Westliche Ostsee

  • Saisonstart mit Ups and Downs

    Ziel unseres Frühjahrstörns war auch in diesem Jahr der Besuch der Heringstage in Kappeln, die in diesem Jahr zum 40. Male stattfanden und wie immer an Christi Himmelfahrt beginnen. Der Törn begann im Anschluss an das auswintern unserer Danja. Terminlich konnten wir beides, auswintern und ansegeln, entgegen der ursprünglichen Planung, nicht entzerren.
    Für’s Kranem waren wir am Donnerstag, 26. April, eingeplant. Stellen des Masts fand am darauffolgenden Tag statt. Da wir bereits am 25. April angereist waren und am Donnerstag erst als letzte ins Wasser kommen sollten, nutzten wir die Wartezeit auf dem Trockenen für den “Einzug” und das bunkern von Proviant. Am Samstag waren wir dann, nach Stellen des Masts, aufziehen der Segel und füllen der Wassertanks, bereit für unseren Törn, für den wir am Sonntag, 29.04. ausliefen.
    Trotz viel Sonne war es auf dem Wasser noch ganz schön frisch, vor Barhöft bildete die kalte Meeresluft im kräftigem NNO-Wind im Lee der Halbinsel Bock Seenebel. Dennoch genossen wir es, wieder mit DANJA unterwegs zu sein. Auf Barhöft Reede planten wir die weiteren Etappen aus. Über 10 Tage Zeit standen uns zur Verfügung, um pünktlich nach Kappeln zu gelangen.
    Der folgende Montag versprach 5-6 Bft aus NO und damit einen zügige Rundung des Darß, mit Etappenziel Rostock/Warnemünde. Danach sollte es nach Travemünde und Lübeck weitergehen, wo wir uns bei einem Werftbesuch ein alternatives Angebot für unseren Refit einholen wollten. Doch ganz so einfach lief es dann doch nicht…
    Nördlich des Darß, der scheinbare Wind zeigte beständig 7 Bft, riss uns bei der einzigen, erforderlichen Halse das Großsegel. Just an der Stelle, die uns am Tag zuvor als reichlich dünn und reparaturbedürftig ins Auge gefallen war. Der größte Teil des Groß ließ sich noch in den Mast einrollen, den zerfledderten Rest sicherten wir notdürftig am Mast. Mit wenig Genua liefen wir anschließend im “Schutz” von Fischland/Darß mit raumem Starkwind bis 8 Bft ab, Richtung Warnemünde. In Höhe Graal-Müritz flaute es schließlich ab, 5 Meilen vor der Warnow-Mündung war es sogar Windstill.


    Unter Motor liefen wir am späten Nachmittag in die Warnow ein, mit Ziel Boots- und Yachthafen Schmarl, wo auch die Segelwerkstatt Warnemünde ihren Sitz hat. Die Segelwerkstatt Warnemünde ist Partner der Segelwerkstatt Stade, von der wir uns auf der Boot Angebote für eine neue Segelgarderobe eingeholt hatten. Nach dem 1. Mai-Feiertag konnten wir nach einigen Telefonaten ein neues Groß vermessen lassen und in Auftrag geben. Mit etwas Glück würde es noch vor unserer Rückkehr nach Barth fertig werden.
    Noch am gleichen Tag liefen wir, nunmehr nur noch mit Genua und zur Dämpfung der Groß-Rollanlage in Resten eingerolltem Groß, wieder aus, zunächst mit Ziel Travemünde.
    Der weitere Törnverlauf entsprach mehr unseren Vorstellungen: Viel Zeit, überschaubare Etappen, das ganze bei bestem Wetter, strahlendem Sonnenschein und wenig Starkwind.


    Hier die Highlights in aller Kürze:
    Besuch der Böbs – Werft in Travemünde, wo wir Danja voraussichtlich im kommenden Winterlager von Grund auf überholen lassen werden.
    Abstecher nach Lübeck
    Besuch der 40. Heringstage zu Kappeln.
    Teilnahme am Sommerfest des TO in Orth auf Fehmarn
    Gemütliche Strandtage auf Fehmarn (Burgtiefe)
    Via Hohe Düne zurück in die Boddengewässer
    Auch unser neues Roll-Großsegel wurde so rechtzeitig geliefert, dass wir es vor unserer Heimfahrt aufziehen und vor Barth bei günstigen Winden testen konnten. Die vorletzte Nacht an Bord verbrachten wir vor Anker in der Glowitzer Bucht, wo wir zu Sonnenuntergang erstmals unsere Drohne vom Boot aus fliegen ließen.
    Mit Ausnahme des gerissenen Großsegels, für uns ein gelungener Törn mit einem wunderschönen Ausklang, gleich um die Bodden-Ecke vor Barth.

    Für die Statistik:
    378 sm, davon 164 sm unter Motor.
    Incl. Probesegeln: 387 sm, davon 165 sm unter Motor, 221 sm unter Segeln.
    Seit SBF See: 6210 sm

    Mehr Bilder gibt’s im Fotoalbum.

  • Kappelner Heringstage 2017 (Fortsetzung)

    Am Freitag, 26.5., verließen wir Kappeln mit Ziel Schleswig. Am Montag wollten wir dort unsere neue Matratze für die Eignerkabine übernehmen. Die hatten wir am Mittwoch bei Laroma GmbH in Auftrag gegeben, die wir auf der letzten Hanseboot in Hamburg kennen lernten. Trotz Feiertagen und langem Wochenende sollte alles fertig werden, versprach uns der Mitarbeiter, der die Koje am Liegeplatz in Kappeln vermaß. Um es vorweg zu nehmen: Es klappte perfekt. Und noch perfekter ist seither der Schlaf. Wir liegen besser, als zu hause im eigenen Bett. Von uns volle 10 von 10 möglichen Punkten für das Produkt und die Firma.
    Auf der Schlei verbrachten wir ein wunderschönes, langes Wochenende, bei absolut sommerlichen Temperaturen unter strahlend blauem Himmel.
    Erst von Montag auf Dienstag brachte eine Kaltfront starke westliche Winde und wieder der Jahreszeit angemessene Temperaturen. Unseren Absprung nach Osten mussten wir bis Donnerstag schieben, am Mittwoch galt für den gesamten Küstenraum, Nord- und Ostsee, Starkwindwarnung mit Böen bis 8 Bft. Die leicht nachlassenden Winde nutzten wir dann am Donnerstag, 1.6.17 für die Rückfahrt zum Darß. Um 5 Uhr passierten wir Schleimünde und ließen uns von dort an vom achterlichen Wind non-stop bis Prerow pusten, wo gegen 22.00 Uhr der Anker sicher eingegraben war. Es folgte ein sommerlicher Badetag, bevor wir am Samstag, durchweg segelnd (SO-Wind) nach Barth zurückkehrten.

    Sonnenuntergang am Darß.

    Für die Statistik: 349sm zurückgelegt, 249 davon unter Segeln.

  • Kappelner Heringstage 2017

     

    Wir sind wieder unterwegs. Wie bereits im vergangenen Jahr, haben wir Kappeln an der Schlei zum Ziel unseres ersten Törns des Jahres ausgesucht. Dieses Jahr werden wir den Ostseefjord noch bis Schleswig befahren, bevor wir die Rückreise nach Barth antreten.
    Für uns gab es zwei Prämieren: Die erste Nachtfahrt und das erste Etmal (100 sm) mit Danja. Mit stabilen 3-4 Bft war das Wetter einfach perfekt, um weitgehend stressfrei eine Nacht hindurch zu segeln. Zwar zwang Westwind zum Kreuzen, nachdem die Entscheidung jedoch gefallen war, keinen Hafen anzulaufen, schreckte das nicht weiter. Kurz nach Mitternacht passierten wir mit etwa 3 kt. Fahrt die Zufahrt nach Warnemünde, bevor dann einige Meilen weiter westlich der Wind völlig einschlief. Unter Motor setzten wir Kurs Richtung Fehmarnsund-Brücke, die wir schließlich gegen 7 Uhr morgens, bei noch immer spiegelglatter See, passierten. Ohne Stopp ging es weiter, um das Schießgebiet Hohenwarter Bucht (aktiv) herum, auf direktem Weg nach Schleimünde. Erst nach passieren des Kiel-Ostsee-Wegs kam wieder eine leichte Brise (aus NO) auf, mit der wir die verbleibenden Meilen unter Segel und in Ruhe hinter uns bringen konnten.
    In der Schlei steuerten wir das Wormshöfter Noor an, wo 35 Stunden und 158 sm nach verlassen der Reede Barhöft unser Anker fiel.
    Bei sommerlich warmem Wetter, wenig Wind und herrlicher Szenerie fiel es trotz der Müdigkeit schwer, in die Koje zu gehen, wo dann ein langer Schlaf für Erholung sorgte. Im Laufe des Dienstags verlegten wir in den Stadthafen Kappeln, wo unser ganz persönliches Heringstage-Programm begann. Geplantes Auslaufen: Freitag, 26.05.2017.
    Hier weiterlesen…

  • Heringstage in Kappeln

    Über einen Monat nach dem Einwassern am Gründonnerstag, lösten wir am 29. April endlich die Leinen für den ersten Segeltörn des Jahres. Verspätetes Ansegeln sozusagen. Der Umbau der Bordstromversorgung dauerte deutlich länger als geplant. Ich werde in einem anderen Post darauf zurückkommen…
    Als Ziel hatten wir uns die Heringstage in Kappeln vorgenommen. Die starten, wie jedes Jahr, am „Vatertag“ und laufen für 4 Tage. Dass Kappeln entgegen der vorherrschenden Windrichtung liegt, sorgte für das eine oder andere Bauchweh während der Törnplanung, dennoch sollte die eingeplante Zeit ausreichen, um die Strecke bei jedem Wetter zu schaffen. Zwei Alternativen boten sich an: Entlang der deutschen Küste, oder durch den Guldborg-Sund und die Dänische Südsee nach Schleimünde.
    Als es für dann endlich losging, meinte es das Wetter gut mit uns. Ein kräftiger Südwind erlaubte uns, am ersten Tag mit streckenweise über 7 kts aus den Bodden heraus und entlang der Halbinsel Zingst, bis vor Prerow (Ankern) zu segeln. Die östlichen bis südlichen Winde blieben uns für die nachfolgenden Tage treu, sodass wir, via Kühlungsborn und Fehmarn (Ankern in der Orther Bucht) , bereits am Dienstag mit Sonnenuntergang Kappeln erreichten. Den längsten Schlag segelten wir am Dienstag, 40sm, durchgehend Schmetterling, von der Orther Bucht, via Schleimünde bis Kappeln (ab Schleimünde unter Motor). Und das endlich auch bei erträglichen Temperaturen und ohne die doppelte Schicht wärmender Unterwäsche. An baden war bei 6°C Wassertemperatur übrigens nicht zu denken…
    Jetzt sind drei Ruhetage geplant, die wir für Familienbesuche und Treffen mit Freunden reserviert haben. Ab Freitag machen wir uns dann wieder auf den Heimweg nach Barth. Für die Fortsetzung hier klicken.

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  • Sommertörn 2012 – Rund Seeland

    War das schööööön. Fast drei Wochen unterwegs, 10 Tage davon perfekten Sommerwetter. In T-Shirt unter der Großen-Belt-Brücke durch, fast täglich geschwommen, wunderschöne Sonnenuntergänge gesehen, frischen Lobster verspeist und eine halbe Bibliothek leergelesen (ok, ist übertrieben;)…

    Die Route führte und gegen den Uhrzeigersinn um Seeland herum, zunächst bis Kopenhagen, dann ins Kattegat bis Odden Havn, weiter zu den Inseln im südwestlichen Kattegatt und schließlich durch den Großen Belt zurück nach Fehmarn.
    Fünf Stehtage hatten wir uns gegönnt, zwei davon eher unfreiwillig, und legten insgesamt 365 sm zurück.
    Highlights waren Ven, Serejö und Ballen, am wenigsten gefallen hatte uns Kopenhagen. Details in den folgenden Posts…

    Hier unsere Liegeplätze in der Übersicht:

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  • Mai-Törn 2011

    Vom 14.-28. Mai war das Seegebiet „Belte und Sund“ unser Ziel. Ausgangs- und Zielhafen war Gelting Mole. Dort charterten wir die BIRKE, eine Bavaria 32c. Wir hofften auf bereits wärmeres Wasser, das auch mal zum Baden einladen würde, mit Temperaturen um 10°C herum war es dafür aber dann doch zu kalt. Zudem lernten wir den Mai als einen Monat mit überwiegend Starkwind-Wetterlagen kennen. An nur wenigen Tagen herrschte „gemütliches“ Segelwetter, zumeist waren wir bei 5-6 Bft und darüber seglerisch reichlich gefordert. Zu aller letzt patzten wir dann auch noch beim letzten Anleger in Gelting und beschädigten die Lotta, die im starken Wind weit in unsere Box hineinreichte und die wir mit dem Anker an der an backbord abgebrachten Rettungsinsel touchierten. Im einzelnen:

    Route: War nicht ganz durchgeplant, als mögliches Ziel hatten wir Anholt im Visier, dieses jedoch nur bei günstigen Winden. Unseren am weitesten Enfernten Hafen erreichten wir schießlich mit Langoer im Norden Samsoes. Im Einzelnen:

    Tag 1: Gelting – Ankerplatz bei Dyvig

    Tag.2: Ankerplatz bei Dyvig – Haderslev

    Tag 3: Haderslev – Ankerplatz Gamborg Fjord

    Tag 4: Ankerplatz Gamborg Fjord – Korshavn

    Tag 5: Korshavn – Langör

    Tag 6: Hafentag Langör

    Tag 7: Langör – Musholm

    Tag 8: Musholm – Svendborg

    Tag 9: Svendborg – Ankerplatz AErö (Revkrog-Bucht)

    Tag 10: Ankerplatz – Kappeln Grauhöft

    Tag 11: Kappeln Grauhöft – Kapplen

    Tag 12: Kappeln – Sönderborg

    Tag 13: Sönderborg – Gelting

    Häfen/Ankerplätze auf Google Earth

    Segeln: Wie schon erwähnt beleibt in unserer Erinnerung ein überwiegend anstrengender Törn, bei 5-6 Bft (in Boen haben wir auch das eine oder andere Mal die 8 gesehen) war ständiges Ruder gehen, Reffen, ausreffen gefragt, Erholung war an solchen tagen nur am Abend möglich – und das nicht immer: Einmal gingen wir auf Drift, als der Wind in der Nacht auf über 20 Knoten auffrischte (Musholm) und konnten zum Glück ohne Grund- oder Schiffberührung im Dunkeln wieder per GPS in tieferes Wasser zurückfahren um dort erneut zu ankern. Die Nacht war futsch ;). Vor AErö erging es uns ähnlich, der Anker hielt diesmal, allerdings drehte der Wind auf Nordwest (90° weiter als vorhergesagt) und sorgte für mächtig Schwell in unserer Ankerbucht. Mit der Dämmerung brachen wir schließlich nach unruhigem Schlaf auf.

    Es war also anstrengend, allerdings haben wir auch sehr viel gelernt. Auch bei 7-8 Bft. (in Boen) ließ sich die Bavaria noch gut unter 20% Fock am Wind segeln, mehrmals ließen wir uns auch bei Wind von vorn das Segeln nicht verderben und kreuzten auch in „beengten“ Verhältnissen gut gegenan. Trotz kleiner Crew und manchmal viel Wind im Hafen produzierten wir sichere und stets kontrollierte Anleger (mit Ausnahme des letzen ;( …

    Die Mittelspring erwies sich dabei als wertvoll und leistete uns gute Dienste.

    Ein echtes Genuss-Highlight war der Törn von Korshavn nach Langör: Über Stunden bei drei, später zwei Bft auf Halbwindkurs in der Sonne räkelnd den Ausblick geniesend an Samsö entlang.

    Weiteres Erlebnis-Highlight waren die Querung der Großen-Belt-Brücke, viel Wind von vorn, Strömung und wenig Schlaf in der Nacht davor – aber dennoch gut gemeistert und hinterher mächtig stolz.

    Besonders schön waren auch die Begegnung mit Tümmlern bei Middelfart (die sich nicht für uns interessierten, sich aber dennoch mehrfach zeigten) und die Stadt Svendborg.

    Orte:

    Dyvik, sehr schöner Ankerplatz.

    Haderslev, im Gegensatz zum Haderslev-Fjord nicht besonders attraktiv.

    Gamborg Fjord, menschenleer und nur bei gemäßigtem Wind (aus West) angenehm fürs Ankern.

    Korshavn, absolut idyllisch – zumindest im Mai – bei schwachem Versorungsangebot. Ausflug/Spaziergang zur Nordspitze der Halbinsel sehr empfehlenswert.

    Langör, ebenfalls sehr idyllisch, weil besonders gut versorgt udn auch gern besucht, besonders am Wochenende. Tip: Fahrrad mieten und in den Norden Samsös radeln.

    Musholm, Ankerplatz mit viel Fischzucht davor. Kann nur bei Tag angelaufen werden. Weil die Insel sehr flach ist bietet sie bei viel Wind wenig Schutz.

    Svendborg, das Beverly Hills oder Miamy Beach Dänemarks. Schön da. Sowohl der Hafen, als auch die Stadt.

    AErö, nicht viel davon gesehen…

    Kappeln, immer wieder einen Zwischenstopp wert.

    Sönderborg, schöne Marina und nicht zum ersten Mal dagewesen. Da weis man halt was man hat…

    Gelting Mole, besonders die Enge im Hafen machte uns zu schaffen. Sollte man im Hinterkopft haben, wenn man dort übernachten möchte. Ansonsten natürlich ein super Ausgangspunkt für einen Törn wie den unseren.

    Zahlen, Daten, Fakten:

    Zurückgelegte Distanz: 350 sm

  • Überführungstörn Oktober 2010

    Die Nachbereitungen unsere Sommertörns waren noch nicht abgeschlossen, da landete in meiner Mailbox das Angebot einiger Überführungstörns für 1.Klasse Yachtcharter. Als ich am Abend die Website checkte, waren alle kostenlosen Törns bereits vergeben. Die Überführung einer Beneteau Cyclades 43 von Heiligenhafen nach Flensburg (in 5 Tagen) wartete allerdings noch auf Freiwillige. Wir zögerten nur kurz, dann waren die Urlaube beim Arbeitgeber eingetütet und die Yacht gebucht. Blieben noch eine Woche zur Vorbereitung, dann am 1. Oktober, ging es, mit je zwei Reisetaschen und Proviant im Auto, via Hannover (Übernachtung) nach Heiligenhafen, wo wir am 2.10.2010 den „Kahn“ übernahmen. Es war uns schon ein wenig mulmig zumute, denn die Cyclades 43 war echt groß. Und wir nur zu zweit. Allerdings war das Schiff mit Bug- und Heckstrahler, Radar und Autopilot ausgestattet, das Wagniss also gut kalkulierbar…

    Um 12.00 hatten wir die Übernahme und das Beziehen unseres Schiffes für die kommenden 5 Tage abgeschlossen und waren bereit zum Ablegen in Heiligenhafen. Die Wettervorhersage war gemäß Windfinder vielversprechend. An der Westseite eines stabilen und umfangreichen Hochdruckgebiets über Weißrussland sollte es bei diesigem aber trockenem bis sonnigem Wetter mit 5-6 Bft aus SO blasen. Für die gesamte Törndauer. Wir waren gespannt…

    Alles in Allem wurde aus diese Überführung ein Törn an den wir viele gute Erinnerungen behalten werden. Details zum Törn stehen im Logbuch. Jedenfalls ging es in vier Etappen und einem Ruhetag von Heiligenhafen nach Flensburg Sonvik. Übernachtet haben wir jeweils in Häfen: Wendtorf an der Kieler Außenförde, Kappeln Grauhöft, Soenderborg und in Sonvik, dem Zielhafen. Außer am letzten Tag des Törns, von Soenderborg nach Flensburg bliesen konstant 5-6 Bft aus SO, mit 1-2 m Wellen. Wir segelten somit zumeist auf raumen Kursen mit einigem Schiften um Patenthalsen aus dem Weg zu gehen. Da der Autopilot entweder total schlecht kalibriert – oder schlicht kaputt war, mussten wir die gesamte Strecke (außer auf dem Schlag von Soenderborg-Flensburg) Ruder gehen. Trotz der kleinen Crew hatten wir Fame stets gut im Griff und waren zum Ende richtig stolz auf echt gute An- und Ablegemanöver. Auch seglerisch konnten wir unsere Fähigkeiten vertiefen und begrenzten das Motoren aufs An- und Ablegen sowie auf das Verlassen der Schlei (der Wind stand quasi auf der Nase). Insgesamt sammelten wir auf diesem Törn 96 Meilen auf dem Konto, 12 davon unter Motor.

    Überf.-törn Okt. 2010

    Ein interessanter Aspekt des Törns war die Rückkehr nach Heiligenhafen. Per Bahn und Bus ging es quer durch Schleswig Holstein. Eine Erfahrung der besonderen Art 😉 Für Christine definitiv ein Höhepunkt, sah sie doch auf der Strecke Flensburg-Kiel viele ihrer Arbeitsplätze in grauer Vorzeit und konnte lange in alten Erinnerungen schwelgen.

    Zahlen, Daten, Fakten:

  • Überführungstörn Heiligenhafen – Flensburg, Oktober 2010

    Tag 1: Heiligenhafen – Wendtorf

    So gegen 12 Uhr hatten wir unser Schiff für die kommenden 5 Tage übernommmen und machten uns fertig für’s Ablegen.

    Unser Schiff, „Fame“, war eine Beneteau Cyclades 43, ausgestattet mit Kartenplotter am Steuerstand, Radar, Autopilot, Rollreff und Groß mit Ein-Leinen-Reffsystem. Außerdem durften wir über einen Comfodrive verfügen, ein neues Steuersystem, das für den Alltagstest in diesem Schiff eingerüstet, Bug- und Heckstrahler sowie Saildrive in einem Steuerhebel und Bedienpanel zur verfügung stellte. Besonderer Hit war die Möglichkeit über den drehbaren Sticktop auf der Stellle zu drehen. Wir waren gespannt.

    Fürs Ablegen zu zweit – ein Novum für uns – ließen wir uns viel Zeit. Die Fame war mit dem Heck zum Steg übergeben worden, der Wind drückte uns perfekt aus der Box. Trotzdem gaben wir kontrolliert Lose achtern und holte vorn dicht, bis dass der Bug sicher zwischen den Heckpfählen lag. Dann hieß es Leinen los und hinaus in die Boxengasse. Mit dem Saildrive drehten wir wie angekündigt auf der Stelle und begannen recht „relaxt“ unseren Überführungstörn. Durch das geschäftigen Fahrwasser ging es hinaus aus dem Hafen, südwestlich der Untiefentonnen machten wir uns ans Segel setzten. War noch ein wenig krampfig (zu wenig Gas im Wind gegeben, 4-5 Bft Wind, Reffleinen schwergänging), doch nach einigen Versuche und Korrekturen standen das Groß im zweiten Reff sowie die Genua (und ich im Schweiß ;-).

    Wir mussten bald feststellen, dass für den erforderlichen Vorwindkurs der Autopilot nicht geeignet war. Zu träge in der Reaktion und dem erreichen eines gesetzten Kurses, steigerte sich das gekurve um den Sollkurs so weit, dass eine Patenthalse drohte und wir den Autopiloten wieder ausschalteten. Nach einigen weiteren Versuchen mussten wir die Sache aufgeben. Dieser Otto konnte es nicht… Handsteuern war angesagt ;-(

    Die Idee bis Kappeln durchzusegeln hatten wir schon vor dem Ablegen aufgegeben. Selbst bei idealen Bedingungen war das nicht mehr bei Tageslicht zu schaffen. Zwischen den beiden Alternativen Laboe oder Wendtorf entschieden wir uns bald für letzteres, denn allzu spät wollten wir nicht ankommen müssen. Um Patenthalsen von vornherein auszuschließen schifteten wir um den geplanten Kurs herum voran. Das Wetter war ok, aus dem zunehmend verhangenen Himmel fielen, je später der Tag, immer mal wieder Regentropfen, hielt sich aber sehr in Maßen. Dank konstantem SO segelten wir durch bis zur Anfahrtstonne in die Rinne nach Wendtorf, wo wir beide Segel bargen. Der Empfehlung des Hafenmeisters folgend – wir hatten ihn zwei Stunden vor Ankunft angerufen – gingen wir schließlich am Kopf eines Stegs längsseits, ohne Probleme 🙂 und freuten uns über eine gelungene erste Passage unseres Törns.

    Es folgeten noch Anlegerbierchen, Anmeldung, Dusche und schließlich ein Dinner mit Mozzarella-Tomaten als Vorspeise und Spaghetti al Tonno als Hauptgericht, bevor wir uns gegen 10 endlich in die Kojen begaben.

    Tag 2: Wendtorf – Kappeln Grauhöft

    Wie zu erwarten war es nicht die beste Nachtruhe, trotz der Müdigkeit weckten uns immer wieder die ungewohnten Geräusche und Bewegungen. Dennoch konnten wir einigermaßen erholt den zweiten Tag angehen. Nach der üblichen Morgenroutine (Waschen, Frühstücken, Boot checken, klar Schiff machen…) warfen wir gegen 9.00 Uhr die Leinen los für den Schlag nach Kappeln. Der Wind bließ unverändert mit 5-6 Bft, in Schauerboen auch mal 7 aus SO. Die Wellenhöhe lag bei 1-2 Metern, die Bewegugen des Schiffs entsprechend. Christine, der Stabilität einer Yacht noch nicht ganz vertrauend, erlebte den einen oder anderen Adrenalinschub, als Fame in Boen und Wellen mal kräftiger krängte.

    Erneut waren wir von den Segeleigenschaften nicht besonders beeindruckt. Mit Groß im Reff 2 und Genua hatte Fame eine sehr starke Tendenz bei jeder Boe anzuluven, der überforderte Autopilot (oder kaputte), zusammen mit einer für unseren Geschmack schwergängigen Steuerung sorgten für viel Arbeit am Steuer. Nach dem Queren der Kieler Förde im Außenbereich sowie der Eckerförder Bucht folgten wir dem Küstenverlauf innerhalb des Schießgebiets Schönhagen gen Norden.

    Vor Schleimünde erreichte der Wind in Spitzen schon mal 7 Bft, in ziemlich üblen Wellen bargen wir die Genaua und setzten, nur mit dem Groß im zweiten Reff, Kurs auf die Schlei. Direkt hinter den Molenköpfen der Schleieinfahrt ließ der Schwell – und unsere Anspannung – nach. Mit dem Groß im Reff 2 folgten wir bei um 5 Kt. Fahrt und achterlichem Wind dem Fahrwasser bis hinter das Tonnenpaar 11, 12, wo wir schließlich auch das Groß bargen um die verbleibende Meile mit Motor zurückzulegen. Nach langem Suchen – Problem für uns war eher die Größe des Schiffs denn das Angebot an freien Liegeplätzen steuerten wir schließlich Box 15 des Hafens Kappeln-Grauhöft an, wo wir beim zweiten Versuch (Merke: Schlei weist starke Strömungen auf) sicher und überzeugend anlegten.

    Wir ließen den Tag schließlich mit ein (zwei, um genau zu sein) Spatziergängen durch Kappeln und einem Dinner im Restaurand Stark zu Ende gehen. Meine Schwägerin kam übrigens noch zu Besuch. Schön!

    Was gibt‘ sonst noch zu vermerken? Scalar-Yachten werden in Kappeln-Grauhöft gebaut. Es liegen viele davon im Hafen. Schöne Schiffe! Im Restaurant Stark sollte man Plätze zuvor reservieren. Wer rückwärts in die Boxen im Stadthafen einparkt, wird vom Restaurant kostenlos auf dem Schiff bedient (wir passten leider nicht rein, in die Boxen).

    Tag 3:Kappeln – Soenderborg (DK) und Tag 4 (ein Hafentag)

    Wie schon erwartet bließ auch an diesem Tag der Wind mit 5-6 Bft aus SO. Am Morgen hatten wir noch kurz Besuch von (Schwieger) Pa und Ma aus Kappeln. Nur Pa schaffte es an Deck, deshalb war es nur ein kurzes Wiedersehen. Wir beeilten uns mit den Vorbereitungen und legten um 10.00 ab um uns auf den Weg nach Dänemark zu machen. Ziel für heute war Soenderborg. Welcher Hafen genau, wollten wir erst vor Ort entscheiden. Da es sich um einen recht kurzen Schlag handelte erwarteten wir so gegen 14.00 anzukommen.

    Wie schon die Tage zuvor kämpften wir mit der schwergängigen Steuerung und ziemlich hohen Wellen schräg von hinten. Nach vier Stunden hatten wir dennoch die 24 Meilen von Kappeln nach Soenderborg hinter uns gebracht. Im Schutz der Bucht vor der Hafeneinfahrt bargen wir die Segel (ging ruck-zuck, reibungslos, professionell ;-)) und fuhren dann in den Südenhafen Soenderborgs ein. Die Stadt machten einen freundlichen Eindruck, wie bereits im Hafenhandbuch beschrieben, befanden sich die Kainlagen jedoch gleich neben einer reichlich befahrenen Straße und waren somit wenig einladend für die Nacht. Den Fjord nördlich der Klappbrücken kennen zu lernen, verwarfen wir für heute und entschieden uns schließlich für eine Übernachtung in der Marina etwas südlich des Stadthafens.

    Wir hatten Glück und ergatterten den Liegeplatz am Kopfende des südlichen der beiden Gästebrücken – obschon wir drei Anläufe brauchten, denn die Poller waren – im Verhältnis zu unserem Freibord so niedrig, dass die übergeworfenen Festmacher beim Dichtholen oben abrutschten. Beim dritten Versuch sicherten wir uns zunächst mittschiffs, was hielt und kümmerten uns danach um das ordentliche Festmachen unserer „Fame“.

    Die Marina Soenderborg ist eine topgepflegte Anlage mit allem Drum und Dran. Gefiel uns so gut, dass wir uns entschieden hier einen Hafentag einzulegen. In Anbetracht des am folgenden Tag noch stärkeren Windes (selbst im Hafen Spitzen bis 7 Bft) im nachhinein eine gute Entscheidung. Auch war es sehr erholsam mal Seele und Gemüt baumeln zu lassen. Der freie Tag verhalf uns zudem zu original dänischen Hotdogs und frischem Fisch, der schließlich gemeinsam mit Bratkartoffeln und Gurkensalat zu unserem Menü des Tages wurde. Zum Abend flaute der Wind dann zum ersten Mal seit Beginn unseres Törns fast vollständig ab und wir konnten uns an einer richtig erholsamen Nachtruhe erfreuen.

    Tag 5: Soenderborg – Flensburg Sonvik

    Wir waren die ersten, die um 09.00 Uhr die Leinen loswarfen und die Marina verließen. Unmittelbar vor dem Hafen setzten wir Groß im Reff 1 und fielen auf einen am-Wind-Kurs ab gen Süden ab, um dort dem Fahrwasser in die Flensburger Förde folgen zu können. Es folgte sogleich die Genua und wir waren wieder unterwegs. Mehr als 3 Bft waren es nicht, die unsere Fame anschoben. Welch ein Unterschied zu den vergangenen Tagen. Sogar Otto kam diesmal mit den Verhältnissen zurecht…

    Um die Landzunge vor Borreshoved herum ging es schließlich auf dänischer Seite hinein in die Flensburger Förde. Wir hielten uns auf Dänischer Seite frei vom Fahrwasser uns segelten, bald ohne Reff, gemütlich auf Vor-Wind Kursen voran. Viel mehr zu berichten gibt es nicht. Die Sonne schien, wir genossen die Ruhe und das dahingleiten, mit einem flotten Am-Wind-Kurs zum Abschluss hinunter nach Flensburg Sonwik, wo wir östlich der Tonne 15 die Segel bargen und unserem Zielhafen anliefen. Es folgten zwei perfekte Anlegemanöver zu zweit – beim Tanken und fückwärts (!) festmachen – womit unser Törn seinen super Abschluss fand.