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SY Danja

Willst du segeln gehen, musst du erst die Leinen lösen…

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Samaná

März 12th, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Zwischen Puerto Rico und der Dominikanischen Republik liegt die Mona-Passage. Bläst es mit über 15 Knoten, kann es dort sehr ungemütlich werden, wie viele Cruiser berichten. Unser Wetterfenster war gut gewählt, unter vollem Tuch, teilweise auch unter Passatsegel wurde es eine der angenehmeren Überfahrten. Gleich mehrmals konnten wir kleinere und größere Gruppen Wale beobachten, mal weiter entfernt, mal auch ganz nah. Sie sind zu dieser Jahreszeit eine der Touristenattraktionen im Nordosten der D.R..

Abendliche Anfahrt auf Samaná.

Die Anfahrt auf Samaná beeindruckt mit spektakulärer Kulisse. Üppige Vegetation bedeckt die steilen Ufer bis zum Meer, Palmen ohne Ende, dazwischen kleine Strände, menschenleer, das Hinterland bergig und ebenfalls von dichtem Grün bedeckt. Wir erreichten Puerto de Santa Barbara de Samana, so der vollständige Name, mit Sonnenuntergang. Riffe und die Insel Cayo Vigio bilden einen ausreichen geschützten Naturhafen, in dem sich eine kleine, wechselnde Seglergemeinschaft zusammengefunden hat. Am nächsten Morgen stellte sich Luis vor, der den Einklarierungsprozess organisiert und begleitet und als Ansprechpartner für die Dauer des Aufenthalts zur Verfügung steht.

Samaná!

Samaná ist eine geschäftige Kleinstadt. Touristen sind nur wenige unterwegs. Dafür um so mehr Mopeds, auf denen manchmal sogar eine vierköpfige Familie Platz findet. Mutige können auf Taximopeds mitfahren, Profis, mit ihrem Einkauf auf dem Schoß, sitzen seitwärts hinterm Fahrer. Andere Welt, halt.
Es ist günstig, hier in Samaná. Vom Lunch für umgerechnet 3 EUR, über die Ananas für 80 Cent, bis zum Mojito für 4 EUR, entlastet die D.R. die Bordkasse.
Paradiesisch ist es deshalb trotzdem nicht. Dafür sorgen insbesondere der überall herumliegende und letztlich im Meer landende (Plastik)Müll, die mit ablaufendem Regen ungeklärt in die Bucht strömende Abwässer und die vielerorts ungenügenden hygienischen Zustände. Auch die Bürokratie, mit der wir Segler in Berührung kommen, treibt so ihre Blüten. Da dagegen Widerstand bekanntlich zwecklos ist, spielen wir geduldig mit.

Nationalpark Los Haitises

Absolutes Highlight ist der im Süden der Bahia de Samaná liegende Nationalpark Los Haitises. Ausgestattet mit dem erforderlichen Despacho der Armada darf man dort vier Tage die beeindruckende Küste mit ihren Mangrovenwäldern, dichtem Regenwald und reicher Fauna mit Schiff und Dinghy entdecken. Es regnete häufig, als wir da waren, wir werden die einzigartige Natur dort aber sicher in guter Erinnerung behalten, wie leider auch den Plastikmüll, der selbst in den entlegensten Ecken zu finden ist.
Auch neue Freundschaften werden wir aus Samana mitnehmen. Beim gemeinsamen Pizzaessen lernten wir viele nette Crews kennen, von denen wir, auf unserem Weg nach Norden, sicherlich die eine oder andere wieder treffen werden.

Vor Anker im Nationalparkt Los Haitises

Mehr Bilder aus Samaná und Los Haitises findest Du wie immer im Fotoalbum.

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Puerto Rico, „Reicher Hafen“

März 5th, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Unsere Nachbarn am Ankerplatz, die bereits sein einer Woche von Fajardo aus die Insel erkundeten, boten uns ihren Mietwagen zur Übernahme an, ein Angebot, welches wir nicht ausschlagen konnten. Die Mietwagenfirma Thrifty hat ihren Sitz übrigens gleich um die Ecke, im Fajardo Inn. Wir nutzten die gewonnene Mobilität zum Erkunden des Nordostens Puerto Ricos. Insbesondere dem El Yunque National Forest wollten wir besuchen. Verkehr, Malls und Shopping Center gibt es, typisch amerikanisch, mehr als genug. Das Aufstocken der Vorräte für die Bahamas, die ja als teuer verrufen sind, hatten wir entsprechend schnell abgehakt.

Regenwald im „El Junque“

Der El Yunque Regenwald war seine Reise wirklich wert, wenn auch die ohne Reservierung begehbaren Wege für eine echte Wanderung viel zu kurz sind. Im Besucherzentrum konnten wir uns aber auch so einen guten Überblick verschaffen. Die PR-988 ist gut befahrbar, auf dem Weg zum Angelito Trail Head fuhren wir durch tiefsten Regenwald. Beeindruckend. Nicht alle Straßen durch den El Yunque sind so gut in Schuss. Die Anfahrt zum El Toro Trail Head über die PR-186 brachen wir ab, die Straße, wenn man sie so bezeichnen will, ist mehr etwas für Geländegängige Mietwagen. Mit Wanderungen ist es überhaupt nicht so weit her, auf Puerto Rico. Wir starteten noch einen Versuch in Richtung Leuchtturm Faro Las Cabezas am nordöstlichsten Zipfel der Insel, mussten jedoch feststellen, dass der den Leuchtturm umgebende Naturpark gesperrt ist. Es werden noch Hurricaneschäden beseitigt. Wir entschieden uns deshalb für eine vorzeitige Rückgabe des Mietwagens und eine weitere Erkundung Puerto Ricos von See aus.
Was sich alsbald als gute Entscheidung herausstellen sollte. In der wunderschönen Küste Puerto Ricos liegt der eigentliche Reichtum der Insel.

Sun Bay Beach, Vieques

Unsere Route führte uns zunächst nach Vieques, wo wir in der Sun Bay, später vor Esperanza, vor Anker gingen. Von Sun Bay Beach erreicht man recht einfach die Bahia Bioluminiscente, bzw. Mosquito Bay, eine der weit über die Insel hinaus bekannten Attraktionen der Insel. Unser Timing war etwas unglücklich, wir lagen ausgerechnet zu Vollmond vor Sun Bay Beach, wo das Leuchten der Dinoflagellaten Pyrodinium hahamense genannten Einzeller im Licht des Mondes nur zu erahnen ist.
Esperanza – gleich um die Ecke – ist ein herrlich entspanntes Örtchen, mit einer gepflegten Strandpromenade, wie wir sie bisher in der Karibik noch nicht gesehen hatten.
Von Esperanza aus segelten wir dann wieder nach Westen, entlang der Südküste Puerto Ricos. Wir stoppten im Jobos Bay National Estuarine Research Reserve, so der offizielle Name, in Salinas, vor der Isla Caja de Muertos und Gilligan‘s Island.

„Strandpromenade“ von Esperanza, Vieques

Die Jobos Bay ist ein rießiges Mangrovengebiet, Schutzgebiet und Zuhause für Manatees und leider auch Spielwiese für zahlreiche, jegliche Geschwindigkeitsbegrenzung ignorierende Jetski-Raser. Letztere wohl verantwortlich dafür, dass man Erstere kaum zu sehen bekommt. Nur am Morgen, bei Windstille, sahen wir die eine oder andere Nase aus der Ferne beim Luft holen aus dem Wasser ragen.
Salinas ist ein gut geschützter Naturhafen am westlichen Rand des Jobos Bay Mangrovengebiets. Ursprünglich wollten wir von Salinas aus noch einmal mit dem Mietwagen in die Berge Puerto Ricos, um eine Kaffeeplantage zu besuchen. Nachdem jedoch hirnlose Idioten in absoluter Dunkelheit mit ihrem Powerboot in 900PS-Gleitfahrt und mit Jetski im Gefolge durchs Ankerfeld heizten, strichen wir das Vorhaben ersatzlos und ergriffen die Flucht.

Im Mangroven-Delta der Jobos Bay

Die Isla Caja de Muertos (engl. Coffin Island) entschädigte Tags darauf mit herrlichem Sandstrand und Einsamkeit. Zeitweise hatten wir die Insel ganz für uns alleine. Highlight war die Wanderung auf den ehemaligen Leuchtturm der Insel.
Gilligan‘s Island war ebenfalls ein lohnender Stopp. Ausgedehnte Riffe und Inseln schirmen den Ankerplatz völlig von Welle und Dünung ab und verwöhnten uns mit zwei sehr ruhigen Nächten. In der Kneipe San Jacinto, gleich um die Ecke, gibt es traditionelle karibische Küche, günstig und sehr lecker!

Einsamer Traum-Ankerplatz vor Coffin Island

Unsere letzte Etappe führte uns dann nach Puerto Real, wo uns die Marina Pescaderia mit perfektem Service, großer Freundlichkeit und Unterstützung überraschte und begeisterte. Als Ankerlieger, wohlgemerkt. Vom Dinghy-Anleger über Waschmaschine, Seglertreff und Mietwagen vor Ort bleiben keine Wünsche offen. Diana leitet zurzeit das Team dort und die kleine Gebühr von 10 US-$ ist absolut angemessen. Über das Marina-Büro klarierten wir am 28. Februar aus Puerto Rico aus, und machten uns bei guter Wettervorhersage am 28. Februar auf den Weg über die Mona-Passage in die Dominikanische Republik, Ziel Santa Barbara de Samaná.

Mehr Bilde findest Du wie immer im Fotoalbum.

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Puerto Rico – Einreise mit Hindernissen

Februar 17th, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Für die Überfahrt nach Culebra verließen wir mit Sonnenaufgang Sint Maarten, schon am Nachmittag zuvor hatten wir die Spi-Bäume für unser Passatsegel gesetzt. Die Windvorhersage versprach achterliche Winde auf der gesamten Strecke, wir sollten also am nächsten Vormittag in Culebra eintreffen, wo wir in die USA einreisen und unsere Cruising Permit erhalten wollten.

Ansteuerung Enseada Honda, Culebra

Wir kamen wie geplant gut voran. In der Nacht, zwischen Britischen und Amerikanischen Jungferninseln, war einiges an Schiffsverkehr zu beobachten. Hatten wir in der Zahl lange nicht mehr gesehen. Leider drehte der Wind nördlicher als erwartet und zwang uns, die Passatbesegelung noch in der Nacht abzunehmen und auf Groß/Genua zu wechseln, später frischte der Wind so kräftig auf, dass wir deutlich reffen mussten. Culebra erreichten wir wie geplant, wenn auch etwas müder als erwartet. Gleich nach dem Ankern meldeten wir unsere Ankunft der US-Behörde Customs and Border Protection (CBP) um das weitere Einklarieren abzusprechen. In Culebra wurde daraus aber leider nichts. CBP habe keinen Officer in Culebra, als Port of Entry wäre Culebra nur über die ROAM-App zu nutzen. Für uns keine Option, da ja unsere Pässe gestempelt werden müssten. Es bliebe uns nur die Möglichkeit nach Fajardo weiter zu segeln um dort im CBP Office einzuklarieren. Das hatten wir uns wahrlich anders vorgestellt.

Ankerfeld im Lee von La Isleta

Jammern hilft bekanntlich auch nicht weiter, also gingen wir schweren Herzens wieder Anker auf, verließen Bahia Honda und Culebra und setzten Kurs auf Fajardo, eine Stadt im Nordosten Puerto Ricos. Vier Stunden später fiel der Anker erneut, diesmal im Lee der Insel La Isleta, gegenüber des verwaisten Fährhafens von Fajardo, der nur noch vom Shuttleboot zwischen Fajardo und La Isleta angelaufen wird. Das pinkfarbene US-Customs-Gebäude kann man vom Ankerplatz aus sehen. Nach unseren Telefonaten aus Culebra und nach Ankunft bei Fajardo, wurden wir von CBP bereits erwartet. Die Beamten waren super freundlich, Immigration, Customs und Agriculture stellten ihre üblichen Fragen, entschuldigten sich, wenn sie Rückfragen zu unseren Angaben in den bereits vorab ausgefüllten Crewlist (Form I-418) und Vessel Entrance Statement (Form 1300) hatten, sprachen ihre Anerkennung für eine Atlantiküberquerung mit einem so keinen Boot aus und überreichten uns nach einer knappen Stunde Reisepässe, Cruising Permit für ein Jahr und den Agriculture Inspection Report. Das alles natürlich noch mit den besten Wünschen für eine schöne Zeit in Puerto Rico.

Die US-Behörde CBP im pinkfarbenen Gebäude am Fährhafen Fajardos

Fajado selbst ist nicht der Brüller. Ein amerikanisches Mittelzentrum im Niedergang, seit der Fährhafen nicht mehr angelaufen wird, wie uns der Beamte bei Customs erklärt hatte. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht, bis in die Downtown sind es knapp 3 km, die Versorgungsmöglichkeiten dort aber äußerst dürftig. Für Proviant, SIM-Karte etc. muss man weiter zu den Shopping-Centern entlang des Highways, weitere 2-3 km entfernt. Nicht gerade ideal. Mussten wir also das Beste draus machen. Darüber mehr im nächsten Bericht.

La Isleta vom Fähranleger Fajardos aus gesehen

Noch einmals die wichtigsten Punkte für eine (Erst-)Einreise in die USA via Puerto Rico (Stand Feb. 2022):
– Die Einreise, bzw. das Einklarieren mit CBP vorab klären. Kontaktinfo hier: https://www.cbp.gov/contact/ports/field-office/san-juan
– Culebra ist (wenn kein Officer vor Ort) nur für die Einreise mit der CBP-App ROAM geeignet, hierfür braucht man bereits eine Cruising Permit und natürlich Internetzugang.
– Fajardo ist für die Einreise gut geeignet, im Lee von La Isleta liegt man auf gutem Ankergrund sicher.
– Das Büro der CBP liegt gleich hinter den Fähranlegern.
– Für die Überfahrt entweder das Dinghy nutzen oder in der Marina La Isleta (Dinghy-Gebühr US-$ 5 p.Person) festmachen und mit dem kostenlosen Shuttle übersetzen.
– Nächste Mietwagenstation: Fajardo-Inn (Thrifty)
– Self Service Laundry in Downtown oder in der Marina, Wal-Mart im Westen von Downtown, dort auch ein T-Online-Shop für SIMs.

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Sint Maarten

Februar 16th, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Der letzte, von uns besuchte Inselstaat der kleinen Antillen, war Sint Maarten, eigenständig, aber zum Königreich der Niederlande gehörend. Sint Maarten liegt auf dem südlichen Teil der Insel St. Martin, die wiederum zum französischen Überseegebiet und damit auch zur EU gehört. Klingt kompliziert, ist man aber erst mal einklariert, herrscht Freizügigkeit, sichtbare Grenzen gibt es nicht.

Brückenöffnung für die Zufahrt in die Simpson Bay Lagune

Wir liefen Sint Maarten nach zügiger Halbwind-Überfahrt unter Genua am 4. Februar an und warfen Anker in der Simpson Lagoon. Sahen wir in Antigua und St. Barts schon viele Megayachten, toppte die Insel deren Zahl locker. Die ganz Großen passen nicht durch die Klappbrücke zur Lagune und müssen draußen bleiben, drinnen scheint der Platz in den zahlreichen Marinas aber auch so schon knapp zu werden. Und wie schon zuvor beobachtet, endet Reichtum und Luxus spätestens am Zugang zur jeweiligen Marina. Drum herum herrscht das ärmliche Karibik-Chaos aus schlechten Straßen, fehlenden Gehwegen, zu vielen Autos und heruntergekommenen Gebäuden. Für die Geräuschkulisse am Ankerplatz sorgt der Flughafen, wobei locker die Hälfte der Flugbewegungen aufs Konto von Privatjets geht. Den einzigen „offiziellen“ Dinghy-Steg findet man beim Bürogebäude der Zoll- und Einwanderungsbehörde. Eine überschaubare Hafengebühr wird natürlich trotzdem fällig.

Danja vor Anker in der Lagune

Verwöhnt von den Stränden Antiguas und Barbudas konnten wir denen der Simpson Bay nichts abgewinnen. Ist ohnehin schwierig einen Strandzugang zu finden, wenn man nicht von See her anlandet. Lange Rede, kurzer Sinn, wir konnten dem Ganzen nicht viel abgewinnen. Ein Dinghy-Ausflug nach Marigot machte es auch nicht besser. Die Spuren der Verwüstung durch Hurrikan Irma (2017) sind noch überall sichtbar, die Lagune gepflastert mit Wracks, die Marina notdürftig repariert und weitestgehend verwaist.

Wandmalerei an Ruinen in Marigot

Hauptgrund für unseren Besuch war ohnehin ein anderer: Christine‘s Rücken verlangte nach einem Chiropraktiker und für die Bahamas fehlten uns noch ein guter Revierführer, den wir, zusammen mit einigen anderen Kleinteilen bei gut sortierten Chandlern auch fanden. Das Preisnivieau für Lebensmittel unterschied sich übrigens kaum von jenem, der bisher besuchten Inseln, fiele als Grund für einen weiteren Besuch also auch weg. Selten fühlte es sich so gut an, wieder Anker auf zu gehen und weiter zu segeln. Am 8. Februar klarierten wir wieder aus und verlegten in die Simpson Bay, von wo aus wir am 9. Februar bei Sonnenaufgang in Richtung Culebra (Puerto Rico) aufbrachen.

Ankerplatz Simpson Bay

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Saint Bartholomé (St. Barts)

Februar 8th, 2022 · Logbuch, Segelzeit

St. Barts am Horizont

Die Nachtfahrt von Barbuda nach St. Barts werden wir in guter Erinnerung behalten. Mit Sonnenuntergang hatten wir Low Bay verlassen und bald darauf, bei achterlichen Winden um 10 Kt, unser Passatsegel ausgerollt. Die See war ruhig, die Neumondnacht dunkel, der Sternenhimmel klar. Fast geräuschlos glitten wir dahin, ideale Zutaten für Wache und Schlafpausen. Mit Sonnenaufgang lag St. Barts vor uns. Wir segelten mit gesetzter Q-Flagge bis vor Gustavia, wo wir dann ungewohnt lange nach einem Plätzchen für unseren Anker suchen mussten.

Hafen von Gustavia, St. Barts.

Gustavia ist gut besucht, die für kleine Boote geeigneten Ankerplätze voller privater Mouringe, das ganze eingerahmt mit endlos vielen Megayachten, ebenfalls vor Anker. Das Einklarieren ging danach aber erstaunlich schnell, auch weil wir unsere Daten bereits zuvor über das entsprechende Portal eingegeben hatten. Danach schnell noch ein paar Baguettes, Frischkäse und Weintrauben gekauft und zurück aus Boot für eine französische Brotzeit. Wieder in der EU, in unserem Fall Frankreich zu sein, hatte zudem den Vorteil, dass wir das Inklusivvolumen unsere deutschen SIM-Karten wieder nutzen konnten. Wer hätte das geahnt.
St.Barts hat viel zu bieten, aber nicht wirklich für unsereiner. Es ist der Spielplatz der Superreichen. Preise in Strandbars und -Restaurants astronomisch. In Gustavia gibt es fast ausschließlich Boutiquen à la Prada, Hermès und Bulgari, und so ganz ohne Botox, Silikon und Designer-Outfit glaubt man ab und an, auf einem fremden Planeten unterwegs zu sein.
Dass St. Barts von Hurrikan Irma ähnlich schwer verwüstet wurde, wie Barbuda, ist nicht einmal mehr zu erahnen und zeigt eindrücklich, wie weit sich die Schere zwischen Reich und Arm geöffnet hat.
Schön ist St. Barts wirklich. Strände, Buchten, das klare Wasser, die farblich stimmigen Gebäude, Villen und Hotels machen die Insel zu einer Perle in der Karibik.

Anse de Colombier

Und eine Attraktion wollen wir nicht unerwähnt lassen: Der Flughafen der Insel, Aéroport de Saint-Barthélemy-Rémy de Haenen (SBH) gilt als einer der extremsten und gefährlichsten Flughäfen der Welt. Ganz umsonst kann man der täglichen Flugshow im Anflugsbereich des Flughafens beiwohnen. Auch das gibt’s auf St. Barts.

Weitere Bilder findest Du, wie immer, im Fotoalbum.

 

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Barbuda

Februar 3rd, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Die Wettervorhersage versprach für Sonntag, den 23. Januar Ostwind mit 10 Knoten Wind bei nur einem Meter Seegang. Sehr verlockend, für die 35 Seemeilen nach Barbuda. Mit dem ersten Tageslicht gingen wir deshalb vor Jolly Beach Anker auf, setzten Groß und Genua (Passatsegel) und machten uns zunächst auf nach Norden. Kurz vor uns verließ übrigens die SY Vagabonde die Deep Bay, ebenfalls mit Kurs Nord. So klein ist die Welt. Die Flachs im Norden Antiguas querten wir bei Prickly Pear. Das gab uns einerseits einen besseren Winkel am Wind auf dem Weg nach Barbuda, zum anderen füllten wir auf dem kurzen Stück nach Osten unter Motor unseren Wassertank nach.

Princess Diana Beach, Barbuda

Die Überfahrt nach Barbuda war dann ein echter Genuss. Konstante 10-12 Knoten Halbwind bei angenehmer Dünung bis zu unserem Ziel, der Cocoa Bay im Süden Barbudas. Vor dem Princess Diana Beach, im Schutz des Riffs vor Cocoa Point fiel gegen 15.00 Uhr der Anker. Um uns herum Türkis, vor uns, in gleißendem Weiß, ein schier endloser Strand. Paradiesisch, wären da nicht die im Bau befindlichen Strandvillen um das Cocoa Beach Resort herum, die schon aufgrund ihrer Größe einfach nicht ins Bild passen. Spaziert man am Strand nach Norden, verliert man die Baustelle aber bald aus den Augen. Platz ist ja noch genug.

Shack A Kai

Am Montag führte uns eine Strandwanderung zu Shack-A-Kai, eine Strandkneipe, die unter Seglern für den gegrillten Lobster, zu dem man seine eigenen Beilagen mitbringen darf, nah und fern bekannt ist. Unser Lobster-Essen gab‘s dann am Dienstag. Mit einem Fussili-Salat mit gegrilltem Paprika und gerösteten Pinienkernen und auf dem Grill geschmolzener Knoblauchbutter. Einfach genial und der Lobster ohne Abstrich eine echte Empfehlung.

11-Miles-Beach, Barbuda

Am Donnerstag verlegten wir zur Low Bay, an Barbudas Westküste. War an der Cocoa Bay schon nicht viel los, erwies sich die Westküste als geradezu menschenleer. Am 11-Mile Beach, nördlich der Ruine des Lighthouse Point Hotels, lagen mit uns gerade einmal 4 Boote vor Anker. Krass.
Am Freitag fuhren wir durch die seit Hurrikan Irma bestehende Öffnung im zuvor 17 Meilen langen Strand, über die Codrington Lagune, in die gleichnamige Inselhauptstadt. Die Fahrt zieht sich und ist mit unserem Dinghy im Passatwind zudem unangenehm nass. Einer der Gründe, weshalb wir uns spontan für eine vorgezogene Weiterfahrt entschieden. Hinzu kommen die kaum vorhandene Versorgungsmöglichkeit und das komische Gefühl, welches sich bei uns breit macht, wenn wir in einem HurricaneKatastrophengebiet, in dem die Schäden durch Irma noch lange nicht beseitigt und die Einwohner noch immer mit dem Wiederaufbau beschäfigt sind, seinem Privatvergnügen nachgehen will. Kurz: Wir klarierten in Codrington aus, machten für St Barts, unserem nächsten Ziel, einen Antigen-Test für je 100 US-$ und machten uns auf den Weg zurück über die Lagune. Mit Sonnenuntergang verließen wir Barbuda, früher als geplant, aber bei perfektem Wetter in Richtung Saint Bartholomé, besser bekannt als St. Barts.

Barbuda!

Hier noch ein wenig Statistik: 153 sm haben wir in Antigua und Barbuda zurückgelegt. In unserer Segelzeit haben wir jetzt 8.807 sm zurückgelegt, der Gesamtzähler stht bei 15.418 sm.

Weitere Bilder von Barbuda findest Du wie immer im Fotoalbum.

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Antigua und die Wassermacher-Saga

Januar 22nd, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Segeln an Antiguas Westküste

Im sauberen Wasser der Mosquito Cove vor Jolly Harbour nahmen wir erstmals nach Ankunft in der Karibik unseren Wassermacher wieder in Betrieb. Die Qualität des produzierten Wassers hatte sich weiter verschlechtert. Es schmeckte so salzig, dass wir es fortan nur noch zum Waschen und Putzen verwenden konnten und wohl oder übel auf Flaschenwasser umstiegen. Es begann die Ursachenforschung, für die wir uns bei den Vertretungen des Herstellers SLCE in St. Barts und Sint Maarten, dem Verkäufer in Deutschland und Watermaker-Services in Falmouth Harbour unterstützen ließen. Alle Tests, die wir so durchführten, blieben ohne Ergebnis. Alles im grünen Bereich. Blieb letztlich nur noch die Membrane selbst, die, aus welchem Grund auch immer, hinüber sein musste. Ein Verdacht, der mit Messung der Salinität bei Watermaker Services in Falmouth Harbour fast schon zur Gewissheit wurde. 1800 ppm und damit tatsächlich nicht mehr genießbar. Als auch das Zerlegen des Membrangehäuses keine schadhaften Dichtungen hervorbrachte blieb nur noch der Tausch. Watermaker Serivces erwies sich für uns als gute Wahl. Julian, Chef des Betriebs, schlug vor, die Membrane direkt vom Hersteller in den USA zu besorgen. Ginge schneller und würde zudem deutlich günstiger. Klar stimmten wir dem zu.

Danja in Falmouth Harbour

Das Warten auf die Lieferung der neuen Membrane nutzten wir zum Segeln. 365 Strände soll Antigua zählen. Einen für jeden Tage eines Jahres. Es gab also für uns noch einiges zu entdecken. Bei Slipway Marine in English Harbour füllten wir Wasser- und Dieseltank und machten uns wieder auf den Weg. Im Uhrzeigersinn einmal um ganz Antigua. Stopps legten wir ein vor Deep Bay Beach, Jumby Bay Beach, Big Bird Island mit seinem North und South Beach und vor Green Island, innerhalb der Non Such Bay. Von dort kehrten wir nach Falmouth Harbour zurück, denn unsere Membrane war nach einer Woche eingetroffen und bereit für den Einbau.

South Beach, Great Bird Island

Tags darauf war das Teil eingebaut und gespannt starteten wir einen Probelauf. Das Wasser schmeckte nicht mehr salzig. Aufatmen an Bord. Ein Test der Salinität bestätigte mit 250 ppm die Trinkwasserqualität, womit wir wieder unabhängig von landseitiger Wasserversorgung waren. Dank Watermaker Services hatten wir zudem noch eine Menge Geld sparen können. Julian und Karen sind auf Antigua unsere absolute Empfehlung bei Problemen mit dem Wassermacher.

An der Tankstelle der Slipway Marine, English Harbour

Am 20. Januar verließen wir Falmouth Harbour vorerst zum letzten Mal in Richtung Jolly Harbour. Dort wollen wir vor Anker auf günstigen Wind für die Überfahrt nach Barbuda warten.

Jolly Beach

In Kurzform noch einige Infos zum „Revier“:

  • Wasser ohne Liegeplatz fanden wir nur bei der Tankstelle der Slipway Marine in English Harbour. Fast so teuer wie der billige Diesel.
  • Man kann günstig und gut essen gehen, wenn man sich unter‘s Volk mischt (Sugar T’s, Captain’s Table, La Toya’s Local Cuisine)
  • Bei Great Bird Island ist man die fetten Mega-Yachten los. Die haben zuviel Tiefgang für diese wunderschöne Ecke Antiguas. Für Non Such Bay gilt das Gegenteil.
  • Der Ankerplatz in der Freeman‘s Bay (English Harbour) ist immer rappelvoll. In Falmouth Harbour lässt es sich dagegen gut ankern. Die Versorgung dort ist topp und vielfältig.
  • Bei Jolly Harbour lagen wir besonders gern vor Jolly Beach. Der Strand ist riesig und fast Menschenleer, weil die Hotels dort geschlossen sind.
  • Budget Marine (Jolly und Falmouth Harbour) ist super sortiert, falls mal ein Ersatzteil fehlt. Zum Einkauf immer die Einklarierungspapiere mitnehmen. Ist Voraussetzung für zollfreien Einkauf.
  • Antigua hat kein Entsorgungskonzept für seinen Müll, trotz des absurden Reichtums vieler seiner Gäste bleibt nichts hängen. Müll wird verbrannt. Das riecht man bei Ostwind besonders deutlich an der Westküste um St. John’s und Deep Bay.
  • Busse fahren überall hin, mit Fahrern von halb blind bis Formel 1 – Aspirant. Abenteuerlich. Beim Einsteigen das „Good Morning“ oder „Good Afternoon“ nicht vergessen!

Mehr Bilder zu Antigua findest du wie immer im Fotoalbum.

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Jahreswechsel in Antigua

Januar 2nd, 2022 · Logbuch, Segelzeit

Kaum angekommen, sind sowohl Weihnachten, als auch Silvester vorüber und wir sind in 2022 angekommen. So eine Überfahrt ist, was die Vorweihnachtszeit angeht, wie ein Blackout, aber wir haben wieder Tritt gefasst. Allen Lesern dieser Seiten, allen Freunden, Bekannten und ehemaligen Kollegen wünschen wir an dieser Stelle ein

Gutes Neues Jahr!

10 Tage nach dem Einklarieren sind wir wieder im Cruisingmodus. Englisch Harbour und die Freeman Bay, unser Ankerplatz über Weihnachten, haben wir hinter uns gelassen. In Erinnerung bleiben spannende Taxi- und Busfahrten sowie Begegnungen mit dem karibischen Amtsschimmel der Zollverwahrung auf der „Jagd nach dem Ersatzteil“ für unseren Kochherd, das quirlig-lärmende, vorweihnachtliche St. John‘s und die schöne Stimmung im weihnachtlichen Nelson‘s Dockyard, Weltkulturerbe und Treffpunkt für Yachties aus Nah und Fern.

Vor Anker in der Carlisle Bay

Am 27.12. folgten wir der Küste im Uhrzeigersinn zur Carlisle Bay, wo wir direkt vor dem exklusiven Carlisle Bay Resort vor Anker gingen. Das All-Inklusive-X-Mas-Packag für 990 US-$ pro Nacht, pro Zimmer. Das ist mal ‘ne Ansage. Tauschen hätten wir nicht wollen, denn vom Wasser aus, ist die Bay einfach unübertrefflich. Besonders krass auch der Kontrast zur Old-Road, an der das Resort liegt. Gemüse- und Obstgarten der Insel, aber auch zuhause des ärmeren Teils der Bevölkerung Antiguas. Keine Gegend für einen Abendspaziergang.

Unterwegs nach Jolly Harbour

Am 30. Dezember ging es für uns dann weiter Richtung Jolly Harbour. Wir warfen Anker in der Mosquito Cove, 10 Minuten vom Dinghy-Dock der Marina entfernt. Am letzten Tag des alten Jahres ließen wir uns als Walk-Ins in der New Villa Poly Clinic boostern. Genial! An dieser Stelle Danke dafür an Antigua und Barbuda!
Mit einigem Feuerwerk im Umfeld Jolly Harbours begrüßten wir von Bord aus das Neue Jahr. Wir sind gespannt was es für uns bereithalten wird. Die kommenden ein, zwei Wochen wollen wir noch einige Ankerplätze Antiguas und Barbudas erkunden, bevor wir dann wieder Segel setzen in Richtung Nordwest.

Sonnenuntergang in der Carlisle Bay

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Atlantiküberquerung

Dezember 25th, 2021 · Logbuch, Segelzeit

Freeman Bay, English Harbour.

Es ist geschafft! Mit reichlich Wind und Welle auf dem Weg liefen wir 20 Tage und 4 Stunden nach dem Auslaufen aus Puerto de La Estaca, El Hierro, am 20.12.2021 in English Harbour, Antigua and Barbuda ein. Im ruhigen Wasser der Freeman Bay bauten wir zunächst die Passatbäume ab und suchten uns anschließend für‘s Einklarieren einen Ankerplatz, was sich als etwas länger hinzog, als gedacht, denn unsere Ankerfernbedienung weigerte sich beharrlich außerhalb Europas zu funktionieren, letztes technisches Problem dieser Überquerung. Es folgte überraschend schnell und unkompliziert der Healthcheck und das Einklarieren in Englisch Harbour und danach endlich das verdienten Anlegerbierchen vor der herrlichen Kulisse der Freeman Bay.

Crew:
Zweihand über den Atlantik ist kein Spaziergang, das war uns vorher klar. Nur zwei oder drei Tage boten das so oft beschriebene, schöne Passatwindsegeln, mit gleichmäßiger Schiffsbewegung und vollen Segeln. Der Rest war echt anstrengend. Überlagernde Dünung und Windsee erzeugten unangenehme Kreuzseen mit entsprechend heftiger, kaum kalkulierbarer Schiffsbewegung und permanenter Geräuschkulisse des – trotz guter Polsterung – hin und her rutschenden Inventars. Ohne zwei Haltpunkte war an Bewegung im Schiff nicht zu denken. Mit einhändigem Balancieren riskierte man unweigerlich den Abflug zu machen. Wir hielten durchgehend 4-Stunden-Wachen, mit Sonnenuntergang begann jeweils die erste Nachtwache. Hat sich für uns bewährt. „Schlaf“ fanden wir am besten im Durchgang zur Heckkabine, tiefste Stelle im Schiff und gut Schulterbreit, guter Schutz also, unfreiwillig hin und her gerollt zu werden. Mehr als 2-3 Stunden Schlaf pro Tag kamen dabei trotzdem nicht zusammen. Essen hatten wir reichlich, zumeist jedoch kalt, in Form von Salaten, später als belegte Brote mit Käse, Dosenwurst und hartgekochten Eiern.

Schiff:
Das Vertrauen in unsere Glacer 363 ist mit der Atlantiküberquerung weiter gewachsen. Stehendes und laufendes Gut, Beschläge, Luken, Dichtungen, Einrichtung, Segel, alles hat den Törn ohne jegliche Schäden mitgemacht. Nur ganz, ganz selten, fanden einige Spritzer Salzwasser, von am Heck brechenden Wellenkämmen, ihren Weg ins Cockpit. Durchs Wasser bewegte sich unsere Lady stets weich und sicher, nur sehr selten sorgte Wellenschlag für einen lauteren Rumms, der das ansonsten entfernt klingende Rauschen des Wassers entlang des Rumpfes durchbrach.

Technik:
Ein guter Freund sagte einmal, dass alles was kaputt gehen kann, auch kaputt gehen wird. Können wir bestätigen. Am zweiten Tag kam es zu einem Leck in der Treibstoffzuleitung unseres Herdes. Der Schlauch gehört nicht zu den empfohlenen Ersatzteilen für unseren Herd, Ersatz also nicht an Bord. Mit 3 Wochen vor dem Bug dachten wir ernsthaft an Abbruch oder einen Zwischenstopp auf den Kapverden, denn ausschließlich kalte Küche war für mich schon fast eine Notlage. Ein Workaround war jedoch an Bord: Ein Primus Omnifuel Campingkocher. Der ließ sich auf unseren Herd schrauben und garantierte – wenn auch wenig im Einklang mit der Gebrauchsanweisung – halbwegs sicheres Kochen. Unsere Windfahnensteuerung kam während des Törns ausgiebig zum Einsatz. Mit Passatsegel ist man stets perfekt getrimmt unterwegs, entsprechend gut hielt unsere Windpilot Pacific den Kurs bis 160° Windwinkel. Nur für Kurse mit niedrigerem Windwinkel bevorzugten wir die Präzision unseres elektrischen Autopiloten. Dass sich an der Windfahnensteuerung aber nach zwei Tagen die Schrauben lösten, kam überraschend. Dank starker Rollbewegungen bekamen wir das Pendelruder aus dem Wasser und konnten die losen Teile wieder sichern. In der Folge wurde das tägliche „Ausschalten“ der Windfahnensteuerung und überprüfen aller Schraubverbindungen, bäuchlings mit dem Oberkörper über dem Heck des Schiffes liegend, zur Routine. Das Manual warnt, aufgrund der hohen Hebelkräfte, vor Arbeiten an einer sich im Betrieb befindlichen Anlage. Keine Ahnung wie sich der Hersteller das mit dem „regelmäßigen“ Prüfen gedacht hatte. Spaßfaktor: Sehr gering.
An Tag 10 nahmen wir unseren Wassermacher in Betrieb. Auf der Überfahrt nach El Hierro hatten wir ihn zuvor getestet, dummerweise aber nicht die Qualität des produzierten Wassers geprüft. Das schmeckte nämlich plötzlich total brackig. Die lange Ruhezeit war ihm, obwohl wir die empfohlenen Wartungs- und Reinigungsarbeiten penibel eingehalten hatten, nicht bekommen. An Tag 11, die Wetterbedingungen waren ok, beschäftigten wir uns deshalb mit einer neuerlichen chemischen Grundreinigung der Anlage und Membrane. Seither geht‘s wieder, mit dem Geschmack, ein weiteres Problem war vorerst gelöst.
Am Tag 14 gab der Antriebsmotor des Autopiloten nach einigem Knacken den Geist auf. Vermutlich Getriebeschaden. Für uns war der AP kritisches Element eines jeden langen Törns, zumal wir mit unserem Windpiloten auf anderen als Vorwindkursen gemischte Erfahrungen gemacht hatten. Deshalb war Ersatz an Bord. Knapp drei Stunden dauerte der Tausch, wobei besonders der Umbau des Zahnrads vom kaputten auf den neuen Motor Zeit kostete. Bei achterlichen Winden von 25, in Böen 30 Knoten aber keine schlechte Leistung.
Zur Ankunft, fiel dann, wie zuvor beschrieben die Fernbedienung unserer Ankerwinsch aus. Auch hier hatten wir Ersatz an Bord, da die alte bereits über 10 Jahre in Benutzung war.

Navigation und Wetter:

Obwohl rückblickend ein direkter Kurs von El Hierro nach Antigua möglich gewesen wäre, folgten wir zunächst dem klassischen Routing südwärts bis zum 20. Breitengrad, dann, bei unverändert guten Bedingungen, setzten wir Kurs direkt Antigua und Barbuda ab. Dabei unterstütze uns unser Sohn Daniel als „drittes Crewmitglied“, von Deutschland aus mit aktuellen Wetterdaten und Vorhersagen über InReach. Auf dieser Route vielleicht nicht lebenswichtig, dennoch aus unserer Sicht besonders wertvoll, halfen die Nachrichten über Satellit doch mehrfach bei Entscheidungen zu Kurs und Segelführung, sowie bei der Vorbereitung auf die Bedingungen, die die nächste Nacht oder der nächste Tag für uns bereithalten würden. Danke Daniel!

Statistik:
2712 Seemeilen waren wir unterwegs, 49 davon, fast ausschließlich im Einflussbereich der Kanaren, unter Motor. Die ersten beiden Tage segelten wir mit einem Rundsegel. Hat prima funktioniert, brachte aber nicht die Geschwindigkeit, die wir von unserem Passatsegel her kannten. Deshalb riggten wir vor Einbruch der Nacht unsere Passatbäume und segelten fortan mit unserem Passatsegel, bis in die Anfahrt des English Harbour. Wir brauchten 20 Tage und 2 Stunden für die Strecke, erreichten also eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,6 Knoten. Es war windig! Nur im Einflussbereich der Kanaren blies der Wind mit weniger als 20 Knoten. Ansonsten sahen wir überweigend 20-25 kt. Wind, zeitweise 25-30 kt, Boen auch deutlich darüber. Seit Beginn der Segelzeit haben wir nun 8.656 Seemeilen zurückgelegt, der Gesamtzähler steigt auf 15.267 Seemeilen.

Weitere Bilder der Überfahrt findest Du wie immer im Fotoalbum.

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El Hierro – in Startposition

November 28th, 2021 · Logbuch, Segelzeit

Puerto de La Estaca

Der Schwell an den Ankerplätzen der Südostküste La Gomeras hatte uns von dort vertrieben. Wofür wir dankbar sein dürfen, denn El Hierro gefiel uns auf Anhieb sehr gut, hat es doch vieles der Dinge, die uns besonders ansprechen: Wenig Verkehr, kein Trubel, freundliche Menschen, abwechslungsreiche Landschaften und beeindruckende Panoramen und das alles auf relativ kleinem Raum.

Blick auf El Golfo

Eine unserer ersten Ausflüge und Wanderungen führte und von Guarazoca im Nordwesten, über den Mirador de La Peña auf die Hochebene im Zentrum der Insel und zur Ortschaft San Andrés und von dort über Tiñor zurück zum Puerto de La Estaca, einmal quer über die Insel. Das Erleben absoluter Stille über lange Strecken war ein besonderes Highlight in unserer sonst so von Lärm verschmutzten Welt. Es folgten Ausflüge nach El Pinar, La Frontera und in den Westen El Hierros. Unterwegs entstanden viel Bilder für‘s Fotoalbum, die ein wenig von der Seele El Hierros festgehalten haben.

Unterwegs auf El Hierro

Kulinarisch haben wir zwei Highlights zu vermerken: Auf unserer Wanderung über die Insel kehrten wir wir ins Casa Goyo, San Andrés, ein, wo wir so gut speisten, wie lange nicht. Genial dort das Pechuga de Pollo Rellena und der Pie de Limón. Sehr lecker aßen wir auch im Restaurante Bahia an der Playa de Timijiraque, 2,5 km südlich des Puerto de La Estaca, gleichzeitig auch das einzige Restaurant im Umkreis des Hafens.

Vila de Valverde

Gleich neben der Marina lädt übrigens ein Strandbad zum Schwimmen ein, super als Ausgleich für die vielen Höhenmeter, die man wandernd zurücklegen kann.
Mit uns warten im Hafen noch weitere Crews auf den für sie richtigen (Wetter-)Moment für den Aufbruch über den Atlantik. Wir selbst haben den 30. November ins Auge gefasst. 2750 Seemeilen liegen vor uns, Ziel Antigua.
Unseren Freunden und Bekannten und unseren ehemaligen Kollegen in der Heimat wünschen wir auf diesem Weg schon mal eine schöne Adventszeit, und falls wir es nicht rechtzeitig in die Karibik schaffen, Frohe Weihnachten!

Felices Fiestas aus El Hierro

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