Monat: September 2010

  • Sommertörn 2010

    Zwei Wochen Südliche Ostsee auf der SY Genesis. So lautete unsere Buchung via PCO. Um möglichst bald die Prüfung für den SKS angehen zu können sollte dieser Törn einige Meilen auf Konto bringen, deshalb hatten wir uns Blekinge in Schweden als Ziel vorgenommen. Mit viel Erfahrung in Navigation und Avionik im Rücken war diese Aufgabe des Törns unproblematisch, zur Risikominimierung in Bezug auf das Segeln war das Vermeiden jeglichen vorhergesagten Starkwinds Pflicht, Segeln bei Nacht nicht geplant.
    Unser Plan war es, hin und zurück via Bornholm nach Blekinge zu segeln. Nachdem jedoch zwei Tage einem Sturm zum Opfer gefallen waren, änderten wir die Routenführung etwas und wollten auf dem Rückweg von Ystad aus zurück nach Rügen Segeln.
    Insgesamt legten wir auf diesem Törn 449 Meilen zurück, die größeren Schläge jeweils unter Segel (mit Ausnahme einer ausgedehnten Flaute auf der Rückfahrt von Ystad nach Süden).
    Neben Übernachtungen im Hafen verbrachten wir eine Nacht vor Anker in den Schären Blekinges und lernten dabei viele schöne Orte und Fleckchen Erde näher kennen. Highlights waren Hanö und die Schärenwelt zwischen Karlshamn und Karlskrona. Da wir leider nur zwei Tage dort verbringen konnten, steht seit Ende des Törn fest, dass dieses Gebiet einmal wieder Ziel eines Törns werden muss.
    Crew und Schiff kehrten unversehrt nach anstrengenden aber trotzdem schönen zwei Wochen wieder in den Heimathafen zurück. Wir hatten viel gelernt, beim An- und Ablegen nicht immer brilliert (ohne dass es jedoch jemals gefährlich wurde) und viel Erfahrung im Segeln einer Yacht und über das Leben darauf gesammelt.
    Besonders wichtig war für uns die Erkenntnis, dass dies nicht der einzige Törn bleiben würde. Das Segelfieber hat uns entgültig gepackt…

    Baltic Cruise mit der SY Genesis, 21.08.-04.09.2010.
    Alle Bilder zum Törn auf Flickr.

  • Sommertörn auf der Genesis, Tag 14

    Von Gustow nach Wieck

    Ein jeder Törn geht zu Ende, dieses sollte unser letzter Segeltag werden. Als die Sonne aufging, trieben Nebelschwaden über das spiegelglatte Wasser, die Stille verstärkte die andächtige Stimmung. Trotz der Kühle des Morgens wärmte die Morgensonne bereits und wir konnten erneut draußen frühstücken. Diesmal ohne Brötchen, die waren mittlerweile aus. Knäcke, Smörre und die letzten Schokocroissants taten’s auch.

    Zum Ende unseres Frühstücks setzte auch im Hafen von Gustow Nordwind ein, das kroiselnde Wasser konnte man seit einiger Zeit aus Richtung Neuhof/Fahrwasser näher kommen sehen.  Ob es ein direkter Schlag zurück nach Wieck werden sollte oder nicht wollten wir abhängig vom Wind entscheiden. Soviel Segeln wie möglich war die Devise. Um 9.00 verließen wir die Marina, kurz vor denen das Ende/Beginn der Gustow-Rinne bezeichnenden Tonnen drehten wir Genesis in den Wind, setzten Groß und Fock und reihten uns ein in die kleine Armada aus Booten, die nach der 8.20 Uhr- Ziegelgrabenbrückenöffnung in Richtung Greifswalder Bodden unterwegs waren.

    Der Wind kam konstant aus Nord und erlaubte eine flotte Fahrt von um die 6 Knoten, wobei wir uns zumeist nördlich des Fahrwassers hielten um nicht mit der Berufsschifffahrt in Konflikt zu geraten. Als wir gegen 11.00 Uhr Tonne 10 und damit das Boddengewässer erreichten, hatten wir eine unter Motor fahrende Bavaria weit hinter uns gelassen 🙂

    Mit einem Abbiegen nach Greifswald wäre unser Törn bereits kurz nach Mittag zu Ende gewesen. Nach kurzem Abwägen entschieden wir uns deshalb den kräftigen Nordwind (3-4 Bft) zu nutzen um in Seedorf eine Runde Fischbrötchen zum Mittag zu fassen. In rauschender Fahrt ging es in 2 Stunden quer über den Bodden in die Having und Baaber Rinne. Erst nach Beginn der Anfahrt nach Seedorf bargen wir Groß und Fock und ließen den Motor wieder an. Beim Anlagen kämpften wir mit einem kräftigen Strom im Hafen, auch hatte ich meinen Plan auch einen Festmachen an der mittleren Luv-Klampe zu nutzen so schlecht kommuniziert, dass wir eine wenig professionelle Performance abgaben und sich ein Crewmitglied zudem leicht verletzte.

    Gegen 14.00 war es dennoch vollbracht, hungrig machten wir uns über zwei Runden Fischbrötchen her.
    Wir gaben uns bis 15.00 Uhr um die Fahrt in den Heimathafen fortzusetzen. Leider war der Wind deutlich abgeflaut, mehr als 2 Bft waren es sicherlich nicht mehr. Für einen Raumschotkurs zu wenig um einigermaßen zeitig in Wieck anzukommen. Nach dem Setzen der Segel ließen wir deshalb den Motor zur Unterstützung weiterlaufen und fuhren auf direktem Weg zurück nach Greifswald/Wieck. Der aus WNW drehende Wind frischte im Süden des Bodden noch einmal ein wenig auf und erlaubten noch einmal 20 min. ruhiges Segeln. Das Timing für die 18.00 Uhr Brückenöffung stand und lief perfekt. Ohne Halt passierten wir – nun heimwärts – die Wiecker Klappbrücke. Herrn Wunderlich vom Yachtservice Greifswald hatten wir bereits telefonisch über unsere Ankunft informiert, er wartete an der Tanke, wo wir schließlich mit 59 Litern Sprit den Tank wieder füllten. Das Einparken verlief zum Abschluss recht gut und um 18.45 stoppten wir zum letzten Mal auf diesem Törn die Maschine.

    Der Rest ist schnell erzählt. Packen, ein letztes Mal Fischbrötchen (Wieck), am Samstag Ausräumen, Auto beladen, Leergut abgeben und dann die lästige Autofahrt zurück nach Ingolstadt ;-0

  • Sommertörn auf der Genesis, Tag 13

    Von Barhöft nach Gustow

    Nach dem langen Schlag des gestrigen Tages ist es endlich an der Zeit den Müßiggang zu pflegen. Ausschlafen war angesagt. Barhöft liegt sehr geschützt (zumindest bei den angetroffenen Nordwinden) und weckte uns statt Geplätscher Vogelgezwitscher. In der Proviantkiste gab es frische Brötchen, die wir uns zum Frühstück schmecken ließen.

    Es folgte ein kurzer Spaziergang zum Aussichtsturm westlich des Hafens. War leider geschlossen. Öffnungszeiten von 11-17.00. So lange wollten wir nun doch nicht warten. Wir entschieden uns deshalb die Brückenöffnung um 12.20 anzugehen und bei der Gelegenheit noch frischen Fisch zu kaufen. Mit der Fock segelten wir schließlich mit ca. 4 Knoten durch das Fahrwasser nach Stralsund. Dort war der südliche Anleger bei den Fischerbuden leider von einem Fahrgastschiff belegt, wir mussten also an die Liegeplätze im nördlichen Teil des Hafens. Damit wurde die Zeit knapp. Die Kids blieben nach dem Festmachen beim Boot, während ich mit Christine „Fische fangen“ gingen. War dann auch eher ein Reinfall. Der Fischhändler hatte nur Lebendfisch im Angebot und hätte mir einen halben Meter langen Hecht anbieten können. Zu wendig Zeit also und zudem viel zu viel Fisch. Es blieb uns nichts anderes übrig, als eine Runde Fischbrötchen zu ergattern, dann gings im Laufschritt zurück zum Boot und weiter zur Brücke. Wir nervten wahrscheinlich den Gegenverkehr, der bei dieser Öffnung auf die von Norden kommenden Boote warten musste, denn trotz Speeding konnten wir nicht zum „Vordermann“ aufschließen und passierten schließlich die Brücke mit 200m Abstand als letztes Boot.

    Kehre, Groß im ersten Reff setzen und wieder abfallen für den Strelasund Süd. Wir verzichteten vorerst noch aufs Fock, da wir unsere Fischbrötchen verzehrt werden wollten. War auch gut so, denn nur 20 Minuten später erwischten uns ein kräftiger Schauer mit kräftigen Böen und sogar einem Donner. Nasse Schuhe und Jeans waren die Folgen, denn es blieb keine Zeit ins Ölzeug zu springen. Lesson learnt: Skipper sollte stets Ölzeug tragen 😉

    Nach 20 Minuten war der Spuk vorbei und die Sonne kam wieder durch. Die Dusche von oben bestärkte uns in dem Wunsch den Törn gemütlich ausklingen zu lassen und so bogen wir kurz darauf nach Backbord ab in die Rinne nach Gustov. Hinter uns lag Neudorf, dem Anschein nach gerammelt voll. In Gostov dagegen gähnende Leere. Nur zwei Dauerlieger – und nun wir. Das Clubhaus war noch nicht fertig gestellt, Duschen, WCs und Waschraum standen jedoch zur Verfügung. Die gesamt Anlage übrigens vom Feinsten. Definitiv zu empfehlen. Verbleibendes Manko einzig fehlende Einkaufsmöglichkeiten – wenn man nicht wenigstens ein Fahrrad dabei hat.

    Für den Rest des Nachmittags (um 14.05 waren wir festgemacht) war Faulenzen, Bloggen, Lesen, Sonnen und ähnliches angesagt – sehr erholsam. Endlich.

  • Sommertörn auf der Genesis, Tag 12

    Von Ystad zurück zum deutschen Festland.

    Es stand uns ein weiterer langer Tag auf See bevor. Auch herrschte fast Windstille, wir waren also aufs Motoren angewiesen. Um 7.00 Uhr – Kaffee und Tee waren gekocht – warfen wir die Leinen los und ließen Ystad hinter uns. Wir brachten Genesis auf die Kurslinie des NaviS und übergaben das Ruder an Otto, Ziel nördlich Hiddensee. Es war mild genug um in der Plicht unser Frühstück einzunehmen: Müsli, Brot mit Marmelade usw, danach noch eine Runde Rührei. Mit Marschdrehzahl ging es derweil mit 6-7 Knoten gen Rügen.

    Wind wollte bis in den frühen Nachmittag nicht aufkommen. Statt dessen machten wir Bekanntschaft mit Seenebel. Schön, Radar an Bord zu haben. Im Nebel/Dunst hatten wir im Verlauf von gut einer Stunde nur zwei Radarkontakte auf der Platte. Kein Schiff kam näher als 2 Meilen (eines passierte achtern, das zweite weit vor uns), dann war der „Spuk“ auch wieder vorbei und die Sonne kam wieder durch.

    Als nachmittags endlich Wind aufkam (aus Westen, also 180 Grand entgegen der Vorhersage), setzten wir zur Unterstützung des Motors Groß und Fock, was uns einen weiteren Knoten Fahrt brachte :-)) Nach einigem Hin und Her fiel gegen 16.00 Uhr die Wahl des heutigen Zielhafens auf Barhöft (Alternativen waren Glowe und Vitte). Barhöft war bis 19.00 Uhr zu machen und nach 12 Stunden Fahrt war ohnehin kein Unterhaltungsprogramm mehr angesagt.

    Nur eine Stunde nördlich Hiddensees wurde der Wind endlich stark genug um unserem Motor eine Pause zu gönnen. Vor Dornbusch baute sich zudem eine echte Düse auf, am Wind rauschten wir mit bis 8 Knoten Fahrt an der Nordspitze Hiddensees vorbei. Später brauchten wir dann doch wieder die Maschine, denn wir wollten 6 Knoten Minimum beibehalten.

    Hinter Tonne XYZ holten wir Groß und Fock nieder und motorten durch den Gellenstrom weiter zur Rinne Barhöft. Für eine Fahrt unter Segel duch das enge Fahrwasser fehlte noch der Mut – kein Raum für Manöver.

    Barhöft lag im Westwind sehr geschützt, der Anleger (zwei eigentlich) ging reibungslos vonstatten. Wir hatten einen freien Platz mit Heckpfählen gewählt, nachdem uns der Hafenmeister den einzig freien Platz an der südliche Mole verwehrt hatte, er war für ein einlaufendes Berufsschiff reserviert. Alternativ gab es noch viele freie Heckmuringe, das mussten wir uns aber erst mal von weitem anschauen…

    Nach exakt 12 Stunden Fahrt ging der Motor endgültig aus und war unser längster Schlag des Törns zu Ende. 75 Meilen!

    So müde wie wir alle waren ist der Rest des Tages ist schnell erzählt: Anlegerbierchen, Toilettenbesichtigung und Einkehr im Hotel-Restaurant am Hafen für ein wohlverdientes Dinner, dann ab in die Kojen. Puhhh…