Ankern

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    Familienzeit

    Nach unserer Einreise in die USA boten sich zwei alternative Routen für unsere weitere Reise nach Jacksonville, im Norden Floridas. Entweder draußen, entlang der Küste nach Norden, oder auf dem Intracoastal Waterway (ICW) via Daytona Beach und St. Augustine in den Saint Johns River. Da Anfang April noch kein Zeitdruck bestand, entschieden wir uns für Letzteres. Die Vorhersage versprach für fast eine Woche überwiegend frischen Wind aus östlichen Richtungen, was viele Segelmeilen auf den geschützten Wasserwegen des ICW versprach. Angenehm auch, dass wir sowohl den Weg, gute Ankerplätze und Anlande- und Versorgungsmöglichkeiten bereits kannten. Wir freuten uns auf unbeschwertes Segeln, denn Seegang und Ozeanwetter würden wir dieses Jahr sicherlich noch genug bekommen.

    AICW – Unterwegs nach Norden.

    So ging es also für uns mit Ankerstopps bei Titusville, New Smyrna Beach, Daytona Beach und dem Matanzas River zunächst bis St. Augustine, wo wir am Mittwoch, 12. April 2023, gleich nördlich der Bridge of Lions vor Anker gingen und uns auf den Besuch unseres Enkelkindes freuen durften. Daniel, Rieke und Karlo verbrachten den Freitag an Bord, wo das vorläufig jüngste Crewmitglied dann auch gleich seine erste Einweisung erhielt.

    Am Sonntag starteten wir mit dem ersten Tageslicht in die letzte Etappe zu den Downtown Landings in Jacksonville. Mit Daniels Auto und Hilfe holten wir dort das im November eingelagerte Gut zurück an Bord und bunkerten eine große Ladung Vorräte für unsere bevorstehende Atlantiküberquerung.

    Die kostenlosen Liegeplätze entlang der Downtown Landing liegen zwar günstig für das, was wir zu erledigen hatten, fehlende Security und allerhand zwielichtige Gestalten stellen jedoch ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, wie wir in der dritten Nacht vor Ort feststellen mussten: Drei Idioten versuchten morgens und halb vier unser Schiff los zu machen. Weil unsere fünf Landleinen zum goßen Teil durch die Klampen am Steg geführt waren, wurden wir rechtzeitig wach, als die Chaoten an den schiffsseitgen Klampen herumzufingern begannen. Mit Bewegung und Licht im Schiff ließen sie von ihrem Vorhaben ab und zogen von dannen, dennoch waren wir reichlich geschockt. Wären wir nicht wach geworden, hätte uns die starke Strömung des St. Johns River mit der ablaufenden Tide in nur ein, zwei Minuten unter die Main Street Bridge getreiben, wo wir unweigerlich havariert wären.

    So etwas erfüllt den Tatbestand des versuchten Totschlags. Dennoch zeigte sich die Polizei wenig interessiert, als wir den Vorfall telefonisch dort meldeten. An öffentlichen Stegen werden wir zukünftig wohl grundsätzlich mindestens eine Kettenverbindung zum Steg herstellen.

    Wir informierten auch das zweite Schiff, das mit uns an den Downtown Landings festgemacht hatte, bevor wir weitere 15 Meilen den Saint Johns River hinauf fuhren, um im Julington Creek vor Anker zu gehen. Näher konnten wir an Daniels und Riekes Zuhause nicht herankommen, außerdem liegt der Ankerplatz in ruhiger, schöner Umgebung mit Marinas, einer öffentlichen Bootsrampe (Mandarin-Park) und guten Versorgungsmöglichkeiten in „walking distance“.

    Hier bleiben wir, bis das Wetter für unseren Start zu den Bermudas passt. Die Zeit dahin füllen wir mit Familien- und Enkelbesuchen, sowie Wartungs- und Vorbereitungsarbeiten für unsere Atlantiküberquerung via Bermudas und Azoren. Anfang Mai sollte es soweit sein…

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    Nord-Eleuthera

    Eleuthera Island im Osten und die Ost-West ausgerichteten Inseln Ile George, Russel Island, Royal Island und Egg Island bilden eine große, nach SW offene Lagune mit 2-5 Metern Wassertiefe, die geschützte Ankerplätze für fast jedes Wetter bietet. Rundum-Schutz bietet darüber hinaus eine große Lagune auf Royal Island, in der wir auch einmal Schutz suchten, als die Vorhersage Starkwind mit über 30 Knoten aus W bis N ankündigte. Spanish Wells, ganz im Norden der „Lagune“ ist sowohl Port of Entry, als auch ein guter Versorgungsort für Cruiser. Der dortige Supermarkt, Food Fair, ist für die Bahamas sehr gut sortiert. Einen Waschsalon sucht man allerdings vergeblich.

    Wir konnten uns jedenfalls gut mit frischen Waren versorgen und genossen ansonsten das kristallklare Wasser und die stabile Wetterperiode mit schwachen Winden und viel Sonnenschein.

    Erst am 15. Januar zog es uns weiter und wir segelten via Current Cut in die eigentliche Bight of Eleuthera. Unsere bisherigen Stationen dort waren das Glass Window (davon haben wir auch ein Video erstellt), der 2 Meilen SO gelegen Ankerplatz The Cove und schließlich die Hatchet Bay mit Alice Town (und noch ein kleines Video). Die Hatchet Bay bietet ebenfalls perfekten Wetterschutz, wir stoppten dort allerdings für das Miracles Wash House und frische Lebensmittel.

    Eleuthera punktet bei uns mit (fast) leeren Ankerplätzen, kristallklarem Wasser und dem für die Bahamas herrlich milden Klima.

    Die Kehrseite wollen wir aber auch nicht ganz verschweigen: Die Preise für Lebensmittel sind astronomisch. Eine Müllverwertung gibt es nicht und weil Müllvermeidung auch kein Thema zu sein scheint, landet viel zu viel am Straßenrand, im Wasser oder wird, wenn der Sammelplatz voll ist, einfach abgebrannt. Und da das meiste Einkommen wohl für die Grundversorgung drauf geht, bleibt für Luxus, wie Pflege von Haus und Garten, zum Beispiel, selten was übrig. Entsprechend ärmlich sehen die Orte, abseits der Luxus-Hotelanlagen dann auch aus.

    Ihre Freundlichkeit haben sich die Menschen aber bewahrt und als Fußgänger am Straßenrand kann man sich fast sicher sein, früher oder später eine Mitfahrgelegenheit angeboten zu bekommen.

    Und jetzt lassen wir einfach die Bilder sprechen:

    Das folgende Video entstand am Ankerplatz „The Cove“, südlich des Glass Window. Bahamas pur…

    Weitere Bilder findest du wie immer im Fotoalbum.

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    Jax bis Cape Canaveral

    Am 1. Dezember verließen wir Jacksonville mit Ziel St. Augustine. Ein kräftiger NNO-Wind ermöglichte, trotz vieler Windungen des Pablo- und Tolomato Rivers, angenehmes Segeln auf dem Intracoastal Waterway (ICW). Bei Vilano Beach, nördlich der Francis and Mary Usina Bridge und in Blickweite von St. Augustine gingen wir am späten Nachmittag vor Anker. Vilano Beach hat ein Public Pier, welches wir am nächsten Morgen mit dem Dinghy ansteuerten. Von dort sind es nur wenige hundert Meter bis an den Atlantikstrand und wir freuten uns auf eine lange Strandwanderung. Unterwegs kommt man an einem Publix-Supermarkt vorbei, ideal, um die Bordküche wieder mit frischem Obst und Gemüse aufzufüllen.

    Vilano Beach

    Am 3. Dezember fuhren wir dann 3 Meilen weiter, nach St. Augustine. Nördlich der Bridge of Lions und östlich des Fahrwassers fanden wir unseren Ankerplatz, genau gegenüber des Stadtzentrums von St. Augustine, welches nachts in weihnachtlichem Lichterglanz erstrahlte. Nights of Lights nennt sich die Lichtershow, die allabendlich unzählige Besucher anzieht. Die spanische Kolonialarchitektur, das stattliche Castillo de San Marcos und einige Protzbauten der Flagler-Era sorgen auch tagsüber für volle Straßen, Restaurants und Geschäfte im historischen Stadtviertel. St. Augustine gilt als die älteste, dauerhaft bewohnte, von der „Alten Welt“ gegründete Stadt auf dem USA-Festland. Wirklich authentisch ist allerdings nur das spanische Fort. Der Rest erinnert irgendwie an einen Disney Themenpark – und sobald man das historische Viertel verlässt, sieht es aus wie in jeder US-Stadt: Große Straßen, viele Autos, lange Wege und die üblichen Shopping-Viertel.

    Nights of Lights, St. Augustine

    Die städtische Marina unterhält auch das perfekt zentral gelegene, gebührenpflichtige Dinghy-Dock. Für die Gebühr von 12 $ pro Tag bekommt man Zugang zu allen Services der Marina: Duschen, Toiletten und Waschsalon. Nutzten wir für zwei Tage, bevor wir uns wieder auf den Weg machten.

    Cape Canaveral war unser nächstes, größeres Ziel. Unser Weg über den ICW führte uns an Ankerplätze im Matanzas Inlet, Daytona Beach und New Smyrna Beach, bevor wir schließlich Titusville, am Indian River, erreichten. In Kurzform einige Kommentare zu unseren Stopps:

    Matanzas Inlet: Idyllisch gelegen, fern jeglicher Stadt, sehr geschützt, mit einem alten, spanischen Fort und viel Platz.

    Ankerplatz im Matanzas Inlet

    Daytona Beach: Hat uns nicht gefallen. In die Jahre gekommene, Auto-fixierte Stadt, deren Strand in katastrophalem Ausmaß dem November-Hurricane Nicole zum Opfer gefallen ist. Taugt aufgrund der weiten Wege nicht einmal zum Verproviantieren.

    New Smyrna Beach: Guter Zwischenstopp auf dem Weg nach Titusville, auch wenn Ankerplätze rar sind. Das Dinghy-Dock der Stadt haben wir nicht ausgecheckt.

    Titusville: Großes, markiertes Mouring-Feld, betrieben von Titusville Marina. Kostet 20$ pro Tag. Man kann aber auch außerhalb des Mouring-Felds ankern und bekommt für 6$ Gebühr Zugang zu allen Service-Einrichtungen der Marina. Topp!

    Space Walk of Fame, Titusville

    Titusville ist Verwaltungssitz des Brevard County, auf dessen Gebiet der Launch Compex 39, aktiver Startplatz der NASA am Cape Canaveral, liegt. Erst mit Beginn des Raumfahrtzeitalters gewann die Stadt an Bedeutung, heute leben im Großraum Titusville über eine halbe Million Menschen, der Ort selbst wirkte auf uns aber angenehm kleinstädtisch, mit großen Parks und einer überschaubaren, und lebendigen Downtown.

    Für uns ging es von hier zum Kennedy Space Center. Ein Besuch, den wir nicht auslassen wollten und der wirklich lohnend ist. Getoppt – oder vervollständigt – wurde das Erlebnis durch die Starts gleich zweier Space X – Missionen, jeweils mit der Zugabe der Rückkehr und Landung der ersten Stufen nach Cape Canaveral.

    ONEWEB 1 MISSION, 8. Dez. 2022

    Nächstes Ziel für uns ist Palm Beach. Dort wollen wir Weihnachten verbringen. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

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    Mystic

    Unser erstes Ziel auf dem Rückweg nach Süden war Mystic in Connecticut. Wir nutzten den noch kräftigen Westwind am 29. Sep. für eine kurze Teiletappe nach Point Judith Harbor of Refuge, am südwestlichen Ausgang der Narragansett Bay. Klingt kurz und einfach, passte aber eher in die Kategorie sportlich, denn in einer ordentlichen Windsee mussten wir uns die Strecke nach Point Judith mit fleißigem Kreuzen erarbeiten.

    Der Schutzhafen entspringt einem Projekt des US Army Corps of Engineers, das 1905 begann. Hinter einer gut 2 km langen, V-förmigen Mole entstand eine künstliche Lagune, in der auch wir für eine Nacht vor Anker gingen.

    In der Nacht drehte der Wind auf Nord, ideal für unseren zweite Etappe nach Mystic. Entlang der Südküste Rhode Islands ging es für uns mit Halbwind und dem passenden Tidenstrom nach Westen, am Watch Hill Lighthouse vorbei in die Gewässer zwischen Fisher Island und der Küste Connecticuts. Die vielen, sich im Tidenstrom neigenden Tonnen, Leuchttürme und das gurgelnde Wasser zwischen felsigen Ufern erinnerten uns stark an die Kanalinseln vor der Bretagne.

    Westlich von Mason Island beginnt dann das Fahrwasser nach Mystic, in dem von der starken Strömung nichts mehr zu spüren ist.

    Mystic ist bekannt für sein Schifffahrtsmuseum (Mystic Seaport), größtes seiner Art in den USA. Es liegt gut geschützt hinter zwei Dreh- bzw. Klappbrücken und bietet Liegeplätze inclusive Besucherpass für einen für die USA üblichen, stolzen Preis. Gleich nördlich des Seaports, am Ende des Fahrwassers des Mystic Rivers, gibt es einige Ankerplätze, auf die wir es abgesehen hatten. Der für unseren Tiefgang geeignete Spot war noch frei und unserem Ausflug nach Mystic stand nichts mehr im Wege.

    Der Ort ist wirklich eine Reise wert. Vieles ist historisch, teils liebevoll renoviert oder in Schuss gehalten und, weil kleinstädtisch, auch für uns unmotorisiert zu erkunden. Im Bank & Bridge Brewing, eine Mikrobrauerei in einer ehemaligen Bank, wird hervorragendes Bier gebraut, wovon wir uns auf der Terrasse in schönstem Sonnenschein überzeugen konnten. Gleich nebenan liegt die Pizzeria „Mystic Pizza“, namensgebend für eine 1988er gedrehtes Comedy-Drama mit Julia Roberts, und ein weiterer Grund für den Bekanntheitsgrad des Orts.

    Leider fanden wir keine Zeit für einen Besuch des Museums, denn eine bevorstehende Schlechtwetterfront, in Kombination mit dem selbst für unseren Tiefgang eigentlich zu kleinen Ankerplatz, brachte uns zu dem Entschluss besser im Connecticut River Schutz zu suchen. Darüber mehr im nächsten Beitrag.

    Weitere Bilder aus Mystic findest du im Fotoalbum.

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    Newport, R.I.

    Am 20. September erreichten wir wieder Newport. Es fühlte sich gut an, einen bekannten Ort erneut zu besuchen. Auf Newport trifft das in besonderem Maße zu. Es ist einfach schön, seinen Einkaufsladen zu kennen, den Waschsalon im Maritime Center, die Wassertankstelle, die Spaziergehwege und die Dinghy-Docks, all das kombiniert mit der wunderschönen Kulisse von Newport Harbor und der Narrangasett Bay.

    Wir blieben über eine Woche in der Newport Harbor South Anchorage, wovon wir zwei Tage eingeweht waren. Hurricane Fiona, der zweihunder Meilen weiter östlich zwischen Neuschottland und Neufundland Kanada erreichte, bescherte uns über 24 Stunden Starkwind am Ankerplatz und den Hafenmeistern, die ihrer Bezeichnung alle Ehre machten, einiges an Arbeit, als Boote im Sturm losbrachen, sich teilweise in Mouringen verfingen, oder mit anderen Booten zu kollidieren drohten. Die Jungs waren mit ihren Booten und Tauchern sofort zur Stelle und klärten den Tumult so schnell wie er entstanden war.

    Während unseres Aufenthalts begegneten wir dem ersten Segelboot unter deutscher Flagge seit unserem Einklarieren in Morehead im Mai. Imke und Uli waren mit der Eiland auf dem Weg in ein Winterlager auf dem Hudson. Der Austausch machte Spaß und veranlasste uns, die Dinghy-Ausrüstung US-konform aufzurüsten. Danke Uli, für den Tipp. Kostete weniger, als das potentielle „Ticket“ in Florida, wo wohl eifrig kontrolliert wird. Hier (LINK) gibt‘s übrigens eine gute Checkliste zum Thema.

    Wir kauften die Schwimmwesten, die im Dinghy bleiben sollen, gebraucht bei Newport Nautical Supply Inc., einem Bootszubehör-Familienbetrieb mit rießiger Auswahl an Second-Hand-Waren im Untergeschoss.

    Am Ankerplatz trafen wir auch Christian und Heidi wieder, die mit ihrer Aurora den Great Loop fast vollendet hatten und lernten Heike und Hans von der Makaan kennen, die wie wir auf dem Weg zu den Bahamas sind.

    In Newport konnten wir uns schließlich auch Boostern lassen. Die Walmart-Pharmacy hatte den neuesten Impfstoff vorrätig und gegen Vorlage unserer Persos und den vorherigen Impfnachweisen konnten wir unser Immunsystem auf den neuesten Stand bringen.

    Dennoch war am 26. September an der Zeit für den Aufbruch nach Westen. Die Reste von Hurrican Ian würde wohl auch in Neuengland bald für kräftigen Wind sorgen, den wir in besser geschützter Lage abwettern wollten. Wir werden Newport in guter Erinnerung behalten.

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    End of Summer

    Am Sonntag, 4. September verließen wir Lake Montauk in Richtung Block Island. An diesem Tag endete im Nordosten der USA offenbar auch der Sommer. Seither ist es deutlich kühler geworden, das Wetter wechselhaft, teilweise verregnet und deutlich windiger. Es war übrigens auch das letzte Ferienwochenende, hier im Norden, was für einen regelrechten Gästesturm auf Block Island zu sorgen schien. Wir fühlten uns bei Einfahrt in den Great Salt Pond, Block Islands zentraler Naturhafen, geradewegs nach Formentera auf den Balearen versetzt. Kaum noch ein Plätzchen zum Ankern, Party aller Orten, vom Jetski bis Megayacht waren alle damit beschäftigt, Wellen zu schlagen. Gruselig. Vielleicht war es einfach schlechtes Timing, oder Block Island zieht gerade die Massen an, egal, wir ergriffen am nächsten Morgen, lange vor Sonnenaufgang die Flucht und steuerten Newport an.

    Sonnenaufgang zwischen Block Island und Newport

    Newport, Rhode Island, wird oft als Segel-Hauptstadt Amerikas bezeichnet. Seit dem 18. Jahrhundert ist das Segeln fester, gesellschaftlicher und kultureller Bestandteil Newports. Seine geschützte Lage zwischen den Handelszentren Boston und New York, sorgten für frühen Wohlstand. Im 19. Jahrhundert zog es dann auch den amerikanischen Geldadel in die Stadt. Deren Sommerresidenzen prägen noch heute das Stadtbild. Trotz des überall sichtbaren Reichtums reserviert die Stadt einen Ankerplatz für „Cruisers on a Budget“, unterhält ein Martime Center mit Sozialräumen, Duschen und Waschmaschinen, zudem finden sich zahlreiche, kostenfreie Dingy-Docks entlang des Hafens. Vorbildlich.

    Newport Harbor

    Wir blieben 5 Tage in Newport, Schauer und kräftiger Wind schränkten die Landausflüge etwas ein. Den Cliffwalk, und ein Ausflug nach Fort Adams standen dennoch auf dem Programm, bevor wir den günstigen Wind nutzten, um am 10. September Cuttyhunk, Massachusetts, anzulaufen.

    Unterwegs auf Cuttyhunk

    Cuttyhunk ist die äußerste Insel im Südwesten der Inselgruppe Elizabeth Islands, die die Buzzards Bay im Norden vom Vineyard Sound im Süden trennt. Ganze 52 Einwohner leben auf der 2,3 qkm kleinen Insel. Der Hafen umfasst sowohl den Cuttyhunk Pond, als auch die relativ gut geschützte Bucht zwischen Cuttyhunk und Nashawena Island. Wie bei der Einwohnerzahl und Größe nicht anders zu erwarten, gibt es neben Spaziergängen über die Insel, oder Baden, nicht viel zu tun. Genau das macht Cuttyhunk aber zu einem lohnenswerten Ziel. Die Wettervorhersage trieb uns nach zwei Tagen weiter, durch das Quicks Hole ging es für uns in den Vineyard Sound und weiter nach Martha‘s Vineyard. Darüber mehr im nächsten Beitrag.

    Auf dem Weg nach Martha’s Vinyard.

    Mehr Bilder findest du wie immer im Fotoalbum.

  • Long Island Sound

    Von Port Washington aus segelten wir weiter nach Osten und folgten dabei der Nordküste Long Islands. Der Long Island Sound, kurz LIS erstreckt sich vom East River bis zu den östlichsten Inseln der nördlichen Gabel Long Islands, im Norden entlang der Küste Conneticuts bis zur Grenze zu Rhode Islands. Die Wasserqualität wird dabei, wenig verwunderlich, um so besser, je weiter man nach Osten voran kommt. Sie hat sich übrigens über die Jahre deutlich verbessert, baden würden wir im LIS aber eher nicht. Einen interessanten Tracker zum Thema findet man hier: Save the Sound

    Wir konnten den Sund mit gutem Wind absegeln, mit Port Jefferson gibt es auf halbem Weg einen sicheren Hafen mit guten Ankermöglichkeiten. Bei Point Orient, 30 Meilen weiter, gibt es dann wieder gute Ankermöglichkeiten, je nach Wind entweder im LIS, in der Gardiners Bay oder im Peconic River. Wir ankerten in der zweiten Nacht unseres Trips nach Osten südlich des kleinen Fährhafens von Orient, bevor wir dann am 1. September nach Lake Nontauk aufbrachen. Liegt nicht mehr am LIS, dafür aber am östlichsten Zipfel von Long Island.

    Sonnenuntergang vor Orient

    Lake Montauk war ursprünglich ein Süßwassersee, bis der Unternehmer Carl Graham Fisher, der übrigens schon Miami Beach zu einem Tourismus-Hotspot umgestaltet hatte, einen Zugang zum Block Island Sound in den Strand sprengte und den See vertiefte, um sein Miami Beach des Nordens mit Marina, Kasinos und Luxushotels auf den Entwicklungsweg zu bringen. Nach dem Börsencrash 1929 ging er in Konkurs, ein weiteres Immobilien-Großprojekt wurde in den 70er Jahren von Einwohnern gestoppt und das verplante Areal im weiteren Verlauf zu einem öffentlichen Park. Zusammen mit dem State Park um Camp Hero und Montauk Point Lighthouse entstand so ein Landschaftsschutzgebiet, das endlich einmal nicht vollständig mit privaten Villen und Protzbauten zugebaut wurde. Für die Ostküste eine Seltenheit!

    Lake Montauk

    Uns hat Lake Montauk sehr gut gefallen. Im Norden des Sees liegen Marinas und ein bedeutender Fischereihafen, der Süden ist dagegen wunderbar ruhig. Ein kleiner, öffentlicher Strand bietet Platz für‘s Dinghy, zu Fuß ist der Atlantikstrand erreichbar, und mit dem Fahrrad lassen sich schöne Touren unternehmen.

    Weitere Bilder findest du wie immer im Fotoalbum.

    Lake Montauk war eine der Empfehlungen eines amerikanischen Seglers, für den Neuengland das Heimatrevier ist. Hier hatte er ganz gut unseren Geschmack getroffen. Als nächste Ziele standen Block Island und Newport auf dem Plan, darüber aber mehr im nächsten Beitrag.

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    Nordwärts !

    Nur eine Stunde nach unserer Ankuft in Solomons hing unsere DANJA im Portalkran, auf dem Weg zurück in den Back Creek bei Solomons. Für‘s Putzen, Segel anschlagen, Aufräumen und Proviantieren wies uns die Spring Cove Marina für zwei Nächte einen Liegeplatz zu, was, ebenso wie die nicht mehr ganz so hohen Temperaturen, das Arbeiten etwas erträglicher machte. Am Montag, den 15. August, ließen wir, nach einer weiteren Nacht vor Anker im Back Creek, Solomons im Kielwasser hinter uns zurück. Im Bereich der Mündung des Patuxent River, im Schutz der Drum Point Landzunge warteten wir noch eine Nacht auf günstigen Wind, bevor wir dann in der Chesapeake Bay weiter gen Norden segelten.

    Es geht zurück ins Wasser…

    Annapolis, der Hauptstadt Marylands, wollten wir einen Besuch abstatten. Der Wind hielt nicht den ganzen Tag durch, weshalb wir im Rhode River für die Nacht einen Ankerstopp einlegten. Am 17. August liefen wir schließlich in Annapolis ein und suchten uns im Spa Creek einen Ankerplatz. Auch Ankerlieger werden hier vom Büro des Hafenmeisters registriert, dafür darf man dann auch (ggf. gegen eine geringe Gebühr) das Serviceangebot des Hafens nutzen: Pump-out Boot (5 US-$), Duschen/Waschsalon (1 US-$ p.P.), Müllentsorgung. Dinghy-Docks gibt es reichlich. Alle Straßen der Stadt, die am Wasser enden, haben eines. Viel Platz zum Ankern gibt es zwischen den städtischen oder privaten Mouringfeldern zwar nicht, wir hatten aber Glück, es war jetzt, Mitte August, wenig los.

    Annapolis hat Charme. Alles ist sauber und aufgeräumt, die Downtown voller Leben mit vielfältigem Geschäftsleben. Dazwischen historische Gebäude, deren Alter man ohne Stadtführer nicht erkennen würde. Die verzweigten Seitenarme des Severn River sind fester Bestandteil der Stadt und werden stark frequentiert, sei es auf Kayaks, SUPs, Moter- oder Segelyachten.

    Auch die United States Naval Academy ist fester Bestandteil der Stadt. Das 137 ha große Areal ist offen für Besucher und unbedingt einen Besuch wert. Geschichte, Tradition, Identität und Wertschätzung sind omnipräsent, das Motto Ex Scientia Tridens (Seemacht durch Wissen) wird hier ohne Kompromisse umgesetzt. Guter Start für einen Rundgang ist das Besucherzentrum, von wo aus man mit Guide oder auch auf eigene Faust auf Entdeckung gehen kann.

    Am Freitag, den 19. August ging es für uns weiter. Trotz des fortgeschrittenen Sommers wollen wir unbedingt noch New York und Neuengland besuchen. Die Route dorthin führt über den Chesapeake und Delaware Kanal in die Delaware Bay und von deren Mündung schließlich entlang der Atlantikküste von New Jersey hinauf zum Big Apple. Am Sonntag früh um 3.00 Uhr erreichten wir nach einer durchsegelten Nacht und – damit es uns nicht langweilig wird – bei dichtem Nebel, den Harbour of Refuge am Cape Henlopen, Delaware. Nach einer kurzen Pause wird es für uns von hier aus auf die letzte Etappe nach New York gehen.

    Mehr Bilder findest Du wie immer im Fotoalbum.

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    Über den Elizabeth River in die Chesapeake Bay

    Nördlich des Great Bridge Locks beginnt der Elizabeth River, ein Seitenarm im Mündungsgebiets des James River am südlichen Ende der Chesapeake Bay. Die Städte Norfolk, Portsmouth und Chesapeake liegen am Elizabeth River, letztlich ein weitläufiger, natürlichen Hafen für die Handelsschifffahrt und vor allem die US – Navy, die an und in zahllosen Docks und Werften eine beeindruckende Zahl an Schiffen jeglicher Größe liegen hat.

    Industrielandschaften statt Natur und Idylle: Elizabeth River

    Am 18.05. passierten wir das Great Bridge Lock und folgten dem Elizabeth River die gut 5 Seemeilen bis Portsmouth. Wir ankerten gleich nördlich der Tidewater Marina, quasi im Zentrum von Norfolk und Portsmouth. Für 10 US-$ hatten wir dort Zugang zu allen Services der Marina, bei Besuch des Restaurants darf man auch umsonst sein Dinghy am entsprechenden Anleger festmachen. Ende Mai gibt es offenbar noch nicht viele Gäste von Außerhalb. Weder an Norfolks Waterfront, den Malls oder Bars und Restaurants, noch in den Museen war viel los.

    Waterfront von Portsmouth, Elizabeth River

    Großstädte liegen uns nicht so sehr, weshalb wir doch bereits nach zwei Tagen, am 20.05., wieder Anker auf gingen, um weiter nach Norden, in die Chesapeake Bay zu segeln. Wir waren auf dem Weg zu einem Stellplatz für unsere DANJA. Wir mussten für einige Wochen zurück nach Deutschland. Zunächst hatte wir Harrington Harbour North, östlich von Washington DC ins Visier genommen. Weit genug vom Atlantik entfernt und damit ausreichend vor der vollen Wucht eines möglichen Hurricanes geschützt. Neben der Segelpause planten wir im gleichen Zug auch das Unterwasserschiff wieder auffrischen (zu lassen).

    Reedville, Chesapeake Bay

    Auch die über 300 km lange und bis 48 km breite Chesapeake Bay versprach Segeln ohne Geschaukel. Zusammen mit den über 150 Zuflüssen bildet der Chesapeake Bay Complex ein Revier, welches man über Jahre befahren könnte, ohne jemals am gleichen Platz zu ankern oder zu liegen, wie uns amerikanische Segler erzählten. Auf unserem Weg nach Norden stoppten wir im Jackson Creek, Deltaville, im Cockrell Creek bei Reedville und schließlich in Solomons, Maryland. Solomons gefiel uns dabei so gut, dass wir in einer der zahlreichen Marinas nach einem Stellplatz fragten und schließlich bei der Spring Cove Marina hängen blieben. Hier würde unsere Danja auf uns warten können, während wir einen Teil des Sommers in Deutschland verbringen. Mit unserem Heimflug verändert sich natürlich auch unser Törnplan für 2022, darüber aber mehr im nächsten Beitrag.

    Drumpoint Lighthouse, ein Wahrzeichen Solomons.

    Mehr Bilder findest du, wie bisher, im Fotoalbum.

    Und zur Statistik gibt’s auch noch was: Vor ziemlich genau 3 Jahren haben wir Deutschland aus Bremerhaven verlassen. In unserer Segelzeit haben sich bisher 11121 sm angesammelt, insgesamt stehen der Zähler bei 17732 sm.

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    Lower Banks und AICW

    Unserer Route durch die Lower Banks folgte dem Atlantic Intracoastal Waterway (AICW) nach Norden. Die Naturlandschaft im Nordosten des US-Bundesstaats North Carolina ist unglaublich weitläufig und sehr dünn besiedelt. Von der vorgelagerten Inselkette der Outer Banks geschützt, erstrecken sich über viele hundert Quadratkilometer die Mündungsbereiche zahlreicher Flüsse North Carolinas. Der Intracoastal Waterway quert oder folgt diesen Gewässern, oder er führt durch Kanäle, wo es zur Zeit ihres Baus sinnvoll erschien. Die Wassertiefe entlang des Waterways unterschreitet selten die 4 Meter, einschränkend für uns Segler sind da eher die Brücken, deren Durchfahrtshöhe bei 65 Fuß liegt.

    Ankerplatz vor Belleville, Pungo River

    Es sind überwiegend amerikanische und kanadische Freizeitboote mit kleiner Crew, die den Intracoastal Waterway befahren. Jetzt, im Frühjahr, sind sie zumeist auf dem Weg nach Norden, nachdem sie den Winter in der Karibik oder auf den Bahamas verbracht hatten. Mit unserer deutschen Flagge sind wir echte Exoten und kommen immer wieder ins Gespräch mit den Locals, von denen viele, wie so oft in den USA, mit dem alten Kontinent noch irgendwie verbunden sind. Findet man entlang des Neuse und Palmico Rivers noch viele Ortschaften und Häfen, wird es, je weiter man nach Norden voran kommt, immer ruhiger und abgelegener. Nach queren des Albemarle Sounds durchfährt man über Stunden menschenleeres Sumpf- und Marschland, einzig die Anleger und Marinas am Coinjock Canal bieten begehrte und knapp bemessene Liegeplätze, Benzin- und Dieselservice.

    AICW

    Mit dem Erreichen des Albemarle and Chesapeak Canals in Virginia bleibt die unberührte Landschaft achteraus zurück. Der Kanal endet beim Great Bridge Lock, eine Schleuse in geschichtsträchtiger Umgebung, die unter anderem das salzhaltigen Tidengewässer des Elizabeth River von den nicht salzigen Schwarzwasserflüssen des südöstlichen Virginia bzw. nordwestlichen North Carolina trennt. Es war nicht schwierig, entlang unserer Route durch die Lower Banks, geeignete Ankerplätze zu finden. Das Ankern in der fast menschenleeren Umgebung ist ein Erlebnis für sich. Den Sound von abertausenden Wildgänsen, Enten und Fröschen bei Sonnenuntergang an unserem Ankerplatz im Blackwater Creek werden wir sicher lange nicht vergessen.

    Public Dock, Great Bridge Memorial Park

    Im Fotoalbum haben wir Route und Zwischenstopps mit Bildern dokumentiert. Hier kommst du dort hin…