10 Tage und 1037 sm nach dem Auslaufen aus Horta am 24.07.2023, erreichten wir wieder das Europäische Festland, welches wir im Januar 2021 verlassen hatten.
Damit haben wir auch unsere 2. Atlantiküberquerung, dieses Mal von West nach Ost, zu einem Abschluss gebracht. Insgesamt stehen 4556 sm zu Buche, alles zweihändig, von Fernandina Beach, FL, via. Bermuda und die Azoren nach A Coruña, Spanien.
Eigentlich war unser Ziel für den Landfall auf dem Kontinent die Bretagne. Am siebten Tag unserer Überfahrt entwickelte sich ein Atlantiktief jedoch zu einem ausgewachsenen Sturm. Wir gingen auf Nummer sicher und setzten Kurs auf A Coruña. Eine Begegnung mit den mittlerweile berüchtigten Orcas erschien uns bei vorhergesagten Winden von über 40 kts westlich der Bretagne als das kleinere Übel. Der spätere Screenshot des Tiefs war Bestätigung, die Richtige Wahl getroffen zu haben. Auf dem Weg nach A Coruña sorgten die Ausläufer noch für mehr als genug Starkwind und Bedingungen, die im NAVTEX vom spanischen Wetterdienst als „very rough“ eingestuft waren.
Atlantikwetter 1 Tag vor Erreichen des Festlands.
Am Morgen des 3. August liefen wir bei 4 Meter Restdünung in den Hafen von A Coruña ein und machten schließlich, gut geschützt, in der Marina Real fest. Hier genießen wir nun als kleines Erholungsprogramm Galiziens Sommer, seine Spezialtäten, Tapas und Wein, bis dass uns das Wetter die Weiterfahrt nach Norden erlaubt.
Der Abbruch eines Hochseetörns ist etwas, was wir bisher noch nicht erleben mussten. Diesmal war es aber soweit. Am vierten Tag unseres Törns von den Azoren zum Ärmelkanal, war das Fass an Ausfällen nicht nur voll, es war am überlaufen. War jedes einzelne Problem für sich alleine noch gut zu managen, brachte uns die Kombination der Ausfälle von Herd (u.a. Verpflegung), Servicebatterien (u.a. Navigation), Keilriemen/Motor (Flautenschieber, Hafen- und MOB-Manöver) und später noch der Ausfall der Vorsegel-Rollreffanlage (Geschwindigkeit) unangenehm nahe an eine Situation, die ohne Hilfe von außen nicht mehr in den Griff zu bekommen war. Da wir zudem gerade einmal ein Viertel des Weges hinter uns gebracht hatten und das Wetter eine Umkehr möglich machte, gaben wir unser Ziel auf und kehrten nach 280sm, reichlich frustriert, um.
Im Schlepp zum Liegeplatz
Der Rückweg war dann rauer als zunächst vorhergesagt und auf den letzten Meilen, in schwachem Wind, eine Geduldsprobe. Dennoch erreichten wir am Samstag Mittag Horta, wo uns ein Marina-Boot in Schlepp nahm und auf einen Liegplatz verholte.
Wieder in Horta
Die kommenden Tage werden wir unsere To-Do-Liste abarbeiten und alle Systeme wieder zum Laufen bringen. Dann starten wir unseren zweiten, dann hoffentlich erfolgreichen Törn, von Horta in den Ärmelkanal.
Noch ein wenig Statistik zu unserer Atlantikrunde: 627 sm gesegelt. Unser „Meilenkonto“: 25.764 sm gesamt, 18324 sm davon in der Segelzeit.
Seit einer Woche liegen wir nun in Horta auf der Azoreninsel Faial. Es ist viel los hier, im Hafen. Nach zwei Tagen auf der Warteliste bekamen wir einen guten Liegeplatz im Yachthafen mit bestem Blick auf das Kommen und Gehen der Boote. Die meisten davon haben den langen Weg aus der Karibik oder Bermuda hinter sich, hinzu kommen Gastlieger, deren Törns vom europäischen Festland die atlantischen Inseln zum Ziel haben. Das bunte Treiben ist eines der Besonderheiten von Faial, die Boote und ihre Crews sind fester Bestandteil des öffentlichen Lebens hier in Horta, ihre Wandgemälde zieren Kaimauern und Stege rund um den Hafen. Alle haben seglerisch einiges geleistet, um hierher zu kommen. Eine Atlantiküberquerung ist kein Spaziergang.
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Wie auch bei uns geht schnell mal was kaputt, doch Hilfe findet sich in Horta schnell. Wir haben uns in die Hände von Harry begeben, einer jener Segler, die auf den Azoren hängen geblieben sind und der nun als Dienstleister, eigenhändig oder als Vermittler, für jedes Problem eine Lösung findet. So ist der gebrochene Lümmelbeschlag mittlerweile in Edelstahl neu gefertigt und die gebrochene Segellatte in der Fertigung. Die Nähte unserer Sprayhood lassen wir auch gleich überarbeiten, da sich das Garn, das der Hersteller verwendet hatte, zum großen Teil auflöst. Mangelnde UV-Stabilität nennt man das wohl. Ein unnötiges Ärgernis.
Gar nicht ärgern muss man sich hier über die Preise. Endlich haben wir die Mondpreise auf der anderen Seite des Atlantiks hinter uns gelassen und geniesen guten Gewissens Cafés, Bars, Restaurants und das gute Angebot der Supermärkte.
Auf der to-do-Liste stehen noch ein Ölwechsel und einige kleinere Checks und Arbeiten, bevor wir Horta wieder verlassen. Und natürlich wollen wir von Faial noch einiges sehen, worüber wir im nächsten Beitrag berichten wollen.
In 18 Tagen haben wir auf unserer zweiten Atlantiküberquerung 1852 Seemeilen von Saint George‘s auf Bermuda bis Horta zurückgelegt. Die Etmale lagen zwischen 90 und 120 Seemeilen, nach dem Ausfall unseres Großsegels, insbesondere an Tagen mit weniger Wind, etwas darunter. Ansonsten hat sich unser Trysegel bestens als „Not“- oder „Pannen“-Segel bewährt. Gut, dass wir es hatten.
Unser Routing verlief zum Teil weit südlich der Großkreis-Route, wo im Zeitraum unserer Überquerung südwestliche Winde vorherrschten, oft im Zusammenhang mit den Ausläufern mächtiger Tiefs im nördlichen Atlantik. Das Azorenhoch war verschwunden. Daniel übernahm die Rolle unseres Wetterrouters und hielt uns über die Nachrichtenfunktion unseres InReach Mini hervorragend frei von Starkwind und Schwerwetter, mit meist punktgenauen Vorhersagen über Winddreher oder gelegentlichen Schauerlinien. Christine empfand diese West-Ost-Überquerung als angenehmer als unseren Törn in die Karibik. Das haben wir sicherlich auch Daniel zu verdanken.
Weiter Bilder von unterwegs findest du im Fotoalbum.
Für alle, die unsere Überfahrt zu den Azoren hier verfolgt haben: Wir sind gut in Horta auf Faial angekommen. Um 02.20 lagen wir im Hafen vor Anker. Die Sturmfront kam ’ne Stunde später.
Tag 18. Vor uns, noch hinter dem Horizont, Horta auf Faial. Hinter uns zieht Sturm auf. Wir hoffen anzukommen, bevor es richtig los geht. Daumen drücken!
Tag 17. Nach dem Gegenwind gestern, brachte heute ein Hoch Flaute. Die Maschine sorgte für’s Weiterkommen und nebenbei für Frischwasser u. warme Dusche.