SY Danja

Willst du segeln gehen, musst du erst die Leinen lösen…

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Newport, R.I.

Oktober 2nd, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Am 20. September erreichten wir wieder Newport. Es fühlte sich gut an, einen bekannten Ort erneut zu besuchen. Auf Newport trifft das in besonderem Maße zu. Es ist einfach schön, seinen Einkaufsladen zu kennen, den Waschsalon im Maritime Center, die Wassertankstelle, die Spaziergehwege und die Dinghy-Docks, all das kombiniert mit der wunderschönen Kulisse von Newport Harbor und der Narrangasett Bay.

Wir blieben über eine Woche in der Newport Harbor South Anchorage, wovon wir zwei Tage eingeweht waren. Hurricane Fiona, der zweihunder Meilen weiter östlich zwischen Neuschottland und Neufundland Kanada erreichte, bescherte uns über 24 Stunden Starkwind am Ankerplatz und den Hafenmeistern, die ihrer Bezeichnung alle Ehre machten, einiges an Arbeit, als Boote im Sturm losbrachen, sich teilweise in Mouringen verfingen, oder mit anderen Booten zu kollidieren drohten. Die Jungs waren mit ihren Booten und Tauchern sofort zur Stelle und klärten den Tumult so schnell wie er entstanden war.

Während unseres Aufenthalts begegneten wir dem ersten Segelboot unter deutscher Flagge seit unserem Einklarieren in Morehead im Mai. Imke und Uli waren mit der Eiland auf dem Weg in ein Winterlager auf dem Hudson. Der Austausch machte Spaß und veranlasste uns, die Dinghy-Ausrüstung US-konform aufzurüsten. Danke Uli, für den Tipp. Kostete weniger, als das potentielle „Ticket“ in Florida, wo wohl eifrig kontrolliert wird. Hier (LINK) gibt‘s übrigens eine gute Checkliste zum Thema.

Wir kauften die Schwimmwesten, die im Dinghy bleiben sollen, gebraucht bei Newport Nautical Supply Inc., einem Bootszubehör-Familienbetrieb mit rießiger Auswahl an Second-Hand-Waren im Untergeschoss.

Am Ankerplatz trafen wir auch Christian und Heidi wieder, die mit ihrer Aurora den Great Loop fast vollendet hatten und lernten Heike und Hans von der Makaan kennen, die wie wir auf dem Weg zu den Bahamas sind.

In Newport konnten wir uns schließlich auch Boostern lassen. Die Walmart-Pharmacy hatte den neuesten Impfstoff vorrätig und gegen Vorlage unserer Persos und den vorherigen Impfnachweisen konnten wir unser Immunsystem auf den neuesten Stand bringen.

Dennoch war am 26. September an der Zeit für den Aufbruch nach Westen. Die Reste von Hurrican Ian würde wohl auch in Neuengland bald für kräftigen Wind sorgen, den wir in besser geschützter Lage abwettern wollten. Wir werden Newport in guter Erinnerung behalten.

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Martha’s Vineyard und ein U-Turn

September 25th, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Die Passagen zwischen Buzzards Bay und Vineyard Sound gelten aufgrund recht kräftiger Gezeitenströme als nicht ungefährlich und sollten teilweise nur mit Ortskenntnis befahren werden. Für uns boten sich nur Quicks Hole und Woods Hole als sichere Querungen an, der Tidenstrom sollte dabei still oder mitlaufend sein. Erinnerte uns ein wenig an die Bretagne und ist letztlich, mit etwas Planung bezüglich der Tidenströme, unproblematisch. Größeren Respekt haben wir vor dem Wetter, welches hier oben, zu dieser Zeit, ganz schön wechselhaft sein kann. Teilweise auch überraschend für die Vorhersagemodelle. Auf unserem Weg nach Martha‘s Vineyard bildete sich im Westen so eine Gewitterlinie, die in keiner Vorhersage zu finden war. Vorwarnung gab es von der Coast Guard auf Kanal 16, die zunächst vor den sich 40sm westlich bildenden Stürmen warnte und dann in mehrere Seenotlagen von Kayaks über Kleinbooten bis Regattasegelbooten koordinieren musste. Wir sahen den Aufzug der Front in unserem Kielwasser und beeilten uns, nach Vineyard Haven zu kommen, wo wir unser Ankermanöver gerade abgeschlossen hatten, als das Unwetter losbrach.

Schietwetter im Anmarsch…

So schnell, wie die Front aufgezogen war, so schnell war sie auch wieder abgezogen, Wind und Wellen blieben jedoch, und sorgten auch im Lee unseres Ankerplatzes im Außenbereich von Vineyard Haven Harbor für eine schaukelige Nacht. Am Morgen verlegten wir durch die Beach Road Bridge in die geschützte Lagune von Vinyard Haven, wo das Geschaukel für die verbleibende Zeit unseres Aufenthalts auf Martha‘s Vineyard kein Thema mehr war.

Wir blieben 5 Tage auf der Insel und wären bei stabilerem Wetter gern länger geblieben. Die Versorgung klappt gut, mit Öffis kann man, mit einem 8-Dollar-Tagesticket, die gesamte Insel erkunden. Wanderwege und Strände helfen den Bewegungsdrang zu stillen. Besonders reizvoll fanden wir die aus Pilger-Sommerzeltlager entstanden Gingerbread Cottage Ortsteile in Oak Bluffs. Aus heutiger Sicht könnte man sie gut als Tiny Homes bezeichnen. Liebevoll gepflegt und für ihre Bewohner – ganz entgegen den sonst in den USA üblichen Wohnungs- und Hausgrößen – ein echtes Zuhause.

Die Wettermodelle kündigten weitere Fronten mit Starkwind an, weshalb wir die exponierte Lage der äußeren Inseln Neuenglands lieber verlassen wollten. Am 19. September gingen wir wieder Anker auf und segelten zunächst nach Hadley Harbor und von dort wieder westwärts, nach Newport. West- und südwärts wird denn auch das Motto der kommenden Wochen und Monate sein. Wir machen uns auf den Weg zurück ins Warme, zunächst nach Florida, dann zu den Bahamas.

Hier ein kleines Drohnen-Video zu Hadley Harbor. Sehr idyllisch, wenn auch die Sonne fehlt…

Mehr Bilder gibt’s wie immer im Fotoalbum.

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End of Summer

September 22nd, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Am Sonntag, 4. September verließen wir Lake Montauk in Richtung Block Island. An diesem Tag endete im Nordosten der USA offenbar auch der Sommer. Seither ist es deutlich kühler geworden, das Wetter wechselhaft, teilweise verregnet und deutlich windiger. Es war übrigens auch das letzte Ferienwochenende, hier im Norden, was für einen regelrechten Gästesturm auf Block Island zu sorgen schien. Wir fühlten uns bei Einfahrt in den Great Salt Pond, Block Islands zentraler Naturhafen, geradewegs nach Formentera auf den Balearen versetzt. Kaum noch ein Plätzchen zum Ankern, Party aller Orten, vom Jetski bis Megayacht waren alle damit beschäftigt, Wellen zu schlagen. Gruselig. Vielleicht war es einfach schlechtes Timing, oder Block Island zieht gerade die Massen an, egal, wir ergriffen am nächsten Morgen, lange vor Sonnenaufgang die Flucht und steuerten Newport an.

Sonnenaufgang zwischen Block Island und Newport

Newport, Rhode Island, wird oft als Segel-Hauptstadt Amerikas bezeichnet. Seit dem 18. Jahrhundert ist das Segeln fester, gesellschaftlicher und kultureller Bestandteil Newports. Seine geschützte Lage zwischen den Handelszentren Boston und New York, sorgten für frühen Wohlstand. Im 19. Jahrhundert zog es dann auch den amerikanischen Geldadel in die Stadt. Deren Sommerresidenzen prägen noch heute das Stadtbild. Trotz des überall sichtbaren Reichtums reserviert die Stadt einen Ankerplatz für „Cruisers on a Budget“, unterhält ein Martime Center mit Sozialräumen, Duschen und Waschmaschinen, zudem finden sich zahlreiche, kostenfreie Dingy-Docks entlang des Hafens. Vorbildlich.

Newport Harbor

Wir blieben 5 Tage in Newport, Schauer und kräftiger Wind schränkten die Landausflüge etwas ein. Den Cliffwalk, und ein Ausflug nach Fort Adams standen dennoch auf dem Programm, bevor wir den günstigen Wind nutzten, um am 10. September Cuttyhunk, Massachusetts, anzulaufen.

Unterwegs auf Cuttyhunk

Cuttyhunk ist die äußerste Insel im Südwesten der Inselgruppe Elizabeth Islands, die die Buzzards Bay im Norden vom Vineyard Sound im Süden trennt. Ganze 52 Einwohner leben auf der 2,3 qkm kleinen Insel. Der Hafen umfasst sowohl den Cuttyhunk Pond, als auch die relativ gut geschützte Bucht zwischen Cuttyhunk und Nashawena Island. Wie bei der Einwohnerzahl und Größe nicht anders zu erwarten, gibt es neben Spaziergängen über die Insel, oder Baden, nicht viel zu tun. Genau das macht Cuttyhunk aber zu einem lohnenswerten Ziel. Die Wettervorhersage trieb uns nach zwei Tagen weiter, durch das Quicks Hole ging es für uns in den Vineyard Sound und weiter nach Martha‘s Vineyard. Darüber mehr im nächsten Beitrag.

Auf dem Weg nach Martha’s Vinyard.

Mehr Bilder findest du wie immer im Fotoalbum.

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Long Island Sound

September 12th, 2022 · Segelzeit

Von Port Washington aus segelten wir weiter nach Osten und folgten dabei der Nordküste Long Islands. Der Long Island Sound, kurz LIS erstreckt sich vom East River bis zu den östlichsten Inseln der nördlichen Gabel Long Islands, im Norden entlang der Küste Conneticuts bis zur Grenze zu Rhode Islands. Die Wasserqualität wird dabei, wenig verwunderlich, um so besser, je weiter man nach Osten voran kommt. Sie hat sich übrigens über die Jahre deutlich verbessert, baden würden wir im LIS aber eher nicht. Einen interessanten Tracker zum Thema findet man hier: Save the Sound

Wir konnten den Sund mit gutem Wind absegeln, mit Port Jefferson gibt es auf halbem Weg einen sicheren Hafen mit guten Ankermöglichkeiten. Bei Point Orient, 30 Meilen weiter, gibt es dann wieder gute Ankermöglichkeiten, je nach Wind entweder im LIS, in der Gardiners Bay oder im Peconic River. Wir ankerten in der zweiten Nacht unseres Trips nach Osten südlich des kleinen Fährhafens von Orient, bevor wir dann am 1. September nach Lake Nontauk aufbrachen. Liegt nicht mehr am LIS, dafür aber am östlichsten Zipfel von Long Island.

Sonnenuntergang vor Orient

Lake Montauk war ursprünglich ein Süßwassersee, bis der Unternehmer Carl Graham Fisher, der übrigens schon Miami Beach zu einem Tourismus-Hotspot umgestaltet hatte, einen Zugang zum Block Island Sound in den Strand sprengte und den See vertiefte, um sein Miami Beach des Nordens mit Marina, Kasinos und Luxushotels auf den Entwicklungsweg zu bringen. Nach dem Börsencrash 1929 ging er in Konkurs, ein weiteres Immobilien-Großprojekt wurde in den 70er Jahren von Einwohnern gestoppt und das verplante Areal im weiteren Verlauf zu einem öffentlichen Park. Zusammen mit dem State Park um Camp Hero und Montauk Point Lighthouse entstand so ein Landschaftsschutzgebiet, das endlich einmal nicht vollständig mit privaten Villen und Protzbauten zugebaut wurde. Für die Ostküste eine Seltenheit!

Lake Montauk

Uns hat Lake Montauk sehr gut gefallen. Im Norden des Sees liegen Marinas und ein bedeutender Fischereihafen, der Süden ist dagegen wunderbar ruhig. Ein kleiner, öffentlicher Strand bietet Platz für‘s Dinghy, zu Fuß ist der Atlantikstrand erreichbar, und mit dem Fahrrad lassen sich schöne Touren unternehmen.

Weitere Bilder findest du wie immer im Fotoalbum.

Lake Montauk war eine der Empfehlungen eines amerikanischen Seglers, für den Neuengland das Heimatrevier ist. Hier hatte er ganz gut unseren Geschmack getroffen. Als nächste Ziele standen Block Island und Newport auf dem Plan, darüber aber mehr im nächsten Beitrag.

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New York

September 4th, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Einmal auf eigenem Kiel durch New York segeln. Der Wunsch entstand während eines früheren Besuchs der Stadt und hat uns während unser bisherigen Segelzeit begleitet. Am 24. August 2022 war es dann soweit. Bei Sonnenaufgang des zweiten Tages unserer Überfahrt von Cape May zum Big Apple tauchte zeitgleich mit der Sonne die Skyline Manhattans über dem Horizont auf. Beeindruckender Abschluss eines Segeltörns der angenehmen Art: Eine angenehme Brise aus West erlaubte uns, fast die gesamte Etappe ab Cape May unter Segeln zu bestreiten, der Probetag der Atlantic City Airshow 2022 sorgte am Nachmittag des ersten Tages zudem für spannende Unterhaltung.

Ankerfeld Atlantic Highlands

Um 8.00 Uhr morgens rundeten wir schließlich Sandy Hook und setzten, aufgrund des anhaltenden Westwinds, Kurs auf Atlantic Highlands. Im Bereich des dortigen Hafens, im Süden der Sandy Hook Bay, gibt es ausreichend geschützten Ankergrund und als Bonus, ein öffentliches Dinghydock. Wir hätten hier gern noch ein, zwei Tage länger bleiben können, Wetter (günstiger Wind für die Etappe nach NYC und weiter) und Hitze (immer noch rund 30°C im Schatten) ließen uns dann aber doch bereits am nächsten Tag nach NYC aufbrechen. Bei Gelegenheit werden wir hier sicherlich wieder einen Stopp einlegen. Die Versorgung im Ort ist gut, der Landgang dank des Dinghydocks einfach, ein Wanderweg entlang der Sandy Hook Bay lädt zu Spaziergängen ein und die Happy Hour im „On the Deck“ ist unbedingt einen Besuch wert. Einzig der Waschsalon in der First Street ist daneben. Ein echter Sauladen, der sich wohl nur hält, weil es keine Alternative im Ort gibt.

Am Nachmittag unseres zweiten Tages in Atlantic Highlands, am Donnerstag, 25. August, gingen wir Anker auf und setzten Segel Richtung Liberty Island. Mit der auflaufenden Tide rauschten wir unter der Verrazano Narrows Bridge hindurch in die Upper Bay und setzten alsbald Kurs auf die Freiheitsstatue und Liberty Island. Gleich dahinter warfen wir, außerhalb der Sperrzone, um 19.30 Uhr Anker und ließen die Kulisse von Manhattan, Jersey City, Brooklyn, Liberty-, Ellis- und Governors Islands auf uns wirken. Die ist wirklich beeindruckend, atemberaubend. Ebenso, wie der Lärm, besonders der Helikopter, die ohne Unterbrechung ihre Sightseeing-Runden um Miss Liberty drehen. Erst spät in der Nacht kehrte Ruhe ein, und machte das „Fern sehen“ wieder zur Freude.

Auch am Freitag konnten wir New Yorks (Lärm-)Kulisse noch lange genießen, denn erst mit der Nachmittagstide ging es für uns weiter, entlang Manhattan den East River hinauf, mit Ziel Port Washington. Der Tidenstrom schiebt übrigens gewaltig. Im Bereich Hells Gate mit über 4 Knoten. Gegenan ginge da für uns nicht mehr viel…

Port Washington ist ein idealer Stopp für Cruiser: Gut geschützter, weitläufiger Ankergrund, Mouringe, wenn gewünscht, ein städtisches Dock für Dinghies, Wasser und Pump-out, alternativ ein Pump-out-Boot über Funk bestellbar, Wassertaxi, einfach zu erreichende Supermärkte und Geschäfte und ein Bahnhof der Long Island Rail Road (LIRR). Für rund 9 EUR kommt man mit der LIRR von dort halbstündlich zur Penn Station, mitten in Manhattan, was wir gleich am zweiten Tag für einen Besuch nutzten.

Im Waterfront Park entdeckten wir noch etwas historisches zu Port Washington: Seit den 20er Jahren entwickelte sich Stadt und Region zu einem Zentrum der zivilen und militärischen Luftfahrt. Am 28. Juni 1939 eröffnete Pan American mit der Boeing 314 Clipper den ersten Passagier Linienflugverkehr über den Atlantik. Die Wasserflugzeuge starteten aus der Manhasset Bay, in der wir gerade ankerten.

In Port Washington blieben wir noch übers Wochenende. Wäsche (in einem top gepflegten Waschsalon), Wasser nachfüllen und Einkaufen stand noch auf der To-Do-Liste, bevor wir dann am Dienstag, 30. August nach Neu England aufbrachen.

Am Vortag lief übrigens die White Pearl in Port Washington ein, die schon auf dem Rückweg in den Süden ist. Wir kennen uns schon seit Samaná (DomRep). Es blieb dieses Mal leider bei einem kurzen Austausch im Vorbeifahren. Beim nächsten Treffen klappt das vielleicht besser, mit dem Timing. Zu Erzählen gibt es sicherlich vieles.

Auch in anderer Hinsicht war dieses kurze Wiedersehen etwas besonderes. Die White Pearl war das erste Boot unter einer europäischen Flagge, welches wir seit Ankunft in Moorhead, NC, trafen. Es scheinen dieses Jahr extrem wenig Boote vom alten Kontinent in den USA unterwegs zu sein.

Mehr Bilder findest Du wie immer im Fotoalbum.

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Nordwärts !

August 23rd, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Nur eine Stunde nach unserer Ankuft in Solomons hing unsere DANJA im Portalkran, auf dem Weg zurück in den Back Creek bei Solomons. Für‘s Putzen, Segel anschlagen, Aufräumen und Proviantieren wies uns die Spring Cove Marina für zwei Nächte einen Liegeplatz zu, was, ebenso wie die nicht mehr ganz so hohen Temperaturen, das Arbeiten etwas erträglicher machte. Am Montag, den 15. August, ließen wir, nach einer weiteren Nacht vor Anker im Back Creek, Solomons im Kielwasser hinter uns zurück. Im Bereich der Mündung des Patuxent River, im Schutz der Drum Point Landzunge warteten wir noch eine Nacht auf günstigen Wind, bevor wir dann in der Chesapeake Bay weiter gen Norden segelten.

Es geht zurück ins Wasser…

Annapolis, der Hauptstadt Marylands, wollten wir einen Besuch abstatten. Der Wind hielt nicht den ganzen Tag durch, weshalb wir im Rhode River für die Nacht einen Ankerstopp einlegten. Am 17. August liefen wir schließlich in Annapolis ein und suchten uns im Spa Creek einen Ankerplatz. Auch Ankerlieger werden hier vom Büro des Hafenmeisters registriert, dafür darf man dann auch (ggf. gegen eine geringe Gebühr) das Serviceangebot des Hafens nutzen: Pump-out Boot (5 US-$), Duschen/Waschsalon (1 US-$ p.P.), Müllentsorgung. Dinghy-Docks gibt es reichlich. Alle Straßen der Stadt, die am Wasser enden, haben eines. Viel Platz zum Ankern gibt es zwischen den städtischen oder privaten Mouringfeldern zwar nicht, wir hatten aber Glück, es war jetzt, Mitte August, wenig los.

Annapolis hat Charme. Alles ist sauber und aufgeräumt, die Downtown voller Leben mit vielfältigem Geschäftsleben. Dazwischen historische Gebäude, deren Alter man ohne Stadtführer nicht erkennen würde. Die verzweigten Seitenarme des Severn River sind fester Bestandteil der Stadt und werden stark frequentiert, sei es auf Kayaks, SUPs, Moter- oder Segelyachten.

Auch die United States Naval Academy ist fester Bestandteil der Stadt. Das 137 ha große Areal ist offen für Besucher und unbedingt einen Besuch wert. Geschichte, Tradition, Identität und Wertschätzung sind omnipräsent, das Motto Ex Scientia Tridens (Seemacht durch Wissen) wird hier ohne Kompromisse umgesetzt. Guter Start für einen Rundgang ist das Besucherzentrum, von wo aus man mit Guide oder auch auf eigene Faust auf Entdeckung gehen kann.

Am Freitag, den 19. August ging es für uns weiter. Trotz des fortgeschrittenen Sommers wollen wir unbedingt noch New York und Neuengland besuchen. Die Route dorthin führt über den Chesapeake und Delaware Kanal in die Delaware Bay und von deren Mündung schließlich entlang der Atlantikküste von New Jersey hinauf zum Big Apple. Am Sonntag früh um 3.00 Uhr erreichten wir nach einer durchsegelten Nacht und – damit es uns nicht langweilig wird – bei dichtem Nebel, den Harbour of Refuge am Cape Henlopen, Delaware. Nach einer kurzen Pause wird es für uns von hier aus auf die letzte Etappe nach New York gehen.

Mehr Bilder findest Du wie immer im Fotoalbum.

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Ein Sommer in Deutschland

August 15th, 2022 · Segelzeit

Am 30 Mai verließen wir unser Zuhause auf dem Wasser in Richtung Deutschland. Die mit Abstand günstigsten Flüge über Sommer fanden wir für die Strecke Newark(NJ)-Frankfurt/Main, incl. Anreise und Übernachtung in Washington DC. So lernten wir übrigens auch mal Greyhound und Amtrak kennen, die die großen Städte an der Ostküste in guter Taktung verbinden. Dass Deutschland just in diesem Sommer das 9 EUR Ticket als Antwort auf die Preisexplosion an den Tankstellen eingeführt hatte, kam uns sehr gelegen. Nach unserer Landung in Frankfurt, am Morgen des 1. Juni 2022, waren wir wohl unter den ersten, die mit dem Ticket in den Öffis unterwegs waren. In den kommenden Wochen dürften wir uns wohl in die Gruppe der 9 EUR Vielreisenden eingeordnet haben, denn dank unserer in ganz Deutschland verteilten Familie und zahlreichen Arztbesuchen boten sich zahlreiche Gelegenheiten in Bussen und Bahnen unterwegs zu sein.

Zwar waren Arztbesuche ein Grund für unsere Reise, der weitere, weitaus angenehmere Grund, war jedoch die Zeit, die wir mit unseren Kids und Enkel in Schwanewede und Wermelskirchen verbringen durften, ergänzt durch Besuche bei unseren Müttern in Kappeln und Germersheim.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Rieke und Daniel, sowie Anja und Sven für die gemeinsame Zeit.

Für den 10. August war unser Rückflug geplant. Zu unserer Freude gab es keine gesundheitlichen Gründe, die uns länger in Deutschland festgehalten hätten. Und so bestiegen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge unseren gebuchten Flug zurück in die USA, wo wir am 11. August wieder in Solomons ankamen.

Weitere Bilder finden sich, wie immer, im Fotoalbum.

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Über den Elizabeth River in die Chesapeake Bay

Juni 24th, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Nördlich des Great Bridge Locks beginnt der Elizabeth River, ein Seitenarm im Mündungsgebiets des James River am südlichen Ende der Chesapeake Bay. Die Städte Norfolk, Portsmouth und Chesapeake liegen am Elizabeth River, letztlich ein weitläufiger, natürlichen Hafen für die Handelsschifffahrt und vor allem die US – Navy, die an und in zahllosen Docks und Werften eine beeindruckende Zahl an Schiffen jeglicher Größe liegen hat.

Industrielandschaften statt Natur und Idylle: Elizabeth River

Am 18.05. passierten wir das Great Bridge Lock und folgten dem Elizabeth River die gut 5 Seemeilen bis Portsmouth. Wir ankerten gleich nördlich der Tidewater Marina, quasi im Zentrum von Norfolk und Portsmouth. Für 10 US-$ hatten wir dort Zugang zu allen Services der Marina, bei Besuch des Restaurants darf man auch umsonst sein Dinghy am entsprechenden Anleger festmachen. Ende Mai gibt es offenbar noch nicht viele Gäste von Außerhalb. Weder an Norfolks Waterfront, den Malls oder Bars und Restaurants, noch in den Museen war viel los.

Waterfront von Portsmouth, Elizabeth River

Großstädte liegen uns nicht so sehr, weshalb wir doch bereits nach zwei Tagen, am 20.05., wieder Anker auf gingen, um weiter nach Norden, in die Chesapeake Bay zu segeln. Wir waren auf dem Weg zu einem Stellplatz für unsere DANJA. Wir mussten für einige Wochen zurück nach Deutschland. Zunächst hatte wir Harrington Harbour North, östlich von Washington DC ins Visier genommen. Weit genug vom Atlantik entfernt und damit ausreichend vor der vollen Wucht eines möglichen Hurricanes geschützt. Neben der Segelpause planten wir im gleichen Zug auch das Unterwasserschiff wieder auffrischen (zu lassen).

Reedville, Chesapeake Bay

Auch die über 300 km lange und bis 48 km breite Chesapeake Bay versprach Segeln ohne Geschaukel. Zusammen mit den über 150 Zuflüssen bildet der Chesapeake Bay Complex ein Revier, welches man über Jahre befahren könnte, ohne jemals am gleichen Platz zu ankern oder zu liegen, wie uns amerikanische Segler erzählten. Auf unserem Weg nach Norden stoppten wir im Jackson Creek, Deltaville, im Cockrell Creek bei Reedville und schließlich in Solomons, Maryland. Solomons gefiel uns dabei so gut, dass wir in einer der zahlreichen Marinas nach einem Stellplatz fragten und schließlich bei der Spring Cove Marina hängen blieben. Hier würde unsere Danja auf uns warten können, während wir einen Teil des Sommers in Deutschland verbringen. Mit unserem Heimflug verändert sich natürlich auch unser Törnplan für 2022, darüber aber mehr im nächsten Beitrag.

Drumpoint Lighthouse, ein Wahrzeichen Solomons.

Mehr Bilder findest du, wie bisher, im Fotoalbum.

Und zur Statistik gibt’s auch noch was: Vor ziemlich genau 3 Jahren haben wir Deutschland aus Bremerhaven verlassen. In unserer Segelzeit haben sich bisher 11121 sm angesammelt, insgesamt stehen der Zähler bei 17732 sm.

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Lower Banks und AICW

Juni 23rd, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Unserer Route durch die Lower Banks folgte dem Atlantic Intracoastal Waterway (AICW) nach Norden. Die Naturlandschaft im Nordosten des US-Bundesstaats North Carolina ist unglaublich weitläufig und sehr dünn besiedelt. Von der vorgelagerten Inselkette der Outer Banks geschützt, erstrecken sich über viele hundert Quadratkilometer die Mündungsbereiche zahlreicher Flüsse North Carolinas. Der Intracoastal Waterway quert oder folgt diesen Gewässern, oder er führt durch Kanäle, wo es zur Zeit ihres Baus sinnvoll erschien. Die Wassertiefe entlang des Waterways unterschreitet selten die 4 Meter, einschränkend für uns Segler sind da eher die Brücken, deren Durchfahrtshöhe bei 65 Fuß liegt.

Ankerplatz vor Belleville, Pungo River

Es sind überwiegend amerikanische und kanadische Freizeitboote mit kleiner Crew, die den Intracoastal Waterway befahren. Jetzt, im Frühjahr, sind sie zumeist auf dem Weg nach Norden, nachdem sie den Winter in der Karibik oder auf den Bahamas verbracht hatten. Mit unserer deutschen Flagge sind wir echte Exoten und kommen immer wieder ins Gespräch mit den Locals, von denen viele, wie so oft in den USA, mit dem alten Kontinent noch irgendwie verbunden sind. Findet man entlang des Neuse und Palmico Rivers noch viele Ortschaften und Häfen, wird es, je weiter man nach Norden voran kommt, immer ruhiger und abgelegener. Nach queren des Albemarle Sounds durchfährt man über Stunden menschenleeres Sumpf- und Marschland, einzig die Anleger und Marinas am Coinjock Canal bieten begehrte und knapp bemessene Liegeplätze, Benzin- und Dieselservice.

AICW

Mit dem Erreichen des Albemarle and Chesapeak Canals in Virginia bleibt die unberührte Landschaft achteraus zurück. Der Kanal endet beim Great Bridge Lock, eine Schleuse in geschichtsträchtiger Umgebung, die unter anderem das salzhaltigen Tidengewässer des Elizabeth River von den nicht salzigen Schwarzwasserflüssen des südöstlichen Virginia bzw. nordwestlichen North Carolina trennt. Es war nicht schwierig, entlang unserer Route durch die Lower Banks, geeignete Ankerplätze zu finden. Das Ankern in der fast menschenleeren Umgebung ist ein Erlebnis für sich. Den Sound von abertausenden Wildgänsen, Enten und Fröschen bei Sonnenuntergang an unserem Ankerplatz im Blackwater Creek werden wir sicher lange nicht vergessen.

Public Dock, Great Bridge Memorial Park

Im Fotoalbum haben wir Route und Zwischenstopps mit Bildern dokumentiert. Hier kommst du dort hin…

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Hello USA!

Mai 16th, 2022 · Logbuch, Segelzeit

612 Seemeilen, 4 Tage und 16 Stunden. So lauten die nüchternen Zahlen zu unserer Überfahrt von Great Abaco, Marsh Harbour, nach Morehead City, North Carolina. Wie so oft war alles dabei. Der erste Tag war von der ganz üblen Sorte. 60° Windwinkel, 20-25 Knoten Wind, See 3 Meter +/- von der Seite, brechende Kämme. Sehr nasses Segeln, das erst am Abend, als Windwinkel und -Stärke besser wurden. etwas angenehmer wurde. Unser Kurs sollte uns nach Nordosten bis in den Golfstrom führen, mit dem „als Turbo“ wir dann bis vor North Caroline segeln wollten. Die Rechnung ging zunächst auf, mit raumem Wind ging es am Tag 2 und 3 im Golfstrom bei bis zu 8 Knoten SOG nach Norden. Nach der Biege nach Nordost, allerdings, zog er uns weiter von unserem Ziel weg, als es uns lieb war, und auch der Wind schlief zusehends ein. Es wurde ein mühsamer 4. Tag, langsam aus dem Golfstrom heraus und ebenso langsam Morehead City entgegen. Teilweise unter Passatsegel, dann wieder vor dem Wind kreuzend. Die Ansteuerung von Morehead City erfolgte dann erst nächtens, da aber alles gut betonnt und beleuchtet war, ohne Probleme. Am 3. Mai, kurz nach 23 Uhr, fiel unser Anker südlich Sugarloaf Island. Wir hatten noch unsere kurze Pflicht-Unterhaltung mit CBP und sprangen anschließend müde in die Koje.

Morehead City Transient Docks

Am nächsten Morgen verlegten wir in die Transient Docks, die städtische Marina. Das Einklarieren verzögerte sich um einen Tag, weil sich der CBP-Beamte an einem anderen Standort aufhielt, da er uns aber die Erlaubnis zum verlassen des Bootes gab, konnten wir uns an unsere To-Do-Liste machen, die Einkaufen, SIM-Karte besorgen, Wäsche waschen, Boot entsalzen, Boot putzen, Dinghy putzen, Starterbatterie tauschen, Segel tauschen, Wassermacher konservieren und weiteren „Kleinkram“ umfasste. Nach drei Tagen war alles erledigt. Wir ebenso.
Wir verließen Morehead City nach Norden, in den Lower Banks wollten wir etwas mehr Zeit verbringen, denn es war ja noch recht früh in der Saison.

Unterwegs auf dem Atlantic Intracoastal Waterway

Die erste Etappe führte uns am Samstag, 7. Mai, nach Oriental, am Neuse River. Wunderschönes Örtchen, super geschützter Ankerplatz, öffentlicher Anleger und kostenloses Wasser. Der Schutz war auch nötig, denn schon am Sonntag setzte im Zusammenhang mit einem NO-Sturm vor der Atlantikküste kräftiger Nordwind ein, der noch dazu einen erheblichen Temperatursturz auf 11°C mit sich brachte. Wir wussten ja, dass die Badesaison vorbei sein würde, dass wir aber gleich die Winterklamotten brauchen würden war nicht so prickelnd. Wetterbedingt – und auch weil wir es uns so gut in Oriental gefiel – blieben wir eine Woche da. Am Samstag, 14. Mai brachen wir wieder auf, weiter hinein in die Landschaft der Lower Banks, der heimischen Boddenlandschaft ähnlich, nur eben XXL. Mehr darüber im nächsten Beitrag.

Hafen, Marina und Ankerplatz von Oriental, NC.

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