Das ging schnell. Viel schneller als erwartet. Unsere DANJA hat einen neuen Eigner gefunden. Der Trennungsschmerz sitzt noch tief. DANJA war viel mehr als ein Zuhause auf See. Sie war zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden. Die letzten privaten Dinge vor der Übergabe von Bord zu tragen, hat uns emotional mehr mitgenommen, als wir das je gedacht hätten.
Wir sind zurzeit gut beschäftigt. Wohnung, Familie, Job, Winterlager, vieles will unter einen Hut gebracht werden. Das Ende unserer Segelzeit, als echte Liveaboards, hatten wir ja bereits während unseres Werftaufenthalts in Hooksiel eingeläutet. Nachdem wir DANJA danach für einige Tage in Cuxhaven gelassen hatten und unsere 49-Euro-Tickets intensiv für Familienbesuche nutzten, kehrten wir am 13. September zurück an Bord. Leider neigte sich das sommerliche, stabile Hochdruckwetter seinem Ende zu und statt via NOK bis in die Ostsee zu segeln, legten wir in Rendsburg einen weiteren Stopp ein, um einen ersten Herbststurm passieren zu lassen.
Hier trafen wir unsere Freunde Laurie, Alec und Jack wieder, die mit ihrer Gratitude gerade auf dem Weg von Norwegen über Dänemark, NOK und Hamburg, in Richtung London unterwegs sind. 3 Jahre und 3 Monate zuvor wünschten wir uns in Lagos „Fair Winds“. Gratitude reiste damals ins Mittelmeer, wir wollten weiter nach Westen. Während unseres unfreiwilligen Corona-Aufenthalts lagen wir am selben Steg, erlebten vieles gemeinsam und verloren uns in der folgenden Zeit nie ganz aus den Augen. Ein wunderschönes Wiedersehen, mit vielen guten Geschichten beim gemeinsamen Dinner im piccola Italia Esposito in Rendsburg.
In Anbetracht der geschützten Lage der Marina im Obereidersee, der guten Verkehrsanbindung, mit Bahnhof, Geschäften und Supermärkten quasi nebenan, entschieden wir uns, Rendsburg bis auf weiteres zu unserem Heimathafen zu machen. Damit war es auch an der Zeit einmal die Flaggen der von uns während unserer Langfahrt besuchten Länder zu hissen. Der Platz unter der Sailing reichte dafür nicht aus, mit dem Spi-Fall passte es dann aber.
Damit beendeten wir quasi offiziell unsere Langfahrt, die seit April 2019 um halb Europa herum, über den Atlantik in die Karibik, entlang der Ostküste der USA und via Bermuda und die Azoren wieder in die Nähe unseres Ausgangspunkts zurück führte. Das Logbuch dokumentiert 20.320 Seemeilen über einen Zeitraum von 1628 Tagen. Der „große Zähler“ steht nun bei 26.931 sm. Ein Grund stolz zu sein, und ein Grund zu feiern.
Hooksiel liegt auf unserem Weg in die Weser, unserem künftigem Heimatrevier, und hat eine Werft, in der wir DANJA gut aus dem Wasser nehmen konnten. Zwei Projekte galt es zu erledigen: Frisches Antifouling, sowie Prüfen und Abdichten der Nirobuchse, die das Kokerrohr abschließt. Hier tropfte es bei höherem Ruderdruck und bei Fahrt unter Maschine. Frisches Antifouling brauchen wir für den Winter in der Weser (Kalkröhrenwurm), der Check der Ruderanlage war ohnehin überfällig. Auch nutzten wir die Zeit in der Werft, für unseren Umzug an Land. Mit einem Mietwagen transportierten wir unseren Hausrat zu unserem vorläufigen Zuhause nördlich von Bremen, wo wir auch den Abschluss der Arbeiten am Boot abwarten konnten.
Die zogen sich dann etwas hin, denn im Zuge des Ruder-Refits zeigte sich, dass einer der Zugdrähte zwischen Steuerrad und Ruderquadrant beschädigt war. Von den 5 Adern des Stahlseils waren nur noch zwei übrig, ein Ruderausfall hätte uns jederzeit ereilen können. So wurden aus wenigen Tagen doch eineinhalb Wochen, bevor wir unsere DANJA wieder zurück ins Wasser setzen konnten. Zwar war – streng betrachtet – unsere Segelzeit, unsere Zeit als Liveaboards, mit dem Umzug an Land beendet, den Spätsommer wollen wir aber noch für einen kurzen Törn in die Ostsee nutzen. Familienbesuch… Darüber mehr im nächsten Beitrag.
Mehrere Tage westliche- oder südwestliche Winde versprach die Wettervorhersage, als wir Dieppe am 17. August verließen. Cap Gris-Nez erreichten wir, wie geplant, mit dem für uns günstigen Kentern des Tidenstroms. An Calais vorbei, folgten wir dem küstennahen Fahrwasser vor Dunkerque und später Oostende. Alles geschäftige Häfen, mit entsprechend starkem Schiffsverkehr. An Nachtruhe war deshalb kaum zu denken. Die Segel als Schmetterling konfiguriert steuerten wir nach Oostende das Rhein-Maas-Delta an, ein weiterer Schifffahrts-Hotspot in Europa. Der Hafen Rotterdam ist einer der größten Seehäfen der Welt und der größte Tiefwasserhafen Europas. Vor Hoek van Holland kreuzt ein für die Freizeitschifffahrt empfohlener Weg das Fahrwasser in den Hafen von Rotterdam, der sich von dort rund 40 Seemeilen landeinwärts, bis in die Rotterdamer Innenstadt erstreckt. Die Verkehrskontrolle macht einen guten Job und sorgt dafür, dass Groß- und Freizeitschifffahrt einigermaßen sicher aneinander vorbei kommen.
Wir erreichten Hoek van Holland erst in der Nacht und noch dazu bei ungünstigem Strom, der im Mündungsbereich auf bis zu 2,3 Knoten anstieg. Für uns wurde es einmal etwas enger, worauf uns die Verkehrskontrolle aber rechtzeitig hinwies.
Unterstützt vom weiterhin stabilen SW-Wind setzten wir unsere Reise entlang der Niederländischen Küste fort, vorbei an Den Haag und der Mündung des Nordseekanals, der Amsterdam mit der offenen See verbindet. Hier wurde es langsam, nach einer weiteren, ziemlich schlaflosen Nacht, wieder Tag.
Wir entschieden uns auf einen Besuch der Westfriesischen Inseln zu verzichten und segelten weiter, an Texel und Terschelling vorbei, in Richtung Deutsche Bucht und Deutsches Wattenmeer. Norderney sollte unser nächster Halt werden. Das Wetter für die Querung der den Ostfriesischen Inseln vorgelagerten Flachs konnte nicht besser sein und sollte zudem noch einige Tage andauern. Nach einer weiteren, verkehrstechnisch entspannteren Nacht, erreichten wir am 22. August die Safe-Water-Tonne des Dove-Fahrwassers und steuerten mit auflaufender Tide den Hafen von Norderney an.
Norderney war eine gute Wahl. Die Insel präsentierte sich uns bei hochsommerlichem Wetter von ihrer schönsten Seite. Die Marina bestens unterhalten, die Ortschaft geschäftig und gepflegt und die Strände echt der Hammer. Mit der Weser als künftigem Heimatrevier werden wir Norderney sicherlich wieder besuchen. Drei Tage verbrachten wir auf Norderney, bevor wir am Donnerstag, 25. August, wieder ablegten, um Hooksiel anzulaufen, wo wir in der Werft Hooksiel unsere Danja für einige Arbeiten aus dem Wasser holen wollten.
Am 13. August verließen wir mit dem ersten Tageslicht Roscoff, mit Ziel Guernsey. Wir brachten die 72 Seemeilen schneller hinter uns als gedacht, was uns eine nächtliche Ansteuerung der Havelet Bay bescherte. Eine aufziehende Front mit südlichen Winden sorgte dann für eine schaukelige Rest-Nacht vor Anker. Wohl ein Grund dafür, dass neben uns nur noch zwei kleine Katamarane in der Bucht lagen. Mit Öffnung der Tankstelle in St. Peter Port gingen wir zügig Anker auf und verholten zum Tanken in den Hafen. Erst am Nachmittag erlaubte der Tidenstrom die Fortsetzung unseres Törn nach Norden, die Zeit bis dahin durften wir am Warte-Ponton festmachen. Auch schaukelig, aber deutlich besser als vor Anker in der Havelet Bay.
Um halb fünf warfen wir die Leinen los und fuhren hinaus in den Tidenstrom, der uns alsbald zügig nach Nordost spülte. Besagte Front sorgte für wechselnde Winde und immer wieder für Gewitter, nasses segeln also, teilweise mit Motorunterstützung. Vor Cap Hague nahm der Tidenstrom auf über 8 Knoten zu, was, trotz des moderaten Winds, für rauhe Bedingungen sorgte. Einmal um die Ecke beruhigte sich das Wasser aber schnell wieder. Mehr als 40 Seemeilen hatten wir, dank des kräftigen Tidenstroms, in knapp 6 Stunden zurückgelegt. Spätestens vor Cherbourg würde uns eine ähnlich stärke Strömung aus Ost jedoch das Weiterkommen erheblich erschweren. Wir zogen es vor, in Cherbourg einen kurzen Stopp einzulegen und am Morgen, mit der dann wieder nach Ost setzenden Strömung, unsere Fahrt fortzusetzen. Kurz vor Mitternacht fiel der Anker vor der Marina im inneren Hafen Cherbourgs und wir schlüpften für ein paar Stunden Schlaf unter die Decken.
Kurz nach 5 Uhr setzten wir unser Fahrt dann fort und verließen Cherbourg durch den Passe de L‘Est, Kurs Ost. Im Verlauf des Morgens beschlossen wir Dieppe anzulaufen. Kannten wir noch nicht, und bei der aktuellen Wettervorhersage hätte uns eine direkte Ansteuerung von Boulogne Sur Mer keine Vorteile gebracht. Dieppe erreichten wir dann am 16. August um halb drei Uhr morgens. Die dritte Nachtansteuerung dieser Etappe.
Dieppe war den Stopp wirklich Wert. Eine lebendige Stadt, Sommerjahrmarkt entlang der Strandpromenade, viele Restaurants, Bars, Lifemusik, sowie Markt und natürlich leckere Baguettes, dazu bestes Sommerwetter welches wir für ausgedehnte Spaziergänge nutzten. Die Marina liegt mitten in der Stadt und ist gut organisiert und ausgestattet. In nur zwei Stunden kommt man übrigens von Dieppe nach Paris. Ein Ausflug den wir leider nicht machen wollten, denn die Wettervorhersage versprach mehrere Tage stabilen Westwind für die Weiterfahrt, den wir nutzen wollten. Somit währte unser Besuch nur 2 Tage, am 18. August brachen wir, leicht wehmütig, wieder auf, denn wir wären gern länger geblieben.
Für die Statistik: Roscoff – Dieppe (via St. Peter Port und Cherbourg): 228 sm. 26.413 sm Gesamt, davon 19802 sm in der Segelzeit.
Am 5. August segelten wir von A Coruna weiter nach Norden, wo wir in Viveiro noch einmal vor Anker gingen, um abzuwarten, bis die östlichen Winde am südlichen Rand eines Hochs vor der Bretagne aus der passenden Richtung bliesen, um einen guten Kurs Richtung Ärmelkanal anlegen zu können.
Kaps an Galiziens NW Ecke und Ria Viveiro
Am 7. August war es dann soweit. Gut gerefft liefen wir aus dem Schutz der Ría Viveiro hinaus in die kräftigen Ostwinde vor der NW-Ecke der Iberischen Halbinsel. Der Kapeffekt reichte gut 30 sm hinaus auf die Biskaya, bevor sich der Wind dann bei rund 15 Knoten einpendelte und für zügiges Vorankommen sorgte.
Delfine unterwegs und Ile de Baz
Nach zwei Atlantiküberquerungen fühlte sich die Biskaya bei dieser Überquerung an, wie das, was sie ist: Eine Bucht des Atlanischen Ozeans. Kaum unterwegs, hatten wir auch schon die Hälfte geschafft. Wir nahmen den Schwung und das günstige Wetter mit, umrundeten Quessant im Westen und liefen weiter, entlang der Bretonischen Küste, bis Roscoff. Das sympatische Örtchen und die Marina hatten wir noch in guter Erinnerung. Von hier ist es nun wirklich nicht mehr weit bis Deutschland. Endspurt sozusagen. Wir planen mal grob Guernsey (günstiger Diesel), Boulogne sur Mer und Den Haag als Zwischenstopps ein, womit wir noch vor Ende August deutsche Gewässer erreichen sollten. Wir werden sehen…
10 Tage und 1037 sm nach dem Auslaufen aus Horta am 24.07.2023, erreichten wir wieder das Europäische Festland, welches wir im Januar 2021 verlassen hatten.
Damit haben wir auch unsere 2. Atlantiküberquerung, dieses Mal von West nach Ost, zu einem Abschluss gebracht. Insgesamt stehen 4556 sm zu Buche, alles zweihändig, von Fernandina Beach, FL, via. Bermuda und die Azoren nach A Coruña, Spanien.
Eigentlich war unser Ziel für den Landfall auf dem Kontinent die Bretagne. Am siebten Tag unserer Überfahrt entwickelte sich ein Atlantiktief jedoch zu einem ausgewachsenen Sturm. Wir gingen auf Nummer sicher und setzten Kurs auf A Coruña. Eine Begegnung mit den mittlerweile berüchtigten Orcas erschien uns bei vorhergesagten Winden von über 40 kts westlich der Bretagne als das kleinere Übel. Der spätere Screenshot des Tiefs war Bestätigung, die Richtige Wahl getroffen zu haben. Auf dem Weg nach A Coruña sorgten die Ausläufer noch für mehr als genug Starkwind und Bedingungen, die im NAVTEX vom spanischen Wetterdienst als „very rough“ eingestuft waren.
Atlantikwetter 1 Tag vor Erreichen des Festlands.
Am Morgen des 3. August liefen wir bei 4 Meter Restdünung in den Hafen von A Coruña ein und machten schließlich, gut geschützt, in der Marina Real fest. Hier genießen wir nun als kleines Erholungsprogramm Galiziens Sommer, seine Spezialtäten, Tapas und Wein, bis dass uns das Wetter die Weiterfahrt nach Norden erlaubt.
Der Abbruch eines Hochseetörns ist etwas, was wir bisher noch nicht erleben mussten. Diesmal war es aber soweit. Am vierten Tag unseres Törns von den Azoren zum Ärmelkanal, war das Fass an Ausfällen nicht nur voll, es war am überlaufen. War jedes einzelne Problem für sich alleine noch gut zu managen, brachte uns die Kombination der Ausfälle von Herd (u.a. Verpflegung), Servicebatterien (u.a. Navigation), Keilriemen/Motor (Flautenschieber, Hafen- und MOB-Manöver) und später noch der Ausfall der Vorsegel-Rollreffanlage (Geschwindigkeit) unangenehm nahe an eine Situation, die ohne Hilfe von außen nicht mehr in den Griff zu bekommen war. Da wir zudem gerade einmal ein Viertel des Weges hinter uns gebracht hatten und das Wetter eine Umkehr möglich machte, gaben wir unser Ziel auf und kehrten nach 280sm, reichlich frustriert, um.
Im Schlepp zum Liegeplatz
Der Rückweg war dann rauer als zunächst vorhergesagt und auf den letzten Meilen, in schwachem Wind, eine Geduldsprobe. Dennoch erreichten wir am Samstag Mittag Horta, wo uns ein Marina-Boot in Schlepp nahm und auf einen Liegplatz verholte.
Wieder in Horta
Die kommenden Tage werden wir unsere To-Do-Liste abarbeiten und alle Systeme wieder zum Laufen bringen. Dann starten wir unseren zweiten, dann hoffentlich erfolgreichen Törn, von Horta in den Ärmelkanal.
Noch ein wenig Statistik zu unserer Atlantikrunde: 627 sm gesegelt. Unser „Meilenkonto“: 25.764 sm gesamt, 18324 sm davon in der Segelzeit.
Wir haben mit den Azoren ein neues Paradies für uns entdeckt. Weitgehend intakte Natur, Blumen an allen Ecken, Singvögel, glückliche Kühe mit ihren Kälbern auf saftig-grünen Wiesen, freundliche Menschen – und seit zwei Wochen sogar schönes Wetter. Die Aufzählung ist beliebig und unvollständig, deckt aber das ab, was wir bisher auf allen, von uns besuchten Inseln beobachtet haben: Faial, Pico und Sao Jorge. Jede davon hat ihre Besonderheiten, wohlgefühlt haben wir uns auf allen.
Unser Liegeplatz in der Marina in Horta gefiel uns so gut, dass wir es vorzogen, die Nachbarinseln mit der Fähre anzusteuern. Hinzu kommt, dass es jetzt in der „Hauptsaison“ schwer ist, in den ohnehin kleinen Häfen, bzw. Marinas einen Liegeplatz zu bekommen.,
Unsere ganz persönlichen Highlights: Auf Faial die Wanderung nach Norden, zur Praia Almoxarife, eine Wanderung um die Kaldera des zentralen Vulkans der Insel mit anschließendem Abstieg bis Horta und dann noch die kurze Wanderung zum Morro do Castelo Branco, dem Hausberg Hortas.
Faial
Pico entdeckten wir mit einem Mietwagen. Von einer Besteigung des Pico sahen wir ab, für die 1000 Höhenmeter vom Casa da Montanha zum Gipfel des Vulkans sind wir einfach nicht trainiert genug. Pico ist bekanntlich Weinanbaugebiet, wovon wir uns beim Besuch der Adega „A Buraca“ überzeugen konnten.
Pico
Sao Jorge besuchten wir ebenso mit der Fähre. Für drei Nächte bezogen wir in Velas ein Appartement mit Meerblick, Küche, großem Bad und TV. Urlaub im Urlaub, sozusagen. Die Fajas, kleine Landzungen am Fuße der Steilküste, von denen es mehr als 40 auf Sao Jorge gibt, haben dem Eiland den Beinamen Insel der Fajas beigebracht. Sie, ebenso wie das unbewohnte, zentrale Hochland mit seinen saftigen, mit Hortensien umrahmten Wiesen, ließen uns immer wieder ehrfürchtig staunend innehalten. Das Faja de Joao Diaz erwanderten wir zu Fuß über den alten, steilen Saumpfad, durch das üppiges Grün der Steilküste. Zurück nahmen wir den nur für Quads und kleine Allrad-Fahrzeuge geeigneten Fahrweg, der, reichlich abenteuerlich, in das fast senkrechte Gelände gebaut wurde.
Sao Jorge
In die Zeit unseres Aufenthalts in Horta fiel auch die Segelregatta Les Sables – Horta – Les Sables. Ein Teilnehmerboot, eine Pogo 40, auch gesponsert vom Trans Ocean e.V., mit Marvin Fink und Lennart Burke als Crew, hatte neben unserem Liegeplatz festgemacht. Ein wirklich schönes Highlight war für uns ein spontaner Sundowner mit den beiden und ihrer Shore-Crew bei uns an Bord. Lennart wird – verletzungsbedingt – bei der Rückfahrt nicht dabei sein. Marvin und dem gesamten Team drücken wir auf jeden Fall ganz fest die Daumen für den zweiten Teil des Rennens.
Regatta Les Sables – Horta – Les Sables
Auch wir brechen morgen, am Samstag, 8. Juli auf, in Richtung Ärmelkanal. Es wird also noch etwas dauern, bis wir weitere Bilder im Fotoalbum einstellen können. Bis dahin gibt es wieder kurze Updates von unserer Überfahrt via InReach.
Seit einer Woche liegen wir nun in Horta auf der Azoreninsel Faial. Es ist viel los hier, im Hafen. Nach zwei Tagen auf der Warteliste bekamen wir einen guten Liegeplatz im Yachthafen mit bestem Blick auf das Kommen und Gehen der Boote. Die meisten davon haben den langen Weg aus der Karibik oder Bermuda hinter sich, hinzu kommen Gastlieger, deren Törns vom europäischen Festland die atlantischen Inseln zum Ziel haben. Das bunte Treiben ist eines der Besonderheiten von Faial, die Boote und ihre Crews sind fester Bestandteil des öffentlichen Lebens hier in Horta, ihre Wandgemälde zieren Kaimauern und Stege rund um den Hafen. Alle haben seglerisch einiges geleistet, um hierher zu kommen. Eine Atlantiküberquerung ist kein Spaziergang.
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Wie auch bei uns geht schnell mal was kaputt, doch Hilfe findet sich in Horta schnell. Wir haben uns in die Hände von Harry begeben, einer jener Segler, die auf den Azoren hängen geblieben sind und der nun als Dienstleister, eigenhändig oder als Vermittler, für jedes Problem eine Lösung findet. So ist der gebrochene Lümmelbeschlag mittlerweile in Edelstahl neu gefertigt und die gebrochene Segellatte in der Fertigung. Die Nähte unserer Sprayhood lassen wir auch gleich überarbeiten, da sich das Garn, das der Hersteller verwendet hatte, zum großen Teil auflöst. Mangelnde UV-Stabilität nennt man das wohl. Ein unnötiges Ärgernis.
Gar nicht ärgern muss man sich hier über die Preise. Endlich haben wir die Mondpreise auf der anderen Seite des Atlantiks hinter uns gelassen und geniesen guten Gewissens Cafés, Bars, Restaurants und das gute Angebot der Supermärkte.
Auf der to-do-Liste stehen noch ein Ölwechsel und einige kleinere Checks und Arbeiten, bevor wir Horta wieder verlassen. Und natürlich wollen wir von Faial noch einiges sehen, worüber wir im nächsten Beitrag berichten wollen.
In 18 Tagen haben wir auf unserer zweiten Atlantiküberquerung 1852 Seemeilen von Saint George‘s auf Bermuda bis Horta zurückgelegt. Die Etmale lagen zwischen 90 und 120 Seemeilen, nach dem Ausfall unseres Großsegels, insbesondere an Tagen mit weniger Wind, etwas darunter. Ansonsten hat sich unser Trysegel bestens als „Not“- oder „Pannen“-Segel bewährt. Gut, dass wir es hatten.
Unser Routing verlief zum Teil weit südlich der Großkreis-Route, wo im Zeitraum unserer Überquerung südwestliche Winde vorherrschten, oft im Zusammenhang mit den Ausläufern mächtiger Tiefs im nördlichen Atlantik. Das Azorenhoch war verschwunden. Daniel übernahm die Rolle unseres Wetterrouters und hielt uns über die Nachrichtenfunktion unseres InReach Mini hervorragend frei von Starkwind und Schwerwetter, mit meist punktgenauen Vorhersagen über Winddreher oder gelegentlichen Schauerlinien. Christine empfand diese West-Ost-Überquerung als angenehmer als unseren Törn in die Karibik. Das haben wir sicherlich auch Daniel zu verdanken.
Weiter Bilder von unterwegs findest du im Fotoalbum.