Monat: September 2022

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    Martha’s Vineyard und ein U-Turn

    Die Passagen zwischen Buzzards Bay und Vineyard Sound gelten aufgrund recht kräftiger Gezeitenströme als nicht ungefährlich und sollten teilweise nur mit Ortskenntnis befahren werden. Für uns boten sich nur Quicks Hole und Woods Hole als sichere Querungen an, der Tidenstrom sollte dabei still oder mitlaufend sein. Erinnerte uns ein wenig an die Bretagne und ist letztlich, mit etwas Planung bezüglich der Tidenströme, unproblematisch. Größeren Respekt haben wir vor dem Wetter, welches hier oben, zu dieser Zeit, ganz schön wechselhaft sein kann. Teilweise auch überraschend für die Vorhersagemodelle. Auf unserem Weg nach Martha‘s Vineyard bildete sich im Westen so eine Gewitterlinie, die in keiner Vorhersage zu finden war. Vorwarnung gab es von der Coast Guard auf Kanal 16, die zunächst vor den sich 40sm westlich bildenden Stürmen warnte und dann in mehrere Seenotlagen von Kayaks über Kleinbooten bis Regattasegelbooten koordinieren musste. Wir sahen den Aufzug der Front in unserem Kielwasser und beeilten uns, nach Vineyard Haven zu kommen, wo wir unser Ankermanöver gerade abgeschlossen hatten, als das Unwetter losbrach.

    Schietwetter im Anmarsch…

    So schnell, wie die Front aufgezogen war, so schnell war sie auch wieder abgezogen, Wind und Wellen blieben jedoch, und sorgten auch im Lee unseres Ankerplatzes im Außenbereich von Vineyard Haven Harbor für eine schaukelige Nacht. Am Morgen verlegten wir durch die Beach Road Bridge in die geschützte Lagune von Vinyard Haven, wo das Geschaukel für die verbleibende Zeit unseres Aufenthalts auf Martha‘s Vineyard kein Thema mehr war.

    Wir blieben 5 Tage auf der Insel und wären bei stabilerem Wetter gern länger geblieben. Die Versorgung klappt gut, mit Öffis kann man, mit einem 8-Dollar-Tagesticket, die gesamte Insel erkunden. Wanderwege und Strände helfen den Bewegungsdrang zu stillen. Besonders reizvoll fanden wir die aus Pilger-Sommerzeltlager entstanden Gingerbread Cottage Ortsteile in Oak Bluffs. Aus heutiger Sicht könnte man sie gut als Tiny Homes bezeichnen. Liebevoll gepflegt und für ihre Bewohner – ganz entgegen den sonst in den USA üblichen Wohnungs- und Hausgrößen – ein echtes Zuhause.

    Die Wettermodelle kündigten weitere Fronten mit Starkwind an, weshalb wir die exponierte Lage der äußeren Inseln Neuenglands lieber verlassen wollten. Am 19. September gingen wir wieder Anker auf und segelten zunächst nach Hadley Harbor und von dort wieder westwärts, nach Newport. West- und südwärts wird denn auch das Motto der kommenden Wochen und Monate sein. Wir machen uns auf den Weg zurück ins Warme, zunächst nach Florida, dann zu den Bahamas.

    Hier ein kleines Drohnen-Video zu Hadley Harbor. Sehr idyllisch, wenn auch die Sonne fehlt…

    Mehr Bilder gibt’s wie immer im Fotoalbum.

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    End of Summer

    Am Sonntag, 4. September verließen wir Lake Montauk in Richtung Block Island. An diesem Tag endete im Nordosten der USA offenbar auch der Sommer. Seither ist es deutlich kühler geworden, das Wetter wechselhaft, teilweise verregnet und deutlich windiger. Es war übrigens auch das letzte Ferienwochenende, hier im Norden, was für einen regelrechten Gästesturm auf Block Island zu sorgen schien. Wir fühlten uns bei Einfahrt in den Great Salt Pond, Block Islands zentraler Naturhafen, geradewegs nach Formentera auf den Balearen versetzt. Kaum noch ein Plätzchen zum Ankern, Party aller Orten, vom Jetski bis Megayacht waren alle damit beschäftigt, Wellen zu schlagen. Gruselig. Vielleicht war es einfach schlechtes Timing, oder Block Island zieht gerade die Massen an, egal, wir ergriffen am nächsten Morgen, lange vor Sonnenaufgang die Flucht und steuerten Newport an.

    Sonnenaufgang zwischen Block Island und Newport

    Newport, Rhode Island, wird oft als Segel-Hauptstadt Amerikas bezeichnet. Seit dem 18. Jahrhundert ist das Segeln fester, gesellschaftlicher und kultureller Bestandteil Newports. Seine geschützte Lage zwischen den Handelszentren Boston und New York, sorgten für frühen Wohlstand. Im 19. Jahrhundert zog es dann auch den amerikanischen Geldadel in die Stadt. Deren Sommerresidenzen prägen noch heute das Stadtbild. Trotz des überall sichtbaren Reichtums reserviert die Stadt einen Ankerplatz für „Cruisers on a Budget“, unterhält ein Martime Center mit Sozialräumen, Duschen und Waschmaschinen, zudem finden sich zahlreiche, kostenfreie Dingy-Docks entlang des Hafens. Vorbildlich.

    Newport Harbor

    Wir blieben 5 Tage in Newport, Schauer und kräftiger Wind schränkten die Landausflüge etwas ein. Den Cliffwalk, und ein Ausflug nach Fort Adams standen dennoch auf dem Programm, bevor wir den günstigen Wind nutzten, um am 10. September Cuttyhunk, Massachusetts, anzulaufen.

    Unterwegs auf Cuttyhunk

    Cuttyhunk ist die äußerste Insel im Südwesten der Inselgruppe Elizabeth Islands, die die Buzzards Bay im Norden vom Vineyard Sound im Süden trennt. Ganze 52 Einwohner leben auf der 2,3 qkm kleinen Insel. Der Hafen umfasst sowohl den Cuttyhunk Pond, als auch die relativ gut geschützte Bucht zwischen Cuttyhunk und Nashawena Island. Wie bei der Einwohnerzahl und Größe nicht anders zu erwarten, gibt es neben Spaziergängen über die Insel, oder Baden, nicht viel zu tun. Genau das macht Cuttyhunk aber zu einem lohnenswerten Ziel. Die Wettervorhersage trieb uns nach zwei Tagen weiter, durch das Quicks Hole ging es für uns in den Vineyard Sound und weiter nach Martha‘s Vineyard. Darüber mehr im nächsten Beitrag.

    Auf dem Weg nach Martha’s Vinyard.

    Mehr Bilder findest du wie immer im Fotoalbum.

  • Long Island Sound

    Von Port Washington aus segelten wir weiter nach Osten und folgten dabei der Nordküste Long Islands. Der Long Island Sound, kurz LIS erstreckt sich vom East River bis zu den östlichsten Inseln der nördlichen Gabel Long Islands, im Norden entlang der Küste Conneticuts bis zur Grenze zu Rhode Islands. Die Wasserqualität wird dabei, wenig verwunderlich, um so besser, je weiter man nach Osten voran kommt. Sie hat sich übrigens über die Jahre deutlich verbessert, baden würden wir im LIS aber eher nicht. Einen interessanten Tracker zum Thema findet man hier: Save the Sound

    Wir konnten den Sund mit gutem Wind absegeln, mit Port Jefferson gibt es auf halbem Weg einen sicheren Hafen mit guten Ankermöglichkeiten. Bei Point Orient, 30 Meilen weiter, gibt es dann wieder gute Ankermöglichkeiten, je nach Wind entweder im LIS, in der Gardiners Bay oder im Peconic River. Wir ankerten in der zweiten Nacht unseres Trips nach Osten südlich des kleinen Fährhafens von Orient, bevor wir dann am 1. September nach Lake Nontauk aufbrachen. Liegt nicht mehr am LIS, dafür aber am östlichsten Zipfel von Long Island.

    Sonnenuntergang vor Orient

    Lake Montauk war ursprünglich ein Süßwassersee, bis der Unternehmer Carl Graham Fisher, der übrigens schon Miami Beach zu einem Tourismus-Hotspot umgestaltet hatte, einen Zugang zum Block Island Sound in den Strand sprengte und den See vertiefte, um sein Miami Beach des Nordens mit Marina, Kasinos und Luxushotels auf den Entwicklungsweg zu bringen. Nach dem Börsencrash 1929 ging er in Konkurs, ein weiteres Immobilien-Großprojekt wurde in den 70er Jahren von Einwohnern gestoppt und das verplante Areal im weiteren Verlauf zu einem öffentlichen Park. Zusammen mit dem State Park um Camp Hero und Montauk Point Lighthouse entstand so ein Landschaftsschutzgebiet, das endlich einmal nicht vollständig mit privaten Villen und Protzbauten zugebaut wurde. Für die Ostküste eine Seltenheit!

    Lake Montauk

    Uns hat Lake Montauk sehr gut gefallen. Im Norden des Sees liegen Marinas und ein bedeutender Fischereihafen, der Süden ist dagegen wunderbar ruhig. Ein kleiner, öffentlicher Strand bietet Platz für‘s Dinghy, zu Fuß ist der Atlantikstrand erreichbar, und mit dem Fahrrad lassen sich schöne Touren unternehmen.

    Weitere Bilder findest du wie immer im Fotoalbum.

    Lake Montauk war eine der Empfehlungen eines amerikanischen Seglers, für den Neuengland das Heimatrevier ist. Hier hatte er ganz gut unseren Geschmack getroffen. Als nächste Ziele standen Block Island und Newport auf dem Plan, darüber aber mehr im nächsten Beitrag.

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    New York

    Einmal auf eigenem Kiel durch New York segeln. Der Wunsch entstand während eines früheren Besuchs der Stadt und hat uns während unser bisherigen Segelzeit begleitet. Am 24. August 2022 war es dann soweit. Bei Sonnenaufgang des zweiten Tages unserer Überfahrt von Cape May zum Big Apple tauchte zeitgleich mit der Sonne die Skyline Manhattans über dem Horizont auf. Beeindruckender Abschluss eines Segeltörns der angenehmen Art: Eine angenehme Brise aus West erlaubte uns, fast die gesamte Etappe ab Cape May unter Segeln zu bestreiten, der Probetag der Atlantic City Airshow 2022 sorgte am Nachmittag des ersten Tages zudem für spannende Unterhaltung.

    Ankerfeld Atlantic Highlands

    Um 8.00 Uhr morgens rundeten wir schließlich Sandy Hook und setzten, aufgrund des anhaltenden Westwinds, Kurs auf Atlantic Highlands. Im Bereich des dortigen Hafens, im Süden der Sandy Hook Bay, gibt es ausreichend geschützten Ankergrund und als Bonus, ein öffentliches Dinghydock. Wir hätten hier gern noch ein, zwei Tage länger bleiben können, Wetter (günstiger Wind für die Etappe nach NYC und weiter) und Hitze (immer noch rund 30°C im Schatten) ließen uns dann aber doch bereits am nächsten Tag nach NYC aufbrechen. Bei Gelegenheit werden wir hier sicherlich wieder einen Stopp einlegen. Die Versorgung im Ort ist gut, der Landgang dank des Dinghydocks einfach, ein Wanderweg entlang der Sandy Hook Bay lädt zu Spaziergängen ein und die Happy Hour im „On the Deck“ ist unbedingt einen Besuch wert. Einzig der Waschsalon in der First Street ist daneben. Ein echter Sauladen, der sich wohl nur hält, weil es keine Alternative im Ort gibt.

    Am Nachmittag unseres zweiten Tages in Atlantic Highlands, am Donnerstag, 25. August, gingen wir Anker auf und setzten Segel Richtung Liberty Island. Mit der auflaufenden Tide rauschten wir unter der Verrazano Narrows Bridge hindurch in die Upper Bay und setzten alsbald Kurs auf die Freiheitsstatue und Liberty Island. Gleich dahinter warfen wir, außerhalb der Sperrzone, um 19.30 Uhr Anker und ließen die Kulisse von Manhattan, Jersey City, Brooklyn, Liberty-, Ellis- und Governors Islands auf uns wirken. Die ist wirklich beeindruckend, atemberaubend. Ebenso, wie der Lärm, besonders der Helikopter, die ohne Unterbrechung ihre Sightseeing-Runden um Miss Liberty drehen. Erst spät in der Nacht kehrte Ruhe ein, und machte das „Fern sehen“ wieder zur Freude.

    Auch am Freitag konnten wir New Yorks (Lärm-)Kulisse noch lange genießen, denn erst mit der Nachmittagstide ging es für uns weiter, entlang Manhattan den East River hinauf, mit Ziel Port Washington. Der Tidenstrom schiebt übrigens gewaltig. Im Bereich Hells Gate mit über 4 Knoten. Gegenan ginge da für uns nicht mehr viel…

    Port Washington ist ein idealer Stopp für Cruiser: Gut geschützter, weitläufiger Ankergrund, Mouringe, wenn gewünscht, ein städtisches Dock für Dinghies, Wasser und Pump-out, alternativ ein Pump-out-Boot über Funk bestellbar, Wassertaxi, einfach zu erreichende Supermärkte und Geschäfte und ein Bahnhof der Long Island Rail Road (LIRR). Für rund 9 EUR kommt man mit der LIRR von dort halbstündlich zur Penn Station, mitten in Manhattan, was wir gleich am zweiten Tag für einen Besuch nutzten.

    Im Waterfront Park entdeckten wir noch etwas historisches zu Port Washington: Seit den 20er Jahren entwickelte sich Stadt und Region zu einem Zentrum der zivilen und militärischen Luftfahrt. Am 28. Juni 1939 eröffnete Pan American mit der Boeing 314 Clipper den ersten Passagier Linienflugverkehr über den Atlantik. Die Wasserflugzeuge starteten aus der Manhasset Bay, in der wir gerade ankerten.

    In Port Washington blieben wir noch übers Wochenende. Wäsche (in einem top gepflegten Waschsalon), Wasser nachfüllen und Einkaufen stand noch auf der To-Do-Liste, bevor wir dann am Dienstag, 30. August nach Neu England aufbrachen.

    Am Vortag lief übrigens die White Pearl in Port Washington ein, die schon auf dem Rückweg in den Süden ist. Wir kennen uns schon seit Samaná (DomRep). Es blieb dieses Mal leider bei einem kurzen Austausch im Vorbeifahren. Beim nächsten Treffen klappt das vielleicht besser, mit dem Timing. Zu Erzählen gibt es sicherlich vieles.

    Auch in anderer Hinsicht war dieses kurze Wiedersehen etwas besonderes. Die White Pearl war das erste Boot unter einer europäischen Flagge, welches wir seit Ankunft in Moorhead, NC, trafen. Es scheinen dieses Jahr extrem wenig Boote vom alten Kontinent in den USA unterwegs zu sein.

    Mehr Bilder findest Du wie immer im Fotoalbum.