Monat: März 2022

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    Auf zu den Bahamas!

    Anfahrt auf Great Inagua, Bahamas

    Am 18. März sagten wir Samaná und der Dominikanischen Republik Adieu. Die Vorhersage versprach günstige Winde bis Great Inagua, unserem nächsten und erstem Ziel auf den Bahamas. Der Überlegung, mit Luperon als Zwischenstopp im Norden der D.R. die 300 Meilen-Überfahrt zu halbieren, folgten wir nicht. So schön die Landschaft und Natur der Dominikanische Republik auch sein mag, so freundlich, sicher und offen wir Santa Barbara de Samaná auch kennen gelernt hatten, so bedrückend waren auch die Begleiterscheinungen unserer Konsumgesellschaft, der allgegenwärtige Dreck und Müll und die von der Pandemie noch verstärkte Armut und Kriminalität, die wir zum Glück nur während eines Ausflugs nach Santo Domingo und in Gesprächen mit anderen Seglern wahrnahmen. Dieses latent vorhandene Gefühl, nicht hierher zu gehören und nichts zur Verbesserung der Zustände beitragen zu können, war eines der Gründe in einem Rutsch zu den Bahamas weiter zu reisen.
    Am Morgen machten wir unsere, für die Einreise auf die Bahamas erforderlichen Antigentests, meldeten uns bei Immigration ab und versuchten unser Despacho bei der Armada abzuholen. Letzteres verzögerte sich dann allerdings um 4 Stunden, der Comandante ließ niemanden aus der Bucht von Samana auslaufen, weil Seegang und Wind zu stark waren. Draußen, im Schutz der Isla Levantada ah man die Flotte der Ausflugsboote den Starkwind abwettern. Da fiel es leicht, der Entscheidung zuzustimmen. Nach Mittag hatte sich der Wind wieder etwas beruhigt und es konnte losgehen, natürlich erst nach der Überprüfung der Seetüchtigkeit unseres Schiffes und der Fotodokumentation derselben, durch einen Offiziellen der Armada.
    Der Weg aus der Bucht von Samana heraus und weiter bis hinauf zum Cabo Samaná waren wie erwartet langwierig und unangenehm, dann konnten wir aber abfallen, alsbald die Passatbäume riggen und im weiteren Verlauf mit achterlichem und abnehmendem Wind und Welle den Bahamas entgegen segeln.

    Einklariert!

    Matthew Town, den Einklarierungshafen auf Great Inagua, erreichten wir nach drei Nächten am Montagvormittag des 21. März. George, der Port Captain erklärte auf Kanal 16, bei seiner morgendlichen Funkrunde, den Ablauf des Einklarierens. Ausgestattet mit Health-Visa, Schiffspapieren und Notebook ging es dann an Land, schlappe vier Stunden später mit gestempelten Pässen, SIM-Karte, Bargeld und 430 BS$ weniger, wieder zurück an Bord. Noch flugs Q-Flagge gegen Gastlandflagge getauscht und wir waren angekommen.
    Great Inagua bietet, trotz seiner Größe, relativ wenig. Morton Bahamas Ltd. betreibt als einer der global größten Salzproduzenten die Salinen der Insel, es gibt 60.000 Pink Flamingos, 1500 Einwohner und einen bedeutenden, für Besucher offenen Leuchtturm, das Feuer Great Inagua.

    Pause mit zwei kühlen Kaliks

    Letzteres besuchten wir am Dienstag, genossen anschließend ein kühles Kalik, das Bier der Bahamas, ergänzten unsere Vorräte mit Grill- und Frischware und verlegten am Nachmittag in die Man-of-War Bay im Nordwesten der Insel, denn das Ankerfeld vor Matthew Town war doch sehr unruhig.
    Zwei Nächte blieben uns noch, eine aufziehende Kaltfront würde bald für unsichere Bedingungen an den Ankerplätzen der Insel sorgen. Die wollten wir lieben auf Crooked – oder Acklins Island abwettern.
    Unsere ersten Eindrücke der Bahamas haben wir wie immer in Bildern festgehalten. Du findest sie im Fotoalbum.

    Vor Anker in der Man of War Bay, Great Inagua.

    Revierinfo, Stand März 2022: Noch erforderlich für die Einreise, ist ein Health Visa. Wird von Immigration geprüft. Customs erwartet die Verwendung des Click2Clear-Verfahrens. Geht vorab, oder vor Ort. Wir erledigten es auf unserem Notebook im WLAN des Port-Captain, der als Facilitator gern half. Nach der Online-Zahlung erstellt Customs die Cruising-Lizenz und bringt sie zum Hafen. Der Supermarkt im Ort ist recht gut sortiert und hat auch Obst und Gemüse. Es gibt um die Ecke einen Fleischer, alle Ware ist tiefgekühlt. Ein Bäcker liefert Brot auch zum Hafen (Richard, Tel. +1-242-435-0300).

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    Samaná

    Zwischen Puerto Rico und der Dominikanischen Republik liegt die Mona-Passage. Bläst es mit über 15 Knoten, kann es dort sehr ungemütlich werden, wie viele Cruiser berichten. Unser Wetterfenster war gut gewählt, unter vollem Tuch, teilweise auch unter Passatsegel wurde es eine der angenehmeren Überfahrten. Gleich mehrmals konnten wir kleinere und größere Gruppen Wale beobachten, mal weiter entfernt, mal auch ganz nah. Sie sind zu dieser Jahreszeit eine der Touristenattraktionen im Nordosten der D.R..

    Abendliche Anfahrt auf Samaná.

    Die Anfahrt auf Samaná beeindruckt mit spektakulärer Kulisse. Üppige Vegetation bedeckt die steilen Ufer bis zum Meer, Palmen ohne Ende, dazwischen kleine Strände, menschenleer, das Hinterland bergig und ebenfalls von dichtem Grün bedeckt. Wir erreichten Puerto de Santa Barbara de Samana, so der vollständige Name, mit Sonnenuntergang. Riffe und die Insel Cayo Vigio bilden einen ausreichen geschützten Naturhafen, in dem sich eine kleine, wechselnde Seglergemeinschaft zusammengefunden hat. Am nächsten Morgen stellte sich Luis vor, der den Einklarierungsprozess organisiert und begleitet und als Ansprechpartner für die Dauer des Aufenthalts zur Verfügung steht.

    Samaná!

    Samaná ist eine geschäftige Kleinstadt. Touristen sind nur wenige unterwegs. Dafür um so mehr Mopeds, auf denen manchmal sogar eine vierköpfige Familie Platz findet. Mutige können auf Taximopeds mitfahren, Profis, mit ihrem Einkauf auf dem Schoß, sitzen seitwärts hinterm Fahrer. Andere Welt, halt.
    Es ist günstig, hier in Samaná. Vom Lunch für umgerechnet 3 EUR, über die Ananas für 80 Cent, bis zum Mojito für 4 EUR, entlastet die D.R. die Bordkasse.
    Paradiesisch ist es deshalb trotzdem nicht. Dafür sorgen insbesondere der überall herumliegende und letztlich im Meer landende (Plastik)Müll, die mit ablaufendem Regen ungeklärt in die Bucht strömende Abwässer und die vielerorts ungenügenden hygienischen Zustände. Auch die Bürokratie, mit der wir Segler in Berührung kommen, treibt so ihre Blüten. Da dagegen Widerstand bekanntlich zwecklos ist, spielen wir geduldig mit.

    Nationalpark Los Haitises

    Absolutes Highlight ist der im Süden der Bahia de Samaná liegende Nationalpark Los Haitises. Ausgestattet mit dem erforderlichen Despacho der Armada darf man dort vier Tage die beeindruckende Küste mit ihren Mangrovenwäldern, dichtem Regenwald und reicher Fauna mit Schiff und Dinghy entdecken. Es regnete häufig, als wir da waren, wir werden die einzigartige Natur dort aber sicher in guter Erinnerung behalten, wie leider auch den Plastikmüll, der selbst in den entlegensten Ecken zu finden ist.
    Auch neue Freundschaften werden wir aus Samana mitnehmen. Beim gemeinsamen Pizzaessen lernten wir viele nette Crews kennen, von denen wir, auf unserem Weg nach Norden, sicherlich die eine oder andere wieder treffen werden.

    Vor Anker im Nationalparkt Los Haitises

    Mehr Bilder aus Samaná und Los Haitises findest Du wie immer im Fotoalbum.

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    Puerto Rico, „Reicher Hafen“

    Unsere Nachbarn am Ankerplatz, die bereits sein einer Woche von Fajardo aus die Insel erkundeten, boten uns ihren Mietwagen zur Übernahme an, ein Angebot, welches wir nicht ausschlagen konnten. Die Mietwagenfirma Thrifty hat ihren Sitz übrigens gleich um die Ecke, im Fajardo Inn. Wir nutzten die gewonnene Mobilität zum Erkunden des Nordostens Puerto Ricos. Insbesondere dem El Yunque National Forest wollten wir besuchen. Verkehr, Malls und Shopping Center gibt es, typisch amerikanisch, mehr als genug. Das Aufstocken der Vorräte für die Bahamas, die ja als teuer verrufen sind, hatten wir entsprechend schnell abgehakt.

    Regenwald im „El Junque“

    Der El Yunque Regenwald war seine Reise wirklich wert, wenn auch die ohne Reservierung begehbaren Wege für eine echte Wanderung viel zu kurz sind. Im Besucherzentrum konnten wir uns aber auch so einen guten Überblick verschaffen. Die PR-988 ist gut befahrbar, auf dem Weg zum Angelito Trail Head fuhren wir durch tiefsten Regenwald. Beeindruckend. Nicht alle Straßen durch den El Yunque sind so gut in Schuss. Die Anfahrt zum El Toro Trail Head über die PR-186 brachen wir ab, die Straße, wenn man sie so bezeichnen will, ist mehr etwas für Geländegängige Mietwagen. Mit Wanderungen ist es überhaupt nicht so weit her, auf Puerto Rico. Wir starteten noch einen Versuch in Richtung Leuchtturm Faro Las Cabezas am nordöstlichsten Zipfel der Insel, mussten jedoch feststellen, dass der den Leuchtturm umgebende Naturpark gesperrt ist. Es werden noch Hurricaneschäden beseitigt. Wir entschieden uns deshalb für eine vorzeitige Rückgabe des Mietwagens und eine weitere Erkundung Puerto Ricos von See aus.
    Was sich alsbald als gute Entscheidung herausstellen sollte. In der wunderschönen Küste Puerto Ricos liegt der eigentliche Reichtum der Insel.

    Sun Bay Beach, Vieques

    Unsere Route führte uns zunächst nach Vieques, wo wir in der Sun Bay, später vor Esperanza, vor Anker gingen. Von Sun Bay Beach erreicht man recht einfach die Bahia Bioluminiscente, bzw. Mosquito Bay, eine der weit über die Insel hinaus bekannten Attraktionen der Insel. Unser Timing war etwas unglücklich, wir lagen ausgerechnet zu Vollmond vor Sun Bay Beach, wo das Leuchten der Dinoflagellaten Pyrodinium hahamense genannten Einzeller im Licht des Mondes nur zu erahnen ist.
    Esperanza – gleich um die Ecke – ist ein herrlich entspanntes Örtchen, mit einer gepflegten Strandpromenade, wie wir sie bisher in der Karibik noch nicht gesehen hatten.
    Von Esperanza aus segelten wir dann wieder nach Westen, entlang der Südküste Puerto Ricos. Wir stoppten im Jobos Bay National Estuarine Research Reserve, so der offizielle Name, in Salinas, vor der Isla Caja de Muertos und Gilligan‘s Island.

    „Strandpromenade“ von Esperanza, Vieques

    Die Jobos Bay ist ein rießiges Mangrovengebiet, Schutzgebiet und Zuhause für Manatees und leider auch Spielwiese für zahlreiche, jegliche Geschwindigkeitsbegrenzung ignorierende Jetski-Raser. Letztere wohl verantwortlich dafür, dass man Erstere kaum zu sehen bekommt. Nur am Morgen, bei Windstille, sahen wir die eine oder andere Nase aus der Ferne beim Luft holen aus dem Wasser ragen.
    Salinas ist ein gut geschützter Naturhafen am westlichen Rand des Jobos Bay Mangrovengebiets. Ursprünglich wollten wir von Salinas aus noch einmal mit dem Mietwagen in die Berge Puerto Ricos, um eine Kaffeeplantage zu besuchen. Nachdem jedoch hirnlose Idioten in absoluter Dunkelheit mit ihrem Powerboot in 900PS-Gleitfahrt und mit Jetski im Gefolge durchs Ankerfeld heizten, strichen wir das Vorhaben ersatzlos und ergriffen die Flucht.

    Im Mangroven-Delta der Jobos Bay

    Die Isla Caja de Muertos (engl. Coffin Island) entschädigte Tags darauf mit herrlichem Sandstrand und Einsamkeit. Zeitweise hatten wir die Insel ganz für uns alleine. Highlight war die Wanderung auf den ehemaligen Leuchtturm der Insel.
    Gilligan‘s Island war ebenfalls ein lohnender Stopp. Ausgedehnte Riffe und Inseln schirmen den Ankerplatz völlig von Welle und Dünung ab und verwöhnten uns mit zwei sehr ruhigen Nächten. In der Kneipe San Jacinto, gleich um die Ecke, gibt es traditionelle karibische Küche, günstig und sehr lecker!

    Einsamer Traum-Ankerplatz vor Coffin Island

    Unsere letzte Etappe führte uns dann nach Puerto Real, wo uns die Marina Pescaderia mit perfektem Service, großer Freundlichkeit und Unterstützung überraschte und begeisterte. Als Ankerlieger, wohlgemerkt. Vom Dinghy-Anleger über Waschmaschine, Seglertreff und Mietwagen vor Ort bleiben keine Wünsche offen. Diana leitet zurzeit das Team dort und die kleine Gebühr von 10 US-$ ist absolut angemessen. Über das Marina-Büro klarierten wir am 28. Februar aus Puerto Rico aus, und machten uns bei guter Wettervorhersage am 28. Februar auf den Weg über die Mona-Passage in die Dominikanische Republik, Ziel Santa Barbara de Samaná.

    Mehr Bilde findest Du wie immer im Fotoalbum.