Monat: August 2019

  • |

    Biskaya

    Am 11. August verließen wir Lorient in Richtung Belle Île en Mer, wo wir auf das passende Wetter für die Überquerung der Biskaya warten wollten. Wir entschieden uns vor Le Palais zu ankern, sicherlich nicht der ruhigste Liegeplatz von Belle Île, dafür aber bestens geeignet für die täglichen Versorgungfahrten mit dem Dinghi. Auch unsere Falträder kamen für eine lange Radtour via Sauzon zum Pointe des Poulains an der Nordwestspitze der Insel zum Einsatz. Belle Île em Mer ist ein touristischer Hotspot. Gemäß Wikipedia fallen in der Saison 20.000 Gäste über die Insel her. Die Chance, dann noch einen echten Insulaner zu finden, sinken rechnerisch auf 1:4. Alle Gäste müssen durch den Hafen von Le Palais, es ist also immer was los da.

    Wir verlassen Belle Ile en Mer und Le Palais in Richtung Spanien.

    Am Sonntag, den 18. August passte dann aus unserer Sicht das Wetter für die Querung der Biskaya. Zunächst 3-4 Bft aus NW, dann, ab dem zweiten Tag, auf NO bis O drehend. Das ganze stabil für die gesamte Woche. Die GRIB Daten erwiesen sich für die Wetterlage als sehr genau und auch am vierten Tag unserer Überfahrt noch als zutreffend. Wir nahmen Kurs auf Cabo de Penas, mit dem Ziel entweder Gijon anzusteuern, oder, wenn alles gut lief, nach Westen in Richtung Ribadeo oder Viveiro weiter zu laufen. In den ersten 24 Stunden schafften wir bei Halbwind fast die Hälfte der Strecke bei einem Etmal von 116 Meilen. Dann parkten wir bei 1 bis knapp 2 Bft für einen halben Tag mitten in der Biskaya und mussten lernen, uns in Geduld zu üben. Zum Trost schickte uns Neptun eine Wal-Familie zur Unterhaltung und der Tag war gerettet. Ein faszinierendes Schauspiel und völlig unerwartet. Die nachfolgenden 24 Stunden segelten wir mit Passatsegel vor dem weiter rechtsdrehenden Wind alsbald in Richtung Viveiro. Dienstag Abend mussten wir dann das Passatsegel auf die Steuerbordseite holen und unseren Kurs für die Ansteuerung von Viveiro auf raumem Kurs neu abstecken.

    [slideshow_deploy id=’2303′]

     

    Die dritte Nacht wurde dann gaaaanz unangenehm. Der Ostwind frischte auf 20, 25, 30, in Spitzen bis 34 Knoten auf, die gegen die Dünung laufende Windsee wurde hoch und steil. Im 2-Sekunden-Takt knallte unser gesamter Hausrat bei entsprechender Krängung abwechselnd von Steuerbord nach Backbord und zurück und sorgte über Stunden für wahren Höllenlärm im Schiff. Wer gerade Wache ging saß, sich irgendwie abstützend im Cockpit und beobachtete eine Wasserwand nach der anderen, die sich aus der Dunkelheit von achtern unter unsere Danja schob und die nächste Runde durchschütteln einleitete. Den GRIB-Daten vertrauend steuerten wir mit dem auf Badetuchgröße gerefften Vorsegel in Richtung Küste (Ribadeo), wo der Wind dann auch tatsächlich wie vorhergesagt auf ein erträglicheres Maß zurückging.
    Mit Anbruch des Tages und nun unter der galizischen Küste, passten wir unseren Kurs erneut an, um schließlich, 75 Stunden nach Abfahrt in der Ria de Vivero vor der Praya de Covas vor Anker zu gehen.

    Wohlverdiente Ruhe vor der Praia de Covas, Viveiro.

    Die Ria ist wie geschaffen zum Ausruhen nach der langen Überfahrt. Bestens geschützt vor Wind und Dünung ist kaum Bewegung im Schiff, die Kulisse der galizischen Berge mit Viveiro im Hintergrund ist einfach herrlich. Viveiro empfinden wir als äußerst sympatisches Städtchen mit optimalen Versorgungsmöglichkeiten und typisch spanischem Flair. Wir werden die kommenden Tage hier genießen, bevor wir Richtung La Coruna weiterreisen.

    Weiter Bilder zu Belle Ile en Mer findest du im Fotoalbum.

    Statistik: Dauer der Überquerung: 75 Stunden. Größtes Etmal: 116 sm. Größte Distanz eines Kalendertags: 107 sm am dritten Tag. Gesegelte Meilen: 333 sm. Durchschnittliche Geschwindigkeit: 4,44 kts.

  • |

    Dreihand von Brest nach Lorient

    Die uns zur Verfügung stehenden 13 Tage bis Lorient, wo Anjas Rückreise nach Deutschland beginnt erlaubten ein gemütliches Segeln ohne lange Schläge. Auch behielten wir die Freiheit, dort länger zu verweilen, wo es uns gerade gefiel – das passende Wetter vorausgesetzt. Letzteres war alles andere als perfekt, sehr wechselhaft mit dem einen oder anderen Schauer dazu. Immerhin waren die Temperaturen ok und erlaubten hin und wieder den Sprung in den kühlen Atlantik. Auf See begegneten uns immer wieder Delfine, einige Gruppen begleiteten uns auch für kurze Zeit. Ein echtes Highight, immer wieder schön.


    Raz de Sein, eines der nicht ganz einfachen Kaps im Revier, konnten wir segelnd passieren, Stopps legten wir in Audierne, Benodet, Îles de Glénan und Île de Groix ein. Zu Törn-Ende zog ein weiteres, stürmisches Tief durch, vor dem wir rechtzeitig am 8.8. in Lorient in Deckung gingen. Wir hatten rießig Glück mit unserem Liegeplatz, denn Anfang August läuft hier jedes Jahr das Festival Interceltique de Lorient. Stadt und Marina sind brechend voll. Wir ergatterten einen der wenigen Plätze an einem Finger des Besucherstegs, danach wurden Päckchen mit bis zu 6 Schiffen gebaut.


    Aufgrund Wetter und Anjas Reiseplanung gibt‘s damit für uns in der Marina, mitten im Festival-Gelände, 3 Tage Dauerbeschallung gratis. Dass der nächste Ankerplatz schon auf uns wartet, tröstet darüber hinweg…

    Unsere Infos zu den besuchten Orten:
    Audierne: Charmantes Städtchen an der Mündung des Goyen. Es gibt eine Marina im Ort und gute Versorgungsmöglichkeiten. Wir ankerten vor Saint-Evette und besuchten den Ort mit dem Dinghi.

    Benodet: Eine weitere Gemeinde in der Cornouaille/Bretagne an der Mündung des Flusses Odet. Wir ankerten eine Nacht in der Anse du Trez und verbrachten eine weitere nach einer kleinen Flussfahrt auf dem Odet in Höhe der römischen Therme Pérennou.

    Îles de Glénan: Der Süd-Bretagne-Führer von Ralf und Susanne Paschold verspricht karibisches Feeling auf dem Archipel 10 Meilen vor der Küste. Mit etwas Phantasie passt das schon. Zum Glück passte Wetter und Tide und erlaubten uns die Füße in den Sand zwischen St. Nicolas und Bananec zu geben. Die Karibik behalten wir trotzdem in unserer Reiseplanung.

    Île de Groix: Wir ankerten vor Les Grands Sables und erkundeten Port Tudy zu Fuß. Die Insel ist ein beliebtes Ziel für Tagesausflügler. Die Fähre bringt stündlich viele davon nach Port Tudy. Entsprechend belebt geht es dort und im Hauptort der Insel, Le Bourg zu. Wir kehrten gern mit frischen Baguettes an Bord zurück und beobachteten das Treiben an Land von See aus…

    [slideshow_deploy id=’2273′]

    Für die Statistik:
    Brest – Roscanvel – Camaret sur Mer – Audierne – Benodet – Îles de Glenan – Île de Groix – Lorient: 131 sm, 1402 sm in der Segelzeit.

    Weiter Bilder wie immer im Fotoalbum.

  • |

    Brest

    Das Segelrevier um Brest umfasst aus unserer Sicht die äußere und innere Bucht von Brest. Für das Revier alleine könnte man locker einen Monat einplanen, wollte man alle Orte, Ankerplätze und Häfen erkunden. Soviel Zeit wollten wir uns nicht nehmen, blieben jedoch einige Tage vor Plougonvelin und Roscanvel hängen, verbrachten eine stürmische Nacht im Hafen Moulin Blanc, wo wir vom Brest Marine Service die Lichtmaschine tauschen lassen wollten (Gewährleistungsfall) und ankerten vor der Weiterreise noch bei Camaret sur Mer. Den südöstlichen Teil der Bucht sowie den Fluss Aulne, Teil des Brest-Nantes-Kanals müssen wir uns für später vormerken. Roscanvel werden wir in besonders guter Erinnerung behalten, der Ankergrund ist gut, man liegt ruhig, für das Anlanden mit dem Dinghi ist ausreichend Platz und die Grundversorgung mit der Epicerie Barr Avel im Ortszentrum gewährleistet. Der Ausflug zur Ilot des Capucins war ein kleines Highlight, sowohl wegen der phantastischen Aussicht von der Steilküste im Westen der Halbinsel, als auch wegen der idyllischen Wege durch den Naturpark Armorique, in dem auch Roscanvel liegt.

    Nach 10 Tagen verließen wir, jetzt mit unserer Tochter Anja als dritte Hand an Bord am 1. August das Revier um Brest von Camaret sur Mer aus, mit Ziel Südbretagne.
    An dieser Stelle, wie zuvor, noch einige Infos zu den von uns besuchten Orten:
    Plougonvelin: Bade- und Ferienort im Norden der äußeren Bucht von Brest. Nördlich des Mouring-Felds vor Anse de Perzel gibt es ausreichend Ankerplatz, am Strand lässt es sich gut anlanden. Zur Versorgung muss man etwas weitere Wege gehen, Baguettes findet man jedoch auch an der Strandpromenade in der Boulangerie de la Plage. Kommt vom Atlantik Schwell von mehr als einem Meter, wird‘s am Ankerplatz unruhig und ist es Zeit in die Rade de Brest zu verlegen.


    Roscanvel siehe oben.
    Marina Moulin Blanc: Liegt bei gleichen Preisen natürlich nicht so zentral wie die Marina du Chateau, allerdings gehen alle 20 Minuten Busse direkt ins Zentrum von Brest (Tagesticket EUR 4,00). Bei technischen Problemen ist die Marina erste Wahl, alle möglichen maritimen Dienstleister haben sich um die Marina herum niedergelassen. Die Marina selbst ist gut organisiert, wenn auch nicht mehr ganz so toll wie im Reeds beschrieben. Eben etwas in die Jahre gekommen. Über die Rue de Verdun gelangt man auch zu Fuß ins Zentrum des Ortsteils St. Marc mit Markt, Fischladen, Supermarkt, Post usw.
    Camaret sur Mer: Wir ankerten wie im Reeds beschreiben östlich der Hafenzufahrt, vorm Strand nördlich der Marina Vauban war‘s schon voll. Insbesondere dort gab‘s viel Fischererbojen, die den verfügbaren Platz deutlich einschränkten. Zu jedem Wasserstand kann man an der Bootsrampe im östlichen Teil des Hafenbeckens gut anlanden. Boulangerie, Supermarkt und Fischgeschäft findet man direkt am Hafen.

    Weitere Bilder wie immer im Fotoalbum.