Nordsee

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    Werft-Stopp

    Hooksiel liegt auf unserem Weg in die Weser, unserem künftigem Heimatrevier, und hat eine Werft, in der wir DANJA gut aus dem Wasser nehmen konnten. Zwei Projekte galt es zu erledigen: Frisches Antifouling, sowie Prüfen und Abdichten der Nirobuchse, die das Kokerrohr abschließt. Hier tropfte es bei höherem Ruderdruck und bei Fahrt unter Maschine.
    Frisches Antifouling brauchen wir für den Winter in der Weser (Kalkröhrenwurm), der Check der Ruderanlage war ohnehin überfällig. Auch nutzten wir die Zeit in der Werft, für unseren Umzug an Land. Mit einem Mietwagen transportierten wir unseren Hausrat zu unserem vorläufigen Zuhause nördlich von Bremen, wo wir auch den Abschluss der Arbeiten am Boot abwarten konnten.

    Die zogen sich dann etwas hin, denn im Zuge des Ruder-Refits zeigte sich, dass einer der Zugdrähte zwischen Steuerrad und Ruderquadrant beschädigt war. Von den 5 Adern des Stahlseils waren nur noch zwei übrig, ein Ruderausfall hätte uns jederzeit ereilen können.
    So wurden aus wenigen Tagen doch eineinhalb Wochen, bevor wir unsere DANJA wieder zurück ins Wasser setzen konnten. Zwar war – streng betrachtet – unsere Segelzeit, unsere Zeit als Liveaboards, mit dem Umzug an Land beendet, den Spätsommer wollen wir aber noch für einen kurzen Törn in die Ostsee nutzen. Familienbesuch…
    Darüber mehr im nächsten Beitrag.

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    Norderney

    Mehrere Tage westliche- oder südwestliche Winde versprach die Wettervorhersage, als wir Dieppe am 17. August verließen. Cap Gris-Nez erreichten wir, wie geplant, mit dem für uns günstigen Kentern des Tidenstroms. An Calais vorbei, folgten wir dem küstennahen Fahrwasser vor Dunkerque und später Oostende. Alles geschäftige Häfen, mit entsprechend starkem Schiffsverkehr. An Nachtruhe war deshalb kaum zu denken. Die Segel als Schmetterling konfiguriert steuerten wir nach Oostende das Rhein-Maas-Delta an, ein weiterer Schifffahrts-Hotspot in Europa. Der Hafen Rotterdam ist einer der größten Seehäfen der Welt und der größte Tiefwasserhafen Europas. Vor Hoek van Holland kreuzt ein für die Freizeitschifffahrt empfohlener Weg das Fahrwasser in den Hafen von Rotterdam, der sich von dort rund 40 Seemeilen landeinwärts, bis in die Rotterdamer Innenstadt erstreckt. Die Verkehrskontrolle macht einen guten Job und sorgt dafür, dass Groß- und Freizeitschifffahrt einigermaßen sicher aneinander vorbei kommen.

    Wir erreichten Hoek van Holland erst in der Nacht und noch dazu bei ungünstigem Strom, der im Mündungsbereich auf bis zu 2,3 Knoten anstieg. Für uns wurde es einmal etwas enger, worauf uns die Verkehrskontrolle aber rechtzeitig hinwies.

    Unterstützt vom weiterhin stabilen SW-Wind setzten wir unsere Reise entlang der Niederländischen Küste fort, vorbei an Den Haag und der Mündung des Nordseekanals, der Amsterdam mit der offenen See verbindet. Hier wurde es langsam, nach einer weiteren, ziemlich schlaflosen Nacht, wieder Tag.

    Wir entschieden uns auf einen Besuch der Westfriesischen Inseln zu verzichten und segelten weiter, an Texel und Terschelling vorbei, in Richtung Deutsche Bucht und Deutsches Wattenmeer. Norderney sollte unser nächster Halt werden. Das Wetter für die Querung der den Ostfriesischen Inseln vorgelagerten Flachs konnte nicht besser sein und sollte zudem noch einige Tage andauern. Nach einer weiteren, verkehrstechnisch entspannteren Nacht, erreichten wir am 22. August die Safe-Water-Tonne des Dove-Fahrwassers und steuerten mit auflaufender Tide den Hafen von Norderney an.

    Norderney war eine gute Wahl. Die Insel präsentierte sich uns bei hochsommerlichem Wetter von ihrer schönsten Seite. Die Marina bestens unterhalten, die Ortschaft geschäftig und gepflegt und die Strände echt der Hammer. Mit der Weser als künftigem Heimatrevier werden wir Norderney sicherlich wieder besuchen. Drei Tage verbrachten wir auf Norderney, bevor wir am Donnerstag, 25. August, wieder ablegten, um Hooksiel anzulaufen, wo wir in der Werft Hooksiel unsere Danja für einige Arbeiten aus dem Wasser holen wollten.

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    Westwärts

    Weser abwärts legten wir in Bremerhaven noch einen Stopp ein, um auf den vorhergesagten Ostwind zu warten. Am Sonntag, 23.06. war es soweit und wir verließen mit Betriebsbeginn der Schleuse des Neuen Hafens unseren vorerst letzten deutschen Hafen. 4 bis 5 Bft aus NO-O sollten uns an den friesischen und nach Möglichkeit auch holländischen Inseln vorbeischieben. Borkum war für uns nur Ausweichhafen, der nächste für uns sinnvolle Hafen erst Den Helder, besser noch Ijmuiden.


    Am nächsten Vormittag standen wir vor Vlieland, am Nachmittag vor Den Helder mit Kurs SSW. Dann schlief der Wind leider ein und unser Flautenschieber musste ran. Ijmuiden würden wir unter Maschine irgendwann nächtens erreichen, die Vorhersage versprach Flaute bis in den nächsten Tag hinein, weshalb wir uns entschieden unter der Küste vor Anker zu gehen. Kostete uns ein bisschen Überwindung denn der Spruch „Nordsee = Mordsee“ hatte sich irgendwo hinter den Ohren festgesetzt. Der Anker grub sich schließlich vor der Ortschaft Petten auf 6 Meter Tiefe in holländischen Sand und wir verschwanden zügig in der Koje. Die Nacht blieb kurz, schon um 4 Uhr kam der Wind zurück – dachten wir. Mehr als 6 Knoten wurden es nicht, hin und wieder schlief er an diesem Tag auch ganz ein. Es ging also mal unter Segel, mal unter Motor an Ijmuiden und Haarlem vorbei und wir nahmen Scheveningen/Den Haag als ersten holländischen Hafen ins Visier, wo wir kurz vor 15.00 Uhr festmachten.
    Die letzten Stunden waren brütend heiß. Strand und Hafeneinfahrt voll von Menschen, Ausflugsbooten, Luftmatratzen und was sonst noch alles schwamm. Kaum angelegt griffen wir Handtuch und Badesachen und machten uns auf den Weg zum Strand, wo wir glaubten, es zischen zu hören, als wir ins Wasser sprangen.


    Wir blieben drei Tage in Scheveningen.Werden wir in guter Erinnerung behalten. Der Besucherhafen wird recht voll, häufig finden sich drei Boote im Päckchen und es wird recht eng für Gästeboote. Alle Schiffe müssen mit dem Bug nach Norden festgemacht werden (Brandschutzvorschrift). Einige der dabei vorgestellten Techniken des Drehens auf der Stelle waren für unsere Begriffe abenteuerlich.
    Die Versorgung am Hafen ist bestens. Ein Supermarkt, Aldi und Fischgeschäfte sind fußläufig erreichbar, Restaurants gibt‘s wie Sand am Meer.
    Was sonst noch in Erinnerung bleibt: Tausende Fliegen, die mit der Flaute vor Den Helder aufs Meer trieben und unser Schiff in ein Schlachtfeld verwandelten. Ekelig. Ein MOB beim Anlegen in ein Päckchen nebenan. Dabei ging eine Brille verloren, die die Feuerwehr bei einer Tauchübung am nächsten Morgen wieder nach oben brachte. Das Glück ist eben mit den Tüchtigen. Die Besatzung versuchte zuvor geduldig über Stunden mit Gewicht und Haken das Teil vom Boden des Hafenbeckens hochzuholen.

    Für die Statistik: Bremerhaven – Scheveningen: 228 sm, davon 189 unter Segel. In Summe 735 sm in der Segelzeit.

    Mehr Bilder wie immer im Fotoalbum.

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    Auf Wiedersehen Deutschland

    Mit Besuchen von Hamburg und Bremen gewöhnten wir uns in den letzten Wochen an die Gezeiten und nehmen so ganz nebenbei Abschied von Good old Germany. Auf dem Programm standen zudem das Besorgen letzter Ausrüstungs- und Ersatzteile, der erste Ölwechsel und – leider immer noch – das Beheben unserer Probleme mit dem Drehzahlmesser (falsche und schwankende Anzeige). Nachdem sich Beta Marine (DE) in Nordenham durch einen eigenen Techniker davon überzeugt hatte, dass die Böbs-Werft alles korrekt installiert hatte, soll heute endlich ein Austausch – Drehzahlmesser eingebaut werden. Wir hoffen, dass diese Entscheidung die richtige war. Wir werden sehen.
    In Bremen verabschiedeten wir uns zudem im Rahmen eines Familientreffens von unseren Lieben, womit auch der eigentliche Startschuss für unsere Langfahrt fiel.


    Am 18.06. warfen wir im Europahafen Bremen die Leinen los und verlegten aus besagten Gründen nach Nordenham. Am Samstag erwarten wir einige Tage Wind aus Nord über Ost bis Südost. Genau richtig für unseren ersten Schlag in Richtung Atlantik.
    Noch einige Infos zum Revier:
    In Hamburg fiel unsere Hafenwahl auf den City-Sporthafen gleich neben der Elphi und den Ruesch-Kanal neben Finkenwerder. Im City-Hafen am Puls der Stadt, im Ruesch-Kanal ruhig und geradezu idyllisch.
    Alle von uns an der Weser besuchten Häfen (Nordenham, Lemwerder, Europahafen) gehören einem Freihafenabkommen an, die Liegegebühren sind mit 1 EUR – 1,30 EUR / Meter sehr anständig. Im Europahafen in der Überseestadt in Bremen lagen wir ruhig und in bester Lage in Bezug auf Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie. Vorherige Anmeldung ist empfehlenswert, nur 6 Liegeplätze sind für Gäste reserviert.

    Weitere Bilder findest du wie immer im Fotoalbum, statistisches hier.

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    Heimatrevier achteraus

    Wir haben die uns so vertraut gewordene Ostsee hinter uns gelassen. Am späten Nachmittag des 22. Mai schloss sich hinter uns das Tor der Schleuse Kiel Holtenau und damit erst einmal das Kapitel Ostsee-Segeln.
    Die Tage vor der Einfahrt in den Kiel Kanal verbrachten wir vor Anker im Plüschow-Hafen, genossen die Sonne, wenn sie denn schien, und sorgten für ausreichend Proviant für den bevorstehenden Revierwechsel. Am 22. nahmen wir dann noch im Kieler Hafen Hörn als drittes Crewmitglied Anja für die Passage durch den Kanal an Bord. Dort ließen wir uns Zeit und unterbrachen die Fahrt im Flemhuder See und vor der Schleuse des Gieselaukanals. In Brunsbüttel angekommen, hatten wir die Ehre als einziges Boot in der südlichen Kammer ausgeschleust zu werden. Etwa eine Stunde ging es dann gemächtlich gegen den nachlaufenden Strom Elbe aufwärts, bevor uns der Flutstrom erfasste und zu unserer ersten Destination im neuen Revier spülte: Hamburg. Unser Plotter registrierte 10,2 kts SOG. Willkommen im Tidenrevier. Spannend.

    Wir bleiben einige Tage hier in Hamburg, zunächst im City-Sporthafen, mit Blick auf die Elb-Philharmonie, später im Rüschkanal um unsere nächste Etappe nach Bremen vorzubereiten.
    Was waren die Highlights bis hierher? Wir notieren: Die Idylle im Gieselau-Kanal, unterbrochen nur von „Kanaltsunamis“ und dem Klappern der Holzbohlen der Klappbrücke über den Kanal. Das erste Grillen der Saison. Wildwechsel im NOK – fast hätten wir ein Reh überfahren. Ernsthaft! Die spektakuläre Kulisse des City-Sporthafens Hamburg. Der Fischmarkt.

    Bilder der Etappe Kiel – Hamburg findest du im Fotoalbum, Zahlen zum Törn hier.