Die Exumas sind, so haben wir gehört, die Inselkette der Bahamas, die man gesehen haben muss. Wir waren gespannt, auch etwas skeptisch, denn solch ein Ruf sorgt, wie schon oft erlebt, zu Besucherströmen, die dem Gesamteindruck nicht immer dienlich sind. Einen ersten Eindruck davon, was Attraktivität bewirkt, bekamen wir dann auch gleich mit Einlaufen in Elizabeth Harbour, den durch Stocking Island vom Exuma-Sund abgeschotteten Naturhafen, im Südosten von Great Exuma. Das ist nicht weiter verwunderlich. Der Naturhafen und insbesondere George Town, liegt mit seinen guten Versorgungsmöglichkeiten zentral in der Inselwelt der Bahamas und ist somit logischer Stopp, sowohl für Segler auf dem Weg nach Norden oder Süden, oft auch Ziel für jene, die dem Nordamerikanischen Winter entfliehen und hier für längere Zeit vor Anker liegen bleiben. Der internationale Flughafen macht zudem Crew wechsel einfach und Georgetown selbst zur Drehscheibe für Tourismus auf den Exumas.
Ankerplatz Sanddollar Beach, Stocking Island.
So liegen denn allein zwischen Hamburger Beach im Norden, Elizabeth Harbour vor George Town und Sanddollar Beach im Süden Stocking Islands weit über 100 Motor- und Segelyachten vor Anker. Der stramme Wind sorgt übrigens für eine anständige Windsee und macht Versorgungsfahrten zum Dinghy Dock George Towns, im Lake Voctoria, zu einer meist nassen Angelegenheit. Die zahlreichen Überwinterer haben Stocking Island mit einem Wegenetz verhältnismäßig gut erschlossen, wie wir bei einigen Wanderungen über die Insel feststellen konnten. Eine weitere, der regelmäßig durchziehenden Kaltfronten, hielt uns einige Tage hier fest, die wir aber dennoch gut nutzen konnten, da die Internetverbindung hervorragend ist.
Chat ‚N‘ Chill, Treffpunkt für Segler, Touris, Locals…
Am Donnerstag, 14.4., hatten wir dann aber doch genug vom Geschaukel durch Windsee, Dinghys und Ausflugsboote und brachen auf gen Norden, zu den kleineren Inseln der Exumas. Darüber mehr im nächsten Beitrag.
Immer wieder überraschen besonders jene Ort positiv, die ursprünglich gar nicht in der Törnplanung enthalten sind. So auch Clarence Town, an der rauhen Ostküste Long Islands. Im Naturhafen, geschützt von Riffen und kleinen Inselchen ist es leicht, einen Ankerplatz zu finden, die Bucht strahlt in der gesamten Palette Türkis und Blau, Strände ohne Ende, das Wasser kristallklar. Im Süden der Bucht konnten wir Rochen beobachten, in der Flying Fish Marina Ammenhaie. Die Versorgung könnte besser sein, aber man kann ja nicht immer alles haben! Wir verbrachten 3 entspannte Tage hier, bevor wir schweren Herzens wieder aufbrachen um nicht während der angekündigten Starkwindphase stecken zu bleiben.
Strand bei Clarence Town
Wir wollten ums Cape Santa Maria herum auf die Westseite von Long Island. Das ist eine 50 Seemeilen-Passage, die man an einem Tag schaffen kann. Wir zogen es vor, über Nacht zu segeln, einerseits würden wir dann den nächsten Ankerplatz ohne Eile bei Tageslicht erreichen und hätten zudem den ganzen Ankunftstag „frei“. Die Planung ging auf. Es wurde eine entspannte Fahrt bei 3-4 Bft und wenig Welle, die wir von Ankerplatz bis Ankerplatz unter Genua zurücklegten. Um 8 Uhr hatten wir unseren Anker in der Calabash Bay eingegraben. Auch wieder so ein Ort, dessen leuchtende Farben des Wassers sprachlos macht.
Cape Santa Maria
Im Osten Hoosie Harbours, flacher Naturhafen im Nordosten der Bay, liegt das Dinghydock für Seymours, nördlichste Siedlung von Long Island. Wir machten dort fest, um zum Columbus Monument am Cape Santa Maria zu wandern. Das Monument erinnert an das freundliche aufeinander treffen der Eingeborenen Lucayans und Christoph Columbus, bei dessen Landung am 17. Oktober 1492. Ort und Datum sind zwar nicht unumstritten, die Panoramen, die sich dem Besucher bieten sind auf jeden Fall genial. Der Weg ist lang und heiß. Kühlung findet man am Kap im Meer, nach der Rückkehr bei Rodney, im Sunset Restaurant, 100 m südlich des Dingydocks. Nein, es gibt keine Klimaanlage (und auch kein WiFi), dafür aber kaltes Kalik, Eiswasser und Chips als Zugabe. Auf Bestellung kann man wohl auch sehr gut speisen, dort, was wir leider nicht mehr probieren konnten. Wir wollten weiter zu den Exumas und nutzten den guten Wind um am darauffolgend Tag George Town anzulaufen.
Verdiente Abkühlung!
Weitere Bilder von Long Island findest du im Fotoalbum.
Great Inagua ist die südlichste Insel der Bahamas, an klaren Tagen soll man vom Leuchtturm aus das nur runde 50 sm entfernte Cuba sehen können. Acklins- und Crooked Island sind bei den vorherrschenden, östlichen Winden das logische, nächste Ziel. Gern wären wir dann weiter zu den Jumentos Inseln, bekannt für Abgeschiedenheit und Einsamkeit auf vielen, unbewohnten Inseln und zudem (oder ebendem) nur wenig besucht. Beim zurzeit wechselhaften und sehr windigen Wetter erschien uns das als etwas zu abenteuerlich. Nach einer Starkwindpassage von Great Inagua nach Acklins Island, während der wir erstmals unsere Sturmfock zum Einsatz brachten, konnten wir einen ruhigen Nachmittag in der Sugar Bay, Acklins Island, verbringen.
Sugar Bay, Acklins Island
Das Wasser unvorstellbar klar und bis zum Horizont in allen Schattierungen von Blau und Türkis leuchtend. Muss man gesehen haben um es zu glauben, Bilder können dem kaum gerecht werden. Gern wären wir länger geblieben, doch leider mussten wir am nächsten Tag schon wieder weiter, ein bevorstehender Frontdurchgang mit kräftigem Nordwind, zwang uns, einen der wenigen, für solches Wetter geeigneten Ankerplätze, aufzusuchen. Wir fanden, mit einigen weiteren Yachten, Schutz hinter Long Cay, im Bereich der Zufahrt zur Acklins Bay, kurz bevor die Front mit heftigem Regen und Wind über uns hinwegzog. Zwei Tage später, am Montag, 28. März, drehte der Wind wieder auf NO und es wurde Zeit einen Leeankerplatz an einer Westküste aufzusuchen. Unsere Wahl fiel auf Landrail Point, an der Nordwestecke von Crooked Island.
Landrail Point, Crooked Island
Ein schöner Ankerplatz mit einem langen Sandstrand, den wir für einen Tag quasi für uns alleine hatten. In der Siedlung Landrail Point Settlement gibt es ein Restaurant, eine Boutique und einen Supermarkt. Sonst nichts. Sehr entspannt also. Im Restaurant (Gibson‘s Restaurant #2) verwöhnten wir uns mit einem reichhaltigen Mittagessen, welches wir weder so bestellt hatten, noch so von der Chefin angekündigt war, runde zwei Stunden Vorbereitungszeit brauchte und dann schließlich lecker, aber eben auch recht teuer war.
Landrail Point Settlement. Hier tobt das Leben…
Nördlich des Strands, gleich hinter Pittstown Point gibt es übrigens eine neue, großzügig ausgebaute Marina, deren Riffzufahrt mit roten und grünen Bojen markiert ist. Besichtigten wir auf einer unserer Strandwanderungen, denn die Liegegebühr von 4 $ / Fuß sind einfach zu astronomisch für ein paar Hafentage.
Eine längere Periode ruhigeren Wetters war weiterhin nicht in Sicht, weshalb wir die Jumentos endgültig abschrieben und Long Island als nächstes Ziel ins Visier nahmen. Versorgt mit frischem Obst und Gemüse aus dem begrenzten Angebot des Supermarkts, brachen wir schließlich am 1. April nach Long Island auf. Gut 30 sm sind es, bis hinüber zur Südspitze der Insel. Geschützt von einem Riff sollte man dort gut ankern können, auch gibt es eine Strandkneipe, deren Conch-Fritters besonders lecker sein sollen. Zu denen kamen wir jedoch nicht. Das Riff wurde seinem Schutzanspruch überhaupt nicht gerecht. Es wurde eine sehr , sehr unruhige Nacht mit wenig Schlaf ohne Aussicht auf Besserung der Bedingungen. Mit Sonnenaufgang verließen wir den Ankerplatz und segelten weiter nach Norden, entlang der Ostküste Long Islands, bis Clarence Town. Darüber mehr im nächsten Beitrag.
Weiter Bilder zur Acklins- und Crooked Islands-Gruppe findest du im Fotoalbum.
Nach zwei Wochen San Miguel hatten wir unsere Vorhaben abgearbeitet, insbesondere unseren Vorrat an Proviant geprüft und massiv aufgestockt, sodass wir nun jederzeit in die Karibik starten können. Der Supermarkt Hiperdino in Las Chafiras lieferte zwei volle Einkaufswagen bis ans Boot, dazu kamen Vollkornbrote und Bio-Müsli der deutschen Bäckerei Der Dinkelbäcker, ebenfalls in Las Chafiras. Überraschend und zu unserer großen Freude, trafen wir wir in der Marina auch die Crew der SY Petima wieder und klönten einen Nachmittag bei uns an Bord über die Erlebnisse des Sommers, bevor die beiden nach Las Palmas aufbrachen. Was also nun noch fehlte, war ein passendes Wetterfenster für unseren Start in die Karibik. Da es in San Miguel für uns nichts mehr zu tun gab, warfen wir am 11. November die Leinen wieder los, um einige Tage vor La Gomera vor Anker zu gehen.
Vor Anker, Playa de Chinguarime, La Gomera
Es wurde, welch Genuss, eine schöne Überfahrt. Keine Düse und ausreichend Wind bis kurz vor unseren ersten Ankerplatz, der Playa de la Roja, nur wenige Meilen südwestlich von San Sebastian de La Gomera. Übrigens ein Ankerplatz ohne jeglichen Mobilfunkempfang. Lange nicht gehabt.
Wir blieben eine Nacht und verlegten tags darauf eine gute Meile weiter südwestlich zur Playa de Chinguarime. Auch hier ist die Kulisse sehr schön, in den Felsen zu beiden Seiten des Strandes gibt es zudem zahlreiche Höhlen, die von Campern und anderen seltsamen Personen bewohnt werden. Wir nannten sie alsbald Neandertaler, da sie zumeist nackig zwischen ihren Höhlen, dem Wasser und den von der Nachmittagssonne aufgewärmten Felsen hin und her pendelten.
Playa de Santiago
Nach einer recht ruhigen Nacht, fand Schwell erneut seinen Weg bis in die Bucht, diesmal von einem Tief auf dem Atlantik stammend und entsprechend hoch. Wir wollten sicherheitshalber etwas mehr Abstand zum Strand, gingen deshalb Anker auf und verlegten bei der Gelegenheit gleich eine Meile weiter zur Playa de Santiago.
Das Örtchen Playa Santiago, mit seinem gleichnamigen, kleinen Hafen, sieht vom Wasser aus sehr einladend aus. Grund genug, das Dinghy wieder einmal auszupacken und für einen Landgang zu nutzen, incl. Besuch beim Frisör und lecker Mittagessen. Leider ließ auch hier der Schwell nicht nach. Nach einer weiteren, unruhigen Nacht, beendeten wir deshalb unseren Ausflug an diesen Küstenabschnitt La Gomeras und setzten Kurs auf El Hierro, der südwestlichsten Insel der Kanaren.
Sonnenuntergang, Playa de Santiago
Weitere Bilder findest du, wie immer, im Fotoalbum.
Ohne unsere Gäste gab es für uns keinen Grund, länger in der Marina San Miguel zu verweilen. Wir stockten mit einem Einkauf auf dem Bauernmarkt in Las Chafiras unsere Vorräte noch einmal auf und segelten am 11. Juli um die Ecke (Punta Rasca) auf die Leeseite Teneriffas.
Punta Rasca, Tenerife
Seglerisch eine völlig andere Welt als vor San Miguel. Keine Windsee, leichte Dünung, mit etwas Glück leichter Seewind für unbeschwertes Segeln entlang der Küste. Kleiner Wermutstropfen sind die hier gelegenen, touristischen Hotspots Teneriffas, mit den bekannten Hotelburgen und Touri-Ghettos von Los Christianos, El Medano, Playa de Las Americas und Costa Adeje. Von den Häfen starten ganze Wellen von Ausflugsbooten, von Segelyachten und -Katamarane bis Themenschiffe. Auf dem Programm steht bei allen die „Bade“-Pause vor einem Strand. Der schönste soll wohl die Playa Diego Hernandez sein, und so treffen sich drei mal täglich alle Ausflügler zum Bad vor demselben. Ab 18.00 Uhr kehrt jedoch überall Ruhe ein und unsereiner hat das Panorama ganz für sich allein.
Playa Diego Hernandez, Tenerife
Wir segelten und ankerten uns von Süd nach Nord mit Stopps vor dem Strand südlich Punta del Puerto, Playa Diego Hernandez und Playa Masca, dem landschaftlich wohl spektakulärsten Ankerplatz, den wir bisher kennen. Überall findet sich auf rund 8 Metern Tiefe gut haltender Sand, den man im klaren Wasser gut ausmachen kann. Für uns war der Bereich um Los Gigantes auch der bevorzugte Ausgangspunkt für die Überfahrt nach La Gomera, um bei halbem oder raumem Wind im Bereich der Acceleration Zone östlich der Insel, San Sebastian de La Gomera anlaufen zu können.
Playa de Masca, Los Gigantes, Tenerife
Weitere Bilder von Teneriffas Westküste und unseren Ankerplätzen findest du im Fotoalbum.
Knapp zwei Wochen früher als im letzten Jahr haben wir Anfang November wieder einen Winterliegeplatz bezogen. Zuvor verbrachten wir noch einige ruhige, sonnige Tage in der Lagune von Alvor. Wir fanden ein gutes Plätzchen gleich hinter der östlichen Zufahrtsmole und verzichteten auf die Weiterfahrt zum Ankerplatz vor dem Hafen von Alvor, wo des doch recht eng zuging, wie wir beobachten konnten. Wir nutzten das warme Wetter für lange Strandwanderungen, mal nach Osten, Richtung Alvor, mal nach Westen, Richtung Lagos.
Als sich dann wieder schlechtes Wetter ankündigte, beschlossen wir, vorzeitig in die Marina de Lagos zu verlegen. Unsere Reservierung galt erst ab dem 9. November. Da die Marina rappelvoll war, mussten wir vier Nächte am Besuchersteg warten, bis unser Liegeplatz für den Winter frei wurde.
Zu der Zeit wurden wir dann auch Großeltern und freuten uns bereits auf den Besuch bei unserem Enkelchen. Dass Corona weiterhin ein Thema sein würde war klar, dass jedoch Deutschland in den Lockdown Light gehen und ganz Portugal zum Risikogebiet erklärt werden würde, stand nicht auf dem Plan. Quarantänevorschriften, Beherbergungsverbote und Besuchsbeschränkungen zwangen uns zu einigen Änderungen, dennoch schafften wir es, nach Deutschland zu reisen, uns bei unserem Enkel vorzustellen und wieder zurück zu unserem schwimmenden Zuhause zu kommen. Übrigens im Einklang mit Vorschriften und Verordnungen von Bund und Ländern. Details ersparen wir uns hier. Sind morgen ohnehin wieder überholt.
Ein Monat ist seit unserem letzten Eintrag vergangen. Unser Blog ist also mehr oder weniger in einen Pausenmodus übergegangen. Wir haben uns, auch aufgrund Covid-19, dazu entschlossen, einen weiteren Winter hier zu verbringen, bevor wir dann im nächsten Jahr wieder entferntere Ziele ansteuern. Der wichtigere Grund ist jedoch die gute Anbindung nach Deutschland (Faro), wo wir im November Großeltern werden, worüber wir uns sehr, sehr freuen. Und unseren Enkel wollen wir natürlich so bald wie möglich im den Armen halten.
Es wird kühler…
Der Sommer hat sich mittlerweile auch an der Algarve verabschiedet und der kühleren Jahreszeit Platz gemacht. Diese Bezeichnung eignet sich besser als Herbst und Winter, denn auch wenn die Tage kürzer, das Wasser kühler und dann und wann auch das Wetter etwas ungemütlicher werden, die stets warme Sonne und der überwiegend blaue Himmel erinnern wenig an die kalten Jahreszeiten, wie wir sie vom nördlichen Europa her kennen.
Segeln entlang der Küste der Algarve
Nach einem kurzen Stopp in Vilamoura erkundeten wir weitere Ankermöglichkeiten entlang der Küste in Richtung Westen. Neben den bei jedem Wetter sicheren Ankerplätzen des Rio Guadiana, der Lagune von Faro/Olhao und innerhalb der Mole der Mündung des Rio Arade bei Portimao kann man bei guten Bedingungen eigentlich überall ankern. Die findet man bei ablandigem Wind zusammen mit westlichen Winden in der Straße von Gibraltar. Bläst dort nämlich der Levante, wird‘s an der Algarveküste schaukelig. Auf dem Weg nach Portimao ankerten wir so bei Albufeira, östlich von Benagil und vor der Praia do Vao, westlich von Portimao.
Ankern bei Benagil, östlich von Portimao
Unser derzeitiger Ankerplatz liegt vor der Praia Grande bei Portimao, mit guten Versorgungsmöglichkeiten sowohl in Ferragudo, als natürlich auch in Portimao. Zwar befindet sich der einzige, öffentliche Ponton flussaufwärts vor der Eisenbahnbrücke am nördlichen Rand Portimaos, am östlichen Ufer des Rio Arade lässt es sich jedoch überall auch am Ufer oder Strand gut anlanden.
Wandern entlang der Steilküste östlich von Portimao
Besonderen Reiz hat die Steilküste östlich von Portimao/Ferragudo. Sie ist mit Wanderwegen gut erschlossen und bietet geniale Ausblicke (Caminho dos Promontórios). Genau das Richtige, jetzt, wo es nicht mehr so heiß wird. Wir erkundeten den Weg bis Carvoeiro, von wo aus man den Weg bis Benagil und darüber hinaus fortsetzen kann, wenn man denn will. Die 16 km Hin-und Rückweg waren uns aber für Erste genug.
Spaß auf dem Wasser, hier mit SUP und Kajak.
Eine Portion Schlechtwetter gab es auch. Tief Barbara brachte Starkwind bis Stärke 10 in Böen, mit Wellen bis 3,7 m aus SW. Hatten wir hier vor Anker noch nicht und zogen es deshalb vor, in die Marina von Portimao zu verlegen. Das war keine gute Entscheidung, denn Schwell findet seinen Weg um und durch die schwimmenden Wellenbrecher der Marina und sorgt in den Becken der Marina für sehr unangenehme, wenn nicht sogar gefährliche Bedingungen. Sowohl an den Stegen, als auch an Booten gab es Schäden, wie gebrochene und ausgerissene Klampen, losgerissene Schwimmer der Fingerpontons, umgestoßene Stromverteiler und Ähnliches.
Sturmief Barbara. Schietwetter
Wir haben für uns entschieden, dass wir bei solchen Bedingungen bei Portimao künftig vor Anker sicherer liegen. Zwischen Molenköpfen und Ferragudo ist es zwar unruhig mit reichlich Schwell, der aber weiter flußaufwärts, schon im Bereich des Wendebeckens fast völlig verschwindet.
Wir waren froh, als wir die den Liegeplatz in der Marina wieder gegen „unseren“ Ankerplatz tauschen konnten und das dauernde Knarzen der Leinen endlich ein Ende hatte. Jetzt stehen wieder Dinghy-Ausflüge und unverbaute Sonnenuntergänge auf dem Programm, bis wir irgendwann im November in die Marina de Lagos verlegen werden.
Sonnenuntergang von „unserem“ Ankerplatz bei Portimao
Seit dem 8. September sind wir nun wieder in Portugal. Quer über den Golf von Cadiz ging es zunächst vom Ankerplatz bei Chipiona nach Tavira. Zwar ist die Aussicht auf genügend Platz zum Ankern eher schlecht, da fast der gesamte Bereich innerhalb der Zufahrt von Mooringbojen belegt ist, dennoch lieben wir die räumliche Nähe kleiner Fischerorte, die herrlicher Strände und Anlandemöglichkeiten im Bereich von Quatro Aguas, den vier Wässern Ria Formosa, Rio Gilao, Ribera do Almagem und dem Atlantik.
Ankerplatz Tavira
Wir fanden ein Plätzchen für unseren Anker mit ausreichend Raum zum Schwoien und genossen es, wieder in der Algarve angekommen zu sein. Besuche in Cabanas und Tavira, sowie ausgedehnte Spaziergänge auf den Ilhas de Tavira und Cabanas ließen die Zeit schnell vergehen. Leider bot unser Ankerplatz nicht im gesamten Schwoikreis genügend Tiefe bei der näherkommenden Herbst-Springtide. Niedrigwasser versprach dann nur noch 10 cm Wasser über SKN, beziehungsweise zu wenig für unseren Tiefgang. Grund genug, nach Culatra umzuziehen, wo wir auch für den vorhergesagten Starkwind sicheren Ankergrund erwarten konnten.
Cabanas
Seit dem 13. September ist Culatra jetzt unser Zuhause. Wir geniesen die Weite, den Raum am Ankerplatz, die Ruhe auf der Ilha de Culatra, den fast menschenleeren, endlosen Strand und die spätsommerliche Wärme der Algarve. Hier bleiben wir noch eine Weile!
Am 1. September erlaubte das Wetter unsere Weiterreise in Richtung Portugal. Günstigen Strom für die Fahrt nach Westen setzt, so die einschlägige Literatur, 3 Stunden nach Hochwasser Gibraltar ein. Das war an dem Tag erst um 18.00 Uhr, es stand also einmal mehr eine Nachtfahrt an. Passte auch aus anderem Grund ganz gut, denn die großräumigen Schießgebiete südlich von Cadiz waren tagsüber aktiv.
Die für uns beste Strömung fanden wir dann dort, wo wir sie am wenigsten erwartet hatten: Vor Cap Trafalgar setzte der Tidenstrom mit 2-3 Knoten nordwärts und schob uns, wenn auch abnehmend fast bis nach Cadiz.
Für die kommenden Tage sollte der Levante wieder für kräftigen SO-Wind sorgen, weshalb wir im Osten der Bucht von Cadiz den Ankerplatz in der Ensenada del Aculadero anliefen. Liegt zwischen der Marina Puerto Sherry und der Mündung des Rio Guadalete mit seiner langen Mole. Die Stadt an der Mündung des Rio Guadalete ist El Puerto de Santa Maria, kurz einfach El Puerto und markiert eine Ecke des andalusischen Städtedreiecks in dem der als Sherry bezeichnete Wein hergestellt wird (mehr Info dazu auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Sherry).
Der Sherry war zwar nicht der Grund für die Wahl des Ankerplatzes, dennoch Anlass genug, um in einer Sherry-Kellerei mehr über diesen Wein zu erfahren. Wir wählten die Bodega Gutiérrez-Colosia (http://www.gutierrezcolosia.com/), die täglich zu einem sehr anständigen Preis Führung und Weinprobe anbietet. Unser Guide machte einen erstklassigen Job. Zusammen mit der anschließenden Weinprobe wurden wir fast schon Sherry-Experten und wissen nun, wie Erde, Meer und Wein in ein Glas Fino kommen.
Gern hätten wir unsere Sherry-Kenntnisse in Sanlucar de Barrameda, der zweiten Stadt des erwähnten Dreiecks weiter vertieft, ein Nachmittag mit Horden von Jetski-Fahrern im Rio Guadalquivir, wohin wir am 6.9. verlegten, verbunden mit Schwärmen von Mücken ab Sonnenuntergang, verdarben uns dann aber komplett die Lust darauf. Das Gefühl genug Spanien genossen zu haben überwog und wir nutzten am 8.9. die Wetterlage für einen Schlag über den Golf von Cadiz zurück nach Portugal.
Zu guter Letzt noch etwas positives zur Mündung des Guadalquivir: Nach der negativen Erfahrung am Ankerplatz gegenüber des Ortes Bonanza verlegten wir am Montag, dem 7. September vor den Hafen von Chipiona. Dort kann man vor östlichen und südlichen Winden recht geschützt ankern und das Dinghy auch Motor leicht anlanden. In der Marina fanden wir ein hervorragendes Restaurant, wo wir unseren 30. Hochzeitstag gebührend feierten. Gutes Essen zu vernünftigen Preisen, und vom super-freundlichen Personal die Corona-Regeln vorbildlich umgesetzt.
Unser erster Schlag von den Balearen zurück nach Gibraltar und in den Atlantik führte uns nach Ibiza/Formentera. 159 Seemeilen, fast komplett unter Segel, mit raumem Wind und deswegen eher langsam unterwegs. Nach 36 Stunden erreichten wir am Freitag, 21. August, um 4 Uhr morgens die Bucht von Ses Salines auf Ibiza. Lag gut geschützt vor dem östlichen Wind und Schwell. Obwohl wir unseren Anker sauber in Sand eingegraben hatten, vertrieb uns am folgenden Vormittag eine Park-Mitarbeiterin vom Ankerplatz. Auch die Kette dürfe keinesfalls das heiligen Posidonia berühren können. Machte nichts, der Wind, jetzt aus Südwest, stand ohnehin in die Bucht und wir verlegten an Formenteras Ostküste, für eine Nacht an die Bahia Tramontana, dann nach dem Umrunden der Ostecke Punta des Far, an den Südstrand Formenteras. Wir waren froh, hier noch einmal Anker werfen zu können, denn Strand und das türkisfarbene Wasser waren wirklich sehenswert und für das Partyvolk zum Glück zu weit entfernt für einen Kurztrip.
Formenteras Südküste. Schönstes Türkis der Balearen…
Die Südküste war für uns auch idealer Startpunkt für den nächsten Schlag Richtung Gibraltar. Cabo de Palos und Cabo de Gata waren grob unsere geplanten Wegpunkte, mit dem Ziel bei Almeria eine Pause einzulegen. Am Sonntag, 24. August ging es los, am Mittag des dritten Tages lag Cabo de Gata querab und die Bucht von Almeria vor uns. Ein Wettercheck ließ befürchten, dass eine Pause bei Almeria länger dauern könnte. Eine Starkwindperiode zeichnete sich ab, mit wenig Möglichkeiten, die Alboransee sicher und in einem Stück durchqueren zu können. Auf eine weitere Woche Hitze wollten wir gern verzichten, ließen die Bucht von Almeria an Steuerbord liegen und bleiben auf Westkurs. Immer schön an der Küste entlang, in der Hoffnung dort eine gegenläufige Strömung zur zum Teil kräftig nach Ost setzenden Strömung in der Alboransee zu finden. Die Rechnung ging auf! Entlang des spanischen Festlandsockels setzte der Strom tatsächlich mit einem halben bis einem ganzen Knoten westwärts. Trotz des etwas längeren Wegs brauchten wir ungefähr die gleiche Zeit von Cabo de Gata nach Europe Point wie 5 Wochen zuvor auf unserem Weg zu den Balearen.
Eddies in der Alboransee schieben uns Richtung Gibraltar.
Nach 4 Tagen und 3 Nächten fiel am Mittwoch, 27. August um 19.30 Uhr unser Anker in der Ankerbucht bei La Linea. Den Atlantik konnten wir beim Umrunden des Europe Points von Gibraltar aus schon sehen.
La Línea de la Conceptión und Gibraltar wollen wir etwas genauer ansehen, das nächste Wetterfenster für die Straße von Gibraltar öffnete sich ohnehin erst in einigen Tagen.