Ankern

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    Menorca

    Zu Beginn unserer Überfahrt von Mallorca nach Menorca am 15. August 2020 war es nur schwach windig. Motorsegeln. Passte ganz gut, mussten wir doch unseren Wasservorrat wieder auffüllen (Der Watermaker braucht den Strom der laufenden Maschine). Ab Mittag stellte sich dann eine angenehme Brise ein, die gemütliches Halbwind-Segeln erlaubte, bis wir schließlich vor Cabo Nati ins Lee Menorcas gerieten. Unter Motor ging es weiter zur Cala de Algayerens, deren zwei Strände Playa des Bot und Playa des Tancat besonders reizvoll sein sollen. Ließ sich mal wieder schwer beurteilen, denn unzählige ankernde Boote versperrten den Blick auf die Strände. Die Cala Fontanelles liegt im Westen der Bucht und war dagegen fast leer. Glück muss man haben.

    Cala Fontanells, Menorca.

    Wir blieben zwei Nächte, bevor es für uns am 16. August weiter nach Fornells ging. Mal wieder unter Motor. Kein Wind in Sicht.
    Fornells, das idyllische Fischerdorf in der malerischen Bucht Bahia de Fornells – so ein Reiseführer. Aus unserer Sicht mal wieder eine Bucht voller Ankerlieger, das trübe Wasser erinnerte an die Boddengewässer und im Dorf die üblichen Urlauber-Maskenverweigerer. Nett.

    Port de Fornells.

    Zwei Nächte waren mehr als genug, am 18. August brachen wir mit dem ersten Tageslicht auf nach Mahón, der Hauptstadt von Menorca. In der Hauptsaison bleibt für Segler wie uns nur die Cala Teulera als Ankerplatz. Wer näher ran möchte, an die Stadt, muss eine der teuren Marinas oder Schwimmpontons wählen. Wir ankerten lieber und schauten uns am Nachmittag mit dem Dinghy Mahón an. Die Stadt ist voll auf den Tourismus ausgerichtet. Unzählige Bars, Cafés und Restaurants entlang der Hafenpromenade und in der Altstadt warten auf Kunden – die halt zurzeit nicht kommen. Wirkte auf uns alles etwas trostlos und verlassen. Außerhalb der für die Touris aufgehübschten Gassen sieht es aus, wie in jeder anderen spanischen Stadt auch. Zeit für einen Facelift, für den das Geld zu fehlen scheint.

    Mahón. Hauptstadt Menorcas.

    Im Mercadona-Supermarkt füllten wir schließlich noch die Bordvorräte auf und versorgten uns mit frischem Obst und Gemüse für unsere Rückreise in den Atlantik. Ja, richtig gelesen. Vom Mittelmeer sind wir bedient. Erwartung und Wirklichkeit passen einfach nicht zusammen. Mittwoch und Donnerstag versprechen Wind aus Südost, genau richtig für einen ersten Schlag zurück nach Westen.

    Weitere Bilder findest Du wie immer im Fotoalbum.

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    Mallorca

    In der Cala Es Canaret (Ibiza) wären wir gern noch etwas länger geblieben, der 5. August versprach jedoch besten Segelwind für die Überfahrt nach Mallorca, den wir nutzen wollten. Da in der Vorhersage südliche Winde vorherrschend bleiben sollten, steuerten wir zunächst Port de Sóller im Norden Mallorcas an. Es wurde eine herrliche Überfahrt mit raumen 10-15 Knoten Wind, die im Tagesverlauf langsam abnahmen. Am Nachmittag setzten wir bis Sonnenuntergang seit langer Zeit wieder einmal unseren Blister und lagen schließlich gegen 21 Uhr 3 Meilen NW von Sa Dragonera, der westlichen Ecke von Mallorca. Eine leichte Brise schob uns bis Mitternacht noch 4 Meilen weiter unserem Ziel entgegen, bevor dann totale Flaute für Stillstand sorgte. Port de Sóller wollten wir erst bei Tageslicht erreichen, nur dann kann man erkennen, ob der Anker in Sand oder auf Posidonia-Seegras landet, entscheidend für sicheres Liegen vor Anker. Wir motorten deshalb langsam unserem Ziel entgegen, ruhten abwechselnd, machten noch einmal Wasser und ließen uns zwischendurch auch einmal treiben. Gegen sieben Uhr morgens liefen wir schließlich in den Naturhafen von Port de Sóller ein.

    Port de Soller an Mallorcas Nordküste.

    Port de Soller ist attraktiv. Die gesamte Promenade, die die Bucht umschließt, ist verkehrsberuhigt, Hotels, Bars, Geschäfte wirken nicht aufdringlich, sondern fügen sich in das Gesamtbild ein. Mehrere kleine Supermärkte und ein Fischmarkt sichern die Versorgung, wenn auch zu deftigen Preisen. Das gilt auch für die historische Tram, die den Hafen mit Sóller verbindet. 5 km für 7 EUR p.P. (eine Richtung). Günstiger sind da die Busse. Nach Palma de Mallorca kommt man z.B. zu zweit für 6 EUR. Das nutzten wir am Sonntag, 9. August, incl. Abstecher zum stillgelegten Ballermann. Muss man ja mal gesehen haben… Traurig zu sehen, wie wenig sich insbesondere die Touristen an Abstandsregeln und Maskenpflicht halten.

    Markttag in Sóller.
    Ausflug nach Palma.

    Von Port de Sóller ging es für uns am Montag, 10. August weiter entlang der Nordküste. Wir steuerten die Cala Castello an. Großartige Kulisse, wenige Boote, kein Netz. Passenderer Name der Bucht wäre aus unserer Sicht Cala Insomnia. Nachts fegten Fallwinde durch die Bucht, die sich gewaschen hatten. In der zweiten Nacht bis Stärke 8. Vorüber war der Zauber erst so gegen 4 Uhr morgens. Unser Anker hielt, zum Schlafen kamen wir aber kaum. Der Abschied fiel uns deshalb nicht schwer. Mit Sonnenaufgang verließen wir die Bucht, setzten Kurs auf Cap Formentor und ankerten schließlich in der Bucht von Pollenca vor Mal Pas Bon Aire, gleich westlich der Marina de Bonaire. Im Ort gibt es einen kleinen Supermarkt mit dem Nötigsten sowie ein Restaurant, in dem wir uns am zweiten Abend ein kleines Dinner gönnten. Die Corona-Regeln wurden auch hier nur halbherzig umgesetzt und durchgesetzt. Am Anker sahen wir mit 40-60 Gästen voll besetzte Ausflugskatamarane (unter anderen Robinson-Club), die ohne jegliche Schutzmaßnahmen zum Ankern vor den Strand kamen, paddelten, schnorchelten und feierten, als ob es kein Morgen gäbe. Tags darauf – wir hatten auf die Pollenca-Seite umgeankert – lasen wir dann die Meldungen über die Reisewarnung des RKI/Auswärtigen Amts, die sich nun über ganz Spanien und auch die Balearen erstreckte. Korrekte Entscheidung und längst überfällig. Hier auf den Balearen teilen sich die Gastgeber und Gäste die Verantwortung dafür. Jammern auf beiden Seiten aus unserer Sicht nicht angebracht.

    Wir widerstanden dem ersten Impuls, die Balearen sofort zu verlassen, entschieden uns stattdessen auch der Insel Menorca noch einen Besuch abzustatten, wohin wir am Samstag, 15.08. aufbrachen.

    Cala Castell, Mallorcas Nordküste

    Weiter Bilder zu Mallorca findest du im Fotoalbum.

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    Ibiza

    Nach dem Schrecken von Formentera steuerten wir an Ibizas Westküste Cala Tarida an. Dort, wie auch an den kleinen Buchten entlang der Westküste, war es überall rappelvoll. Mit der SY Diana kamen wir kurz ins Gespräch. Vom derzeitigen Heimathafen Valencia besucht die Crew regelmäßig die Balearen und bestätigte unseren Eindruck, dass die Zahl der Yachten trotz Covid-19 dem üblichen Hochsaison-Aufkommen entsprechen dürfte. Ein anderes Bild dagegen an Land. Strand, Restaurants und Hotels, soweit wir beurteilen konnten, eher dünn besucht, wenn überhaupt geöffnet. Am Ankerplatz ging es, trotz der vielen Boote recht gesittet zu. Wir atmeten durch, blieben zwei Nächte und gönnten uns am zweiten Abend eine Paella im Restaurant Ca‘s Mila.

    Cala Tarida, Ibiza.

    Als technisches Highlight ist im Zusammenhang mit der Cala Tarida noch die Erneuerung unserer Wellenendanode zu erwähnen. Die hatte sich irgendwo auf dem Weg von Formentera nach Ibiza mitsamt der Befestigungsschraube verabschiedet. Christine sicherte die „Baustelle“ mit einem Netz während ich mit einigen Tauchgängen Ersatz anschraubte. Das Prüfen und gegebenenfalls Nachziehen der Schraube wird ab sofort Teil unserer Routine-Wartungsarbeiten.
    Am Dienstag, 4. August, segelten wir weiter Richtung Nordostecke Ibizas für den Absprung nach Mallorca. War zunächst Porinatx unser Ziel, sichteten wir auf dem Weg eine fast leere Bucht und schauten uns dieselbe etwas genauer an. Wir fanden eine kleine Perle, super geschützt, kristallklares Wasser, keine Hotels, keine Touristenboote, dafür ruhige Idylle und herrliche Landschaft: Cala Es Canaret. Wir beschlossen noch etwas länger auf den Balearen zu bleiben.

    Gipfeltaucher in Cala Es Canaret.

    Weitere Bilder findest Du wie immer im Fotoalbum.

    Die Statistik erspare ich Dir, bis zur Cala Es Canaret waren wir 37 sm unterwegs.

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    Zu den Balearen

    Für die kommenden zwei Tage, 23. und 24. Juli, war die Wetterlage über der Alboransee weiterhin günstig. Leichte Winde aus West versprachen eine sichere Passage bis zum Cabo da Gata, wo wir eine kleine Pause einlegen könnten. Deshalb ging es dann am Donnerstag, 23. Juli zunächst an die Tanke in Gibraltar, wo wir für sage und schreibe 49 ct pro Liter unseren Tank bis zum Rand mit frischem Diesel füllten. Dann rundeten wir gegen Mittag Point Europe an der Südsitze Gibraltars und legten Kurs Ost an, hinaus auf die Alboransee.

    Der Atlantik strömt mit bis zu 3 Knoten an der Oberfläche ins Mittelmeer und soll bis Cabo da Gata spürbar sein, so versprechen die Bücher und sie lügen nicht. Dennoch wollen die 155 Meilen auch zurückgelegt sein, den kleinen Helfer nahmen wir aber gern an. Nach 22 Stunden gingen wir vor der Playa de Los Genoveses vor Anker. Das Cabo da Gata ist Teil des Naturparks Cabo da Gata – Níjar, der einzigen Region Festland-Europas mit einem echten Wüstenklima. Hier kann man mehr darüber lesen.


    Der kommende Tag brachte entsprechend der Vorhersage Gegenwind für die Weiterreise Richtung Cartagena. Wir prüften kurz die Möglichkeit gegenan zu kreuzen, verwarfen die Option aber nach einigen Meilen. Zu einer recht ruppigen See kam Strom bis zu 1,5 Knoten, die 90 Meilen bis Cartagena würden so alles andere als ein Spaß werden. Wir zogen es vor, ums Cabo da Gata herum abzulaufen und auf der geschützten Westseite auf besseren Wind zu warten. Es wurden zwei heiße Tage und Nächte vor Anker, die Temperaturen machten dem zuvor beschriebene Wüstenklima alle Ehre und das 28 Grad warme Mittelmeerwasser sorgte nur bedingt für Abkühlung.


    Am 27. Juli, zum Sonnenuntergang, dreht der Wind auf südliche Richtungen und es ging für uns weiter in Richtung Cabo de Palos. Nur gut 24 Sunden sollten die Bedingungen so bleiben, bevor Gegenwind erneut die Weiterreise zu den Balearen erschweren würde. Eine geschützte Ankerbucht bei La Azohía, westlich von Cartagena, erschien uns der geeignete Ort, um auf das nächste Wetterfenster für die Überfahrt zu warten. War eine gute Wahl. La Azohía ist ein ruhiges Örtchen mit wenig Tourismus, einigen Restaurants und einem gut zu erreichenden Spar-Supermarkt. Heiß blieb es allerdings. Mussten wir uns für die kommenden Wochen wohl dran gewöhnen. Einfacher gesagt als getan!
    Am Donnerstag, 30.7., kreuzten wir bis vor Cartagena, um uns in eine gute Startposition für die Überfahrt nach Formentera zu bringen. Vor der Playa Cala Cortina, kurz außerhalb des Hafens Cartagena gibt es einen geeigneten Ankerplatz, recht tief zwar, aber ok.


    Freitag/Samstag „machten wir dann rüber“ und erreichten nach 28 Stunden Formentera.
    Auf das, was uns dort erwartete waren wir nicht vorbereitet. Das so oft erwähnte türkisfarbene, kristallklare Wasser, war vor lauter Booten kaum noch sichtbar. Die Ankerplätze mit Booten vollgeparkt, die Abstände zwischen den Ankerliegern fragwürdig, überall feierwütige Ausflügler und Tagescharterer, die sich gegenseitig mit ihren Bordlautsprechern beschallten. Das ganze ergänzt durch Megayachten für deren Eigner das „gesehen werden“ wohl das wichtigste im Leben zu sein scheint. Ein echter Graus, noch Verstärkt von den Eindrücken der vergangen Tage, in denen wir immer wieder die Meldungen über Flüchtlingsboote auf Funk verfolgen mussten.


    Ok, es ist August. Trotz Corona kann man da wohl keine leeren Buchten erwarten. Aber Tag 1 auf den Balearen war nicht das, was wir uns als Fahrtensegler erhoffen, wenn wir neue Ziele anlaufen. Hoffen wir mal, dass es besser wird. Wir werden sehen…

    Weiter Bilder findest Du wie immer im Fotoalbum.

    Für die Statistik: Gibraltar – Formentera: 417sm. 3393 sm in der Segelzeit, gesamt 10.004 sm.

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    Ins Mittelmeer

    Nach vielem überlegen, abwägen und beraten verwarfen wir unsere ursprüngliche Absicht, die Archipele Madeira und Azoren anzulaufen. Sie liegen eben auf dem logischen Weg zu den Kanaren und in die Karibik. Die Entwicklungen in Bezug auf Corona und Sicherheit, insbesondere auf der anderen Seite des Atlantiks wollen wir abwarten, bevor wir uns dorthin auf den Weg machen. Und bis da Klarheit herrscht, können auch mehr als ein Winter ins Land gehen.

    Ankerplatz Tavira, Algarve

    Deshalb verließen wir am 17. Juli Portimao in Richtung Osten, mit Ziel Mittelmeer. Auf dem groben Törnplan für die verbleibende Saison stehen die Balearen, Sardinien und Sizilien, wo wir wohl auch den Winter verbringen wollen.
    Eigentlich ist der Frühsommer die beste Zeit, um ins Mittelmeer zu kommen. Östliche und westliche Winde halten von Gibraltar bis Cabo da Gata bzw. Cabo de Palos jeweils mehrere Tage an und wechseln mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Jetzt, im Hochsommer, herrschen östliche Winde vor. Unterbrechungen sind kurz und halten nur ein, zwei Tage an, bevor sich der Levante wieder einstellt. Davon abgesehen wird die Zeit des stabilen Sommerwetters im Mittelmeer auch langsam knapp. Ein solch für uns günstiges Wetterfenster zeichnete sich für den 22. bis 24. Juli ab. Wir mussten uns also sputen. Die Lagune von Faro, mit dem beliebten Ankerfeld vor Culatra ließen wir an Backbord liegen und segelten weiter bis Tavira, wo wir eine Nacht verbrachten. Tavira kennen wir noch von einigen Besuchen als Landbewohner, der Ankerplatz ist knapp bemessen, aber ausreichend. Von dort aus setzten wir Kurs auf Cadiz, von wo aus die Straße von Gibraltar in Schlagdistanz liegt. Cadiz erreichten wir am 20. Juli morgens um halb drei Uhr und warfen gleich hinter der markanten Hängebrücke und vor dem Kleinboothafen Puerto Viento de Levante den Anker.

    Ankerplatz in Cadiz

    In der Marina darf man sein Dinghi festmachen, es folgten deshalb ein Ausflug in die Altstadt von Cadiz und das Aufstocken der Vorräte. In Andalusien gilt Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Ein ungewohnter Anblick, bei über 30 Grad im Schatten unangenehm, aber auch Vertrauen erweckend, da sich die Mehrzahl der Menschen daran hält. Außer in Bars und Restaurants natürlich. Wir waren also nicht unglücklich darüber, dass unser Besuch nur kurz sein sollte und wir pünktlich vor dem auffrischen des Levante wieder an Bord waren, wo wir auch den folgenden Tag verbrachten.

    Stadtbesichtigung mit MuNaSke

    Am Mittwoch, 22. Juli, passten Wind und Hochwasser Gibraltar (Referenz für Strömung in der Straße von Gibraltar) für einen Aufbruch vor Sonnenaufgang. Im großen und ganzen passten unsere Berechnungen. Strom bis 3 Knoten schob uns nach Cabo Trafalgar zügig in die Meerenge zwischen Europa und Afrika, an Tarifa vorbei bis in die Bucht von Gibraltar, wo wir abends um halb neun vor La Línea Anker warfen. Der erste Schritt ins Mittelmeer war geschafft.

    Gibraltar voraus!

    Für die Statistik: Portimao – La Línea 208 sm, 2976 sm i.d. Segelzeit, 9587 sm gesamt.
    Weitere Bilder findest du im Fotoalbum.

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    Verhext?

    Blick zurück auf Lagos. Leinen sind los!

    Am Mittwoch, 15. Juli 2020 haben wir Lagos nach rund 8 Monaten verlassen. Es ist unser zweiter Versuch weiter zu kommen, nachdem uns Covid-19 im März zwang, den ersten aufzugeben. Irgendetwas scheint es uns schwer machen zu wollen, diese zugegebenermaßen schöne Küste zu verlassen, ja, scheint uns geradezu festhalten zu wollen. Neben diesem nervigen Virus mischten sich in den letzten Wochen auch noch technische Probleme. So zeigte Ende Juni austretendes Öl an unserer Ankerwinsch einen größeren Schaden an, den es zunächst zu beseitigen galt. Die alte Project X3 durch eine neue zu ersetzten, mussten wir streichen, denn im Versand waren keine Winschen zu vertretbaren Preisen vorrätig, darüber hinaus vermeldete Lofrans Lieferzeiten von 4-6 Wochen. Wir ließen also die Werft SOPROMAR ran, die das Teil auch zügig für eine Grundüberholung ausbaute. Letztere zog sich hin, da die üblichen Service-Kits die benötigten Austauschteile nicht beinhalteten. Wenige Tage vor dem geplanten Auslaufen quittierte dann unsere Sumpfpume den Dienst. Dachten wir. Über zwei Tage zog sich Impeller-, später auch Pumpenwechsel, Reinigung und Prüfung des Systems hin, bis wir als Fehlerquelle schließlich einen Olivenkern ausmachten, der nicht durch die Zuleitung des Filters passte, diesen aber im Unterdruck der laufenden Pumpe wunderbar dicht verstopfte. Zu dem Zeitpunkt fehlte dann nur noch die Lieferung unserer Kette-Anker-Verbindung, die ich für den Ausbau der Ankerwinsch gelöst hattte, um nicht die gesamte Kette auf dem Vorschiff zwischenlagern zu müssen. Die Bolzen hatte ich zwar rausbekommen, rein gingen sie aber beim besten Willen nicht mehr. Passte natürlich ins Bild, dass es diesmal bei FedEx Probleme gab. Die Auslieferung zog sich bis zum Vorabend des geplanten Auslaufens hin. Zu dem Zeitpunkt ging mir dieses „es ist wie verhext“ erstmals durch den Kopf. Wie auch immer – wir warfen also die Leinen los und genossen einen wunderbaren Leichtwind-Segeltag, den wir am Ankerplatz in Portimao beendeten. Nach einer Nacht sollte es weitergehen. Die Überschrift dieses Beitrags würde sicherlich anders lauten, hätten wir beim Ankermanöver nicht festgestellt, dass der Kettenzähler nicht mehr funktionierte. Bei Montage der überholten Winsch wurde wohl das Kabel des Kettensensors gequetscht, so das Ergebnis meiner Fehlersuche. Toll.

    Sensorkabel zur Ankerwinsch. Nicht gut…

    Es folgten Beschwerde-Email, WhatsApps und Telefonate, bis SOPROMAR schließlich zusagte, am Nachmittag einen Servicetechniker nach Portimao zu schicken, um sich der Sache anzunehmen. Der kam dann aber nicht. Statt dessen eine Entschuldigung von unserem Ansprechpartner, mit dem Versprechen, am nächsten Vormittag loszulegen.
    Mit deutscher Pünktlichkeit verlegten wir Freitagmorgen wie vereinbart an den Besucherponton der Marina de Portimao, wo mit 2 Stunden Verspätung tatsächlich auch der Techniker erschien. Endlich. Der Rest ist schnell erzählt. Reparatur durchgeführt, erfolgreich getestet, sofort abgelegt und nichts wie weg…

    Sonnenuntergang über Praia da Rocha, Portimao
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    2020 – Leinen los!

    Wir verlassen die Marina de Lagos

    Unsere Winterpause in Lagos dauerte fast vier Monate. Eine kurze Reise nach Deutschland, verbunden mit zwei Wochen in der Werft Sopromar zögerten unsere Weiterreise doch etwas länger hinaus als ursprünglich geplant. Am 11. März warfen wir endlich die Leinen los, und segelten in das zweite Jahr unserer Segelzeit. Lagos war für uns ein ideales Winterrefugium. Es war nie richtig kalt, das Wetter fast durchgehend frühlingshaft, Regen sahen wir nur an einigen wenigen Tagen. Die Marina de Lagos liegt für uns Segler versorgungstechnisch optimal, Service und Sicherheit sind vorbildlich.

    In 2020 wollen wir die Atlantischen Inseln Madeira, Kanaren und Kapverden besuchen. Da die beste Zeit für die Überfahrt nach Madeira erst im Mai beginnt, bietet es sich zuvor an, Marokko und Gibraltar einen Besuch abzustatten. So weit unsere Planungen. Die haben wir natürlich ohne Covid-19 gemacht. In den letzten Tagen explodieren jedoch überall die Fallzahlen, nehmen die Reisebeschränkungen zu. Madeira darf zum Beispiel von Yachten vorläufig nicht mehr angelaufen werden, Marokko hat dicht gemacht, in Gibraltar drohen 14 Tage Quarantäne.

    Ankerplatz Portimao / Ferragudo

    Nach einem kurzen Stopp in Portimao bleiben wir jetzt erst mal vor Culatra und werden die Lage weiter beobachten…

    Weitere Bilder findest du wie immer im Fotoalbum…

    Sonnenuntergang am Ankerplatz Culatra
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    Winterquartier

    Am 19. November haben wir in der Marina de Lagos unseren Winterliegeplatz bezogen. So richtig winterlich wird es in der Algarve für unser Empfinden bisher nicht wirklich – und das darf gern so bleiben. Dennoch sind die Tage kurz, die Nächte kühl und das Wetter wechselhaft geworden, schon deutlich spürbar, als wir auf dem Weg hierher noch einige Tage in Portimao, Alvor und vor Lagos ankerten.
    Die Annehmlichkeiten einer Marina trösten ein wenig darüber hinweg, dass der Blick aus den Salonfenstern nicht mehr bis zum Horizont reicht: Strom satt für Boiler, Licht und Heizung, Duschen, Versandadresse, fußläufige Einkaufsmöglichkeiten und – unser persönlicher Bonus in Lagos – Familienanschluss. Vielen lieben Dank Sybille, Rui und Noah, für das herzliche Willkommen!
    Die Marina de Lagos ist gut und sehr international belegt, wobei nach der portugiesischen die britische Flagge am stärksten vertreten ist. Britische Dauerlieger sorgen incl. VHF-Net für ein wochenfüllendes Programm von Bridge bis Yoga. Für solches „socializing“ fehlt uns jedoch die Zeit.


    Seit fast zwei Wochen täglich das gleiche Spiel: Einen Abschnitt im Schiff schleifen, reinigen, lackieren, trocknen lassen und am nächsten Tag wieder von vorn. Schien die Arbeit am Anfang noch überwältigend, ist mittlerweile im Schiffsinneren ein Ende der Arbeiten in Sicht. Weil es danach draußen weiter geht, werden wir aber wohl noch einige Zeit beschäftigt bleiben.
    Am Dienstag (3.12.) gönnten wir uns einen streichfreien Tag. Bei perfektem Wetter (leichter Wind, kein Wölkchen am Himmel, bis 18 °C im Schatten) wanderten wir entlang der Küste via Ponta da Piedade und Praia de Mos nach Luz und zurück. Herrlich.

    Lagos erstrahlt mittlerweile in vorweihnachtlichem Glanz. Palmen, Straßen und Plätze sind geschmückt, die vielen Lichterketten lassen Altstadt und Promenade nach Sonnenuntergang erstrahlen. Auch einige Schiffe in der Marina versuchen mitzuhalten. Nur einen Weihnachtsmarkt mit Glühweinstand suchen wir bisher vergeblich 😉
    Das war‘s für heute, die Pinsel rufen…
    Weitere Bilder findest du wie immer im Fotoalbum.

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    Herbst in der Algarve

    Drei Wochen sind wir nun in der Algarve und genießen das süße Nichtstun zum Ausklang unseres ersten Jahres in der Segelzeit. Mit Beginn des Novembers waren auch die letzten Herbstferien im Norden Europas vorüber, insbesondere stark vom Tourismus geprägte Orte (Albufeira) wirken seither wie ausgestorben, die Strände sind fast menschenleer. Mit den kürzer werdenden Tagen sinken natürlich auch hier die Temperaturen und für ein Bad im Atlantik wird es einfach zu kühl.
    Wir lassen uns treiben und erkunden, wenn der Wind gerade passt, Ankerplätze und Marinas an der Algarve. Diese Zeilen schreiben wir aus der Ria Formosa, wo wir vor Culatra mit einigen anderen Segelbooten vor Anker liegen.


    Die Lagunenlandschaft zwischen Quinta do Lago und Manta Rota gilt als bedeutendes Feuchtgebiet, ist seit 1987 Naturpark und eines der sieben Naturwunder Portugals. Reichlich Platz zum Ankern findet sich im Schutz der Ilha de Culatra nördlich und östlich des Fischerorts Culatra. Die Lagune bietet wenig Schutz vor dem Wind, eine nennenswerte See baut sich aber nicht auf, der Ankergrund hält gut. Es gibt zahlreiche weitere Ankermöglichkeiten in der Ria Formosa, wenn auch nicht so weitläufig wie jene vor Culatra.
    In Culatra gibt‘s zwei kleine Supermärkte, umfassend versorgen kann man sich von hier aus in Olhao. Mit Dinghi, Fähre oder Wassertaxi.
    Einzigartig sind die Spaziergänge am Strand der Ilha de Culatra. Den hat man außerhalb der Saison kilometerweit quasi für sich alleine.

    Weiter Fotos findet Du wie immer im Fotoalbum…

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    Über Sines in die Algarve

    Auf den 30 Meilen von Troia nach Sines musste einmal mehr der Motor für’s vorwärtskommen sorgen. Der vorhergesagte Wind stellte sich nicht ein. Dafür füllten wir unseren Trinkwasser-Tank mit frischem Atlantikwasser. In Sines angekommen, hatten wir freie Wahl des Ankerplatzes, wir waren am 18. Oktober für einige Stunden die einzigen Ankerlieger in der Enseada de Sines.

    Don Vasco da Gama wacht über die Ankerbucht vor Sines

    Sines ist ein bedeutender Tiefwasserhafen für den Umschlag von Erdöl und Erdgas und verfügt über ein großes Containerterminal. Mal abgesehen von den dicken Pötten auf der Reede südlich von Sines bekommt man davon am Ankerplatz wenig mit. Die Bucht ist zwischen zwei massiven Molen nach Süden hin offen, insbesondere bei südlichen Winden kommt Bewegung ins Schiff. Hatten wir am Tag nach unserer Ankunft, bei Wind bis 5 Bft.
    Noch stärkerem Wind kann man wohl in der Marina abwettern, aber auch dort macht sich Schwell bemerkbar. Tags darauf war‘s in der Bucht wieder ruhig und wir landeten mit dem Dinghi an der Praia Vasco da Gama, um uns in der Stadt umzusehen.
    Die Anzahl der Sehenswürdigkeiten hält sich in Grenzen und sind schnell abgehakt. Blieb also viel Zeit, uns durch die historische Altstadt treiben zu lassen, das schöne Wetter und den Fernblick von den vielen Miradouros zu geniesen.

    Cabo Sao Vicente

    Für den 22. Oktober war Nortada mit Wind von 3 – 5 Bft vorhergesagt, genau das richtige um die 60 Meilen bis in die Algarve zu segeln. Um 4 Uhr lichteten wir den Anker, rollten noch im Hafen das Passatsegel aus und legten Kurs Süd an. 10 Stunden später standen wir vor Cabo Sao Vincente, brauchten aber noch eine Kreuz vor dem Wind, um ums Kap herum zu kommen. Der Wind hielt bis zu unserem ersten Ankerplatz in der Enseada de Sagres. Wir lagen herrlich ruhig und blieben, vermutlich das letzte mal für einige Zeit, allein in der Bucht. Tags darauf ging es für uns weiter nach Lagos. Erneut ein super Segeltag, wobei es der Wind fast schon zu gut meinte. Bei bis 30 Knoten Halbwind „flogen“ wir teilweise mit über 7 Knoten Fahrt die Algarveküste entlang. So glatt, wie der Wind das Wasser bügelte, bot es sich an, vor Lagos noch eine Nacht zu ankern und am folgenden Morgen dort die Vorräte etwas aufzufrischen. Am Nachmittag segelten wir dann noch bei bestem Wetter weiter nach Portimao, wo wir vor der Praia Grande, gegenüber der Marina vor Anker gingen.

    Sonnenuntergang vor Portimao

    Wir kennen die Algarve seit vielen Jahren, ein Teil unserer Familie wohnt hier. Auch aus diesem Grund wollen wir hier überwintern, noch einige Arbeiten am Schiff erledigen und Pläne für das nächste Segeljahr schmieden. Die Beiträge in der Kategorie Logbuch werden also seltener werden, das eine oder andere versprechen wir jedoch weiterhin zu posten.

    Weitere Bilder gibt’s wie immer im Fotoalbum.

    Für die Statistik: Sines – Sagres – Lagos – Portimao: 89 sm, 2450 sm in der Segelzeit, 9061 sm gesamt.