Holland

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    Norderney

    Mehrere Tage westliche- oder südwestliche Winde versprach die Wettervorhersage, als wir Dieppe am 17. August verließen. Cap Gris-Nez erreichten wir, wie geplant, mit dem für uns günstigen Kentern des Tidenstroms. An Calais vorbei, folgten wir dem küstennahen Fahrwasser vor Dunkerque und später Oostende. Alles geschäftige Häfen, mit entsprechend starkem Schiffsverkehr. An Nachtruhe war deshalb kaum zu denken. Die Segel als Schmetterling konfiguriert steuerten wir nach Oostende das Rhein-Maas-Delta an, ein weiterer Schifffahrts-Hotspot in Europa. Der Hafen Rotterdam ist einer der größten Seehäfen der Welt und der größte Tiefwasserhafen Europas. Vor Hoek van Holland kreuzt ein für die Freizeitschifffahrt empfohlener Weg das Fahrwasser in den Hafen von Rotterdam, der sich von dort rund 40 Seemeilen landeinwärts, bis in die Rotterdamer Innenstadt erstreckt. Die Verkehrskontrolle macht einen guten Job und sorgt dafür, dass Groß- und Freizeitschifffahrt einigermaßen sicher aneinander vorbei kommen.

    Wir erreichten Hoek van Holland erst in der Nacht und noch dazu bei ungünstigem Strom, der im Mündungsbereich auf bis zu 2,3 Knoten anstieg. Für uns wurde es einmal etwas enger, worauf uns die Verkehrskontrolle aber rechtzeitig hinwies.

    Unterstützt vom weiterhin stabilen SW-Wind setzten wir unsere Reise entlang der Niederländischen Küste fort, vorbei an Den Haag und der Mündung des Nordseekanals, der Amsterdam mit der offenen See verbindet. Hier wurde es langsam, nach einer weiteren, ziemlich schlaflosen Nacht, wieder Tag.

    Wir entschieden uns auf einen Besuch der Westfriesischen Inseln zu verzichten und segelten weiter, an Texel und Terschelling vorbei, in Richtung Deutsche Bucht und Deutsches Wattenmeer. Norderney sollte unser nächster Halt werden. Das Wetter für die Querung der den Ostfriesischen Inseln vorgelagerten Flachs konnte nicht besser sein und sollte zudem noch einige Tage andauern. Nach einer weiteren, verkehrstechnisch entspannteren Nacht, erreichten wir am 22. August die Safe-Water-Tonne des Dove-Fahrwassers und steuerten mit auflaufender Tide den Hafen von Norderney an.

    Norderney war eine gute Wahl. Die Insel präsentierte sich uns bei hochsommerlichem Wetter von ihrer schönsten Seite. Die Marina bestens unterhalten, die Ortschaft geschäftig und gepflegt und die Strände echt der Hammer. Mit der Weser als künftigem Heimatrevier werden wir Norderney sicherlich wieder besuchen. Drei Tage verbrachten wir auf Norderney, bevor wir am Donnerstag, 25. August, wieder ablegten, um Hooksiel anzulaufen, wo wir in der Werft Hooksiel unsere Danja für einige Arbeiten aus dem Wasser holen wollten.

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    Bonjour La France

    Am Freitag, 28.06. ließen wir Scheveningen und Holland hinter uns. Mit dem Strom setzten wir Kurs auf das verkehrsreiche Mündungsgebiet des Rhein-Maas-Schelde-Deltas, ließen im Anschluss Belgien links liegen und setzten Kurs auf Calais.

    Wie schon auf der letzten Etappe ging dem Wind unterwegs die Puste aus und unser Flautenschieber musste verhindern, dass wir rückwärts segelten. Gegen Mittag des zweiten Tages lagen wir vor Calais, es bot sich also an, Boulogne-sur-Mer anzusteuern, wo wir schließlich um 16.20 Uhr festmachten. Das Anlaufen des Hafens ist unkompliziert, Port Control und die Marina nutzen UHF wie im REEDS beschreiben und man erfährt seinen Anleger bevor er in Sicht kommt. Kaum festgemacht kauften und verspeisten wir zum Anleger das erste echte französische Baguette unserer Langfahrt. Herrlich. Vive la France.
    Auch hier in Boulogne blieben wir einige Tage. Die Stadt hat einen angenehmen Flair, mehrmals die Woche ist Markttag, als größter Fischereihafen Frankreichs (Wikipedia) gibt’s quasi rund um die Uhr frisch angelandeten Fisch gegenüber der Marina. Den Strand kann man leicht zu Fuß erreichen, für‘s Sightseeing bieten sich Museen, historische Festung und mehr an.


    In der Marina selbst kamen stets alle Gästeboote unter. Das Personal spricht Englisch und ist sehr hilfsbereit. Einen Stadtplan gibt‘s beim Check-in, Baguette, Brot und Brötchen jeden Morgen ab 8.00 Uhr gleich neben dem Büro der Hafenmeisterei.
    Auch Post wird entgegengenommen, man kann sich also Ersatzteile o.Ä. zuschicken lassen.
    Wir blieben 5 Tage in Boulogne-sur-Mer, bevor wir zur nächsten längeren Etappe in Richtung Cherbourg aufbrachen.

    Für die Statistik: Scheveningen – Boulogne-sur-Mer: 141 sm, davon 83 unter Segel. In Summe 876 sm in der Segelzeit.

    Mehr Fotos wie immer im Fotoalbum.

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    Westwärts

    Weser abwärts legten wir in Bremerhaven noch einen Stopp ein, um auf den vorhergesagten Ostwind zu warten. Am Sonntag, 23.06. war es soweit und wir verließen mit Betriebsbeginn der Schleuse des Neuen Hafens unseren vorerst letzten deutschen Hafen. 4 bis 5 Bft aus NO-O sollten uns an den friesischen und nach Möglichkeit auch holländischen Inseln vorbeischieben. Borkum war für uns nur Ausweichhafen, der nächste für uns sinnvolle Hafen erst Den Helder, besser noch Ijmuiden.


    Am nächsten Vormittag standen wir vor Vlieland, am Nachmittag vor Den Helder mit Kurs SSW. Dann schlief der Wind leider ein und unser Flautenschieber musste ran. Ijmuiden würden wir unter Maschine irgendwann nächtens erreichen, die Vorhersage versprach Flaute bis in den nächsten Tag hinein, weshalb wir uns entschieden unter der Küste vor Anker zu gehen. Kostete uns ein bisschen Überwindung denn der Spruch „Nordsee = Mordsee“ hatte sich irgendwo hinter den Ohren festgesetzt. Der Anker grub sich schließlich vor der Ortschaft Petten auf 6 Meter Tiefe in holländischen Sand und wir verschwanden zügig in der Koje. Die Nacht blieb kurz, schon um 4 Uhr kam der Wind zurück – dachten wir. Mehr als 6 Knoten wurden es nicht, hin und wieder schlief er an diesem Tag auch ganz ein. Es ging also mal unter Segel, mal unter Motor an Ijmuiden und Haarlem vorbei und wir nahmen Scheveningen/Den Haag als ersten holländischen Hafen ins Visier, wo wir kurz vor 15.00 Uhr festmachten.
    Die letzten Stunden waren brütend heiß. Strand und Hafeneinfahrt voll von Menschen, Ausflugsbooten, Luftmatratzen und was sonst noch alles schwamm. Kaum angelegt griffen wir Handtuch und Badesachen und machten uns auf den Weg zum Strand, wo wir glaubten, es zischen zu hören, als wir ins Wasser sprangen.


    Wir blieben drei Tage in Scheveningen.Werden wir in guter Erinnerung behalten. Der Besucherhafen wird recht voll, häufig finden sich drei Boote im Päckchen und es wird recht eng für Gästeboote. Alle Schiffe müssen mit dem Bug nach Norden festgemacht werden (Brandschutzvorschrift). Einige der dabei vorgestellten Techniken des Drehens auf der Stelle waren für unsere Begriffe abenteuerlich.
    Die Versorgung am Hafen ist bestens. Ein Supermarkt, Aldi und Fischgeschäfte sind fußläufig erreichbar, Restaurants gibt‘s wie Sand am Meer.
    Was sonst noch in Erinnerung bleibt: Tausende Fliegen, die mit der Flaute vor Den Helder aufs Meer trieben und unser Schiff in ein Schlachtfeld verwandelten. Ekelig. Ein MOB beim Anlegen in ein Päckchen nebenan. Dabei ging eine Brille verloren, die die Feuerwehr bei einer Tauchübung am nächsten Morgen wieder nach oben brachte. Das Glück ist eben mit den Tüchtigen. Die Besatzung versuchte zuvor geduldig über Stunden mit Gewicht und Haken das Teil vom Boden des Hafenbeckens hochzuholen.

    Für die Statistik: Bremerhaven – Scheveningen: 228 sm, davon 189 unter Segel. In Summe 735 sm in der Segelzeit.

    Mehr Bilder wie immer im Fotoalbum.