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    Von Beaufort nach Beaufort

    Die Wetterlage, die über einen längeren Zeitraum nördliche Winde entlang der Ostküste brachte, erwies sich als beständig. Wir wollten sie nicht ungenutzt lassen und verließen Beaufort, NC, am 16. November, mit Kurs auf Charleston, SC.

    Füllte der Wind zunächst gerade so die Segel, frischte er im Verlauf des Tages zunehmend auf und bescherte uns vor Cape Fear eine jener Nächte, auf die man gerne verzichten würde: Stockfinster und eisig kalt, zeitweise 27 kts Wind, raue und steile See, die immer wieder übers Deck klatschte und teilweise von Hand ausgesteuert werden musste. Nach Sonnenaufgang beruhigte sich das Ganze wieder und konstante 3-4 bft brachten uns schließlich zügig bis Charleston, wo wir gegen Mittag eine knappe Meile südöstlich des Safe Harbor Charleston City vor Anker gingen. Vom Ankerplatz gegenüber der Marina wird in vielen Kommentaren gewarnt, zu unrein sei der Grund. Mit Beiboot dauert die Überfahrt zum Dinghy-Dock dann eben etwas länger, ist aber noch machbar.

    Die Marina selbst ist etwas heruntergekommen, ein Eindruck, der durch einige Wracks vor Anker noch verstärkt wurde und der sich in der Stadt weiter verfestigte. Wir hatten schon attraktivere Städte besucht.

    Schon am Sonntag, 20. November, verließen wir deshalb den Ankerplatz mit Ziel Beaufort, diesmal Beaufort, SC. Wir zogen es vor, die Etappe über den Atlantic Intracoastal Waterway (AICW) zu segeln, die Erinnerung an die letzte Überfahrt war noch zu präsent. Rund zwei Meter Tide strömen durch die Flüsse und Kanäle des Lowcountry, sie reichen über 20 Meilen landeinwärts und sind prägendes Merkmal der Küste von South Carolina. Mit einem Ankerstopp im South Edisto River erreichten wir am zweiten Tag der Etappe Beaufort, am gleichnamigen River.

    Beaufort, 1711 gegründet, gilt, nach Charleston, als zweitälteste Stadt South Carolinas, ist ein beliebter Ferienort, hat einen bedeutenden Hafen am Sund und war Schauplatz zahlreicher Filme, von denen uns Forrest Gump sicherlich der geläufigste ist. Der Ort ist entsprechend gepflegt, alte Bäume voller spanischem Moos säumen imposante Antebellum-Herrenhäuser oder bilden beeindruckende Alleen. Obwohl uns Beaufort sehr gefiel, wollten wir nicht längere Zeit dort verweilen, denn das Ende der zuvor erwähnten Wetterperiode mit konstanten Nordwinden, ging ihrem Ende entgegen. Bis Florida waren es noch gut 120 Seemeilen, die wollten wir doch gern unter Segel zurücklegen. Am 23. November brachen wir deshalb wieder auf, segelten über den Southeast Channel hinaus auf den Atlantik und setzten Kurs auf den Saint Marys Inlet, ganz im Norden Floridas.

  • Von Washington bis Beaufort

    Washington, North Carolina, liegt am Nordufer des Pamlico River, ca. 25 Meilen westlich des Atlantic Intracoastal Waterway (AICW). Die Stadt wurde 1776 gegründet und war die erste Stadt in den USA, die nach dem ersten Präsidenten, George Washington, benannt war. Heute ist es Verwaltungssitz des Beaufort County, hat rund 10.000 Einwohner und es geschafft, seine teils historische Downtown als attraktives, buntes und lebendiges Stadtviertel zu erhalten. Daran hat die lange Uferpromenade sicherlich ihren Anteil. Sie lockt mit ihren zahlreichen kostenlosen Anlegemöglichkeiten sowohl die Locals aus den Umliegenden Siedlungen, als auch Cruiser von Nah und Fern in die Stadt, so wie auch uns.

    Der Umweg vom AICW hat sich für uns gelohnt. Die im Internet ausgelobte Attraktivität Washingtons können wir voll bestätigen. Die Promenade lädt zum Spazieren ein, die Gastronomie ist vielfältig und im Umfeld der Mall gibt‘s sowohl einen Walmart, als auch einen Foodlion, mit dem üblichen umfangreichen Angebot. Wir hatten auch einige Ersatzteil-Lieferungen hierher bestellt, die bei Post Code Junction auf uns warteten.

    Die Konditionen der Städtischen Anleger kann man im Internet abrufen, auch als Ankerlieger durften wir ausdrücklich Toiletten, Duschen und Waschmaschine mitbenutzen.

    Auch wetterten wir in der einen Woche vor Ort auch die Ausläufer des späten November-Hurricanes Nicole am Anker ab. Mit Böen in den unteren Dreißigern für uns nicht dramatisch, dennoch ging ein anders, unbesetztes Boot, mitsamt Anker auf Drift in Richtung Uferpromenade, wo es von anderen Seglern von Land aus erfolgreich eingefangen werden konnte.

    Am 13. November setzte sich hinter dem ehemaligen Hurricane eine Nordströmung durch, die wir nutzten, um von Washington aus unsere Reise in den Süden fortzusetzen. Herrliches Segeln, zunächst den Pamlico River hinunter, dann durch den Hobucken Canal bis in den Neuse River nach Oriental. Erreichten wir zwar nicht mehr bei Tageslicht, mit Radar und Leuchte fanden wir im noch vom Frühjahr bekannten Hafen dennoch ein Ankerplätzchen.

    Unser Plan war es, ein, zwei Tage in Oriental zu bleiben. Der Nordwind blieb jedoch auch am nächsten Tag so stabil, dass wir die für den AICW seltene Gelegenheit, längere Strecken unter Segel zurück legen zu können, nicht ungenutzt lassen wollten. Und so gingen wir gleich am nächsten Morgen, bei knackigen 5°C Temperatur wieder Anker auf und segelten (!) über via Neuse River, Adams und Core Creek nach Beaufort.

    Beaufort ist ein wichtiger Zwischenstopp für Freizeitboote auf ihrem Weg in den Süden, egal ob über den AICW oder – aufgrund der Masthöhe – nach Umfahrung von Cape Hatteras und Lookout. Entsprechend voll ist es zurzeit auf dem Ankerfeld gegenüber der Uferpromenade von Beaufort.

    Uns bieten sich nun zwei Alternativen, für die Weiterfahrt in den Süden: Weiter auf dem AICW, oder hinaus auf den Atlantik und auf direktem Weg zu interessanten Zwischenstopps, wie Wilmington (NC), Charleston (SC), Savannah (GA) oder Jacksonville (FL). Wir werden berichten.

    Mehr Bilder zum Bericht findest du wie immer im Fotoalbum.