zur Heckkabine, tiefste Stelle im Schiff und gut Schulterbreit, guter Schutz also, unfreiwillig hin und her gerollt zu werden. Mehr als 2-3 Stunden Schlaf pro Tag kamen dabei trotzdem nicht zusammen. Essen hatten wir reichlich, zumeist jedoch kalt, in Form von Salaten, später als belegte Brote mit Käse, Dosenwurst und hartgekochten Eiern.

    Schiff:
    Das Vertrauen in unsere Glacer 363 ist mit der Atlantiküberquerung weiter gewachsen. Stehendes und laufendes Gut, Beschläge, Luken, Dichtungen, Einrichtung, Segel, alles hat den Törn ohne jegliche Schäden mitgemacht. Nur ganz, ganz selten, fanden einige Spritzer Salzwasser, von am Heck brechenden Wellenkämmen, ihren Weg ins Cockpit. Durchs Wasser bewegte sich unsere Lady stets weich und sicher, nur sehr selten sorgte Wellenschlag für einen lauteren Rumms, der das ansonsten entfernt klingende Rauschen des Wassers entlang des Rumpfes durchbrach.

    Technik:
    Ein guter Freund sagte einmal, dass alles was kaputt gehen kann, auch kaputt gehen wird. Können wir bestätigen. Am zweiten Tag kam es zu einem Leck in der Treibstoffzuleitung unseres Herdes. Der Schlauch gehört nicht zu den empfohlenen Ersatzteilen für unseren Herd, Ersatz also nicht an Bord. Mit 3 Wochen vor dem Bug dachten wir ernsthaft an Abbruch oder einen Zwischenstopp auf den Kapverden, denn ausschließlich kalte Küche war für mich schon fast eine Notlage. Ein Workaround war jedoch an Bord: Ein Primus Omnifuel Campingkocher. Der ließ sich auf unseren Herd schrauben und garantierte – wenn auch wenig im Einklang mit der Gebrauchsanweisung – halbwegs sicheres Kochen. Unsere Windfahnensteuerung kam während des Törns ausgiebig zum Einsatz. Mit Passatsegel ist man stets perfekt getrimmt unterwegs, entsprechend gut hielt unsere Windpilot Pacific den Kurs bis 160° Windwinkel. Nur für Kurse mit niedrigerem Windwinkel bevorzugten wir die Präzision unseres elektrischen Autopiloten. Dass sich an der Windfahnensteuerung aber nach zwei Tagen die Schrauben lösten, kam überraschend. Dank starker Rollbewegungen bekamen wir das Pendelruder aus dem Wasser und konnten die losen Teile wieder sichern. In der Folge wurde das tägliche „Ausschalten“ der Windfahnensteuerung und überprüfen aller Schraubverbindungen, bäuchlings mit dem Oberkörper über dem Heck des Schiffes liegend, zur Routine. Das Manual warnt, aufgrund der hohen Hebelkräfte, vor Arbeiten an einer sich im Betrieb befindlichen Anlage. Keine Ahnung wie sich der Hersteller das mit dem „regelmäßigen“ Prüfen gedacht hatte. Spaßfaktor: Sehr gering.
    An Tag 10 nahmen wir unseren Wassermacher in Betrieb. Auf der Überfahrt nach El Hierro hatten wir ihn zuvor getestet, dummerweise aber nicht die Qualität des produzierten Wassers geprüft. Das schmeckte nämlich plötzlich total brackig. Die lange Ruhezeit war ihm, obwohl wir die empfohlenen Wartungs- und Reinigungsarbeiten penibel eingehalten hatten, nicht bekommen. An Tag 11, die Wetterbedingungen waren ok, beschäftigten wir uns deshalb mit einer neuerlichen chemischen Grundreinigung der Anlage und Membrane. Seither geht‘s wieder, mit dem Geschmack, ein weiteres Problem war vorerst gelöst.
    Am Tag 14 gab der Antriebsmotor des Autopiloten nach einigem Knacken den Geist auf. Vermutlich Getriebeschaden. Für uns war der AP kritisches Element eines jeden langen Törns, zumal wir mit unserem Windpiloten auf anderen als Vorwindkursen gemischte Erfahrungen gemacht hatten. Deshalb war Ersatz an Bord. Knapp drei Stunden dauerte der Tausch, wobei besonders der Umbau des Zahnrads vom kaputten auf den neuen Motor Zeit kostete. Bei achterlichen Winden von 25, in Böen 30 Knoten aber keine schlechte Leistung.
    Zur Ankunft, fiel dann, wie zuvor beschrieben die Fernbedienung unserer Ankerwinsch aus. Auch hier hatten wir Ersatz an Bord, da die alte bereits über 10 Jahre in Benutzung war.

    Navigation und Wetter:

    Obwohl rückblickend ein direkter Kurs von El Hierro nach Antigua möglich gewesen wäre, folgten wir zunächst dem klassischen Routing südwärts bis zum 20. Breitengrad, dann, bei unverändert guten Bedingungen, setzten wir Kurs direkt Antigua und Barbuda ab. Dabei unterstütze uns unser Sohn Daniel als „drittes Crewmitglied“, von Deutschland aus mit aktuellen Wetterdaten und Vorhersagen über InReach. Auf dieser Route vielleicht nicht lebenswichtig, dennoch aus unserer Sicht besonders wertvoll, halfen die Nachrichten über Satellit doch mehrfach bei Entscheidungen zu Kurs und Segelführung, sowie bei der Vorbereitung auf die Bedingungen, die die nächste Nacht oder der nächste Tag für uns bereithalten würden. Danke Daniel!

    Statistik:
    2712 Seemeilen waren wir unterwegs, 49 davon, fast ausschließlich im Einflussbereich der Kanaren, unter Motor. Die ersten beiden Tage segelten wir mit einem Rundsegel. Hat prima funktioniert, brachte aber nicht die Geschwindigkeit, die wir von unserem Passatsegel her kannten. Deshalb riggten wir vor Einbruch der Nacht unsere Passatbäume und segelten fortan mit unserem Passatsegel, bis in die Anfahrt des English Harbour. Wir brauchten 20 Tage und 2 Stunden für die Strecke, erreichten also eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,6 Knoten. Es war windig! Nur im Einflussbereich der Kanaren blies der Wind mit weniger als 20 Knoten. Ansonsten sahen wir überweigend 20-25 kt. Wind, zeitweise 25-30 kt, Boen auch deutlich darüber. Seit Beginn der Segelzeit haben wir nun 8.656 Seemeilen zurückgelegt, der Gesamtzähler steigt auf 15.267 Seemeilen.

    Weitere Bilder der Überfahrt findest Du wie immer im Fotoalbum.

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    El Hierro – in Startposition

    Puerto de La Estaca

    Der Schwell an den Ankerplätzen der Südostküste La Gomeras hatte uns von dort vertrieben. Wofür wir dankbar sein dürfen, denn El Hierro gefiel uns auf Anhieb sehr gut, hat es doch vieles der Dinge, die uns besonders ansprechen: Wenig Verkehr, kein Trubel, freundliche Menschen, abwechslungsreiche Landschaften und beeindruckende Panoramen und das alles auf relativ kleinem Raum.

    Blick auf El Golfo

    Eine unserer ersten Ausflüge und Wanderungen führte und von Guarazoca im Nordwesten, über den Mirador de La Peña auf die Hochebene im Zentrum der Insel und zur Ortschaft San Andrés und von dort über Tiñor zurück zum Puerto de La Estaca, einmal quer über die Insel. Das Erleben absoluter Stille über lange Strecken war ein besonderes Highlight in unserer sonst so von Lärm verschmutzten Welt. Es folgten Ausflüge nach El Pinar, La Frontera und in den Westen El Hierros. Unterwegs entstanden viel Bilder für‘s Fotoalbum, die ein wenig von der Seele El Hierros festgehalten haben.

    Unterwegs auf El Hierro

    Kulinarisch haben wir zwei Highlights zu vermerken: Auf unserer Wanderung über die Insel kehrten wir wir ins Casa Goyo, San Andrés, ein, wo wir so gut speisten, wie lange nicht. Genial dort das Pechuga de Pollo Rellena und der Pie de Limón. Sehr lecker aßen wir auch im Restaurante Bahia an der Playa de Timijiraque, 2,5 km südlich des Puerto de La Estaca, gleichzeitig auch das einzige Restaurant im Umkreis des Hafens.

    Vila de Valverde

    Gleich neben der Marina lädt übrigens ein Strandbad zum Schwimmen ein, super als Ausgleich für die vielen Höhenmeter, die man wandernd zurücklegen kann.
    Mit uns warten im Hafen noch weitere Crews auf den für sie richtigen (Wetter-)Moment für den Aufbruch über den Atlantik. Wir selbst haben den 30. November ins Auge gefasst. 2750 Seemeilen liegen vor uns, Ziel Antigua.
    Unseren Freunden und Bekannten und unseren ehemaligen Kollegen in der Heimat wünschen wir auf diesem Weg schon mal eine schöne Adventszeit, und falls wir es nicht rechtzeitig in die Karibik schaffen, Frohe Weihnachten!

    Felices Fiestas aus El Hierro

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    Noch einmal La Gomera

    Überfahrt nach La Gomera

    Nach zwei Wochen San Miguel hatten wir unsere Vorhaben abgearbeitet, insbesondere unseren Vorrat an Proviant geprüft und massiv aufgestockt, sodass wir nun jederzeit in die Karibik starten können. Der Supermarkt Hiperdino in Las Chafiras lieferte zwei volle Einkaufswagen bis ans Boot, dazu kamen Vollkornbrote und Bio-Müsli der deutschen Bäckerei Der Dinkelbäcker, ebenfalls in Las Chafiras. Überraschend und zu unserer großen Freude, trafen wir wir in der Marina auch die Crew der SY Petima wieder und klönten einen Nachmittag bei uns an Bord über die Erlebnisse des Sommers, bevor die beiden nach Las Palmas aufbrachen. Was also nun noch fehlte, war ein passendes Wetterfenster für unseren Start in die Karibik. Da es in San Miguel für uns nichts mehr zu tun gab, warfen wir am 11. November die Leinen wieder los, um einige Tage vor La Gomera vor Anker zu gehen.

    Vor Anker, Playa de Chinguarime, La Gomera

    Es wurde, welch Genuss, eine schöne Überfahrt. Keine Düse und ausreichend Wind bis kurz vor unseren ersten Ankerplatz, der Playa de la Roja, nur wenige Meilen südwestlich von San Sebastian de La Gomera. Übrigens ein Ankerplatz ohne jeglichen Mobilfunkempfang. Lange nicht gehabt.
    Wir blieben eine Nacht und verlegten tags darauf eine gute Meile weiter südwestlich zur Playa de Chinguarime. Auch hier ist die Kulisse sehr schön, in den Felsen zu beiden Seiten des Strandes gibt es zudem zahlreiche Höhlen, die von Campern und anderen seltsamen Personen bewohnt werden. Wir nannten sie alsbald Neandertaler, da sie zumeist nackig zwischen ihren Höhlen, dem Wasser und den von der Nachmittagssonne aufgewärmten Felsen hin und her pendelten.

    Playa de Santiago

    Nach einer recht ruhigen Nacht, fand Schwell erneut seinen Weg bis in die Bucht, diesmal von einem Tief auf dem Atlantik stammend und entsprechend hoch. Wir wollten sicherheitshalber etwas mehr Abstand zum Strand, gingen deshalb Anker auf und verlegten bei der Gelegenheit gleich eine Meile weiter zur Playa de Santiago.
    Das Örtchen Playa Santiago, mit seinem gleichnamigen, kleinen Hafen, sieht vom Wasser aus sehr einladend aus. Grund genug, das Dinghy wieder einmal auszupacken und für einen Landgang zu nutzen, incl. Besuch beim Frisör und lecker Mittagessen. Leider ließ auch hier der Schwell nicht nach. Nach einer weiteren, unruhigen Nacht, beendeten wir deshalb unseren Ausflug an diesen Küstenabschnitt La Gomeras und setzten Kurs auf El Hierro, der südwestlichsten Insel der Kanaren.

    Sonnenuntergang, Playa de Santiago

    Weitere Bilder findest du, wie immer, im Fotoalbum.