Das ging schnell. Viel schneller als erwartet. Unsere DANJA hat einen neuen Eigner gefunden. Der Trennungsschmerz sitzt noch tief. DANJA war viel mehr als ein Zuhause auf See. Sie war zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden. Die letzten privaten Dinge vor der Übergabe von Bord zu tragen, hat uns emotional mehr mitgenommen, als wir das je gedacht hätten.
Wir sind zurzeit gut beschäftigt. Wohnung, Familie, Job, Winterlager, vieles will unter einen Hut gebracht werden. Das Ende unserer Segelzeit, als echte Liveaboards, hatten wir ja bereits während unseres Werftaufenthalts in Hooksiel eingeläutet. Nachdem wir DANJA danach für einige Tage in Cuxhaven gelassen hatten und unsere 49-Euro-Tickets intensiv für Familienbesuche nutzten, kehrten wir am 13. September zurück an Bord. Leider neigte sich das sommerliche, stabile Hochdruckwetter seinem Ende zu und statt via NOK bis in die Ostsee zu segeln, legten wir in Rendsburg einen weiteren Stopp ein, um einen ersten Herbststurm passieren zu lassen.
Hier trafen wir unsere Freunde Laurie, Alec und Jack wieder, die mit ihrer Gratitude gerade auf dem Weg von Norwegen über Dänemark, NOK und Hamburg, in Richtung London unterwegs sind. 3 Jahre und 3 Monate zuvor wünschten wir uns in Lagos „Fair Winds“. Gratitude reiste damals ins Mittelmeer, wir wollten weiter nach Westen. Während unseres unfreiwilligen Corona-Aufenthalts lagen wir am selben Steg, erlebten vieles gemeinsam und verloren uns in der folgenden Zeit nie ganz aus den Augen. Ein wunderschönes Wiedersehen, mit vielen guten Geschichten beim gemeinsamen Dinner im piccola Italia Esposito in Rendsburg.
In Anbetracht der geschützten Lage der Marina im Obereidersee, der guten Verkehrsanbindung, mit Bahnhof, Geschäften und Supermärkten quasi nebenan, entschieden wir uns, Rendsburg bis auf weiteres zu unserem Heimathafen zu machen. Damit war es auch an der Zeit einmal die Flaggen der von uns während unserer Langfahrt besuchten Länder zu hissen. Der Platz unter der Sailing reichte dafür nicht aus, mit dem Spi-Fall passte es dann aber.
Damit beendeten wir quasi offiziell unsere Langfahrt, die seit April 2019 um halb Europa herum, über den Atlantik in die Karibik, entlang der Ostküste der USA und via Bermuda und die Azoren wieder in die Nähe unseres Ausgangspunkts zurück führte. Das Logbuch dokumentiert 20.320 Seemeilen über einen Zeitraum von 1628 Tagen. Der „große Zähler“ steht nun bei 26.931 sm. Ein Grund stolz zu sein, und ein Grund zu feiern.
Seit einer Woche liegen wir nun in Horta auf der Azoreninsel Faial. Es ist viel los hier, im Hafen. Nach zwei Tagen auf der Warteliste bekamen wir einen guten Liegeplatz im Yachthafen mit bestem Blick auf das Kommen und Gehen der Boote. Die meisten davon haben den langen Weg aus der Karibik oder Bermuda hinter sich, hinzu kommen Gastlieger, deren Törns vom europäischen Festland die atlantischen Inseln zum Ziel haben. Das bunte Treiben ist eines der Besonderheiten von Faial, die Boote und ihre Crews sind fester Bestandteil des öffentlichen Lebens hier in Horta, ihre Wandgemälde zieren Kaimauern und Stege rund um den Hafen. Alle haben seglerisch einiges geleistet, um hierher zu kommen. Eine Atlantiküberquerung ist kein Spaziergang.
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Wie auch bei uns geht schnell mal was kaputt, doch Hilfe findet sich in Horta schnell. Wir haben uns in die Hände von Harry begeben, einer jener Segler, die auf den Azoren hängen geblieben sind und der nun als Dienstleister, eigenhändig oder als Vermittler, für jedes Problem eine Lösung findet. So ist der gebrochene Lümmelbeschlag mittlerweile in Edelstahl neu gefertigt und die gebrochene Segellatte in der Fertigung. Die Nähte unserer Sprayhood lassen wir auch gleich überarbeiten, da sich das Garn, das der Hersteller verwendet hatte, zum großen Teil auflöst. Mangelnde UV-Stabilität nennt man das wohl. Ein unnötiges Ärgernis.
Gar nicht ärgern muss man sich hier über die Preise. Endlich haben wir die Mondpreise auf der anderen Seite des Atlantiks hinter uns gelassen und geniesen guten Gewissens Cafés, Bars, Restaurants und das gute Angebot der Supermärkte.
Auf der to-do-Liste stehen noch ein Ölwechsel und einige kleinere Checks und Arbeiten, bevor wir Horta wieder verlassen. Und natürlich wollen wir von Faial noch einiges sehen, worüber wir im nächsten Beitrag berichten wollen.
In 18 Tagen haben wir auf unserer zweiten Atlantiküberquerung 1852 Seemeilen von Saint George‘s auf Bermuda bis Horta zurückgelegt. Die Etmale lagen zwischen 90 und 120 Seemeilen, nach dem Ausfall unseres Großsegels, insbesondere an Tagen mit weniger Wind, etwas darunter. Ansonsten hat sich unser Trysegel bestens als „Not“- oder „Pannen“-Segel bewährt. Gut, dass wir es hatten.
Unser Routing verlief zum Teil weit südlich der Großkreis-Route, wo im Zeitraum unserer Überquerung südwestliche Winde vorherrschten, oft im Zusammenhang mit den Ausläufern mächtiger Tiefs im nördlichen Atlantik. Das Azorenhoch war verschwunden. Daniel übernahm die Rolle unseres Wetterrouters und hielt uns über die Nachrichtenfunktion unseres InReach Mini hervorragend frei von Starkwind und Schwerwetter, mit meist punktgenauen Vorhersagen über Winddreher oder gelegentlichen Schauerlinien. Christine empfand diese West-Ost-Überquerung als angenehmer als unseren Törn in die Karibik. Das haben wir sicherlich auch Daniel zu verdanken.
Weiter Bilder von unterwegs findest du im Fotoalbum.
Mittlerweile haben wir uns so einigermaßen erholt, von unsere Passage von Florida zu den Bermudas. Wir waren nicht die einzigen, deren Überfahrt, sei es von den USA oder den Bahamas, von den vorherrschenden östlichen Winden in die Länge gezogen worden war.
Eigentlich sollten um diese Jahreszeit südwestliche Winde vorherrschen, allein das Wetter auf dem Atlantik schert sich darum überhaupt nicht. So gleichen sich die Stories der Ankerlieger in Saint George’s, dem Einklarierungshafen im Osten der Bermudas: Gegenwind und -strom, lange Motorlaufzeiten, Kreuzen mit frustrierend geringem Höhengewinn, mehrere Tage länger gebraucht, als geplant…
Wir sind in dem Zusammenhang froh und dankbar, mit Daniel einen super fähigen Wetterrouter zu haben. Er gleicht unsere InReach Position und Bewegung mit allen verfügbaren Wettermodellen ab und versorgt uns täglich mit aktualisierten Kursempfehlungen, Vorhersagen und Warnungen über die Nachrichtenfunktion des InReach Mini.
Eines der unangenehmsten Segelerlebnisse ‚ever‘ brachten uns dennoch die letzten 6 Meilen des Törns. So sehr wir uns auch beeilten, die angekündigte, dritte Front auf der Überfahrt zu den Bermudas erreichte die Nordostseite der Inselgruppe, wo auch die einzige sichere Zufahrt liegt, 2 Stunden vor uns und brachte Gegenwind mit bis zu 24 kts. Aus zwei wurden sechs Stunden, in denen wir uns unter Motor, quälend langsam, gegen Wind, Strom und Welle und mit stetem Blick auf das Ziel, in den geschützten Hafen kämpften. Bermuda Radio hält übrigens ein wachsames Auge auf alle ankommenden oder auslaufenden Schiffe. Das gab uns auf den hatten, letzten Meilen ein gutes Gefühl.
Einfahrt in den Town Cut, St. George’s, Bermuda
Mit Einfahrt in den Naturhafen von Saint George’s, am 18. Mai 2023, mit Einbruch der Nacht, blieben Strom, Welle und Krängung endlich zurück und wir tasteten uns vorsichtig durch das große Ankerfeld zum Customs Dock. Bis Mitternacht ist das Einklarieren möglich, dann haben die Beamten 8 Stunden Pause. Man hatte uns schon erwartet. Eine stolze Zahl an Formularen und noch mehr Unterschriften später, gab’s vor dem Gebäude noch eine Einweisung in St. Georges und wir waren eingereist. Im Dunkeln und mit Radar fanden wir in der Convict Bay noch ein Plätzchen für unsere Danja und konnten uns alsbald unserem verdienten Anleger widmen.
Unser Ankerplatz, Convict Bay, St. George’s, BMU
Die Front brachte windiges, wechselhaftes Wetter, mit sonnigen Abschnitten, die wir für ausgiebige Spaziergänge und einige Arbeiten am Schiff nutzen könnten. Den Beschlag unseres Spibaums hatte es mal wieder verbogen, die unterwegs getauschte LAVAC- Pumpe musste wieder einsatzbereit gemacht werden, die Vorräte für die nächste Etappe neu sortiert werden uns so weiter und so fort. Saint George’s ist ein gepflegtes, kleines Städtchen, mit fast allem, was das Herz begehrt. Allerdings ist es hier unglaublich teuer, egal ob Restaurant, Supermarkt oder Boutique.
Impressionen aus Saint George’s, Bermudas.
Zum Wochenende zog ein weiteres Tief heran. Heute, Montag, 22. Mai, regnet es meist und die Vorhersage für die kommenden Tage verspricht mehr Wind und noch mehr Regen. Noch wollen wir mit dem Bus einen Ausflug nach Hamilton unternehmen. Das schlechte Wetter macht das aber immer unwahrscheinlicher und mit der nächsten Wetterbesserung könnte sich unser Wetterfenster für die Weiterfahrt öffnen. Die hat Priorität.
Für die Statistik: 12 Tage waren wir unterwegs. 1031 sm legten wir zurück, 100 davon kreuzend, hoch am Wind. Wind, Welle und Bewuchs am Unterwasserschiff drückten unsere Durchschnittsgeschwindigkeit auf unter 4 kts.
Von unserem Ankerplatz in der Cocoanut Cove, Palm Beach, Florida wünschen wir allen, die unsere Seiten besuchen, ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!
Am Sonntag, 4. September verließen wir Lake Montauk in Richtung Block Island. An diesem Tag endete im Nordosten der USA offenbar auch der Sommer. Seither ist es deutlich kühler geworden, das Wetter wechselhaft, teilweise verregnet und deutlich windiger. Es war übrigens auch das letzte Ferienwochenende, hier im Norden, was für einen regelrechten Gästesturm auf Block Island zu sorgen schien. Wir fühlten uns bei Einfahrt in den Great Salt Pond, Block Islands zentraler Naturhafen, geradewegs nach Formentera auf den Balearen versetzt. Kaum noch ein Plätzchen zum Ankern, Party aller Orten, vom Jetski bis Megayacht waren alle damit beschäftigt, Wellen zu schlagen. Gruselig. Vielleicht war es einfach schlechtes Timing, oder Block Island zieht gerade die Massen an, egal, wir ergriffen am nächsten Morgen, lange vor Sonnenaufgang die Flucht und steuerten Newport an.
Sonnenaufgang zwischen Block Island und Newport
Newport, Rhode Island, wird oft als Segel-Hauptstadt Amerikas bezeichnet. Seit dem 18. Jahrhundert ist das Segeln fester, gesellschaftlicher und kultureller Bestandteil Newports. Seine geschützte Lage zwischen den Handelszentren Boston und New York, sorgten für frühen Wohlstand. Im 19. Jahrhundert zog es dann auch den amerikanischen Geldadel in die Stadt. Deren Sommerresidenzen prägen noch heute das Stadtbild. Trotz des überall sichtbaren Reichtums reserviert die Stadt einen Ankerplatz für „Cruisers on a Budget“, unterhält ein Martime Center mit Sozialräumen, Duschen und Waschmaschinen, zudem finden sich zahlreiche, kostenfreie Dingy-Docks entlang des Hafens. Vorbildlich.
Newport Harbor
Wir blieben 5 Tage in Newport, Schauer und kräftiger Wind schränkten die Landausflüge etwas ein. Den Cliffwalk, und ein Ausflug nach Fort Adams standen dennoch auf dem Programm, bevor wir den günstigen Wind nutzten, um am 10. September Cuttyhunk, Massachusetts, anzulaufen.
Unterwegs auf Cuttyhunk
Cuttyhunk ist die äußerste Insel im Südwesten der Inselgruppe Elizabeth Islands, die die Buzzards Bay im Norden vom Vineyard Sound im Süden trennt. Ganze 52 Einwohner leben auf der 2,3 qkm kleinen Insel. Der Hafen umfasst sowohl den Cuttyhunk Pond, als auch die relativ gut geschützte Bucht zwischen Cuttyhunk und Nashawena Island. Wie bei der Einwohnerzahl und Größe nicht anders zu erwarten, gibt es neben Spaziergängen über die Insel, oder Baden, nicht viel zu tun. Genau das macht Cuttyhunk aber zu einem lohnenswerten Ziel. Die Wettervorhersage trieb uns nach zwei Tagen weiter, durch das Quicks Hole ging es für uns in den Vineyard Sound und weiter nach Martha‘s Vineyard. Darüber mehr im nächsten Beitrag.
Unserer Route durch die Lower Banks folgte dem Atlantic Intracoastal Waterway (AICW) nach Norden. Die Naturlandschaft im Nordosten des US-Bundesstaats North Carolina ist unglaublich weitläufig und sehr dünn besiedelt. Von der vorgelagerten Inselkette der Outer Banks geschützt, erstrecken sich über viele hundert Quadratkilometer die Mündungsbereiche zahlreicher Flüsse North Carolinas. Der Intracoastal Waterway quert oder folgt diesen Gewässern, oder er führt durch Kanäle, wo es zur Zeit ihres Baus sinnvoll erschien. Die Wassertiefe entlang des Waterways unterschreitet selten die 4 Meter, einschränkend für uns Segler sind da eher die Brücken, deren Durchfahrtshöhe bei 65 Fuß liegt.
Ankerplatz vor Belleville, Pungo River
Es sind überwiegend amerikanische und kanadische Freizeitboote mit kleiner Crew, die den Intracoastal Waterway befahren. Jetzt, im Frühjahr, sind sie zumeist auf dem Weg nach Norden, nachdem sie den Winter in der Karibik oder auf den Bahamas verbracht hatten. Mit unserer deutschen Flagge sind wir echte Exoten und kommen immer wieder ins Gespräch mit den Locals, von denen viele, wie so oft in den USA, mit dem alten Kontinent noch irgendwie verbunden sind. Findet man entlang des Neuse und Palmico Rivers noch viele Ortschaften und Häfen, wird es, je weiter man nach Norden voran kommt, immer ruhiger und abgelegener. Nach queren des Albemarle Sounds durchfährt man über Stunden menschenleeres Sumpf- und Marschland, einzig die Anleger und Marinas am Coinjock Canal bieten begehrte und knapp bemessene Liegeplätze, Benzin- und Dieselservice.
AICW
Mit dem Erreichen des Albemarle and Chesapeak Canals in Virginia bleibt die unberührte Landschaft achteraus zurück. Der Kanal endet beim Great Bridge Lock, eine Schleuse in geschichtsträchtiger Umgebung, die unter anderem das salzhaltigen Tidengewässer des Elizabeth River von den nicht salzigen Schwarzwasserflüssen des südöstlichen Virginia bzw. nordwestlichen North Carolina trennt. Es war nicht schwierig, entlang unserer Route durch die Lower Banks, geeignete Ankerplätze zu finden. Das Ankern in der fast menschenleeren Umgebung ist ein Erlebnis für sich. Den Sound von abertausenden Wildgänsen, Enten und Fröschen bei Sonnenuntergang an unserem Ankerplatz im Blackwater Creek werden wir sicher lange nicht vergessen.
Public Dock, Great Bridge Memorial Park
Im Fotoalbum haben wir Route und Zwischenstopps mit Bildern dokumentiert. Hier kommst du dort hin…
Dem Strom des Galliot Cut folgend segelten wir am 16.4. von Cave Cay aus hinaus auf die „Banks“ und weiter nach Norden, geschützt durch die Kette der Exuma Cays. Einen Stopp beim Great Guana Cay ließen wir ausfallen und steuerten gleich den Ankerplatz von Big Major’s an. Viele Amerikaner verbringen die ganze Saison in der geschützten Bucht, trotzdem findet jeder noch ein Plätzchen.
Ankerplatz Big Major’s Cay
Hauptattraktion ist Pig Beach mit seinen frei laufenden (und schwimmenden) Schweinen. Ist letztlich auch nur ein Freiluft-Schweinestall, der jedoch, clever vermarktet, einen nicht enden wollenden Strom an Besuchern anzieht. Wir fragten uns das eine oder andere Mal schon, wer denn nun das größere Schwein ist, wenn Besucher versuchen, mit Steinen als Fake Futter oder Tritten das Beste Pig-Foto zu arrangieren. Unglaublich, was man da so sieht.
Schweine füttern…
Von uns gab es täglich Putz-Reste von Gemüse und Salat, das lieben die vierbeinigen Schweine. Daneben drehten täglich zwei Ammenhaie ihre Runde durch die Bucht und Stachelrochen schauten ebenfalls gern vorbei. Beim Schwimmen haben wir uns mittlerweile an solche Begegnungen gewöhnt.
Um die Ecke liegt Staniel Cay mit seinem Yacht Club und Dinghy Dock, Supermärkten und einem Waschsalon, echte Seltenheit auf den Exumas. Mit Dinghy liegen ferner der Pipe Creek, Staniel Cay mit seinen Ammenhaien und zahlreich Sandbänke in Reichweite. Allerdings nicht bei unserer Motorisierung und dem unvermindert stürmischen Wetter.
Staniel Cay Yacht Club
Die Preise für Proviant erreichen hier übrigens astronomische Beträge. 12 US-$ für eine Packung Romanasalat, 8,50 US-$ für eine Packung Tostbrot, 6 US-$ für Eier. Keine Ahnung, wie einheimische Arbeitnehmer hier über die Runden kommen.
Fünf Tage schauten wir dem munteren Treiben um Pig Beach und Big Major’s zu, dann brachen wir, trotz der unvermindert starken Winde auf, weiter Richtung Norden. Mehr Bilder gibt’s in Kürze im Fotoalbum.
Great Inagua ist die südlichste Insel der Bahamas, an klaren Tagen soll man vom Leuchtturm aus das nur runde 50 sm entfernte Cuba sehen können. Acklins- und Crooked Island sind bei den vorherrschenden, östlichen Winden das logische, nächste Ziel. Gern wären wir dann weiter zu den Jumentos Inseln, bekannt für Abgeschiedenheit und Einsamkeit auf vielen, unbewohnten Inseln und zudem (oder ebendem) nur wenig besucht. Beim zurzeit wechselhaften und sehr windigen Wetter erschien uns das als etwas zu abenteuerlich. Nach einer Starkwindpassage von Great Inagua nach Acklins Island, während der wir erstmals unsere Sturmfock zum Einsatz brachten, konnten wir einen ruhigen Nachmittag in der Sugar Bay, Acklins Island, verbringen.
Sugar Bay, Acklins Island
Das Wasser unvorstellbar klar und bis zum Horizont in allen Schattierungen von Blau und Türkis leuchtend. Muss man gesehen haben um es zu glauben, Bilder können dem kaum gerecht werden. Gern wären wir länger geblieben, doch leider mussten wir am nächsten Tag schon wieder weiter, ein bevorstehender Frontdurchgang mit kräftigem Nordwind, zwang uns, einen der wenigen, für solches Wetter geeigneten Ankerplätze, aufzusuchen. Wir fanden, mit einigen weiteren Yachten, Schutz hinter Long Cay, im Bereich der Zufahrt zur Acklins Bay, kurz bevor die Front mit heftigem Regen und Wind über uns hinwegzog. Zwei Tage später, am Montag, 28. März, drehte der Wind wieder auf NO und es wurde Zeit einen Leeankerplatz an einer Westküste aufzusuchen. Unsere Wahl fiel auf Landrail Point, an der Nordwestecke von Crooked Island.
Landrail Point, Crooked Island
Ein schöner Ankerplatz mit einem langen Sandstrand, den wir für einen Tag quasi für uns alleine hatten. In der Siedlung Landrail Point Settlement gibt es ein Restaurant, eine Boutique und einen Supermarkt. Sonst nichts. Sehr entspannt also. Im Restaurant (Gibson‘s Restaurant #2) verwöhnten wir uns mit einem reichhaltigen Mittagessen, welches wir weder so bestellt hatten, noch so von der Chefin angekündigt war, runde zwei Stunden Vorbereitungszeit brauchte und dann schließlich lecker, aber eben auch recht teuer war.
Landrail Point Settlement. Hier tobt das Leben…
Nördlich des Strands, gleich hinter Pittstown Point gibt es übrigens eine neue, großzügig ausgebaute Marina, deren Riffzufahrt mit roten und grünen Bojen markiert ist. Besichtigten wir auf einer unserer Strandwanderungen, denn die Liegegebühr von 4 $ / Fuß sind einfach zu astronomisch für ein paar Hafentage.
Eine längere Periode ruhigeren Wetters war weiterhin nicht in Sicht, weshalb wir die Jumentos endgültig abschrieben und Long Island als nächstes Ziel ins Visier nahmen. Versorgt mit frischem Obst und Gemüse aus dem begrenzten Angebot des Supermarkts, brachen wir schließlich am 1. April nach Long Island auf. Gut 30 sm sind es, bis hinüber zur Südspitze der Insel. Geschützt von einem Riff sollte man dort gut ankern können, auch gibt es eine Strandkneipe, deren Conch-Fritters besonders lecker sein sollen. Zu denen kamen wir jedoch nicht. Das Riff wurde seinem Schutzanspruch überhaupt nicht gerecht. Es wurde eine sehr , sehr unruhige Nacht mit wenig Schlaf ohne Aussicht auf Besserung der Bedingungen. Mit Sonnenaufgang verließen wir den Ankerplatz und segelten weiter nach Norden, entlang der Ostküste Long Islands, bis Clarence Town. Darüber mehr im nächsten Beitrag.
Weiter Bilder zur Acklins- und Crooked Islands-Gruppe findest du im Fotoalbum.
Die Nachtfahrt von Barbuda nach St. Barts werden wir in guter Erinnerung behalten. Mit Sonnenuntergang hatten wir Low Bay verlassen und bald darauf, bei achterlichen Winden um 10 Kt, unser Passatsegel ausgerollt. Die See war ruhig, die Neumondnacht dunkel, der Sternenhimmel klar. Fast geräuschlos glitten wir dahin, ideale Zutaten für Wache und Schlafpausen. Mit Sonnenaufgang lag St. Barts vor uns. Wir segelten mit gesetzter Q-Flagge bis vor Gustavia, wo wir dann ungewohnt lange nach einem Plätzchen für unseren Anker suchen mussten.
Hafen von Gustavia, St. Barts.
Gustavia ist gut besucht, die für kleine Boote geeigneten Ankerplätze voller privater Mouringe, das ganze eingerahmt mit endlos vielen Megayachten, ebenfalls vor Anker. Das Einklarieren ging danach aber erstaunlich schnell, auch weil wir unsere Daten bereits zuvor über das entsprechende Portal eingegeben hatten. Danach schnell noch ein paar Baguettes, Frischkäse und Weintrauben gekauft und zurück aus Boot für eine französische Brotzeit. Wieder in der EU, in unserem Fall Frankreich zu sein, hatte zudem den Vorteil, dass wir das Inklusivvolumen unsere deutschen SIM-Karten wieder nutzen konnten. Wer hätte das geahnt.
St.Barts hat viel zu bieten, aber nicht wirklich für unsereiner. Es ist der Spielplatz der Superreichen. Preise in Strandbars und -Restaurants astronomisch. In Gustavia gibt es fast ausschließlich Boutiquen à la Prada, Hermès und Bulgari, und so ganz ohne Botox, Silikon und Designer-Outfit glaubt man ab und an, auf einem fremden Planeten unterwegs zu sein.
Dass St. Barts von Hurrikan Irma ähnlich schwer verwüstet wurde, wie Barbuda, ist nicht einmal mehr zu erahnen und zeigt eindrücklich, wie weit sich die Schere zwischen Reich und Arm geöffnet hat.
Schön ist St. Barts wirklich. Strände, Buchten, das klare Wasser, die farblich stimmigen Gebäude, Villen und Hotels machen die Insel zu einer Perle in der Karibik.
Anse de Colombier
Und eine Attraktion wollen wir nicht unerwähnt lassen: Der Flughafen der Insel, Aéroport de Saint-Barthélemy-Rémy de Haenen (SBH) gilt als einer der extremsten und gefährlichsten Flughäfen der Welt. Ganz umsonst kann man der täglichen Flugshow im Anflugsbereich des Flughafens beiwohnen. Auch das gibt’s auf St. Barts.
Weitere Bilder findest Du, wie immer, im Fotoalbum.