Die Wind- und Wettervorhersagen versprachen für den 27./28. August wenig Welle bei 10 Knoten Wind aus NO bis ONO. Beste Bedingungen also, für die gut 100 Seemeilen bis Teneriffas Ostseite. Es wurde tatsächlich eine unserer bisher angenehmsten Passagen in den Gewässern der Kanaren, während der wir doch tatsächlich unterwegs, auf dem Vorschiff sitzend, die Sonne und den Ausblick genießen durften. Nördlich Teneriffas ging es dann wie geplant in die Nacht, während der wir uns mit langen Kreuzschlägen in Richtung Teneriffas NO-Ecke voran arbeiteten. Der folgende Morgen brachte dann allerdings eine böse Überraschung, die zunächst unsere Instrumente mit der Warnung vor zu niedriger Spannung im Netzwerk ankündigten. Der Batteriemonitor zeigte, bei der Fehlersuche nurmehr 4 von 30 verfügbaren Amperestunden an. Unsere 300 Ah Batteriebank war also dabei, den Geist aufzugeben. Mal wieder. Aus den geplanten Tagen vor Anker vor der Playa de Antequera wurde deshalb leider nichts. Wir entschieden uns nach Santa Cruz de Tenerife zu laufen, wo wir in der Marina Santa Cruz ohne Probleme einen Platz bekamen.
Fast den gesamten August sind wir nun schon in Santa Cruz de La Palma. August bedeutet auch auf den Kanaren Hochsommer. Die diesjährige Hitzewelle, die im Süden Europas zu vielen Waldbränden und Rekordtemperaturen führte, wanderte Mitte des Monats nach Westen bis auf den Atlantik und gelangte mit dem Passat auch zu den Kanaren. In Gran Canaria wurden erstmals Temperaturen weit über 40 °C gemessen und auch hier an La Palmas Ostküste wurde es mit deutlich über 30°C einige Tage sehr, sehr heiß.
Unterwegs zum Sanctuario de Las Nieves
Prompt erfolgte am 13.8. aufgrund der Waldbrandgefahr die Sperrung der Wälder für Wanderer (aktuelle Info hierzu unter senerosdelapalma.es). Da hatten wir zum Glück schon einige Touren unternommen und uns bezüglich La Palma einen guten Überblick verschaffen können. August ist natürlich auch Hochsaison für den Tourismus, was einerseits zu völlig ausgebuchten Mietwagenfirmen und andererseits zu Gedränge an den Touri-Hotspots führte. Wie zuvor in La Gomera bevorzugten wir fürs Reisen Linienbusse, was hier auf La Palma den Aktionsradius aber etwas einschränkt. Die Buslinien folgen, außer im Bereich der Zentren Santa Cruz und Los Llanos, im Wesentlichen den Hauptverkehrsstraßen, der Nationalpark Caldera de Taburiente, zum Beispiel, wird gar nicht angefahren. Das war für uns zunächst schade, dennoch fanden wir abwechslungsreiche Wanderungen, die uns sowohl an Strände, als auch in die Berge der Insel führten. Die Wasserfälle bei Los Tilos, die malerische Ortschaft San Andrés, das Meerwasserschwimmbad Charco Azul und das Sanctuario de Las Nieves waren Ziele unserer längeren Hikes, daneben besuchten wir noch Los Llanos und Puerto Tazacorte an der Westküste La Palmas.
Wasserfälle bei Los Tilos.
So richtig verliebt haben wir uns allerdings noch nicht, in die Isla Bonita, wie La Palma auch genannt wird. La Palma ist groß. Ohne Mietwagen und in Anbetracht der dünnen Abdeckung mit den Öffis bleibt das Inselinnere mit seinen 2000m-Gipfeln für Tageswanderungen unerreichbar und selbst Ziele in der näheren Umgebung der Marina La Palma sind aufgrund der krassen Höhenunterschiede echt anstrengend. Was La Palma auch fehlt, sind Ankerplätze. Die sind auf den Kanaren ohnehin rar, hier fehlen sie quasi völlig. Im September erwarten wir wieder einmal lieben Besuch aus Deutschland, der in Teneriffa landen wird. Grund für uns bald aufzubrechen und endlich wieder einige Tage vor Anker zu verbringen.
Für die Überfahrt nach La Palma nahmen wir uns zwei Tage Zeit. Zunächst segelten wir am 27. Juli zurück an die Westküste Teneriffas für eine Nacht vor Anker an der Playa de Masca, dann am zweiten Tage von Punta de Teno auf direktem Kurs nach Santa Cruz de La Palma. Die Wind Acceleration Zone östlich La Gomera erstreckt sich über etwa 5 Meilen, die hatten wir halbwind nach einer knappen Stunde durchquert. 30 Knoten max zeigte der Windmesser dieses mal. Vor Teneriffa hätten wir dann auf die mittägliche Seebrise warten können, zogen jedoch einen Badetag bei der Playa de Masca dem Dümpeln vor. Der Motor durfte mal wieder ran.
Punta de Teno, Kap im äußersten Nordwesten Teneriffas
Am nächsten Morgen schob uns die Maschine dann noch zum Punta de Teno, wo wir, wie erwartet, aus dem Lee heraus in den vorhergesagten NO-Passat segeln konnten. Der begleitete uns dann mit 15-20 Knoten auf den 50 Seemeilen bis nach La Palma. Wieder angenehmes Segeln mit halbem Wind, was den Umweg für uns auf jeden Fall wert war.
Anfahrt auf Santa Cruz de La Palma
Die Marina La Palma ist top ausgestatted und gepflegt. Sie liegt quasi mitten in Santa Cruz. Supermärkte, Mercado, Busbahnhof, Strände, Restaurant, alles ist in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Die grün bewachsenen Berge im Hintergrund ergeben mit den farbigen Gebäuden der Inselhauptstadt davor, eine super Kulisse. Immer wieder verschwinden die Berge in den Wolken, Hinweis darauf, dass sie nicht in einem Spaziergang erreichbar sind… Leider ist die Marina Teil des Handels- und Fährhafens La Palmas, je nach Schiffstyp ist damit fast 24/7 für eine mehr oder weniger laute Geräuschkulisse gesorgt.
La Palma, die schöne Insel, so haben wir es oft gehört und gelesen. Wir sind gespannt.
Marina La Palma
Zum Schluss noch ein Blick auf die Statistik: Vor 850 Tagen begann für uns die Segelzeit. Bis La Palma haben wir 5.680 Seemeilen im Kielwasser gelassen, im Logbuch stehen insgesamt 12.291 Seemeilen.
Ab Sonntag, dem 18. Juli, hatten wir in San Sebastian de La Gomera einen Liegeplatz reserviert. Das Wetter sah für die Überfahrt günstig aus: Passatwind aus NNO mit 15 Knoten, eher gemäßigt für Juli/August.
Um 8 Uhr gingen wir vor der Playa de Masca Anker auf und fuhren unter Motor aus dem Lee Teneriffas heraus. Auf halbem Weg setzte segelbarer Wind ein, zwei Meilen später zeichnete sich auf dem Wasser die WAZ (Wind Acceleration Zone) ab. Schnell stieg der Wind auf 25 bis 30 Knoten an, in der Folge dann bis auf 38 Knoten, auf Höhe von Punte de San Cristobal. So richtig Freude kam da nicht auf, immerhin kamen wir zügig voran. Es kachelte bis eine halbe Meile vor der Hafeneinfahrt von San Sebastian, dann ging der Wind rapide runter und kaum dass wir den äußeren Molenkopf – jetzt bereits unter Motor – umfahren hatten, war er gänzlich verschwunden. Verrückt.
In der WAZ östlich von La Gomera
San Sebastian de La Gomera ist – besonders im Konstrast zu Teneriffa – ein verschlafener, dennoch freundlicher Ort, in dem wir uns sofort wohl fühlten. Zu beiden Seiten der Marina schließen sich Badestrände an, Supermärkte, Bäckereien, Restaurants, Busbahnhof, alles ist in wenigen Minuten erreichbar. Ziemlich perfekt.
Blütenpracht in San Sebastian de La Gomera
Leider war es nach 3 Tagen mit der Windstille im Hafen vorbei. Es fegte fortan ein strammer Wind durch die Marina, der in Böen regelmäßig über 30 Knoten erreichte, in der Spitze beobachteten wir 45 Knoten!
La Gomera hat bei Naturliebhabern einen besonders guten Ruf und bietet Wanderern ein ausgedehntes, gut gekennzeichnetes Wegenetz. Im Zentrum der Insel liegt der Nationalpark Garajonay, dessen Nebelwald Weltkulturerbe ist. Da konnten unsere Wanderschuhe endlich mal wieder zum Einsatz kommen. Wir nutzten die Buslinien der Insel für unsere Ausflüge. Die Linie 2 bedient den Norden bis Valle Hermoso, die Linie 1 fährt am Alto de Garajonay vorbei nach Valle Gran Rey. Zwischen Haltestellen einer Linie, oder von der einen zur anderen, lässt sich die Insel gut erwandern.
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Besonder reizvoll fanden wir Vallehermoso, wo wir nach einem 11 km-Rundweg zur Kapelle Santa Clara – Rundweg Nr. 4, 640 m rauf und wieder runter – mit wunderschönen Aussichtspunkten entlang der Route, exzellente Tapas genossen. Spektakulär fanden wir unsere Tour vom Alto de Garajonay über El Cedro bis Hermigua. Vom Hochland La Gomeras durch den Nebelwald bis El Cedro und über die Barranco del Cedro hinab ins Tal von Hermigua. 12 km und 1400 Höhenmeter. Waren wir froh, dass wir die Tour nicht bergauf unternommen hatten, denn das wäre echt heftig geworden.
Unser Zuhause in Marina La Gomera
Nach einer guten Woche öffnete sich für uns eine Wetterfenster für eine angenehme Überfahrt nach La Palma. Der Passat sollte für zwei, drei Tage etwas schwächer und zudem mit mehr östlicher Komponente wehen. Das hatten wir bisher so selten beobachtet, dass wir die Gelegenheit unbedingt nutzen wollten.
Der ÖPNV wird von GuaguaGomera betrieben. Es dauert eine Weile, bis man Linien, Haltestellen und (Wander)Karten korreliert, da GuaguaGomera seine Daten nicht mit Google teilt. Sehr hilfreich ist da die App Mapy.cz, die von Trampelpfad bis Bushalte alles an die Hand gibt, nicht „lost“ zu gehen.