Monat: Juli 2020

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    Ins Mittelmeer

    Nach vielem überlegen, abwägen und beraten verwarfen wir unsere ursprüngliche Absicht, die Archipele Madeira und Azoren anzulaufen. Sie liegen eben auf dem logischen Weg zu den Kanaren und in die Karibik. Die Entwicklungen in Bezug auf Corona und Sicherheit, insbesondere auf der anderen Seite des Atlantiks wollen wir abwarten, bevor wir uns dorthin auf den Weg machen. Und bis da Klarheit herrscht, können auch mehr als ein Winter ins Land gehen.

    Ankerplatz Tavira, Algarve

    Deshalb verließen wir am 17. Juli Portimao in Richtung Osten, mit Ziel Mittelmeer. Auf dem groben Törnplan für die verbleibende Saison stehen die Balearen, Sardinien und Sizilien, wo wir wohl auch den Winter verbringen wollen.
    Eigentlich ist der Frühsommer die beste Zeit, um ins Mittelmeer zu kommen. Östliche und westliche Winde halten von Gibraltar bis Cabo da Gata bzw. Cabo de Palos jeweils mehrere Tage an und wechseln mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Jetzt, im Hochsommer, herrschen östliche Winde vor. Unterbrechungen sind kurz und halten nur ein, zwei Tage an, bevor sich der Levante wieder einstellt. Davon abgesehen wird die Zeit des stabilen Sommerwetters im Mittelmeer auch langsam knapp. Ein solch für uns günstiges Wetterfenster zeichnete sich für den 22. bis 24. Juli ab. Wir mussten uns also sputen. Die Lagune von Faro, mit dem beliebten Ankerfeld vor Culatra ließen wir an Backbord liegen und segelten weiter bis Tavira, wo wir eine Nacht verbrachten. Tavira kennen wir noch von einigen Besuchen als Landbewohner, der Ankerplatz ist knapp bemessen, aber ausreichend. Von dort aus setzten wir Kurs auf Cadiz, von wo aus die Straße von Gibraltar in Schlagdistanz liegt. Cadiz erreichten wir am 20. Juli morgens um halb drei Uhr und warfen gleich hinter der markanten Hängebrücke und vor dem Kleinboothafen Puerto Viento de Levante den Anker.

    Ankerplatz in Cadiz

    In der Marina darf man sein Dinghi festmachen, es folgten deshalb ein Ausflug in die Altstadt von Cadiz und das Aufstocken der Vorräte. In Andalusien gilt Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Ein ungewohnter Anblick, bei über 30 Grad im Schatten unangenehm, aber auch Vertrauen erweckend, da sich die Mehrzahl der Menschen daran hält. Außer in Bars und Restaurants natürlich. Wir waren also nicht unglücklich darüber, dass unser Besuch nur kurz sein sollte und wir pünktlich vor dem auffrischen des Levante wieder an Bord waren, wo wir auch den folgenden Tag verbrachten.

    Stadtbesichtigung mit MuNaSke

    Am Mittwoch, 22. Juli, passten Wind und Hochwasser Gibraltar (Referenz für Strömung in der Straße von Gibraltar) für einen Aufbruch vor Sonnenaufgang. Im großen und ganzen passten unsere Berechnungen. Strom bis 3 Knoten schob uns nach Cabo Trafalgar zügig in die Meerenge zwischen Europa und Afrika, an Tarifa vorbei bis in die Bucht von Gibraltar, wo wir abends um halb neun vor La Línea Anker warfen. Der erste Schritt ins Mittelmeer war geschafft.

    Gibraltar voraus!

    Für die Statistik: Portimao – La Línea 208 sm, 2976 sm i.d. Segelzeit, 9587 sm gesamt.
    Weitere Bilder findest du im Fotoalbum.

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    Verhext?

    Blick zurück auf Lagos. Leinen sind los!

    Am Mittwoch, 15. Juli 2020 haben wir Lagos nach rund 8 Monaten verlassen. Es ist unser zweiter Versuch weiter zu kommen, nachdem uns Covid-19 im März zwang, den ersten aufzugeben. Irgendetwas scheint es uns schwer machen zu wollen, diese zugegebenermaßen schöne Küste zu verlassen, ja, scheint uns geradezu festhalten zu wollen. Neben diesem nervigen Virus mischten sich in den letzten Wochen auch noch technische Probleme. So zeigte Ende Juni austretendes Öl an unserer Ankerwinsch einen größeren Schaden an, den es zunächst zu beseitigen galt. Die alte Project X3 durch eine neue zu ersetzten, mussten wir streichen, denn im Versand waren keine Winschen zu vertretbaren Preisen vorrätig, darüber hinaus vermeldete Lofrans Lieferzeiten von 4-6 Wochen. Wir ließen also die Werft SOPROMAR ran, die das Teil auch zügig für eine Grundüberholung ausbaute. Letztere zog sich hin, da die üblichen Service-Kits die benötigten Austauschteile nicht beinhalteten. Wenige Tage vor dem geplanten Auslaufen quittierte dann unsere Sumpfpume den Dienst. Dachten wir. Über zwei Tage zog sich Impeller-, später auch Pumpenwechsel, Reinigung und Prüfung des Systems hin, bis wir als Fehlerquelle schließlich einen Olivenkern ausmachten, der nicht durch die Zuleitung des Filters passte, diesen aber im Unterdruck der laufenden Pumpe wunderbar dicht verstopfte. Zu dem Zeitpunkt fehlte dann nur noch die Lieferung unserer Kette-Anker-Verbindung, die ich für den Ausbau der Ankerwinsch gelöst hattte, um nicht die gesamte Kette auf dem Vorschiff zwischenlagern zu müssen. Die Bolzen hatte ich zwar rausbekommen, rein gingen sie aber beim besten Willen nicht mehr. Passte natürlich ins Bild, dass es diesmal bei FedEx Probleme gab. Die Auslieferung zog sich bis zum Vorabend des geplanten Auslaufens hin. Zu dem Zeitpunkt ging mir dieses „es ist wie verhext“ erstmals durch den Kopf. Wie auch immer – wir warfen also die Leinen los und genossen einen wunderbaren Leichtwind-Segeltag, den wir am Ankerplatz in Portimao beendeten. Nach einer Nacht sollte es weitergehen. Die Überschrift dieses Beitrags würde sicherlich anders lauten, hätten wir beim Ankermanöver nicht festgestellt, dass der Kettenzähler nicht mehr funktionierte. Bei Montage der überholten Winsch wurde wohl das Kabel des Kettensensors gequetscht, so das Ergebnis meiner Fehlersuche. Toll.

    Sensorkabel zur Ankerwinsch. Nicht gut…

    Es folgten Beschwerde-Email, WhatsApps und Telefonate, bis SOPROMAR schließlich zusagte, am Nachmittag einen Servicetechniker nach Portimao zu schicken, um sich der Sache anzunehmen. Der kam dann aber nicht. Statt dessen eine Entschuldigung von unserem Ansprechpartner, mit dem Versprechen, am nächsten Vormittag loszulegen.
    Mit deutscher Pünktlichkeit verlegten wir Freitagmorgen wie vereinbart an den Besucherponton der Marina de Portimao, wo mit 2 Stunden Verspätung tatsächlich auch der Techniker erschien. Endlich. Der Rest ist schnell erzählt. Reparatur durchgeführt, erfolgreich getestet, sofort abgelegt und nichts wie weg…

    Sonnenuntergang über Praia da Rocha, Portimao
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    Drehtag mit DANJA

    Am ersten Juli erhielten wir eine Email vom SWR. Die Redakteurin der Abteilung Film und Doku war während ihrer Recherche für eine Sendung in der Serie Eisenbahnromantik auf unseren Blog gestoßen und fragte an, ob wir mit DANJA in den Schlussszenen der Reportage teilnehmen wollten. Spontan sagten wir zu, obwohl der geplante Drehtag eine weitere, kleine Verschiebung unserer Weiterreise bedeuten würde.

    Nach einigen Emails und Telefonaten fand der Dreh dann tatsächlich am 14. Juli statt.

    In Lagos, der Endstation der Eisenbahnstrecke entlang der Algarve, solle der Film mit Szenen zu einem Segelboot, welches zum Sonnenuntergang im portugiesischen Passatwind, welcher an diesem Ort beständig auftritt, auf den Atlantik hinaussegeln.

    Das Licht der untergehenden Sonne war zum Dreh ebenso präsent, wie der Wind, und wir gaben mit DANJA und einem Kameramann an Bord unser bestes, um die perfekten Bilder einzufangen.

    Um halb zehn legten wir wieder in Lagos an, um den Kameramann von Bord zu lassen, nicht ohne davor noch in geselliger Runde mit Redakteurin und einem weiteren Teammitglied Klönsnack bei einem „Anleger“ zu halten.
    Einige Bilder vom Drehtag haben wir erhalten, eine DVD wird nach Abschluss des Schnitts noch folgen. Ausstrahlung der Sendung ist für 2021 geplant. Kleiner Fakt am Rande: Für DANJA ist es der zweite Medienauftritt. Der erste erfolgte nach unseren Infos beim Stapelhub in Varel vor Rund 30 Jahren. Wurde ja mal wieder Zeit…

    P.S.: Danke @Kirsten Ruppel für die Bilder.

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    Wilder Westen

    Ein Ausflug an die Costa Vicentina, der Westküste der Algarve, ist fast wie eine Reise in eine andere Welt. Seit 1988 ist der Küstenabschnitt Naturschutzgebiet und von der Überentwicklung der Südküste völlig verschont geblieben. Dünn besiedelt, mit einzigartiger Flora und Fauna und wunderschönen Stränden, die, wenn überhaupt, vorwiegend von Surfern besucht werden. Für den Badeausflug ist das Wasser zu kalt und der Atlantik zu rau.
    Unser Trip führte uns zunächst zur Praia da Arrifana, südwestlich von Aljezur, wo wir auf der Terrasse der Tasca D‘Arrifana vorzüglich zu Mittag aßen. Nach einem Besuch der Ruine des Fortaleza de Arrifana und einem kleinen Strandspaziergang besuchten wir anschließend noch bei Carrapateira die Strände Praia do Amado und kurz vor Sonnenuntergang die Praia da Bordeira. Weitläufig, von herber Schönheit und menschenleer. Grandios.
    Weiter Bilder findest du wie immer im Fotoalbum.