Der Abbruch eines Hochseetörns ist etwas, was wir bisher noch nicht erleben mussten. Diesmal war es aber soweit. Am vierten Tag unseres Törns von den Azoren zum Ärmelkanal, war das Fass an Ausfällen nicht nur voll, es war am überlaufen. War jedes einzelne Problem für sich alleine noch gut zu managen, brachte uns die Kombination der Ausfälle von Herd (u.a. Verpflegung), Servicebatterien (u.a. Navigation), Keilriemen/Motor (Flautenschieber, Hafen- und MOB-Manöver) und später noch der Ausfall der Vorsegel-Rollreffanlage (Geschwindigkeit) unangenehm nahe an eine Situation, die ohne Hilfe von außen nicht mehr in den Griff zu bekommen war. Da wir zudem gerade einmal ein Viertel des Weges hinter uns gebracht hatten und das Wetter eine Umkehr möglich machte, gaben wir unser Ziel auf und kehrten nach 280sm, reichlich frustriert, um.
Im Schlepp zum Liegeplatz
Der Rückweg war dann rauer als zunächst vorhergesagt und auf den letzten Meilen, in schwachem Wind, eine Geduldsprobe. Dennoch erreichten wir am Samstag Mittag Horta, wo uns ein Marina-Boot in Schlepp nahm und auf einen Liegplatz verholte.
Wieder in Horta
Die kommenden Tage werden wir unsere To-Do-Liste abarbeiten und alle Systeme wieder zum Laufen bringen. Dann starten wir unseren zweiten, dann hoffentlich erfolgreichen Törn, von Horta in den Ärmelkanal.
Noch ein wenig Statistik zu unserer Atlantikrunde: 627 sm gesegelt. Unser „Meilenkonto“: 25.764 sm gesamt, 18324 sm davon in der Segelzeit.
Wir haben mit den Azoren ein neues Paradies für uns entdeckt. Weitgehend intakte Natur, Blumen an allen Ecken, Singvögel, glückliche Kühe mit ihren Kälbern auf saftig-grünen Wiesen, freundliche Menschen – und seit zwei Wochen sogar schönes Wetter. Die Aufzählung ist beliebig und unvollständig, deckt aber das ab, was wir bisher auf allen, von uns besuchten Inseln beobachtet haben: Faial, Pico und Sao Jorge. Jede davon hat ihre Besonderheiten, wohlgefühlt haben wir uns auf allen.
Unser Liegeplatz in der Marina in Horta gefiel uns so gut, dass wir es vorzogen, die Nachbarinseln mit der Fähre anzusteuern. Hinzu kommt, dass es jetzt in der „Hauptsaison“ schwer ist, in den ohnehin kleinen Häfen, bzw. Marinas einen Liegeplatz zu bekommen.,
Unsere ganz persönlichen Highlights: Auf Faial die Wanderung nach Norden, zur Praia Almoxarife, eine Wanderung um die Kaldera des zentralen Vulkans der Insel mit anschließendem Abstieg bis Horta und dann noch die kurze Wanderung zum Morro do Castelo Branco, dem Hausberg Hortas.
Faial
Pico entdeckten wir mit einem Mietwagen. Von einer Besteigung des Pico sahen wir ab, für die 1000 Höhenmeter vom Casa da Montanha zum Gipfel des Vulkans sind wir einfach nicht trainiert genug. Pico ist bekanntlich Weinanbaugebiet, wovon wir uns beim Besuch der Adega „A Buraca“ überzeugen konnten.
Pico
Sao Jorge besuchten wir ebenso mit der Fähre. Für drei Nächte bezogen wir in Velas ein Appartement mit Meerblick, Küche, großem Bad und TV. Urlaub im Urlaub, sozusagen. Die Fajas, kleine Landzungen am Fuße der Steilküste, von denen es mehr als 40 auf Sao Jorge gibt, haben dem Eiland den Beinamen Insel der Fajas beigebracht. Sie, ebenso wie das unbewohnte, zentrale Hochland mit seinen saftigen, mit Hortensien umrahmten Wiesen, ließen uns immer wieder ehrfürchtig staunend innehalten. Das Faja de Joao Diaz erwanderten wir zu Fuß über den alten, steilen Saumpfad, durch das üppiges Grün der Steilküste. Zurück nahmen wir den nur für Quads und kleine Allrad-Fahrzeuge geeigneten Fahrweg, der, reichlich abenteuerlich, in das fast senkrechte Gelände gebaut wurde.
Sao Jorge
In die Zeit unseres Aufenthalts in Horta fiel auch die Segelregatta Les Sables – Horta – Les Sables. Ein Teilnehmerboot, eine Pogo 40, auch gesponsert vom Trans Ocean e.V., mit Marvin Fink und Lennart Burke als Crew, hatte neben unserem Liegeplatz festgemacht. Ein wirklich schönes Highlight war für uns ein spontaner Sundowner mit den beiden und ihrer Shore-Crew bei uns an Bord. Lennart wird – verletzungsbedingt – bei der Rückfahrt nicht dabei sein. Marvin und dem gesamten Team drücken wir auf jeden Fall ganz fest die Daumen für den zweiten Teil des Rennens.
Regatta Les Sables – Horta – Les Sables
Auch wir brechen morgen, am Samstag, 8. Juli auf, in Richtung Ärmelkanal. Es wird also noch etwas dauern, bis wir weitere Bilder im Fotoalbum einstellen können. Bis dahin gibt es wieder kurze Updates von unserer Überfahrt via InReach.