USA

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    Kurs auf die Bermudas

    Es ist soweit. Dinghy ist verstaut, Grab Bags gepackt, Boot aufgeräumt, Vorräte gestaut und die navigatorische Vorbereitung mit festlegen der Zeit für’s Auslaufen abgeschlossen. Morgen früh, am Sonntag, 7. Mai, um 4 Uhr, werden wir bei Stillwasser von Fernandina Beach aus in See stechen, Ziel Bermudas. Das Wetter ist zwar nicht perfekt für die Überfahrt, dafür aber das Beste, was wir sei Anfang April gesehen haben.

    Landgang, Fernandina Beach, FL


    Von Fernandina Beach aus zu starten war,  abgesehen vom sicheren Inlet hinaus auf den Atlantik, eine gute Wahl. Ohne es gewusst zu haben, landeten wir im Shrimp Festival, dem größten Fest der Stadt, welches jährlich am ersten Wochenende im Mai steigt. Da fällt der Abschied fast ein wenig schwer.

    Parade zum Auftakt des Fernandina Beach Shrimp Festival


    Wir werden versuchen, über unser InReach täglich einen kleinen Update zur Überfahrt zu posten. SMS-lang und ohne Bilder. Ein Mini-Logbuch.
    Und jetzt heißt es Daumen drücken. Bis dann…

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    Aufbruch

    Nach exakt zwei Wochen im Julington Creek, mit viel Zeit mit und bei Daniel, Rieke und Karlo, sind wir heute, Mittwoch, 3. Mai wieder aufgebrochen. Ein Wetterfenster deutet sich an, mit dem wir die erste Passage zu den Bermudas ab Samstag in Angriff nehmen können.

    Danja vor Anker, Julington Creek, FL


    Wir werden den Ankerplatz in guter Erinnerung behalten. Der Ankergrund ist gut und sicher, auch bei 30 Knoten Wind aus West baut sich keine Welle auf, die Bootsrampe im Mandarin Park bietet viel Platz fürs Dinghy und ein Supermarkt ist auch nicht weit. Der Diesel der Mandarin Holiday Marina soll der günstigste entlang des St. Johns River sein, was wir zum volltanken gerne nutzten.
    Einzig die Wassertiefe ist grenzwertig. Die 1,5 – 1,8 Meter am Eingang zum Creek sind nicht untertrieben.

    Segeltag auf dem St. Johns River


    Frischer Wind aus WNW bescherte uns einen schönen Segeltag auf dem St. Johns River, bis zum Ankerplatz westlich Little Marsh Islands, wenige Meilen  vor der Mündung in den Atlantik.
    Morgen früh müssen wir uns dann entscheiden, von wo aus wir am Samstag in See stechen wollen. Fernandina Beach, At. Augustine, oder gleich von der Mündung des St. Johns River. Wir werden sehen…

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    Familienzeit

    Nach unserer Einreise in die USA boten sich zwei alternative Routen für unsere weitere Reise nach Jacksonville, im Norden Floridas. Entweder draußen, entlang der Küste nach Norden, oder auf dem Intracoastal Waterway (ICW) via Daytona Beach und St. Augustine in den Saint Johns River. Da Anfang April noch kein Zeitdruck bestand, entschieden wir uns für Letzteres. Die Vorhersage versprach für fast eine Woche überwiegend frischen Wind aus östlichen Richtungen, was viele Segelmeilen auf den geschützten Wasserwegen des ICW versprach. Angenehm auch, dass wir sowohl den Weg, gute Ankerplätze und Anlande- und Versorgungsmöglichkeiten bereits kannten. Wir freuten uns auf unbeschwertes Segeln, denn Seegang und Ozeanwetter würden wir dieses Jahr sicherlich noch genug bekommen.

    AICW – Unterwegs nach Norden.

    So ging es also für uns mit Ankerstopps bei Titusville, New Smyrna Beach, Daytona Beach und dem Matanzas River zunächst bis St. Augustine, wo wir am Mittwoch, 12. April 2023, gleich nördlich der Bridge of Lions vor Anker gingen und uns auf den Besuch unseres Enkelkindes freuen durften. Daniel, Rieke und Karlo verbrachten den Freitag an Bord, wo das vorläufig jüngste Crewmitglied dann auch gleich seine erste Einweisung erhielt.

    Am Sonntag starteten wir mit dem ersten Tageslicht in die letzte Etappe zu den Downtown Landings in Jacksonville. Mit Daniels Auto und Hilfe holten wir dort das im November eingelagerte Gut zurück an Bord und bunkerten eine große Ladung Vorräte für unsere bevorstehende Atlantiküberquerung.

    Die kostenlosen Liegeplätze entlang der Downtown Landing liegen zwar günstig für das, was wir zu erledigen hatten, fehlende Security und allerhand zwielichtige Gestalten stellen jedoch ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, wie wir in der dritten Nacht vor Ort feststellen mussten: Drei Idioten versuchten morgens und halb vier unser Schiff los zu machen. Weil unsere fünf Landleinen zum goßen Teil durch die Klampen am Steg geführt waren, wurden wir rechtzeitig wach, als die Chaoten an den schiffsseitgen Klampen herumzufingern begannen. Mit Bewegung und Licht im Schiff ließen sie von ihrem Vorhaben ab und zogen von dannen, dennoch waren wir reichlich geschockt. Wären wir nicht wach geworden, hätte uns die starke Strömung des St. Johns River mit der ablaufenden Tide in nur ein, zwei Minuten unter die Main Street Bridge getreiben, wo wir unweigerlich havariert wären.

    So etwas erfüllt den Tatbestand des versuchten Totschlags. Dennoch zeigte sich die Polizei wenig interessiert, als wir den Vorfall telefonisch dort meldeten. An öffentlichen Stegen werden wir zukünftig wohl grundsätzlich mindestens eine Kettenverbindung zum Steg herstellen.

    Wir informierten auch das zweite Schiff, das mit uns an den Downtown Landings festgemacht hatte, bevor wir weitere 15 Meilen den Saint Johns River hinauf fuhren, um im Julington Creek vor Anker zu gehen. Näher konnten wir an Daniels und Riekes Zuhause nicht herankommen, außerdem liegt der Ankerplatz in ruhiger, schöner Umgebung mit Marinas, einer öffentlichen Bootsrampe (Mandarin-Park) und guten Versorgungsmöglichkeiten in „walking distance“.

    Hier bleiben wir, bis das Wetter für unseren Start zu den Bermudas passt. Die Zeit dahin füllen wir mit Familien- und Enkelbesuchen, sowie Wartungs- und Vorbereitungsarbeiten für unsere Atlantiküberquerung via Bermudas und Azoren. Anfang Mai sollte es soweit sein…

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    Jahreswechsel in Miami Beach

    Unsere letzte, längere Etappe für 2022 legten wir auf dem Atlantik zurück. Bliebe man weiterhin auf dem Intracoastal Waterway, wartet kurz vor Miami eine Brücke mit 56 ft. maximaler Durchfahrtshöhe. Das war uns einerseits zu knapp, zum anderen war das Wetter optimal für einen Schlag vor der Küste: NO-Wind mit 15 Knoten, Welle 1,2 Meter. So fuhren wir denn mit auslaufendender Tide über den Port Everglades Inlet hinaus auf‘s Meer und 4 Stunden und 20 Meilen später durch den Government Cut und mit auflaufender Tide wieder hinein in die Lagunenlandschaft zwischen Miami und Miami Beach.

    Port Everglades Inlet.

    An diesem Mittwoch, 28.12.2022 lag kein Cruise Ship im Kanal vom Inlet zur Downtown Miamis, wir hatten also das seltene Glück, vom Government Cut, durch diesen Kanal, bis vor die Hochhäuser der Stadt segeln zu können. Erst dort im Wendebecken holen wir die Segel ein und fuhren anschließend durch die West-Venetian Klappbrücke und über die Biscayne Bay wieder nach Osten bis vor Miami Beach, wo wir NW des Sunset Harbour Yacht Clubs vor Anker gingen.

    Anfahrt auf Miami: Government Cut

    Die Kulisse dort ist beeindruckend. Im Westen sieht man die gesamte Kulisse Miamis von Downtown im Süden, bis Buena Vista im Norden, im Osten liegt gleich Miami Beach. Trotz der zentralen Lage hielt sich der Bootsverkehr in Grenzen und ebbte nach Sonnenuntergang vollständig ab, die No-Wake-Zone vor der Marina reduzierte den Wellenschlag zusätzlich. Wir blieben , für uns erstaunlich, die einzigen Liveaboards an diesem Ankerplatz. Ein Dinghy Dock und Wasser gibt es an der Barry Kutun Boat Ramp, gleich südlich der Marina, ein weiteres im Collins-Canal, gegenüber eines Publix Supermarkts. Beide sind zeitlich beschränkt und Towboat US droht mit Abschleppen im Auftrag der Stadt. Zumindest beim Dinghydock im Collinskanal kann man sein Beiboot aber neben dem Anleger an der Leitplanke am nördlichen Ufer festbinden und über eine 10 cm breite Stufe zum Anleger balancieren und umgeht damit die zeitliche Begrenzung am Dock. Das war jedenfalls unser Weg nach Miami Beach, den wir für tägliche Ausflüge an den Atlantikstrand, in den Art Deco Distrikt oder zum Südstrand nutzten. Es gibt kostenlose City-Trolleys, mit denen man mit etwas Glück sitzend, aber nicht wirklich schneller durch Miami Beach touren kann.

    Unser Ankerplatz vor Miami Beach

    Dass Miami Beach ansonsten ein teures Pflaster ist, müssen wir wohl keinem erzählen, es gibt aber auch kein Bootszubehör hier, was uns zu einem Ausflug nach Coconut Grove, einem südlich von Miami gelegenen Ortsteil veranlasste. Von unserm Ankerplatz waren das 9 sm, die mit unserem Boot in gut 2 Stunden zu schaffen sind. Coconut Grove ist das Sportbootzentrum Miamis. Anker- und Mouringfelder, Häfen, ein kostenloses City-Dock, Ausgangspunkt für kommerzielle Bootsausflüge, alles da, allerdings auch der entsprechende Bootsverkehr und begleitende Wellenschlag. Wir bekamen unser Motorenöl, das wir für die Bahamas an Bord haben wollten, sollte ein Ölwechsel fällig werden, und wären wohl am gleichen Tag wieder zurück an „unseren“ Ankerplatz vor Miami Beach gefahren, hätten wir nicht, bei einem Tauchgang im hier recht klaren Wasser der Biscayne Bay festgestellt, dass sich unsere Wellenendanode wieder einmal verabschiedet hatte. Eine neue musste also angebracht werden, wonach wir dann doch für den Tag den Feierabend einläuteten. Zurück nach Miami Beach fuhren wir am Morgen des 31.12.

    Das Feuerwerk zum Jahreswechsel war so spektakulär, wie wir uns das erhofft hatten. Die Städte Miami und Miami Beach zündeten 5 Großfeuerwerke, die wir alle vom Ankerplatz aus sehen konnten. Zusammen mit noch einige kleinere, private Pyroshows, war das schon ein bleibendes Erlebnis.

    Silvesterfeuerwerk über Miami

    Zum Ende der ersten Woche im neuen Jahr zeichnete sich ein gutes Wetterfenster für die Querung des Golfstroms zu den Bahamas ab. Wir mussten also wählen, zwischen einem Törn nach Key West, mit dem wir dem Ende unserer Cruisinglizenz nahe kommen würden und einer früheren Ausreise aus den USA, mit Ziel Bahamas, wo wir im März Besuch aus DE erwarteten.

    Wir entschieden uns letztlich zugunsten der Bahamas. Am 4. Januar füllten wir in der Miami Beach Marina noch einmal Dieseltank und die Benzinkanister für den Außenborder und segelten anschließend bei stabilem SSO Wind ins Neue Jahr und in Richtung Bahamas hinaus in den Golfstrom.

    Weiter Bilder findest du wie immer im Fotoalbum.

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    Palm Beach bis Fort Lauderdale

    Ankerplatz zwischen West Palm Beach (l) und Palm Beach (r)

    Sieben Tage lagen wir in der Cocoanut Grove, zwischen West Palm Beach (WPB) und Palm Beach gelegen und zwischen der Flagler Memorial Bridge im Norden und Royal Park Bridge im Süden. Mindestens 35 Milliardäre wohnen in Palm Beach, ihr Vermögen summiert sich auf über 260 Milliarden Dollar. Entsprechend gepflegt sieht es aus, Palmenalleen, parkähnliche Gärten, Uferpromenaden, alles perfekt in Schuss gehalten von unzähligen, überwiegend spanisch sprechenden Arbeitern und anderen Dienstleistern. Die Spielzeuge der Reichen, sprich Megayachten, prägen das Stadtbild entlang des Lake Worth ebenso, wie die stets präsenten Privatjets im Anflug auf WPB.

    Palm Beach

    Die Bubble der feinen Gesellschaft endet allerdings wenige Blocks westlich der Downtown von WPB. Obdachlose, Dealer, Drogenabhängige, schäbige Restaurants und Gewerbe prägen das Stadtbild, wirken beklemmend und abstoßend. Kann man hautnah erleben, wenn man z.B. mit dem Bus zu einem der wenigen Waschsalons fährt. Und wie der dann aussieht, ist schwer in Worte zu fassen, einer so reichen Stadt komplett unwürdig und Beweis dafür, dass das Märchen von Tickle-Down Economics blanker Unsinn ist.

    Noch im Bereich der Bubble liegt das Public Dock von West Palm Beach, nur wenige hundert Meter von unserem Ankerplatz entfernt. Zum sehr gut sortierten Publix-Supermarkt sind es nur wenige Blocks, zahllose Bars und Restaurants, Galerien und Geschäfte sind ebenso in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar.

    Jeden Abend startete die weihnachtliche Licht- und Unterhaltungsshow „Holiday in Paradise“ im Park zwischen der zentralen Clematis Street und der WPB Waterfront Landing. Den Ablauf kannten wir bald in- und auswendig, denn unser Ankerplatz wurde zwangsläufig mit beschallt.

    Allabendliche, weihnachtliche Lichtershow in WPB

    Waren unsere ersten Tage in Palm Beach noch wunderbar sonnig und warm, erreichte uns dann am 24. Dezember die Kaltluft des Jahrhundert-Wintersturms, der fast die gesamte USA erfasst hatte. Die Temperatur stürzte über Nacht um mehr als 20 Grad auf Werte um die 5 °C ab. Schnee blieb uns zum Glück erspart, auch wenn er ganz gut zu Weihnachten gepasst hätte. Als wir am 26. Dezember unsere Reise fortsetzten, kamen wieder einmal die dicken Ocean-Anzüge mit Skiunterwäsche und Fleeceschichten zum Einsatz und auch unseren Ofen hatten wir wieder in Betrieb genommen.

    Mit einem Zwischenstopp bei Boca Raton ging es für uns auf dem Intracoastal Waterway zunächst weiter bis Fort Lauderdale und dann am 28.12. bis Miami. Darüber mehr im nächsten Beitrag.

    Hier noch in Kurzform einige Infos zu unseren Stopps:

    Palm Beach: Dank des großzügigen und zentral gelegenen, kostenlosen Docks und der guten Versorgungsmöglichkeiten sehr Cruiser-freundlich. Hier kann man es einige Tage aushalten.

    Palm Beach – Fort Lauderdale: Rund 20 Klappbrücken machen die Etappe zu einem Hindernisparcours. Extra Zeit einplanen!

    Fort Lauderdale: Lake Sylvia ist der beste Ankerplatz vor Ort und entsprechend voll. Es gibt kaum Möglichkeiten das Dinghy anzulanden. Ausnahme: Im Hafenbecken zwischen der SE 15th und der SE 16th Street gibt es eine Public Boat Ramp und ganz im Westen ein Dinghy Dock beim Southport Raw Bar & Restaurant. Kostet 10 $, die als Gutschrift im Restaurant wieder eingelöst werden können.

    Weiter Bilder unserer Reise in den Süden Floridas findest du wie immer im Fotoalbum.

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    Von Titusville bis Palm Beach

    Über den Canaveral Barge Canal, das Cape Canaveral Lock und den Canaveral Inlet könnten wir ab Titusville unsere Reise nach Süden auf dem Atlantik fortsetzen. Die Wetteraussichten machten uns darauf aber überhaupt keine Lust. Große Tiefs auf dem Atlantik sorgten für viel Schwell und nur wenig Inlets bieten eine zuverlässig sichere Passage zurück in die geschützten Gewässer hinter den Barriereinseln bzw. den Atlantic Intracoastal Waterway (AICW). Wir zogen es vor, auf dem AICW zu bleiben und mit dem weiterhin vorherrschenden Nordwind soviel Strecke wie möglich unter Segel zurückzulegen. Das ging letztlich besser, als gedacht, auch wenn wir gefühlt die einzigen waren, die ohne Motor unterwegs waren. In bebauten Bereichen geht das zwar manchmal recht langsam, dafür ist es herrlich, fast lautlos auf dem quasi wellenlosen AICW voranzukommen, in der Ferne das Rauschen der Atlantikwellen oder mal weiter weg, mal ganz nah, das Blas der Delfine zu hören, und ab und an überraschten wir sogar Manatees beim Luft holen.

    Segeln auf dem AICW

    Unser Weg nach Palm Beach führte uns über den Indian River weiter nach Süden mit Ankerstopps bei Eau Gallie East, Vero Beach und Jensen Beach und weiter über den Peck Lake und Hobe Sound zunächst nach Jupiter und von dort die letzten 18 Seemeilen über den Lake Worth Creek in den Lake Worth, an dessen Ufern auch Palm Beach und West Palm Beach (WPB) liegen. In der Cocoanut Cove, gegenüber der Public Docks von WPB, gingen wir schließlich am 18. Dezember vor Anker.

    Zu Palm Beach, wo wir auch Weihnachten verbringen wollen, wird es noch einen eigenen Beitrag geben. Hier in Kurzform noch einige Infos zu den Zwischenstopps und dem AICW.

    Eau Gallie East: Zwischenstopp nahe der Eau Gallie Causeway Bridge. Bietet geschützte Ankermöglichkeiten, je nach Wind, nördlich oder südlich der Brücke. Easy in and out. Wir gingen nicht von Bord.

    Vero Beach, Vero Beach Channel

    Vero Beach: Unter Seglern offenbar sehr beliebt, es soll sogar Boote geben, die dort überwintern. Sehr geschützt liegt man in der Vero Beach Municipal Marina im Vero Beach Channel, bzw. an den Mourings der Marina. Kostet 20$ incl. Services und Shuttle ins Gewerbegebiet. Die Mourings werden übrigens mit bis zu drei Booten belegt, es wird also kuschelig. Wir fuhren durch das Mouringfeld hindurch, wo es dann, weiterin im Vero Beach Channel, noch einige Plätzchen zum Ankern gibt. Im Bethel Creek gibt es eine Anlandemöglichkeit für‘s Dinghy, in unmittelbarer Nähe zum Strand und eingeschränkt auch zur Versorgung. Ansonsten wenig los hier.

    Jensen Beach

    Jensen Beach: Hier gingen wir ungeplant vor Anker, bevor es Dunkel wurde. Erwies sich geradezu als Geheimtipp. Auch hier unterhält die Stadt ein Mouringfeld mit eigenem Dinghy-Dock und Servicegebäude, Ankern ist jedoch auch möglich und neben dem Servicegebäude gibt‘s eine große Bootsrampe, an der man gut mit dem Dinghy festmachen kann.

    Dem Ort fehlen der Protz und Glamour, was es sowohl sympathisch als auch günstig macht. Neben einem täglich geöffneten Bauernmarkt mit frischem Obst und Gemüse gibt es einen Publix-Supermarkt und einige Bars und Restaurants, alles in „walking distance“. Wer sich die Füße vertreten will, kann auch über die Frank A Wacha Bridge den Strand ansteuern. Das ist etwas weiter, aber auch ganz nett.

    Ankern im Jupiter Sound

    Jupiter: Hatten hier nur eine Nacht geankert, im Norden des Jupiter Sound, gleich Südlich der Conch-Bar. Guter Ankergrund und ausreichen Platz, sonst haben wir Jupiter nur vom Boot aus gesehen. Im Bereich des Jupiter Inlet und der Stadt selbst sind Ankerplätze rar.

    AICW: Auf den verbleibenden 18 Seemeilen zwischen Jupiter und Palm Beach passiert man immerhin 7 Klappbrücken, die zum Teil fest Öffnungszeiten haben. Kann also etwas länger dauern, wenn man nicht Vollgas von Brücke zu Brücke eilen möchte.

    Segeln auf dem AICW

    Weitere Bilder unserer Reise in den Süden Floridas findest du wie immer im Fotoalbum.

    Für die Statistik: Im Dezember, von Jax bis WPB: 256sm, 13.182sm in der Segelzeit, 19.793sm gesamt.

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    Jax bis Cape Canaveral

    Am 1. Dezember verließen wir Jacksonville mit Ziel St. Augustine. Ein kräftiger NNO-Wind ermöglichte, trotz vieler Windungen des Pablo- und Tolomato Rivers, angenehmes Segeln auf dem Intracoastal Waterway (ICW). Bei Vilano Beach, nördlich der Francis and Mary Usina Bridge und in Blickweite von St. Augustine gingen wir am späten Nachmittag vor Anker. Vilano Beach hat ein Public Pier, welches wir am nächsten Morgen mit dem Dinghy ansteuerten. Von dort sind es nur wenige hundert Meter bis an den Atlantikstrand und wir freuten uns auf eine lange Strandwanderung. Unterwegs kommt man an einem Publix-Supermarkt vorbei, ideal, um die Bordküche wieder mit frischem Obst und Gemüse aufzufüllen.

    Vilano Beach

    Am 3. Dezember fuhren wir dann 3 Meilen weiter, nach St. Augustine. Nördlich der Bridge of Lions und östlich des Fahrwassers fanden wir unseren Ankerplatz, genau gegenüber des Stadtzentrums von St. Augustine, welches nachts in weihnachtlichem Lichterglanz erstrahlte. Nights of Lights nennt sich die Lichtershow, die allabendlich unzählige Besucher anzieht. Die spanische Kolonialarchitektur, das stattliche Castillo de San Marcos und einige Protzbauten der Flagler-Era sorgen auch tagsüber für volle Straßen, Restaurants und Geschäfte im historischen Stadtviertel. St. Augustine gilt als die älteste, dauerhaft bewohnte, von der „Alten Welt“ gegründete Stadt auf dem USA-Festland. Wirklich authentisch ist allerdings nur das spanische Fort. Der Rest erinnert irgendwie an einen Disney Themenpark – und sobald man das historische Viertel verlässt, sieht es aus wie in jeder US-Stadt: Große Straßen, viele Autos, lange Wege und die üblichen Shopping-Viertel.

    Nights of Lights, St. Augustine

    Die städtische Marina unterhält auch das perfekt zentral gelegene, gebührenpflichtige Dinghy-Dock. Für die Gebühr von 12 $ pro Tag bekommt man Zugang zu allen Services der Marina: Duschen, Toiletten und Waschsalon. Nutzten wir für zwei Tage, bevor wir uns wieder auf den Weg machten.

    Cape Canaveral war unser nächstes, größeres Ziel. Unser Weg über den ICW führte uns an Ankerplätze im Matanzas Inlet, Daytona Beach und New Smyrna Beach, bevor wir schließlich Titusville, am Indian River, erreichten. In Kurzform einige Kommentare zu unseren Stopps:

    Matanzas Inlet: Idyllisch gelegen, fern jeglicher Stadt, sehr geschützt, mit einem alten, spanischen Fort und viel Platz.

    Ankerplatz im Matanzas Inlet

    Daytona Beach: Hat uns nicht gefallen. In die Jahre gekommene, Auto-fixierte Stadt, deren Strand in katastrophalem Ausmaß dem November-Hurricane Nicole zum Opfer gefallen ist. Taugt aufgrund der weiten Wege nicht einmal zum Verproviantieren.

    New Smyrna Beach: Guter Zwischenstopp auf dem Weg nach Titusville, auch wenn Ankerplätze rar sind. Das Dinghy-Dock der Stadt haben wir nicht ausgecheckt.

    Titusville: Großes, markiertes Mouring-Feld, betrieben von Titusville Marina. Kostet 20$ pro Tag. Man kann aber auch außerhalb des Mouring-Felds ankern und bekommt für 6$ Gebühr Zugang zu allen Service-Einrichtungen der Marina. Topp!

    Space Walk of Fame, Titusville

    Titusville ist Verwaltungssitz des Brevard County, auf dessen Gebiet der Launch Compex 39, aktiver Startplatz der NASA am Cape Canaveral, liegt. Erst mit Beginn des Raumfahrtzeitalters gewann die Stadt an Bedeutung, heute leben im Großraum Titusville über eine halbe Million Menschen, der Ort selbst wirkte auf uns aber angenehm kleinstädtisch, mit großen Parks und einer überschaubaren, und lebendigen Downtown.

    Für uns ging es von hier zum Kennedy Space Center. Ein Besuch, den wir nicht auslassen wollten und der wirklich lohnend ist. Getoppt – oder vervollständigt – wurde das Erlebnis durch die Starts gleich zweier Space X – Missionen, jeweils mit der Zugabe der Rückkehr und Landung der ersten Stufen nach Cape Canaveral.

    ONEWEB 1 MISSION, 8. Dez. 2022

    Nächstes Ziel für uns ist Palm Beach. Dort wollen wir Weihnachten verbringen. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

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    Sunshine-State Florida ?

    Unser Törn von Beaufort nach Florida war, wie schon zuvor erlebt, nicht von der schönen Sorte. Die USA Ostküste will nicht zu unserem Lieblingsrevier werden, das ist sicher. Den Nordwind braucht es, um nach Süden voranzukommen, gleichzeitig baut er aber eine steile, kurze See auf, die Schiff und Crew maximal strapaziert. Und warum der Wind ausgerechnet in der Nacht an Stärke gewinnt, bleibt ein Rätsel. Dafür kamen wir, nur unter Genua und auf raumen Kursen, auf ein Etmal von über 100 Seemeilen.

    Um 10.45 Uhr am Donnerstag, den 24. November erreichten wir, gut durchgeschüttelt, den nördlichen Molenkopf des St. Marys Inlet zwischen Georgias Cumberland Island und Floridas Amelia Island. Das St. Marys Inlet gehört aufgrund seiner Größe und für kommerzielle Schiffe kontrollierten Tiefe, zu den weniger gefährlichen Passagen durch Sandbänke und Barriereinseln, dennoch waren wir vorgewarnt: Bei NO-Wind kann der Strom parallel zur Küste im Bereich der Molenköpfe 5 Knoten errreichen, der Ebbstrom im Bereich des Inlets bis zu 3,9 Knoten.

    Obwohl wir das Stillwasser vor dem Einsetzen des Ebbstroms um zwei Stunden verpassten, ermöglichte der weiterhin frische NNO Wind, unter Segel in das gut eine halbe Meile breite Inlet einzufahren und gerade genug Fahrt durchs entgegenströmende Wasser zu machen, dass wir den Motor auslassen konnten. Fast anderthalb Stunden brauchten wir für die 3 Meilen des Inlets, bevor wir am Abzweig in den Amelia River die Segel einrollten um dem Fluss bis Fernandina Beach zu folgen.

    Florida, der Sunshine State der US-Südstaaten präsentierte sich bei unserer Ankunft alles andere als einladend. Die Wolken verdichteten sich zunehmend, berührten stellenweise das Wasser, es nieselte und die Kulisse von Fernandina Beach war, ganz im Gegensatz zu den Bilder im Netz, geradezu zum Fürchten. Der Ort ist eingerahmt von zwei riesigen Industrieanlagen (Papier- und Zellulose), deren Rauch und Dampf sich mit den tiefhängenden Wolken vermischte und unweigerlich an die düstere Kulisse von Gotham City erinnerte. Das Ganze verschwand dann in der Nacht in dichtem Nebel, der sich im Laufe des folgenden Tages nur zeitweise lichtete.

    Wenige Stunden vor der Fernandina Beach entdeckten wir auf dem AIS unsere Freunde Heike und Hans mit ihrer Makaan. Von Charleston kommend liefen sie ebenfalls Fernandina Beach an. Den Freitag nutzten wir dann für einen gemeinsamen Ausflug in die Stadt und zum Fort Clinch Statepark. Es wurde ein wunderschöner Tag, der das immer noch miserable Wetter vergessen machte und seinen Abschluss bei einem Schluck Dragon’s Milk in der Green Turtle Tavern fand, zu dem sich noch die Crew der Adiona gesellt hatte, die zurzeit mit Motorschaden in Fernandina Beach festsitzt.

    Da auch am Samstag keine Sonne zu erwarten war, entschieden wir uns spontan für die Weiterfahrt nach Jacksonville. Die auflaufende Tide erlaubte einen morgendlichen Start auf dem Amelia River nach Süden und brachte uns so zügig zum St. Johns River, dass wir noch mit dem letzten auflaufenden Wasser bis Downtown Jacksonville kamen. Dorthin wollten wir noch kommen, nachdem wir, schon unterwegs, von Hans und Heike den Hinweis bekamen, dass just an diesem Samstag die Annual Light Boat Parade mit Feuerwerk stattfinden würde. Wir hatten rießig Glück und ergatterten noch einen Platz an den Floating Docks der Jacksonville Landings und saßen damit für die Show in der ersten Reihe. Die Parade ist eine Veranstaltung mit Tradition in JAX, Boote unterschiedlicher Größe fahren, weihnachtlich geschmückt, entlang des Riverwalks und konkurieren um die beste Bewertung ihres Lichterschmucks. Abschluss der Veranstaltung ist dann ein großes Feuerwerk von zwei der Downtown-Brücken.

    Wir blieben bis Dienstag am kostenlosten Dock und nutzten den Landzugang für einen Großeinkauf für den Winter auf den Bahamas und dem Einlagern einiger Ausrüstungsteile, um für Gäste mehr Platz zu haben. Da wir im Frühjahr, wenn Daniel mit Familie hierher versetzt sein wird, einen Besuch fest einplanen, werden wir dann unsere Ausrüstung wieder an Bord nehmen.

    Wie geht es weiter? Wir wollen entlang der Ostküste Floridas bis Miami. Einige interessante Stopps haben wir eingeplant. Darüber demnächst mehr.

    Mehr Bilder von Fernandina Beach, Fort Clinch und Jacksonville findest Du im Fotoalbum.

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    Von Beaufort nach Beaufort

    Die Wetterlage, die über einen längeren Zeitraum nördliche Winde entlang der Ostküste brachte, erwies sich als beständig. Wir wollten sie nicht ungenutzt lassen und verließen Beaufort, NC, am 16. November, mit Kurs auf Charleston, SC.

    Füllte der Wind zunächst gerade so die Segel, frischte er im Verlauf des Tages zunehmend auf und bescherte uns vor Cape Fear eine jener Nächte, auf die man gerne verzichten würde: Stockfinster und eisig kalt, zeitweise 27 kts Wind, raue und steile See, die immer wieder übers Deck klatschte und teilweise von Hand ausgesteuert werden musste. Nach Sonnenaufgang beruhigte sich das Ganze wieder und konstante 3-4 bft brachten uns schließlich zügig bis Charleston, wo wir gegen Mittag eine knappe Meile südöstlich des Safe Harbor Charleston City vor Anker gingen. Vom Ankerplatz gegenüber der Marina wird in vielen Kommentaren gewarnt, zu unrein sei der Grund. Mit Beiboot dauert die Überfahrt zum Dinghy-Dock dann eben etwas länger, ist aber noch machbar.

    Die Marina selbst ist etwas heruntergekommen, ein Eindruck, der durch einige Wracks vor Anker noch verstärkt wurde und der sich in der Stadt weiter verfestigte. Wir hatten schon attraktivere Städte besucht.

    Schon am Sonntag, 20. November, verließen wir deshalb den Ankerplatz mit Ziel Beaufort, diesmal Beaufort, SC. Wir zogen es vor, die Etappe über den Atlantic Intracoastal Waterway (AICW) zu segeln, die Erinnerung an die letzte Überfahrt war noch zu präsent. Rund zwei Meter Tide strömen durch die Flüsse und Kanäle des Lowcountry, sie reichen über 20 Meilen landeinwärts und sind prägendes Merkmal der Küste von South Carolina. Mit einem Ankerstopp im South Edisto River erreichten wir am zweiten Tag der Etappe Beaufort, am gleichnamigen River.

    Beaufort, 1711 gegründet, gilt, nach Charleston, als zweitälteste Stadt South Carolinas, ist ein beliebter Ferienort, hat einen bedeutenden Hafen am Sund und war Schauplatz zahlreicher Filme, von denen uns Forrest Gump sicherlich der geläufigste ist. Der Ort ist entsprechend gepflegt, alte Bäume voller spanischem Moos säumen imposante Antebellum-Herrenhäuser oder bilden beeindruckende Alleen. Obwohl uns Beaufort sehr gefiel, wollten wir nicht längere Zeit dort verweilen, denn das Ende der zuvor erwähnten Wetterperiode mit konstanten Nordwinden, ging ihrem Ende entgegen. Bis Florida waren es noch gut 120 Seemeilen, die wollten wir doch gern unter Segel zurücklegen. Am 23. November brachen wir deshalb wieder auf, segelten über den Southeast Channel hinaus auf den Atlantik und setzten Kurs auf den Saint Marys Inlet, ganz im Norden Floridas.