Monat: Mai 2022

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    Hello USA!

    612 Seemeilen, 4 Tage und 16 Stunden. So lauten die nüchternen Zahlen zu unserer Überfahrt von Great Abaco, Marsh Harbour, nach Morehead City, North Carolina. Wie so oft war alles dabei. Der erste Tag war von der ganz üblen Sorte. 60° Windwinkel, 20-25 Knoten Wind, See 3 Meter +/- von der Seite, brechende Kämme. Sehr nasses Segeln, das erst am Abend, als Windwinkel und -Stärke besser wurden. etwas angenehmer wurde. Unser Kurs sollte uns nach Nordosten bis in den Golfstrom führen, mit dem „als Turbo“ wir dann bis vor North Caroline segeln wollten. Die Rechnung ging zunächst auf, mit raumem Wind ging es am Tag 2 und 3 im Golfstrom bei bis zu 8 Knoten SOG nach Norden. Nach der Biege nach Nordost, allerdings, zog er uns weiter von unserem Ziel weg, als es uns lieb war, und auch der Wind schlief zusehends ein. Es wurde ein mühsamer 4. Tag, langsam aus dem Golfstrom heraus und ebenso langsam Morehead City entgegen. Teilweise unter Passatsegel, dann wieder vor dem Wind kreuzend. Die Ansteuerung von Morehead City erfolgte dann erst nächtens, da aber alles gut betonnt und beleuchtet war, ohne Probleme. Am 3. Mai, kurz nach 23 Uhr, fiel unser Anker südlich Sugarloaf Island. Wir hatten noch unsere kurze Pflicht-Unterhaltung mit CBP und sprangen anschließend müde in die Koje.

    Morehead City Transient Docks

    Am nächsten Morgen verlegten wir in die Transient Docks, die städtische Marina. Das Einklarieren verzögerte sich um einen Tag, weil sich der CBP-Beamte an einem anderen Standort aufhielt, da er uns aber die Erlaubnis zum verlassen des Bootes gab, konnten wir uns an unsere To-Do-Liste machen, die Einkaufen, SIM-Karte besorgen, Wäsche waschen, Boot entsalzen, Boot putzen, Dinghy putzen, Starterbatterie tauschen, Segel tauschen, Wassermacher konservieren und weiteren „Kleinkram“ umfasste. Nach drei Tagen war alles erledigt. Wir ebenso.
    Wir verließen Morehead City nach Norden, in den Lower Banks wollten wir etwas mehr Zeit verbringen, denn es war ja noch recht früh in der Saison.

    Unterwegs auf dem Atlantic Intracoastal Waterway

    Die erste Etappe führte uns am Samstag, 7. Mai, nach Oriental, am Neuse River. Wunderschönes Örtchen, super geschützter Ankerplatz, öffentlicher Anleger und kostenloses Wasser. Der Schutz war auch nötig, denn schon am Sonntag setzte im Zusammenhang mit einem NO-Sturm vor der Atlantikküste kräftiger Nordwind ein, der noch dazu einen erheblichen Temperatursturz auf 11°C mit sich brachte. Wir wussten ja, dass die Badesaison vorbei sein würde, dass wir aber gleich die Winterklamotten brauchen würden war nicht so prickelnd. Wetterbedingt – und auch weil wir es uns so gut in Oriental gefiel – blieben wir eine Woche da. Am Samstag, 14. Mai brachen wir wieder auf, weiter hinein in die Landschaft der Lower Banks, der heimischen Boddenlandschaft ähnlich, nur eben XXL. Mehr darüber im nächsten Beitrag.

    Hafen, Marina und Ankerplatz von Oriental, NC.
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    Tschüß Bahamas!

    Norman’s Cay, Westküste.

    Während wir diesen Beitrag verfassen, haben wir die Bahamas bereits verlassen. Wir fassen uns deshalb etwas kürzer: Nach Big Major‘s Spot segelten wir zu den nördlichen Exumas und stoppten dort bei Norman‘s Cay, Highborn Cay und Adam‘s Cay. Das Wetter war weiterhin überaus windig und wechselhaft, die Ankerplätze blieben weiterhin unruhig und schaukelig.

    Ammenhaie bei Highborne Cay Marina.

    Nach dem Durchzug einer weiteren Kaltfront aus dem Norden sollte sich, gemäß aller Wettermodelle, ein mehrere Tage andauerndes Wetterfenster für unsere Überfahrt in die USA öffnen. Das wollten wir nicht verpassen und verließen die Exumas deshalb schneller als ursprünglich angedacht. Am 26 April überquerten wir vom Beacon Cay aus die Yellow Banks nordwärts zum Fleming Channel und segelten von dort gleich weiter, über den Northwest Providence Channel und durch den North Bar Channel in die Gewässer um Marsh Harbour, wo wir vor Hope Town vor Anker gingen. Der Ort war uns von der Crew der Gratitude wärmstens empfohlen worden und wir waren froh dem Tipp gefolgt zu sein. Für uns war Hope Town die schönste Ortschaft der Bahamas, die wir gesehen haben.

    Hope Town.

    Eine schöne, um ein natürliches Hafenbecken gelegene, geschlossene Ortschaft ohne Autoverkehr, die Häuser in unterschiedlichen, freundlichen Pastelltönen gestrichen, gemütliche Kneipen und ein echter, von Riffen geschützter, großer Sandstrand auf der Atlantikseite. Auch wenn noch nicht alle Schäden, die Hurricane Dorian (2019) angerichtet hatte, beseitigt sind, ist der Wiederaufbau des damals weitgehend zerstörten Orts fast abgeschlossen. Was auf den ersten Blick nicht erkennbar ist, sind die Schicksale der Menschen, die hier lebten. Viele sind immer noch nicht zurückgekehrt, viele werden nie zurückkehren, auch weil sie es sich schlicht nicht mehr leisten können, denn Preise für Grund, Boden und Wohnen sind für die arbeitende Bevölkerung kaum mehr erschwinglich. Der Besitzer des Vernon‘s Grocery weiß einiges darüber zu erzählen.

    Leguane auf Allan’s Cay

    Unser Wetterfenster blieb bestehen und versprach, bei Abreise am Freitag, 6 Tage günstige Winde für unseren 500-600-Meilen-Törn nach Morehead City, NC. Deshalb hieß es Abschied nehmen, von Hope Town und den Bahamas. Wir verlegten mit einem kurzen Ausklarierungs-Stopp in Marsh Harbour zum Man-O-War Cay, von wo aus wir, durch den gleichnamigen Channel, in die USA aufbrachen.
    Was uns noch in guter Erinnerung bleibt: Ein wunderschönes Picknick am Strand von Hope Town, der Fang eines kolossalen Mahi-Mahi nach passieren des Fleming Channels und die Berge Fischfilets, die es daraufhin zu verspeisen gab.
    Und zu den Bahamas allgemein? Die Farben des Wassers, das leuchtende Türkis und Blau, das Wasser, das vielerorts so klar wie Glas ist, die leeren Strände und Buchten der Outer Islands, das warme Wasser, Kokosnüsse, selbst gepflückt.
    Bilder sagen mehr als Worte, du findest sie im Fotoalbum…