Virginia

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    Auf in den Süden!

    Mit Verlassen des Connecticut River traten auch wir unsere Segelreise zurück in den Süden an. Bis Morehead, NC würden wir uns damit auf bekanntem Terrain bewegen. Eine schöne Abwechslung, können wir doch Häfen und Ankerplätze anlaufen, die uns fast schon geläufig sind, wo wir vom Supermarkt, über den Chandler bis zum Waschsalon unsere Wege kennen. Bleibt mehr Frei-Zeit, für Wandern, Walken oder Relaxen. Wir steuerten zunächst, mit kurzen Stopps über Nacht in Port Jefferson und Huntington Bay, Port Washington an. Für uns ein guter Ort, um auf ein Wetterfenster für den größeren Schlag nach Delaware oder Chesapeake zu warten. Dieses kam dann schneller als gedacht, weshalb wir bereits nach 4 Tagen, am 16.10. über den East River an Manhattan und der Freiheitsstatue vorbei und unter der Verrazzano Brücke hindurch, in die Lower Hudson Bay nach Atlantic Highlands aufbrachen. Dort warteten wir dann mit über 15 anderen Booten auf den nächtlichen Durchzug einer Kaltfront und dem damit verbundenen Drehen des Windes auf Nord. Eineinhalb Stunden vor Mitternacht war es soweit. Windrichtung und -Stärke passten und wir brachen auf.

    Drei Tage sollte der Wind gemäß Vorhersage mit 3-4 Bft aus NNW wehen. Das sollte ausreichen, um an Cape May und der Delaware-Bay vorbei, bis zur Mündung der Chesapeake Bay nach Süden voranzukommen. Klappte auch, wenn auch mal wieder einer jener „Zum-abgewöhnen-Törns“ daraus wurde. Der Abschnitt im Mündungsbereich des Delaware River wurde ohne Vorwarnung zu einer Starkwind-Passage mit entsprechendem Wellengang, südlich des Assateaque Inlets überwog dann die westliche Komponente beim Wind, was über die letzte Nacht für ein nicht enden wollendes Gebolze sorgte, immer hoch am Wind, gegen eine steile Windsee, mit entsprechenden, andauernden Salzwasserduschen über das gesamte Schiff.

    Mit dem für den dritten Morgen vorhergesagten Drehen des Windes auf Süd erreichten wir den Thimble Shoal Channel, das Fahrwasser nach Norfolk. Im Lee der Küste Virginias glitten wir die letzten Meilen bis Hampton über eine glatte See, krasser Kontrast zum nächtlichen Kampf, nur wenige Stunden zuvor.

    Erster Stopp nach New York: Hampton

    Hampton war ein wunderbarer Stopp. Eine Stadt mit Geschichte, namengebend für Hampton Roads, einer der weltweit größten Naturhäfen, einer Universität, die bei ihrer Gründung eine Bildungsstätte für befreite Sklaven, Freedmen und -women war, weiteren Sehenswürdigkeiten und natürlich einem sehr geschützt gelegenem Ankergrund im Hampton River.

    Hampton University

    Der zuvor beschriebene Törn machte uns wenig Lust, für den weiteren Weg nach Süden die Route um Kap Hattereas zu nehmen. Den AICW (Atlantic Intracoastal Waterway) hatten wir noch in guter Erinnerung. Die eine oder andere sehenswerte Destination, die wir im Frühjahr links liegen ließen, wartete noch darauf entdeckt zu werden und sollte ein später Hurricane die Ostküste treffen, bieten die Inner Banks von North Carolina zudem einige gute Rückzugsorte.
    Am 26.10. verließen wir den Hampton River mit Ziel Norfolk. Im dortigen Honorarkonsulat wollte ich mir noch meine Lebensbescheinigung beglaubigen lassen, außerdem hatten wir uns einige Ersatzteile zur Pak-Mail-Filiale Norfolk schicken lassen.
    Am 29.10. dann, nach einem kurzen Austausch mit der Crew der SY Makaan, die wir in Newport kennen gelernt hatten und die am Vorabend am Hospital Point Ankerplatz angekommen war, ging es für uns weiter auf dem AICW nach Süden.

    Alleine waren wir fortan nicht mehr. Wir waren mitten in die Migration-Welle hinein geraten. Ein endlos erscheinender Strom von Segel- und Motoryachten begleitete uns. Auffällig viele Kanadier waren dabei, mutmaßliche Folge zweier Jahre Corona-Reisebeschränkung. Es dürfte also noch etwas voller werde, in Florida und auf den Bahamas.
    Zwei Orte schauten wir uns bisher genauer an: Belhaven, unmittelbar am AICW gelegen, und Washington, etwas Abseits, am westlichen Ende des Pamlico River.
    Belhaven ist sehr klein. So klein, dass sich die vier, etwas aufgehübschte Blocks der historischen Downtown außerhalb der Saison nicht mit Leben füllen lassen. Ein Restaurant und ein mexikanischer Imbiss waren noch offen, die andere Hälfte der Gastronomie des Ortes war geschlossen. Immerhin gab es, eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt, einen Food Lion. Bei leerer Kombüse lohnt sich der Weg, denn das Restaurant (Fish Hooks Café) ist unter aller Kanone. Die Tristesse wir allerdings durch die Freundlichkeit der Einwohner kompensiert: Man grüßt, winkt, bietet Mitfahren und pflegt den Smalltalk dass es eine Freude ist.

    Nach drei Tagen nahmen wir Abschied von Belhaven. Wir hatten uns für Washington als nächstes Ziel entschieden. Es lag weit ab vom Strom der Freizeitboote auf dem AICW, sollte eine attraktive, lebendige Downtown und eine lange Uferpromenade mit städtischen, kostenlosen Liegeplätzen bieten. Ideal also, um die sich mittlerweile abzeichnende Entwicklung eines tropischen Tiefs mit Hurricanepotential in relativ sicherer Lage abzuwarten. Wir erreichten Washington am 04.11. und gingen gegenüber der Uferpromenade vor Anker. Eine Woche hatten wir zunächst eingeplant. Darüber berichten wir dann im nächsten Beitrag.

    Viele weitere Bilder findest du wie immer im Fotoalbum.

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    Über den Elizabeth River in die Chesapeake Bay

    Nördlich des Great Bridge Locks beginnt der Elizabeth River, ein Seitenarm im Mündungsgebiets des James River am südlichen Ende der Chesapeake Bay. Die Städte Norfolk, Portsmouth und Chesapeake liegen am Elizabeth River, letztlich ein weitläufiger, natürlichen Hafen für die Handelsschifffahrt und vor allem die US – Navy, die an und in zahllosen Docks und Werften eine beeindruckende Zahl an Schiffen jeglicher Größe liegen hat.

    Industrielandschaften statt Natur und Idylle: Elizabeth River

    Am 18.05. passierten wir das Great Bridge Lock und folgten dem Elizabeth River die gut 5 Seemeilen bis Portsmouth. Wir ankerten gleich nördlich der Tidewater Marina, quasi im Zentrum von Norfolk und Portsmouth. Für 10 US-$ hatten wir dort Zugang zu allen Services der Marina, bei Besuch des Restaurants darf man auch umsonst sein Dinghy am entsprechenden Anleger festmachen. Ende Mai gibt es offenbar noch nicht viele Gäste von Außerhalb. Weder an Norfolks Waterfront, den Malls oder Bars und Restaurants, noch in den Museen war viel los.

    Waterfront von Portsmouth, Elizabeth River

    Großstädte liegen uns nicht so sehr, weshalb wir doch bereits nach zwei Tagen, am 20.05., wieder Anker auf gingen, um weiter nach Norden, in die Chesapeake Bay zu segeln. Wir waren auf dem Weg zu einem Stellplatz für unsere DANJA. Wir mussten für einige Wochen zurück nach Deutschland. Zunächst hatte wir Harrington Harbour North, östlich von Washington DC ins Visier genommen. Weit genug vom Atlantik entfernt und damit ausreichend vor der vollen Wucht eines möglichen Hurricanes geschützt. Neben der Segelpause planten wir im gleichen Zug auch das Unterwasserschiff wieder auffrischen (zu lassen).

    Reedville, Chesapeake Bay

    Auch die über 300 km lange und bis 48 km breite Chesapeake Bay versprach Segeln ohne Geschaukel. Zusammen mit den über 150 Zuflüssen bildet der Chesapeake Bay Complex ein Revier, welches man über Jahre befahren könnte, ohne jemals am gleichen Platz zu ankern oder zu liegen, wie uns amerikanische Segler erzählten. Auf unserem Weg nach Norden stoppten wir im Jackson Creek, Deltaville, im Cockrell Creek bei Reedville und schließlich in Solomons, Maryland. Solomons gefiel uns dabei so gut, dass wir in einer der zahlreichen Marinas nach einem Stellplatz fragten und schließlich bei der Spring Cove Marina hängen blieben. Hier würde unsere Danja auf uns warten können, während wir einen Teil des Sommers in Deutschland verbringen. Mit unserem Heimflug verändert sich natürlich auch unser Törnplan für 2022, darüber aber mehr im nächsten Beitrag.

    Drumpoint Lighthouse, ein Wahrzeichen Solomons.

    Mehr Bilder findest du, wie bisher, im Fotoalbum.

    Und zur Statistik gibt’s auch noch was: Vor ziemlich genau 3 Jahren haben wir Deutschland aus Bremerhaven verlassen. In unserer Segelzeit haben sich bisher 11121 sm angesammelt, insgesamt stehen der Zähler bei 17732 sm.

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    Lower Banks und AICW

    Unserer Route durch die Lower Banks folgte dem Atlantic Intracoastal Waterway (AICW) nach Norden. Die Naturlandschaft im Nordosten des US-Bundesstaats North Carolina ist unglaublich weitläufig und sehr dünn besiedelt. Von der vorgelagerten Inselkette der Outer Banks geschützt, erstrecken sich über viele hundert Quadratkilometer die Mündungsbereiche zahlreicher Flüsse North Carolinas. Der Intracoastal Waterway quert oder folgt diesen Gewässern, oder er führt durch Kanäle, wo es zur Zeit ihres Baus sinnvoll erschien. Die Wassertiefe entlang des Waterways unterschreitet selten die 4 Meter, einschränkend für uns Segler sind da eher die Brücken, deren Durchfahrtshöhe bei 65 Fuß liegt.

    Ankerplatz vor Belleville, Pungo River

    Es sind überwiegend amerikanische und kanadische Freizeitboote mit kleiner Crew, die den Intracoastal Waterway befahren. Jetzt, im Frühjahr, sind sie zumeist auf dem Weg nach Norden, nachdem sie den Winter in der Karibik oder auf den Bahamas verbracht hatten. Mit unserer deutschen Flagge sind wir echte Exoten und kommen immer wieder ins Gespräch mit den Locals, von denen viele, wie so oft in den USA, mit dem alten Kontinent noch irgendwie verbunden sind. Findet man entlang des Neuse und Palmico Rivers noch viele Ortschaften und Häfen, wird es, je weiter man nach Norden voran kommt, immer ruhiger und abgelegener. Nach queren des Albemarle Sounds durchfährt man über Stunden menschenleeres Sumpf- und Marschland, einzig die Anleger und Marinas am Coinjock Canal bieten begehrte und knapp bemessene Liegeplätze, Benzin- und Dieselservice.

    AICW

    Mit dem Erreichen des Albemarle and Chesapeak Canals in Virginia bleibt die unberührte Landschaft achteraus zurück. Der Kanal endet beim Great Bridge Lock, eine Schleuse in geschichtsträchtiger Umgebung, die unter anderem das salzhaltigen Tidengewässer des Elizabeth River von den nicht salzigen Schwarzwasserflüssen des südöstlichen Virginia bzw. nordwestlichen North Carolina trennt. Es war nicht schwierig, entlang unserer Route durch die Lower Banks, geeignete Ankerplätze zu finden. Das Ankern in der fast menschenleeren Umgebung ist ein Erlebnis für sich. Den Sound von abertausenden Wildgänsen, Enten und Fröschen bei Sonnenuntergang an unserem Ankerplatz im Blackwater Creek werden wir sicher lange nicht vergessen.

    Public Dock, Great Bridge Memorial Park

    Im Fotoalbum haben wir Route und Zwischenstopps mit Bildern dokumentiert. Hier kommst du dort hin…