Jacksonville

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    Aufbruch

    Nach exakt zwei Wochen im Julington Creek, mit viel Zeit mit und bei Daniel, Rieke und Karlo, sind wir heute, Mittwoch, 3. Mai wieder aufgebrochen. Ein Wetterfenster deutet sich an, mit dem wir die erste Passage zu den Bermudas ab Samstag in Angriff nehmen können.

    Danja vor Anker, Julington Creek, FL


    Wir werden den Ankerplatz in guter Erinnerung behalten. Der Ankergrund ist gut und sicher, auch bei 30 Knoten Wind aus West baut sich keine Welle auf, die Bootsrampe im Mandarin Park bietet viel Platz fürs Dinghy und ein Supermarkt ist auch nicht weit. Der Diesel der Mandarin Holiday Marina soll der günstigste entlang des St. Johns River sein, was wir zum volltanken gerne nutzten.
    Einzig die Wassertiefe ist grenzwertig. Die 1,5 – 1,8 Meter am Eingang zum Creek sind nicht untertrieben.

    Segeltag auf dem St. Johns River


    Frischer Wind aus WNW bescherte uns einen schönen Segeltag auf dem St. Johns River, bis zum Ankerplatz westlich Little Marsh Islands, wenige Meilen  vor der Mündung in den Atlantik.
    Morgen früh müssen wir uns dann entscheiden, von wo aus wir am Samstag in See stechen wollen. Fernandina Beach, At. Augustine, oder gleich von der Mündung des St. Johns River. Wir werden sehen…

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    Familienzeit

    Nach unserer Einreise in die USA boten sich zwei alternative Routen für unsere weitere Reise nach Jacksonville, im Norden Floridas. Entweder draußen, entlang der Küste nach Norden, oder auf dem Intracoastal Waterway (ICW) via Daytona Beach und St. Augustine in den Saint Johns River. Da Anfang April noch kein Zeitdruck bestand, entschieden wir uns für Letzteres. Die Vorhersage versprach für fast eine Woche überwiegend frischen Wind aus östlichen Richtungen, was viele Segelmeilen auf den geschützten Wasserwegen des ICW versprach. Angenehm auch, dass wir sowohl den Weg, gute Ankerplätze und Anlande- und Versorgungsmöglichkeiten bereits kannten. Wir freuten uns auf unbeschwertes Segeln, denn Seegang und Ozeanwetter würden wir dieses Jahr sicherlich noch genug bekommen.

    AICW – Unterwegs nach Norden.

    So ging es also für uns mit Ankerstopps bei Titusville, New Smyrna Beach, Daytona Beach und dem Matanzas River zunächst bis St. Augustine, wo wir am Mittwoch, 12. April 2023, gleich nördlich der Bridge of Lions vor Anker gingen und uns auf den Besuch unseres Enkelkindes freuen durften. Daniel, Rieke und Karlo verbrachten den Freitag an Bord, wo das vorläufig jüngste Crewmitglied dann auch gleich seine erste Einweisung erhielt.

    Am Sonntag starteten wir mit dem ersten Tageslicht in die letzte Etappe zu den Downtown Landings in Jacksonville. Mit Daniels Auto und Hilfe holten wir dort das im November eingelagerte Gut zurück an Bord und bunkerten eine große Ladung Vorräte für unsere bevorstehende Atlantiküberquerung.

    Die kostenlosen Liegeplätze entlang der Downtown Landing liegen zwar günstig für das, was wir zu erledigen hatten, fehlende Security und allerhand zwielichtige Gestalten stellen jedoch ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, wie wir in der dritten Nacht vor Ort feststellen mussten: Drei Idioten versuchten morgens und halb vier unser Schiff los zu machen. Weil unsere fünf Landleinen zum goßen Teil durch die Klampen am Steg geführt waren, wurden wir rechtzeitig wach, als die Chaoten an den schiffsseitgen Klampen herumzufingern begannen. Mit Bewegung und Licht im Schiff ließen sie von ihrem Vorhaben ab und zogen von dannen, dennoch waren wir reichlich geschockt. Wären wir nicht wach geworden, hätte uns die starke Strömung des St. Johns River mit der ablaufenden Tide in nur ein, zwei Minuten unter die Main Street Bridge getreiben, wo wir unweigerlich havariert wären.

    So etwas erfüllt den Tatbestand des versuchten Totschlags. Dennoch zeigte sich die Polizei wenig interessiert, als wir den Vorfall telefonisch dort meldeten. An öffentlichen Stegen werden wir zukünftig wohl grundsätzlich mindestens eine Kettenverbindung zum Steg herstellen.

    Wir informierten auch das zweite Schiff, das mit uns an den Downtown Landings festgemacht hatte, bevor wir weitere 15 Meilen den Saint Johns River hinauf fuhren, um im Julington Creek vor Anker zu gehen. Näher konnten wir an Daniels und Riekes Zuhause nicht herankommen, außerdem liegt der Ankerplatz in ruhiger, schöner Umgebung mit Marinas, einer öffentlichen Bootsrampe (Mandarin-Park) und guten Versorgungsmöglichkeiten in „walking distance“.

    Hier bleiben wir, bis das Wetter für unseren Start zu den Bermudas passt. Die Zeit dahin füllen wir mit Familien- und Enkelbesuchen, sowie Wartungs- und Vorbereitungsarbeiten für unsere Atlantiküberquerung via Bermudas und Azoren. Anfang Mai sollte es soweit sein…

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    Sunshine-State Florida ?

    Unser Törn von Beaufort nach Florida war, wie schon zuvor erlebt, nicht von der schönen Sorte. Die USA Ostküste will nicht zu unserem Lieblingsrevier werden, das ist sicher. Den Nordwind braucht es, um nach Süden voranzukommen, gleichzeitig baut er aber eine steile, kurze See auf, die Schiff und Crew maximal strapaziert. Und warum der Wind ausgerechnet in der Nacht an Stärke gewinnt, bleibt ein Rätsel. Dafür kamen wir, nur unter Genua und auf raumen Kursen, auf ein Etmal von über 100 Seemeilen.

    Um 10.45 Uhr am Donnerstag, den 24. November erreichten wir, gut durchgeschüttelt, den nördlichen Molenkopf des St. Marys Inlet zwischen Georgias Cumberland Island und Floridas Amelia Island. Das St. Marys Inlet gehört aufgrund seiner Größe und für kommerzielle Schiffe kontrollierten Tiefe, zu den weniger gefährlichen Passagen durch Sandbänke und Barriereinseln, dennoch waren wir vorgewarnt: Bei NO-Wind kann der Strom parallel zur Küste im Bereich der Molenköpfe 5 Knoten errreichen, der Ebbstrom im Bereich des Inlets bis zu 3,9 Knoten.

    Obwohl wir das Stillwasser vor dem Einsetzen des Ebbstroms um zwei Stunden verpassten, ermöglichte der weiterhin frische NNO Wind, unter Segel in das gut eine halbe Meile breite Inlet einzufahren und gerade genug Fahrt durchs entgegenströmende Wasser zu machen, dass wir den Motor auslassen konnten. Fast anderthalb Stunden brauchten wir für die 3 Meilen des Inlets, bevor wir am Abzweig in den Amelia River die Segel einrollten um dem Fluss bis Fernandina Beach zu folgen.

    Florida, der Sunshine State der US-Südstaaten präsentierte sich bei unserer Ankunft alles andere als einladend. Die Wolken verdichteten sich zunehmend, berührten stellenweise das Wasser, es nieselte und die Kulisse von Fernandina Beach war, ganz im Gegensatz zu den Bilder im Netz, geradezu zum Fürchten. Der Ort ist eingerahmt von zwei riesigen Industrieanlagen (Papier- und Zellulose), deren Rauch und Dampf sich mit den tiefhängenden Wolken vermischte und unweigerlich an die düstere Kulisse von Gotham City erinnerte. Das Ganze verschwand dann in der Nacht in dichtem Nebel, der sich im Laufe des folgenden Tages nur zeitweise lichtete.

    Wenige Stunden vor der Fernandina Beach entdeckten wir auf dem AIS unsere Freunde Heike und Hans mit ihrer Makaan. Von Charleston kommend liefen sie ebenfalls Fernandina Beach an. Den Freitag nutzten wir dann für einen gemeinsamen Ausflug in die Stadt und zum Fort Clinch Statepark. Es wurde ein wunderschöner Tag, der das immer noch miserable Wetter vergessen machte und seinen Abschluss bei einem Schluck Dragon’s Milk in der Green Turtle Tavern fand, zu dem sich noch die Crew der Adiona gesellt hatte, die zurzeit mit Motorschaden in Fernandina Beach festsitzt.

    Da auch am Samstag keine Sonne zu erwarten war, entschieden wir uns spontan für die Weiterfahrt nach Jacksonville. Die auflaufende Tide erlaubte einen morgendlichen Start auf dem Amelia River nach Süden und brachte uns so zügig zum St. Johns River, dass wir noch mit dem letzten auflaufenden Wasser bis Downtown Jacksonville kamen. Dorthin wollten wir noch kommen, nachdem wir, schon unterwegs, von Hans und Heike den Hinweis bekamen, dass just an diesem Samstag die Annual Light Boat Parade mit Feuerwerk stattfinden würde. Wir hatten rießig Glück und ergatterten noch einen Platz an den Floating Docks der Jacksonville Landings und saßen damit für die Show in der ersten Reihe. Die Parade ist eine Veranstaltung mit Tradition in JAX, Boote unterschiedlicher Größe fahren, weihnachtlich geschmückt, entlang des Riverwalks und konkurieren um die beste Bewertung ihres Lichterschmucks. Abschluss der Veranstaltung ist dann ein großes Feuerwerk von zwei der Downtown-Brücken.

    Wir blieben bis Dienstag am kostenlosten Dock und nutzten den Landzugang für einen Großeinkauf für den Winter auf den Bahamas und dem Einlagern einiger Ausrüstungsteile, um für Gäste mehr Platz zu haben. Da wir im Frühjahr, wenn Daniel mit Familie hierher versetzt sein wird, einen Besuch fest einplanen, werden wir dann unsere Ausrüstung wieder an Bord nehmen.

    Wie geht es weiter? Wir wollen entlang der Ostküste Floridas bis Miami. Einige interessante Stopps haben wir eingeplant. Darüber demnächst mehr.

    Mehr Bilder von Fernandina Beach, Fort Clinch und Jacksonville findest Du im Fotoalbum.